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Kunstwissenschaft, Formengeschichte, Weltanschauung

  • Michael Mönninger

Zusammenfassung

Die Methode und Lehre der Mitte des 19. Jahrhunderts an der Wiener Universität entstandenen kunstgeschichtlichen Forschung, der sogenannten Wiener Schule der Kunstgeschichte, hatte auch auf Sitte großen, wenn auch nur indirekt nachweisbaren Einfluß. Expliziten Bezug nahm er einzig auf Rudolf von Eitelberger (1819–1885), der mit seinen von 1871 an herausgegebenen Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance zum Wegbereiter der Wiener Schule wurde.1 Eitelberger lehnte die theoretisch-systematischen Lehrgebäude in der Tradition der Kunstgeschichte Winckelmanns ab und konzentrierte sich auf das Studium der Einzelkunstwerke. Im neugeschaffenen Fach »Kunstgeschichte« wurde Eitelberger 1852 Professor an der Wiener Universität. Sein Aufstieg zu einer Zentralfigur des österreichischen Kunstbetriebs hing eng mit dem 1864 von ihm gegründeten »Österreichischen Museum für Kunst und Industrie« und der 1866 angegliederten neuen Kunstgewerbeschule zusammen.2 Zur Förderung aktueller Kunst, vor allem des damals noch wenig gewürdigten Kunstgewerbes, baute Eitelberger im Museum eine Vorbildersammlung mit Objekten aus dem historischen und zeitgenössischen Kunstgewerbe auf. Bis zu seinem Tode 1885 hielt er an der Universität »Übungen im Erklären und Bestimmen von Kunstwerken« ab und begründete die Verflechtung der Universitätslehre mit der Arbeit in Museen und in der Denkmalpflege. Eitelbergers Quellenkunde und Quellenkritik, seine Aufmerksamkeit auf methodologisch-ästhetische Fragen zur Ausbildung kunstwissenschaftlicher Lehrmethoden und die Universalität seiner Themen von der mittelalterlichen Kunst bis zur zeitgenössischen Volkskunst wurden in den Arbeiten der Wiener Schule zu einer der ausgeprägtesten Richtungen der neueren Kunstgeschichte weiterentwickelt.3

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. Julius von Schlosser, Die Wiener Schule der Kunstgeschichte, in: Mitteilungen des österreichischen Instituts für Geschichtsforschung. Ergänzungs-Band XIII, Heft 2, Innsbruck 1934, S.143228. Über Eitelberger, das Österreichische Museum und die Kunstgewerbeschule siehe Gottfried Fliedl, Kunst und Lehre am Beginn der Moderne. Die Wiener Kunstgewerbeschule 1867–1918. Salzburg und Wien 1986, S. 58–88Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Elisabeth Springer, Geschichte und Kulturleben der Wiener Ringstraße. Wiesbaden 1979, S. 263 f. Vgl. auch Gottfried Fliedl, a.a.O.Google Scholar
  3. 3.
    Über die Wiener Schule vgl. auch Udo Kultermann, Die Geschichte der Kunstgeschichte. Der Weg einer Wissenschaft. Wien 1966, S. 278 ff. Eine grundlegende Einordnung der Wiener Schule unternimmt Karl Clausberg durch den Nachweis ihrer Wurzeln im vorempirischen formalistischen Herbartianismus. Den Herbartianismus beurteilt Clausberg allgemein als »eines der zentralen Basis-Plateaus, von denen aus Ästhetik und Kunstwissenschaft, aber auch Psychologie und Sinnesphysiologie, Pädagogik und Soziologie… im Laufe des 19. Jahrhunderts ihre Aufstiegsrouten zu den Gipfelzielen exakter, positiver Wissenschaftlichkeit und avantgardistischer Kunsttheorie einschlugen«. K.C., Wiener Schule — russischer Formalismus — Prager Strukturalismus, in: IDEA. Jahrbuch der Hamburger Kunsthalle. Hg.von Werner Hofmann und Martin Warnke. München und Hamburg 1983, S. 151–180, Zitat S. 154. Auch in dieser Hinsicht könnte eine Auslegung von Sittes Gedankengebäude fruchtbar sein.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. William M. Johnston, Österreichische Kultur-und Geistesgeschichte. Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848 bis 1938. (1972). Wien/Köln/Weimar 1992, S. 161 fGoogle Scholar
  5. 5.
