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Schule, Kunstgewerbe, Weltausstellung

  • Michael Mönninger

Zusammenfassung

Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an machte der Ausbau des österreichischen Schulsystems nach langer Stagnation erstmals wieder Fortschritte. Während Preußen bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein System allgemeinbildender und schließlich auch berufsbildender Schulen nach dem Vorbild der Pariser École polytechnique gegründet hatte, war die Bildungsreform im politisch weitaus mächtigeren Östereich schon am Ende der Josephinischen Periode im 18. Jahrhundert unterbrochen worden und unter Metternich ganz zum Erliegen gekommen. In Preußen jedoch wurden die doppelqualifizierenden Gewerbeschulen dann zunehmend als ineffizient kritisiert, weil sie Theoretiker und Praktiker gemeinsam ausbilden sollten, aber keiner der beiden Fachrichtungen gerecht wurden.1 Demgegenüber hatte Österreich mit der Gründung von Gewerbeschulen mit praktisch-künstlerischem Schwerpunkt größeren Erfolg als die deutschen Staaten.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. Gustav Grüner, Fachschulen, in: Handbuch der Deutschen Bildungsgeschichte. München 1991. Bd. IV, 1870–1918, S. 389 ffGoogle Scholar
  2. 2.
    Dumreicher (1845–1908) war Staatsrechtler und Beamter im Unterrichtsministerium. Er leitete auf Empfehlung von Rudolf von Eitelberger die Berufung Sittes nach Salzburg ein. Vgl. Rudolf Wurzer, Franz, Camillo und Siegfried Sitte, in: Berichte zur Raumforschung und Raumplanung. Wien und New York 1989. Heft 3–5. 33 Jahrgang, S. 15. Siehe auch Sittes Rezension von Dumreichers Buch über den französischen Nationalwohlstand S. 145 fGoogle Scholar
  3. 3.
    Die Ausbildung der Theoretiker und Praktiker wurde auf verschiedene Schultypen verteilt. Vgl. Gustav Grüner, Die österreichische Gewerbeschulkonzeption, in: Handbuch der Deutschen Bildungsgeschichte, a.a.O., S. 394Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Bruno Genellin, Geschichte der Gründung der k.k. Staatsgewerbeschule in Salzburg, in: 100 Jahre höhere technische Bundeslehranstalt Salzburg. Salzburg 1976, S. 24Google Scholar
  5. 5.
    Sittes Vater wehrte sich als freier Architekt dagegen, daß sein Sohn abhängiger Staatsbeamter wurde. Vgl. Heinrich Sitte, »Camillo Sitte«, in: Neue Österreichische Biographie, VI. Band. Wien 1929, S. 141Google Scholar
  6. 6.
    C.S., Brief vom 30.9. 1874 an J. Chr. A. von Dumreicher. Haus- Hof-u. Staatsarchiv Wien, ad 12510/ 74Google Scholar
  7. 7.
    C.S., Über Zweck und Nutzen des Gewerbeschulwesens. Vortrag gehalten im Arbeiter-BildungsVereine von Salzburg am 4. April 1875. Inv.-Nr. 212dGoogle Scholar
  8. 8.
    Uber Eitelberger vgl. S. 157 fGoogle Scholar
  9. 9.
    C.S., Gewerbeschulwesen, a. a. 0., S. 5Google Scholar
  10. 10.
    Über die Ateliertradition und Lehrmethode Leonardos im »Buch von der Malerei« vgl. Wolfgang Kemp, »… einen wahrhaft bildenden Zeichenunterrricht überall einzuführen.« Zeichnen und Zeichenunterricht der Laien 1500–1870. Ein Handbuch. Frankfurt am Main 1979. S. 122 ffGoogle Scholar
  11. 11.
    C.S., Gewerbeschulwesen, a.a.O., S. 14Google Scholar
  12. 12.
    Wolfgang Kemp hat bei der Zeichen-und Schreiberziehung im 16. Jahrhundert sogar vom »epochalen Übergang von der Lehre zum Unterricht« gesprochen. Dabei habe sich auch die soziale Überlegenheit des Meisters über den Lehrling verändert; der Lehrer habe gegenüber dem Schüler oft sogar eine niedrigere Stellung eingenommen, vgl. W. Kemp, a.a.O., 5.129 fGoogle Scholar
  13. 13.
