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Zwei Theorien des Erkenntniswandels: Mill und Hegel

  • Paul K. Feyerabend
Part of the Wissenschaftstheorie Wissenschaft und Philosophie book series (WWP, volume 2)

Zusammenfassung

Der Gedanke, daß eine pluralistische Methodologie sowohl für den Erkenntnisfortschritt als auch für die Entwicklung der menschlichen Individualität notwendig sei, wurde von J. S. Mill in seinem bewundernswerten Essay „On Liberty“ diskutiert. Dieser ist nach Mill „eine Art philosophisches Lehrbuch über eine einzige Wahrheit, und die Änderungen, die in unserer modernen Gesellschaft in immer größerem Ausmaß stattfinden, haben die Tendenz, diese Wahrheit immer deutlicher hervortreten zu lassen: sie liegt in der Bedeutung, die eine große Verschiedenheit von Charaktertypen für Mensch und Gesellschaft hat, wenn man nur der menschlichen Natur volle Freiheit gibt, sich in zahllosen und einander widersprechenden Richtungen auszudehnen“1. Die Vielfalt ist nowendig für die Entstehung „wohlentwickelter Persönlichkeiten“ (S. 258)1a wie auch für den Fortschritt der Kultur. „Was hat die europäische Völkerfamilie zu einem sich vorwärtsentwickelnden und nicht sich gleichbleibenden Teil der Menschheit gemacht? Keine besondere Fähigkeit, die, wenn vorhanden, die Wirkung und nicht die Ursache wäre, sondern ihre bemerkenswerte Vielfalt von Kultur und Charakter. Individuen, Klassen, Völker sind sehr verschieden voneinander: sie haben eine große Vielfalt von Wegen gebahnt, deren jeder zu etwas Wertvollem hinführt; und wenn auch jene, die verschiedene Wege gingen, einander nur wenig Tolerenz zeigten und es für gut gehalten hätten, hätte man jedermann sonst in ihre eigene Richtung gezwungen, so hatten doch ihre Versuche, einander zu behindern, nur selten dauernden Erfolg, und jede Tradition blieb erhalten und empfing die Güter, die ihre Rivalen zu bieten hatten.

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Literatur

  1. 38.
    F. Engels, Anti-Dühring, Abschn. 13, vorl. Abs. (Marx-Engels, Werke, Berlin 1962, Bd. 20, S. 132 ); Hervorhebung von mir. Ich zitiere Engels, Lenin, Mao und ähnliche Denker statt der üblichen Sammlung hegelianischer oder antihegelianischer Gelehrter, denn jene haben sichGoogle Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1981

Authors and Affiliations

  • Paul K. Feyerabend

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