    Ein Auszug der Rede wurde im Neuen Wiener Tagblatt veröffentlicht: Eitelbergers Leichenbegängnis, NWT v. 20.4.1885, Inv.-Nr. 162. Aufschlußreicher als diese emphatische und gefühlsbetone Ansprache ist aber Sittes unten erwähnter Nachruf in der »Neuen Illustrierten Zeitung«.Google Scholar
  6. 6.
    C.S., Rudolf v. Eitelberger, Neue Illustrierte Zeitung, April 1885, Inv.-Nr. 163. Alle folgenden Zitate ebd.Google Scholar
  7. 7.
    Sittes Kritik an Kugler dürfte auch davon herrühren, daß sich dieser ablehnend gegenüber Semper im damaligen Polychromie-Streit (vgl. S. 165 ff) geäußert hatte. Franz Theodor Kugler (1808–1858) war Kunsthistoriker in Berlin und Kunstreferent im Preußischen Kultusministerium. Seine umfassenden Handbücher zur Kunstgeschichte waren mit Rücksicht auf ein breiteres Lesepublikum in großen Übersichten geordnet. Ein historisch-genetisches Entwicklungsmodell lehnte er zugunsten kunstimmanenter Betrachtungen ab. Über Kugler vgl. L. Koschnick, Friedrich Kugler als Kunstkritiker. Berlin 1985. Über den Streit zwischen Semper und Kugler, vgl. Heidrun Laudel, Gottfried Semper, Architektur und Stil. Dresden 1991, S. 60 fGoogle Scholar
  8. 8.
    Gottfried Fliedl, Kunst und Lehre am Beginn der Moderne, a.a.O., S. 60Google Scholar
  9. 9.
    Im Sitte-Archiv befindet sich eine einzige übergreifende Schrift mit dem Titel »Vorträge über Geschichte der Baustyle« aus den Jahren 1883–1884. Inv.-Nr. 256. Es steht zu vermuten, daß Sitte sie als Antrittsvorlesung nach seinem Wechsel von der Salzburger zur Wiener Staatsgewerbeschule 1883 verfaßt hat. Die 191 Seiten starke, handschriftlich verfaßte und mit zahlreichen Handzeichnungen Sittes versehenen Vortragssammlung ist in folgende Kapitel eingeteilt: Die Altägyptische Bauweise; Die Assyrisch-Babylonische Bauweise, Die Bauten der Perser, Die Baukunst der Griechen; Die Baukunst der Römer. Eine Auswertung dieser bislang nirgends dargestellten Vorträge muß im Rahmen einer Analyse von Sittes Schriften über Architektur und Städtebau geschehen.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. Heinrich Sines Beschreibungen des übervollen Tagewerks seines Vaters, in: H.S., Camillo Sitte, in: Neue Österreichische Biographie, VI. Band. Wien 1929, S. 143Google Scholar
  11. 11.
    C.S., Brief an Rudolf von Eitelberger v. 19.1. 1876. Fundort Handschriftensammlung der Wiener Stadt-u. Landesbibliothek, Signatur I.N.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. das Exposé dieses geplanten Geschichtswerkes im Brief an Ferdinand von Feldegg im Anhang, S. 198 ffGoogle Scholar
  13. 13.
    Sittes in der vorliegenden Arbeit nicht dargestellten Schriften behandeln Porzellanherstellung, Schmiedekunst, Majolika, Typographie und Restaurierungstechniken. Ihre Analyse muß kunsttechnischen und handwerksgeschichtlichen Untersuchungen vorbehalten bleiben.Google Scholar
  14. 14.