    C.S., Gewerbeschulwesen, a.a.O., S. 16. Folgende Zitate ebd.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Kemp, a.a.O., S. 186 f. Uber Wedgwood und die Industrialisierung des Entwerfens vgl. Francis D. Klingender, Kunst und industrielle Revolution. (1968). Frankfurt am Main 1976, S.46ff. Uber Beuths Gewerbeförderung vgl. Barbara Mundt, Theorien zum Kunstgewerbe des Historismus in Deutschland, in: Beiträge zur Theorie der Künste im 19. Jahrhundert. Hg. v. Helmut Koopmann u. J.A. Schmoll gen. Eisenwerth. Frankfurt 1972 Bd. 2., S. 318 fGoogle Scholar
  15. 15.
    C.S., ebd., S. 18. Auch F. Klingender nennt die Trennung von »Entwurf und Ausführung (das) unmittelbare Ergebnis der Arbeitsteilung«. Vgl. Klingender, a.a.O., S. 48Google Scholar
  16. 16.
    C.S., Gewerbeschulwesen, a.a.O., S.18. Alle folgenden Zitate ebd.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Christa Berg, Ulrich Herrmann, Industriegesesellschaft und Kulturkrise, in: Handbuch der Deutschen Bildungsgeschichte. München 1991. Bd. IV, 1870–1918, S. 12 f. Über Militär und Gesellschaft in Osterreich vgl. Nikolaus von Preradovich, Die Führungsschichten in Osterreich und Preußen 1804–1918. Wiesbaden 1955Google Scholar
  18. 18.
    C.S., Unser gewerbliches Unterrichtswesen, NWT v. 30.7. 1899, Inv.-Nr. 210. Alle folgenden Zitate ebd.Google Scholar
  19. 19.
    Im Wiener Sitte-Archiv befindet sich eine gebundene Sammlung der Jahrgänge 1877–1879, die sämtliche Veröffentlichungen Sittes enthält. Sie sind unter der Inv.-Nr. 402 zusammengefaßt. Aus Sittes Salzburger Zeit bis 1883, als er nach Wien zurückkehrt und die Leitung der dortigen Staatsgewerbeschule übernimmt, sind keine weiteren Veröffentlichungen im Gewerbeblatt nachzuweisen.Google Scholar
  20. 20.
    Deutlich geht der öffentliche Anspruch der Gewerbevereine aus einer Ansprache des Vorsitzenden des »Niederösterreichischen Gewerbevereins«, Theodor Ritter von Hornbostel, hervor. Der Gewerbeverein »war der einzige Ort, wo die Intelligenz aller Stände sich zusammenfand zu gemeinsamem Streben, wo dem Bürger gestattet war, sich mit allgemeinen Angelegenheiten zu befassen, außer seinem privatlichen Geschäftskreis eine allgemeine, nutzbringende, anregende und dadurch sich selbst lohnende Tätigkeit zu üben.« Zit. nach F. Geißler, Die Entstehung und der Entwicklungsgang der Handelskammern in Österreich, in: Hans Mayer (Hg.), Hundert Jahre österreichischer Wirtschaftsentwicklung, 1848–1948. Wien 1949. Über die ständische Opposition der Gewerbevereine vgl. auch Ernst Bruckmüller, Hannes Stekl, Zur Geschichte des Bürgertums in Osterreich, in: Bürgertum im 19. Jahrhundert. Deutschland im europäischen Vergleich. Hg. von Jürgen Kocka und Ute Frevert. München 1988, Bd. 1, S. 181 fGoogle Scholar
  21. 21.
    Diese Ansicht findet sich vor allem bei Carl E. Schorske, Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de siècle. (1980). Frankfurt am Main 1982, S. 61 f. Vgl. auch George R. Collins, Christiane Crasemann Collins, Camillo Sitte, The Birth of Modern City Planning. New York 1986, S. 15 fGoogle Scholar
  22. 22.
    Über die von der Handwerkerbewegung erstrittenen Schutzgesetze und die staatliche Protektion vgl. Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866–1918. Bd. 1 Arbeitswelt und Bürgergeist. München 1990, S. 258 ffGoogle Scholar
  23. 23.
    Zur Lage des Handwerks, Salzburger Gewerbeblatt, 1. Jg. 1877, Nr. 1. S. 3–4. Der Artikel ist nicht namentlich gezeichnet. Aber weil Sitte Gründer und leitender Redakteur des Gewerbeblattes ist und der Artikel in der Erstausgabe ganz seiner Diktion entspricht, darf man darauf schließen, daß er von ihm mitverfaßt wurde. Alle folgenden Zitate ebd.Google Scholar
  24. 24.