    Diese Formulierung hat Sitte in seiner Studie über den Möbelbau geprägt, vgl. S. 164 fGoogle Scholar
  15. 15.
    C.S., Erneuerung alter Ledertechnik bei Bucheinbänden, Salzburger Gewerbeblatt, 1. Jg. 1877. Nr. 1,2,3,4,5,6. Inv.-Nr.402. Zitat Nr. 1, S.2. Entgegen dem Titel benutzt der Aufsatz die Themen Bucheinbände und Ledertechnik nur als Aufhänger, um sich desto ausführlicher der zeichnerischen Ornamentgeschichte zu widmen. Diese merkwürdigen rhapsodischen Gedankengänge, die sich völlig vom selbstformulierten Thema entfernen, finden sich auch bei Semper, der in seiner erwähnten Besprechung der Londoner Weltausstellung Wissenschaft, Industrie und Kunst nebenbei sein komplettes volkspädagogisches Programm aufstellt. Ähnlich enthält Sempers Schrift Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architektur und Plastik bei den Alten (Altona 1834) nebenbei sein politisch-republikanisches Glaubensbekenntnis sowie Grundlegungen zu seiner Formengeschichte. Solche Themenverfehlungen— aus Gründen der Zensur oder anderer Publikationsabsichten— sind m. E. diskurstheoretisch noch nicht genügend erforscht.Google Scholar
  16. 16.
    C.S., Ledertechnik, a.a.O., Nr. 5, S. 35Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Sittes Rückkehr zum Ursprungsmythos, S. 168 fGoogle Scholar
  18. 18.
    C.S. Ledertechnik, a.a.O., Nr. 6, S. 41Google Scholar
  19. 19.
    Michael Müller, Die Verdrängung des Ornaments. Zum Verhältnis von Architektur und Lebenspraxis. Frankfurt am Main 1977, S. 26 ffGoogle Scholar
  20. 20.
    Eine der bekanntesten ornamentkritischen Formulierungen Sempers beschreibt die Entwertung nicht nur des Dekors, sondern auch der Materie: »Wohin führt die Entwertung der Materie durch ihre Behandlung mit der Maschine, durch Surrogate für sie und durch so viele neue Erfindungen? Wohin die Entwertung der Arbeit, der malerischen, bildnerischen oder sonstigen Ausstattung, veranlaßt durch die nämlichen Ursachen? Ich meine natürlich nicht ihre Entwertung im Preise, sondern in der Bedeutung, in der Idee. Ist das neue Parlamentshaus in London nicht durch die Maschine ungenießbar gemacht worden? G.S. Wissenschaft, Industrie und Kunst. Vorschläge zur Anregung nationalen Kunstgefühles. Braunschweig 1852, in: G.S., Wissenschaft, Industrie und Kunst und andere Schriften über Architektur, Kunsthandwerk und Kunstunterricht. Mainz/Berlin 1966. S. 37Google Scholar
  21. 21.
    C.S., Ledertechnik, a.a.O., Nr. 1, S. 3.ebd.Google Scholar
  22. 23.
    Vgl. G. Semper, Kleine Schriften. Hg. von Manfred und Hans Semper. Berlin/Stuttgart 1884, S. 274 fGoogle Scholar
  23. 24.
    Vgl. G. Semper. Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten oder praktische Ästhetik. Ein Handbuch für Techniker, Künstler und Kunstfreunde. Band 1: Die textile Kunst. (Frankfurt a. M. 1860). Mittenwald 1977, S. 77 f. Vgl. auch Joseph Rykwerts Exkurs über diese Begriffe im Zusammenhang mit der »Not« im Wagner-Kapitel, S. 92Google Scholar
  24. 25.
    A.a.O., Nr. 2, S. 10Google Scholar
  25. 26.
    A.a.O., S. 11Google Scholar
  26. 27.
    C.S., Ledertechnik, a.a.O., Nr. 2, S. 11Google Scholar
  27. 28.
    A.a.O., Nr. 3, S. 17Google Scholar
  28. 29.
    C.S., Die Ornamentik des Islam, Österreichische Monatsschrift für den Orient, 15. Jg., Wien 1889, Inv.-Nr. 193. Dort beschreibt er, wie nach dem Zerfall des römischen Reiches sich auch die Kunstrichtungen entzweiten: Im Osten sei der byzantinische und im Westen der romanische Stil entstanden. Der Osten habe die ornamentale Flächendekoration entwickelt, die in der textil-musivischen Teppichkunst gipfelte, während die romanisch-gotische Ornamentik zur geschlossenen Stileinheit des Maßwerkmotives geführt habe. Die Renaissance habe dann zunehmend orientalische Orna-mentik adaptiert, was schließlich im Rokoko gipfelte, das für Sitte ein im Abendlande auferzogener Sprößling des Orients ist.Google Scholar
  29. 30.
    C.S., Ledertechnik, a.a.O., Nr. 4, S. 26Google Scholar
  30. 31.
    A.a.O., Nr. 5, S. 34Google Scholar
  31. 32.
  32. 33.
    A.a.O., Nr. 5, S. 35Google Scholar
  33. 34.
    Über Jones’ Kunstreform und Sittes Kritik, vgl. S. 169 f. Jones’ Ornamentideal war die Alhambra, weil sie alle Prinzipien einer gelungenen Dekoration vereinige. Diese beschrieb Jones als die gleiche Linienverteilung auf der Fläche, die sternförmige Strahlung vom Mutterstamm, die ununterbroche Kontur und die tangentenförmige Krümmung aller Linien. Am Schluß seines Werkes führte Jones im Kapitel Blätter und Blumen nach der Natur die Gestaltungsgrundlagen der Alhambra auf vegatabilische Formen zurück. Owen Jones, Grammatik der Ornamente. (London 1856). Nördlingen 1987. S. 66, 163Google Scholar
  34. 35.
    Den gleichen Gedanken äußert Sitte wie erwähnt über Semper, bei dem das Bewußtsein an die Stelle der Tradition getreten sei. Vgl. S. 103 ffGoogle Scholar
  35. 36.
    C.S., Schlösser und Schlüssel, Neue Freie Presse, 26.6. 1885, Inv. Nr. 187Google Scholar
  36. 37.
    Sigfried Giedion, Die Herrschaft der Mechanisierung. (1948). Ein Beitrag zur anonymen Geschichte. Frankfurt am Main 1982, S. 75Google Scholar
  37. 38.
    Sigfried Giedion, Raum, Zeit, Architektur. Die Entstehung einer neuen Tradition. (1941). Zürich und München 1976, S. 464 fGoogle Scholar
  38. 39.
    C.S., Schlösser, a.a.O.Google Scholar
  39. 40.
  40. 41.
  41. 42.
    Vgl. Sittes Äußerungen über die »unbewußte Urzeugung« im Brief an Ferdinand v. Feldegg im Anhang, S. 198Google Scholar
  42. 43.
    Vgl. Sempers Ablehnung von Urhütten-Spekulationen S. 102Google Scholar
  43. 44.
    Giedion schreibt, daß sich Schloßtypen »zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kulturen einander ähneln […]. Sie müssen auf einen Archetyp zurückgeführt werden […]. Verfolgen wir diese Ausstrahlungen nach rückwärts, so weisen sie auf ein Zentrum: das innere Asiens.« S. G., Mechanisierung, a.a.O., S. 97 fGoogle Scholar
  44. 45.
    C.S., Die Grundformen im Möbelbaue und deren Entwickelung. Vortrag gehalten im Niederösterreichischen Gewerbevereine. Separat-Abdruck aus der Wochenschrift des Niederösterreichischen Gewerbevereines. Wien 1888. Inv.-Nr. 192. Die Studie kann wissenschaftlichen Ansprüchen vollauf genügen, da Sitte als Grundlage seiner Ausführungen eine Fülle von zeitgenössischen Schriften zur Möbelgeschichte kritisch auswertet und für seine eigene Beweisführung zahlreiche archäologische Möbelzeichnungen heranzieht.Google Scholar
  45. 46.