    Über die »kleinbürgerlich-radikale Philosophie« der sogenannten »Volksbildner« vgl. Albert Fuchs, Geistige Strömungen in Osterreich. (1949). Wien 1984, S. 145 ffGoogle Scholar
  25. 25.
    In seinem Weltausstellungsbericht über Paris 1878 wird Sitte sogar die Maschinentechnik heftig kritisieren, vgl. S. 144 fGoogle Scholar
  26. 26.
    Vgl. S. 125Google Scholar
  27. 27.
    Zur Lage des Handwerks, a.a.O.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. Karlwilhelm Stratmann, Die Krise der Berufserziehung im 18. Jahrhundert als Ursprungsfeld pädagogischen Denkens. Ratingen 1967Google Scholar
  29. 29.
    Utz Haltern, Die Londoner Weltausstellung von 1851. Ein Beitrag zur Geschichte der bürgerlich-industriellen Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Münster 1971, S. 9Google Scholar
  30. 30.
    A.a.O., S. 29 ff. Eine Übersicht über die Geschichte der Weltausstellungen nach London 1851 vgl. Le Livre des expositions universelles 1851–1989. Union Centrale des Arts Décoratifs. Paris 1983Google Scholar
  31. 31.
    Über Deutschland vgl. B. Mundt, Theorien zum Kunstgewerbe, a.a.O, S. 327. Über Österreich vgl. Adam Wandruszka, P. Urbanitsch, Die Habsburgermonarchie 1848–1981. Bd. 1, Die wirtschaftliche Entwicklung. Wien 1973Google Scholar
  32. 32.
    Noch sieben Jahre später beurteilte ein Zeitungsartikel die Lage des österreichischen Kunstgewerbes ungünstig: »Bekanntlich haben die Weltausstellungen, insbesondere jene des Jahres 1862, reichliche Gelegenheit zur Wahrnehmung geboten, dass die Erzeugnisse der österreichischen Industrie… nachGoogle Scholar
  33. ihrer formalen Seite hin vom Gesichtspunkt des Geschmackes aus, hinter den Leistungen anderer Länder, namentlich Englands und Frankreichs, theilweise zurücksteht. Die Ursachen dieser Entwicklung und die Mittel, dem wahrgenommenen Mangel abzuhelfen, konnten sich dem forschenden Auge um so weniger entziehen, als England vor anderthalb Jahrzehnten dieselbe Erfahrung an sich gemacht und seither die Bahn gewiesen hatte, welche zu dem angestrebten Ziele zu führen geeignet ist. Es handelt sich darum, auf den Geschmack der Gewerbebtreibenden läuternd und bildend einzuwirken, der Kunst einen unmittelbareren und nachhaltigeren Einfluß auf die Erzeugnisse der Industrie zu sichern.« »Wiener Zeitung« vom 27.9.1862. Zit. nach Gottfried Fliedl, Kunst und Lehre am Beginn der Moderne. Die Wiener Kunstgewerbeschule 1867–1918. Salzburg und Wien 1986, S. 67 ffGoogle Scholar
  34. 33.
    Über die Geschichte des Museums und der Schule vgl. Gottfried Fliedl, a.a.O., S. 67 ffGoogle Scholar
  35. 34.
    Zur Lehrmittel-Ausstellung der Gewerbeschule, Salzburger Zeitung Nr. 95 und 96, 1875, Inv.Nr. 206. Die fünf Milliarden meinen die französischen Reparationszahlungen an Deutschland nach den Krieg 1870 /1871.Google Scholar
  36. 35.
    C.S., Die deutschen Gewerbeausstellungen von 1879. Salzburger Gewerbeblatt, III. Jg.-Nr. VII u. VIII, 1879. S. 44 ffGoogle Scholar
  37. 36.
    Die Bezeichnung »Juror« verwendet Sittes Sohn Heinrich in: Heinrich Sitte, »Camillo Sitte«, Neue Österreichische Biographie, VI. Band. Wien 1929, S. 143. Über Sittes Auftrag und Auftraggeber sind keine weiteren Angaben zu finden.Google Scholar
  38. 37.