    Sitte bezieht sich auf Viollett le Ducs »Dictionnaire du mobilier français« (1858–1875), das neben dem zehnbändigen »Dictionnaire raisonné de l’architecture française du XI au XVI siècle (18541868) als dessen Hauptwerk gilt. Viollet-le Duc taucht als Referenz, die allerdings genauso knapp ausfällt wie in der Möbelstudie, auch auf in Sittes Aufsatz: Über Technik und Ausbildung der Rundeisengitter der Renaissance. Vortrag gehalten im Niederösterreichischen Gewerbevereine. Separat-Abdruck aus der Wochenschrift des Niederösterreichischen Gewerbevereines. Wien 1884. Inv.-Nr. 186. Über den Einfluß von Viollet-le-Duc auf Sitte vgl. Daniel Wieczorek, Sitte et Viollet-le Duc, in: Austriaca 12, Mai 1981, S. 21–40Google Scholar
  46. 47.
    C.S., Möbelbau, a.a.O., S. 6Google Scholar
  47. 48.
    In neueren Möbelgeschichten dagegen wird der Zusammenhang mit der Kunstgeschichte gerade im Hinblick auf die Untersuchungsperspektive besonders herausgestellt. Vgl. Adolf Feulner, Kunstgeschichte des Möbels. Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1980, S. 13Google Scholar
  48. 49.
    C.S. Möbelbau, a.a.O., S. 9. Die kulturellen Determinationen von Techniken und sozialen Praktiken, wie sie durch die Semiologie von Roland Barthes bis Umberto Eco zu einem zentralen Untersuchungsfeld der heutigen Kulturgeschichte geworden sind, stellen für Sitte noch kein Thema dar.Google Scholar
  49. 50.
    Auch Feulner spricht von den Grundformen des »Trägers« und des Behälters«, aus denen »durch Weiterentwicklung und durch Kombination alle Möbel entstanden« sind. Vgl. A. Feulner, a.a.O., S. 14. Bei Semper findet sich eine — wie immer durch ebenso große Reichweite wie Detaillierung eher unübersichtliche — Einteilung in »Rahmenwerk«, »Geschränk«, »Stützwerk« und »Gestell«, die nicht nur d ci Möbelbau, sondern die gesamte Tektonik erfassen soll: Vgl. G. Semper, Der Stil, Bd. 1, a.a.O., S. 211Google Scholar
  50. 51.
    ebd., S. 12. Dagegen spricht A. Feulner bei Stuhlbeinen in Form von Tierfüßen nur von der »Symbolisierung der Funktion durch die verwandte Naturform«. A.a.O., S. 15Google Scholar
  51. 52.
    C.S., Möbelbau, a.a.O., S. 12Google Scholar
  52. 53.
    A.a.O., S. 19Google Scholar
  53. 54.
    ebd. Auf die beiden weiteren Hauptformen der Stellagen — Tisch und Bett — geht Sitte nicht ein.Google Scholar
  54. 55.
    Diese interessante Verbindung von mittelalterlichen Haus-und Möbelform findet sich weder bei Semper, Feulner noch bei Giedion. In seiner Kulturgeschichte der Mechanisierung konzentriert sich Giedion stattdessen auf die — von Sitte nur am Rande erwähnte — Frage des mit der Formentwicklung verbundenen jeweiligen Standards an »Komfort« als Ausdruck der jeweiligen Körperkultur einer Zeit. Vgl. Giedion, a.a.O., S. 291 ffGoogle Scholar
  55. 56.
    C.S., Möbelbau, a.a.O., S. 26Google Scholar
  56. 57.
    ebd. Auch A. Feulner sieht aus kunstgeschichtlicher Perspektive die Hauptaufgabe des neuzeitlichen Möbelbaus »in der Ausbildung des Möbels zu einem selbständigen Organismus, in der Durchbildung und rationellen Durchgliederung der Zweckform.« Feulner, a.a.O., S. 55Google Scholar
  57. 58.
    Eine eingehende Darstellung der damaligen Polychromie-Debatte gibt Karl Hammer in seiner Monografie über Jakob Ignaz Hittorf, Stuttgart 1968.Google Scholar
  58. 59.
    C.S., Über Farbenharmonie. Separat-Abdruck aus dem Centralblatt für das gewerbliche Unterrichtswesen in Österreich, Wien 1900. Sitte weist in seiner 32 Seiten starken Druckschrift einleitend darauf hin, daß seine Studie nur auf bereits bekanntem und monographisch besprochenen Material aufbaut. Er führt folgende Werke auf: E. Grosse, Die Anfänge der Kunst, 1884; Grant-Allen, Der Farbensinn, sein Ursprung und seine Entwicklung, 1880; W. Peyer, Über den Farben-und Temperatursinn; Graber, Grundlinien zu Erforschung des Helligkeits-und Farbensinnes der Thiere, 1884; E. Brücke, Physiologie der Farben für die Zwecke der Kunstgewerbe; Theodor Alt, System der Künste; ferner die Autoren E. Guichard; Brugsch; Dörpfeld; G. Loeschke; P.J. Meier; H. Daessel; R. Weil; E. Vurtius; A. Milchhöfer sowie vor allem Hermann von Helmholtz und Owen JonesGoogle Scholar
  59. 60.
    Über die Kirche vgl. George R. Collins, Christiane Crasemann Collins, Camillo Sitte, The Birth of Modern City Planning. New York 1986, S. 25. Im Sitte-Archiv befinden sich sämtliche Entwürfe und Ausführungspläne.Google Scholar
  60. 61.
    Ein Vermächtnis Camillo Sittes. Von Josef Bayer. NWT v. 28.1. 1903. Sitte-Archiv. Keine Inv.-Nr., Konvolut »SN Seefeld«Google Scholar
  61. 62.
    A.a.O.., S. 11Google Scholar
  62. 63.
    A.a.O., S. 12. Sitte macht an dieser Stelle einen schwer verständlichen Exkurs: Helmholtz habe die Young’sche Dreifarbenlehre widerlegt, nach der das Auge drei den Primärfarben entsprechende Rezeptoren besitze, und damit der Vierfarbentheorie von Hering den Weg bereitet. Tatsächlich aber unterstützt Helmholtz in seinem Handbuch der Physiologischen Optik weitgehend Youngs Theorie und mißt Herings Weiterentwicklung nur geringen Wert bei. Vgl. Helmholtz, Handbuch der Physiologischen Optik. (1856–1866). Hamburg und Leipzig 1896 (2. Aufl.), S. 376–382. Aber Sitte bewertet die Vierfarbentheorie, nach der jeweils zwei Rezeptorenpaare die Empfindungen Rot/ Grün und Blau/Gelb vermitteln, als »wahre Erlösung« (S. 12) und zieht daraus weitgehende kunstgeschichtliche Schlüsse. Eine wissenschaftsgeschichtliche Klärung, wie Sittes Darstellung zu verstehen ist, muß den Sinnesphysiologen und Physikern vorbehalten bleiben.Google Scholar
  63. 64.
    Herbert Schnädelbach, Die Abkehr von der Geschichte. Stichworte zum »Zeitgeist« im Kaiserreich, in: Ideengeschichte und Kunstwissenschaft. Philosophie und bildende Kunst im Kaiserreich. Hg. von Ekkehard Mai, Stephan Waetzoldt und Gerd Wolandt. Berlin 1983, S. 38Google Scholar
  64. 65.
    Vgl. S. 171 ffGoogle Scholar
  65. 66.
    C. S., Farbenharmonie, a.a.O., S. 12–13Google Scholar
  66. 67.
    Gottfried Semper, Der Stil, a.a.O., Bd. 1, S. 218Google Scholar
  67. 68.