    Die Pariser Weltausstellung. Original-Bericht von C. Sitte. Salzburger Gewerbeblatt, 2. Jg. 1878, Nr. 5/6, 6/7, 7/8, 10/11, 12; 3. Jg. 1879, Nr. 1, 3/4, 5/6, 7 /8Google Scholar
  39. 38.
    Über Semper und die Weltausstellungen vgl. S. 100 ffGoogle Scholar
  40. 39.
    Über die Entstehung von Sempers Schrift »Wissenschaft, Industrie und Kunst«, das zunächst den Titel »Manuskript über die Exhibition« trug und als Vorgriff auf Sempers Hauptwerk »Der Stil« gilt, vgl.: Wolfgang Hermann, Semper und Eduard Vieweg, in: Gottfried Semper und die Mitte des 19. Jahrhunderts. Schriftenreihe des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur an der ETH Zürich. Basel/Stuttgart 1976. S. 210Google Scholar
  41. 40.
    Gottfried Semper, Wissenschaft, Industrie und Kunst. Vorschläge zur Anregung nationalen Kunstgefühles. Braunschweig 1852. Nachgedruckt in: G.S., Wissenschaft, Industrie und Kunst. Mainz/ Berlin 1966. S. 27–71Google Scholar
  42. 41.
    Dazu gehörten 1878 beispielsweise der Neubau des Trocadero-Ausstellungspalastes, die später in New York aufgestellte Freiheitsstatue von Bartholdi, der gasgefüllte Fesselballon, der Dampfhammer von Schneider-Creusot, das Mikrophon etc. Auch die Pariser Präsentation des Bildes »Karl V.« seines Wiener Malerfeindes Makart läßt Sitte unerwähnt. Über die Weltausstellung von 1878. Vgl: Le Livre des expositions universelles 1851–1989. Union Centrale des Arts Décoratifs. Paris 1983. S. 6576Google Scholar
  43. 42.
    Semper, Wissenschaft, a.a.O., S. 42Google Scholar
  44. 43.
    A.a.O., S. 47Google Scholar
  45. 44.
    Vgl. Le Livre des expositions universelles 1851–1989. A.a.O., S. 74 fGoogle Scholar
  46. 45.
    Zur Geschichte der Weltausstellungen vgl. auch den Katalog Weltausstellungen im 19. Jahrhundert. Hg. vom Staatl. Museum für angewandte Kunst. München 1973. Über das Verblassen des Weltausstellungsmythos siehe auch M. Mönninger, Dämmerung im Abendland. Der Wandel der Weltausstellungen im pazifischen Jahrhundert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Mai 1988Google Scholar
  47. 46.
    So schreibt Semper: »Kaum sind vier Wochen seit dem Schlusse der Ausstellung verstrichen, noch stehen die Waren zum Teil unverpackt in den verödeten Hallen des Hydeparkgebäudes, und schon ist die öffentliche Aufmerksamkeit über diese,Welterscheinung’ hinweggeeilt, anderen ergreifenderen, vielleicht nahe bevorstehenden Begebenheiten entgegen. Keiner von den begeisterten Zeitungskorrespondenten, die mit dem Tage der Eröffnung des,Weltmarktes’ eine neue Zeitrechnung angefangen hatten, läßt mehr seine Stimme darüber vernehmen. — Aber in den Tausenden von grübelndenGoogle Scholar
  48. Köpfen und strebenden Gemütern gären die Anregungen fort, die er zurückließ. Die Tragweite dieses Impulses ist nicht zu bemesssen.« Aber mit »Impuls« meint Semper wohlgemerkt den neuen Weltmarkt, nicht die Weltausstellung. G. Semper, Wissenschaft, Industrie und Kunst, a.a.O., S. 27 fGoogle Scholar
  49. 47.
    C.S., Die Pariser Weltausstellung, Salzburger Gewerbeblatt, 1878, Nr. 5/6, S. 34 fGoogle Scholar
  50. 48.
    Vgl. Jörg Fisch, Zivilisation, Kultur, in: Geschichtliche Grundbegriffe. Stuttgart 1992, S. 740 ffGoogle Scholar
  51. 49.
    G.Semper, Wissenschaft, a.a.O., S. 50Google Scholar
  52. 50.
    Daß Sitte in seinen Ausführungen über den Nationalcharakter des französischen Kunstgewerbes in seinem Aufsatz von 1891 zu einem weit günstigeren Urteil kommt, könnte als Ausdruck seiner gewachsenen ästhetischen Toleranz angesehen werden. Vgl. S. 147Google Scholar
  53. 51.
    C.S. Weltausstellung, Salzburger Gewerbeblatt, Nr. 7/8, S. 56 ffGoogle Scholar
  54. 52.
    Semper, Wissenschaft, a.a.O., S. 55 fGoogle Scholar
  55. 53.
    Salzburger Gewerbeblatt, Nr. 10/11, S. 69 f. Der aus sechs meterhohen Kristallglassäulen gebildete Rundtempel mit einer Merkurstatue aus Bronze in der Mitte galt als einer der Höhepunkte des französischen Eklektizismus. Vgl. Le Livre des expositions universelles 1851–1989, a.a.O., S. 74Google Scholar
  56. 54.
    Einer der ersten Kritiker, die auf der Pariser Ausstellung 1878 die Bedeutungen des Japonismus erkannt hatten, war der Maler und Kunstschriftsteller Friedrich Pecht: »Allen aber ist neuerdings ein Nebenbuhler an die Seite getreten, der früher mehr als Curiosität geschätzt, nunmehr ganz Europa in gewissen Dingen und Eigenschaften auf ganz unglaubliche Weise überflügelt: Es sind die Japanesen, die diesmal alles früher Geleistete und oft Bewunderte weit überboten haben. Sie, die nicht einmal Professoren der Aesthetik haben, lassen sämmtliche Europäer in der Feinheit des Farbensinnes so weit hinter sich zurück, daß man sich voll Schreckens fragen möchte, wo das hinaus soll, wenn sie so fortfahren.?« Friedrich Pecht, Kunst und Kunstindustrie auf der Pariser Weltausstellung 1878. Stuttgart 1878, S. 13 f. Eine aktuelle Bewertung des damaligen Japonismus gibt der Katalog der Ausstellung Le Japonisme. Galeries nationales du Grand Palais. Paris 1988. Siehe auch M. Mönninger, Revolution des Sehens. Der Japonismus: Japans Einfluß auf die europäische Kunst. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juli 1988Google Scholar
  57. 55.
    C.S., Die Pariser Weltausstellung, Salzburger Gewerbeblatt, Nr. 10/11, S. 68 fGoogle Scholar
  58. 56.
    A.a.O., S. 69Google Scholar
  59. 57.
    ebd., 3. Jg. 1879, Nr. 7 /8, S. 47Google Scholar
  60. 58.
    Semper, Wissenschaft, a.a.O., S. 41Google Scholar
  61. 59.
    Wilhelm Worringer, Abstraktion und Einfühlung. (1908). München 1981, S. 91Google Scholar
  62. 60.
    Semper, Wissenschaft, a.a.O., S. 28Google Scholar
  63. 61.
    C.S., Weltausstellung, Salzburger Gewerbeblatt, 3. Jg. 1879, Nr. 5/6 S. 33. Folgende Zit. ebd.Google Scholar
  64. 62.
    Über die Maschinenornamentik und die überbordenden Schmuckformen am Beispiel des englischen Kunstgewerbes vgl. Nikolaus Pevsner, Hochviktorianisches Kunstgewerbe, in: N.P. Architektur und Design. München 1971. S. 264 ffGoogle Scholar
  65. 63.
    A.a.O., Nr. 12, S. 78Google Scholar
  66. 64.
    Die gleiche Kritik äußert Sitte im Aufsatz über die Geschichte der Gewerbeschulen 1875, vgl. S. 136 ffGoogle Scholar
  67. 65.
    A.a.O., S. 78Google Scholar
  68. 66.
    Semper, Wissenschaft, a.a.O., S. 60Google Scholar
  69. 67.
    A.a.O., S. 61 fGoogle Scholar
  70. 68.
    A.a.O., S. 32 fGoogle Scholar
  71. 69.
    Semper: »Die horizontale Töpferscheibe […] war am wichtigsten für die Entwickelung der Formen; unter allen Maschinen läßt sie der Hand des Künstlers die meiste eigene Bewegung und künstlerische Freiheit; sie ist die geistreichste aller Maschinen, welche als das Symbol und Zeichen der industriellen Kunst angenommen werden sollte.« Gottfried Semper, Keramisches. Einfluß der Materialien und ihrer Behandlung auf die Entwickelung keramischer Typen und Stile, (1852–1855), in: G.S., Kleine Schriften. Hg. von Manfred und Hans Semper. Berlin und Stuttgart 1884, S. 46Google Scholar
  72. 70.