    Vgl. Sittes Arbeitsprogramm im Brief an F. v. Feldegg 1899, S. 198 ffGoogle Scholar
  68. 69.
    A.a.O., S. 13. In seinem Aufsatz »über die Bemalung figuraler Plastik im griechischen Altertum« (Separatabdruck aus der Festschrift für Otto Benndorf, Wien 1898, Inv.-Nr. 195) spricht Sitte von der indischen, persischen und altgriechischen Farbengebung: »Auch hier wird die in Europa unerreichte Weichheit und der starke sinnliche Farbenreiz dadurch erzielt, dass jede einzelne Farbe, abgesehen von dem an sich wohlgefälligen Naturton, nur in verschiedenen Abtönungen vorkommt, während unsere Fabrikschemiker einen blinden Stolz darein setzen, mathematische gleichwerthige Töne zu erzeugen, wodurch allein schon der Gefrierpunkt künstlerischen Effects erreicht wird.«Google Scholar
  69. 70.
    C.S., Farbenharmonie, a.a.O., S. 15Google Scholar
  70. 71.
    Den Begriff »Ideenassociationen« verwendet Sitte in gegenteiligen Sinn wie Ernst Brücke, der damit Illusionen und Täuschungen bezeichnet hatte. Vgl. Ernst Brücke, Die Physiologie der Farben für die Zwecke der Kunstgewerbe bearbeitet. Leipzig 1887, S. 11Google Scholar
  71. 72.
    C.S., Farbenharmonie, a.a.O., S. 18Google Scholar
  72. 73.
    Vgl. S. 54 fGoogle Scholar
  73. 74.
    C.S., Farbenharmonie, a.a.O., S. 20. Darin entspricht Sittte auch den Angaben Ernst Brückes über die Farbzusammenstellungen. Brücke zieht diese Schlußfolgerungen in den Kapiteln »Die schlechten Kombinationen« und »Von der Zusammenstellung der Farben, die sich im Auge mischen sollen«. Vgl. Brücke, a.a.O., S. 212 ff, 292 ffGoogle Scholar
  74. 75.
    A.a.O., S. 21Google Scholar
  75. 76.
    Owen Jones, Grammatik der Ornamente (1856). Nördlingen 1987, Vorrede S. 1. Die eingehendste Würdigung von Jones stammt von Ernst H. Gombrich, Ornament und Kunst, Stuttgart 1982. Vgl. auch M. Mönninger, Geometrie der Natur. Owen Jones und die Reform der Ornamentik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 9. 1987Google Scholar
  76. 77.
    Jones, Grammatik, a.a.O., S. 17Google Scholar
  77. 78.
    A.a.O., S. 29Google Scholar
  78. 79.
    A.a.O., S. 162Google Scholar
  79. 80.
    Die Beziehungen zwischen Sitte und der englischen Reformbewegung sind bislang nur wenig erforscht. So vermutet George R. Collins, daß es sie nicht gab: Sitte »does not have much to say about the British. There are few references to William Morris in his writings (bei Durchsicht des gesamten Nachlasses wurden jedoch keine Referenzen festgestellt, A.d.V.) and none to Ruskin, Pugin, C.R. Ashbee, or Mackintosh. We do not know for sure if his extensive reading […] included the writings of Morris an Ruskin in German translations.« (George R. Collins, Christiane Crasemann Collins, Camillo Sitte, The Birth of Modern City Planning. New York 1986. S. 17.) Auch Stephan Muthesius weist nur auf gedankliche Parellelen, aber nicht auf gegenseitige Einflüsse hin, vgl. St. M., Das englische Vorbild. München 1974. S. 100, 134, 170Google Scholar
  80. 81.
    Vgl. S. 126Google Scholar
  81. 82.
    Vgl. S. 121, 126Google Scholar
  82. 83.
    C.S., Farbenharmonie, a.a.O., S. 26Google Scholar
  83. 84.
    A.a.O., S. 32Google Scholar
  84. 85.
    Siehe den Aufsatz »Sezession und Monumentalkunst« im Anhang S. 192 ff sowie. S. 149 ffGoogle Scholar
  85. 86.