    Diese Formulierung prägt Sitte in einem Aufsatz über Restaurierungstechniken in Kirchen: »Der arme Malergeselle, welcher heute mit der Patrone (i.e. Leimfarb-Patrone, A.d.V.) in der Hand das Gerüst besteigt, ist nur der lebende Bestandtheil einer Maschinerie und die Erzeugnisse dieser Maschine sind Massenproducte, Industrie-Artikel mit allen Merkmalen derselben: der Frostigkeit, Gemüthlosigkeit, die nie und nirgends zum Herzen spricht, auch wenn der bombastische Aufwand noch so groß ist. Diese ganze Schablonen-Malerei ist Maschinenkunst, ist Drehorgelmusik.« C.S., Uber die Erhaltung des Gurker Domes und dessen Malereien, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission zur Erhaltung der Kunst-und Historischen Denkmäler. XVIII, 1892. S. 53–56, Inv. Nr. 191. Allerdings schreibt Sitte hier über die Restaurierung von Sakralkunst, weshalb seine Aversion noch vehementer ist als gegen profane Maschinenerzeugnisse.Google Scholar
  73. 71.
    C.S., National-Wohlstand, Rezension des gleichnamigen Buches von J. Chr. A. Frhr. v. Dumreicher, Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Berlin 22. 11. 1878, Inv.-Nr. 135. Über Colberts Erziehungspolitik und Schulausbau vgl. M. Kemp, Zeichenunterricht, a.a.O., S. 176 ffGoogle Scholar
  74. 72.
    C.S., National-Wohlstand, a.a.O.Google Scholar
  75. 73.
    Vgl. Wolfgang J. Mommsen, Das Zeitalter des Imperialismus. Frankfurt am Main 1969, S. 47 ffGoogle Scholar
  76. 74.
    Vgl. Gregor Schöllgen, Das Zeitalter des Imperialismus. (2. Aufl.) München 1991, S. 2 fGoogle Scholar
  77. 75.
    Vgl. »Volk«, Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Hg. von Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck. Stuttgart 1992, bes. S. 356 ffGoogle Scholar
  78. 76.
    Vgl. Georg Steinhausen, Freytag, Burckhardt und Riehl und ihre Auffassung der Kulturgeschichte, in: Neue Jahrbücher für das klassische Altertum, Geschichte und deutsche Literatur. Hg. v. Johannes Ilberg. 1. Jahrgang 1898. Leipzig 1898, S. 448–458. Zitat S. 450Google Scholar
  79. 77.
    Über Riehl und die Anfänge der deutschen Volkskunde vgl. Wolf Lepenies, Die drei Kulturen. Soziologie zwischen Literatur und Wissenschaft. München 1985, S. 239–243Google Scholar
  80. 78.
    Wundts Kultur-, Sprach-und Sozialpsychologie zielte auf die Herausarbeitung eines »psychischen Kollektiv-Habitus als einheitsstiftende(m) Faktor einer geschichtlichen Welt«, konnte jedoch den Anforderungen der ethnologischen und psychologischen Wissenschaft nicht genügen. Über Wundt vgl. Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866–1918. Bd. 1 Arbeitswelt und Bürgergeist. München 1990, S. 630 f. Zitat S. 642Google Scholar
  81. 79.
    Moeller van den Bruck plante 1913 eine sechsbändige Buchreihe »Die Werte der Völker« mit den aufschlußreichen Titeln: Französischer Zweifel, Englischer Menschenverstand, Italienische Schönheit, Deutsche Weltananschauung, Amerikanischer Wille, Russische Seele. Siehe Fritz Stern, Kulturpessimismus als politische Gefahr. (1961). München 1986, S. 232 fGoogle Scholar
  82. 80.
    Vgl. Charles Morazé, Das Gesicht des 19. Jahrhunderts. Die Entstehung der modernen Welt. Düsseldorf und Köln 1959.2. Buch, Kap. 6., S. 1.71 ffGoogle Scholar
  83. 81.
    C.S., Allerlei Papier, NWT, 15.8. 1891, Inv.-Nr. 164Google Scholar
  84. 82.