    Ferdinand von Feldegg (1855–1936) war Schüler von Theophil Hansen an der Wiener Akademie und Professor für Architektur und Kunstgewerbe an der Wiener Staatsgewerbeschule, die Sitte von 1883 an leitete. Feldegg war auch Redakteur mehrerer Kunst-und Architekturzeitschriften.Google Scholar
  86. 87.
    Siehe den Brief im Anhang S. 198 ffGoogle Scholar
  87. 88.
    Inv.-Nr. 180. Über Entstehungsbedingungen und Adressaten dieses Blattes ist nichts bekannt. Es trägt nur den handschriftlichen Vermerk: »Selbstverlag. Diese Tabelle wurde von Camillo Sitte als Beilage zu einem nicht geschriebenen Vortrag im Jahr 1902 verfaßt.«Google Scholar
  88. 89.
    Ernst Haeckel, Die Welträthsel. Gemeinverständliche Studien über Monistische Philosophie. (1899). Bonn 1903. Vgl. die ideologiekritische Studie von Daniel Glasmann, The Scientific Origins of National Socialism. Social Darwinism in Ernst Haeckel und the German Monist League. London/New York 1971Google Scholar
  89. 90.
    Vgl. Herrmann Lübbe, Politische Philosophie in Deutschland. Basel/Stuttgart 1963, S. 143 ffGoogle Scholar
  90. 91.
    Haeckel, a.a.O. S. 137–138Google Scholar
  91. 92.
    Erich Rothacker, Einleitung in die Geisteswissenschaft. Tübingen 1920, S. 46Google Scholar
  92. 93.
    Über die Geschichtsphilosophie der Historischen Schule vgl. Herbert Schnädelbach, Philosophie in Deutschland 1831–1933. Frankfurt am Main 1983, S. 61–69Google Scholar
  93. 94.
    Über Sittes Begriff von Volk und Nationalcharakter vgl. S. 146 ffGoogle Scholar
  94. 95.
    Schnädelbach, a.a.O., S. 98Google Scholar
  95. 96.
    Ferdinand von Feldegg, Kamillo Sitte. Gedenkrede zum 80. Geburtstage. Gehalten im Festsaale des »Österr. Ingenieur-und Architekten-Vereines« am 15. April d. J., abgedruckt in: Zeitschrift des Osten. Ingenieur-und Architekten-Vereines Heft 21/22, 1923Google Scholar
  96. 97.
    Vgl. im Anhang S. 200 ffGoogle Scholar
  97. 98.
    Die Verzettelungs-Metapher taucht am häufigsten in Sittes Architekturschriften auf. Auch in seinem Hauptwerk findet sie sich gleich an drei Stellen, vgl. C. S., Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen. Braunschweig/Wiesbaden 1983, S. 69, 131, 200Google Scholar
  98. 99.
    Wolf Lepenies, Das Ende der Naturgeschichte. Wandel kultureller Selbstverständlichkeiten in den Wissenschaften des 18. und 19. Jahrhundert. München 1976, S. 28Google Scholar
  99. 100.
    Julius Koch, Kamillo Sitte, in: Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur-und Architektenvereines, 1903, Nr. 50. Inv.-Nr. 400. Es lassen sich aber nirgends in Sittes Schriften weitere Hinweise auf dieses Bauvorhaben finden.Google Scholar
  100. 101.
    Die Zeichnung ist überschrieben mit: »Mein Fetisch: Jedes Sätzchen hat sein Plätzchen«. Die Inschriften in dem Turm lauten (von unten nach oben): »Griechische Kunst autochthon national. Lateinische Kunst autochthon national. Jedo. [sic!] Kunst autochthon. Nationale Götter. Lehrmeinungen Kritik. Physiolog. u. psychol. Grundlagen. D. Deutsche Kunst der Zukunft. Holländer Th.« Ohne Inv.-Nr.Google Scholar

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© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Michael Mönninger

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