    C.S., Der neue Curs am Oesterreichischen Museum, NWT, 25.11. 1897, Inv.-Nr. 172. Uber die Gründe, warum dieser Artikel nicht namentlich gezeichnet, sondern in der Autorenzeile mit den Worten »Von einem Fachmann« versehen ist, kann man nur spekulieren. Sitte hatte zu diesem Zeitpunkt bereits große Reputation als Experte auf städtebaulichem Gebiet gewonnen, wollte aber offensichtlich seine Beschäftigung mit dem niederen Kunstgewerbe nicht aufgeben.Google Scholar
  85. 83.
  86. 84.
    C.S., Zur Ausstellung im neuen Museum für Kunst und Industrie. NWT, 30.11. 1871, Inv.-Nr. 137Google Scholar
  87. 85.
    Vgl. S. 90 ffGoogle Scholar
  88. 86.
    ebd. Dieser Gedanke taucht bereits bei Semper auf, der »das Trennen ideeller Kunst von der gewerblichen […] durchaus unzweckmäßig« nennt. Siehe G. Semper, Gottfried, Wissenschaft, Industrie und Kunst. A.a.O., 1966. S. 49Google Scholar
  89. 87.
    C.S., Der neue Curs am Österreichischen Museum, a.a.O.Google Scholar
  90. 88.
    Zu Hoffmann vgl. S. 52 ffGoogle Scholar
  91. 89.
    C.S., Kunstgewerbe und Styl, NWT. 15. 12. 1898, Inv.-Nr. 173. Folgendes Zitat ebd.Google Scholar
  92. 90.
    Vgl. S. 100 ff. Semper hat seinen geplanten dritten Band der Stillehre, der die Gebäudelehre behandeln sollte, bekanntlich nicht geschrieben.Google Scholar
  93. 91.
    Den Sezessionsbau hatte Joseph Maria Olbrich 1897–1898 auf Anregung von Otto Wagner und Gustav Klimt in Wien entworfen. Es kann nur als Ironie der Geschichte bezeichnet werden, daß Olbrich 1884/1885 sein Examen an der Wiener Staatsgewerbeschule abgelegt hatte, deren Direktor von 1883 an Camillo Sitte war.Google Scholar
  94. 92.
    Neben die 1715–1722 entstandene barocke Carlskirche von Johann Bernhard Fischer von Erlach sollte 1901 am Carlsplatz ein neues Historisches Museum der Stadt Wien gebaut werden. Im Sitte-Nachlaß befindet sich eine dreißigseitige Druckschrift Sittes über »Die Ergebnisse der Vorconcurrenz zu dem Baue des Kaiser Franz Joseph-Museums der Stadt Wien« (Wien 1902, Inv.-Nr. 260). Darin hat Sitte eine Fülle von Museumsentwürfen abgebildet und kritisch kommentiert. Zur Klärung der Frage, ob er bei diesem Wettbewerb Gutachter, Juror oder Teilnehmer gewesen ist, müßten noch weitere Nachforschungen im Wiener Stadtarchiv angestellt werden. Daneben befinden sich im Wiener Sitte-Archiv vier weitere architekturbezogene Artikel aus der Zeit von 1901–1903 zur Carlsplatz-Bebauung, die zugleich grundsätzliche Aspekte von Sittes Modernitätskritik am Beispiel der Baukunst enthalten.Google Scholar
  95. 93.
    Über das gespannte Verhältnis zwischen Sitte und Otto Wagner vgl. Carl E. Schorske, Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de siècle. (1980). Frankfurt am Main 1982, S. 68 ff; vgl. auch George R. Collins, Christiane Crasemann Collins, Camillo Sitte, The Birth of Modern City Planning. New York 1986, S. 28 ffGoogle Scholar
  96. 94.
    C.S., Am Carlsplatz. Das Kaiser-Franz-Joseph-Museum der Stadt Wien, NWT 12.6. 1902, Inv. Nr. 178Google Scholar
  97. 95.
    Vergleiche Sittes Äußerung mit Georg Simmels verblüffend ähnlicher, wenngleich positiv gemeinter Beschreibung der Moderne von 1911: »Denn das Wesen der Moderne überhaupt ist Psychologismus, das Erleben und Deuten der Welt gemäß den Reaktionen unsres Inneren und eigentlich als einer Innenwelt, die Auflösung der festen Inhalte in das flüssige Element der Seele, aus der alle Substanz herausgeläutert ist, und deren Formen nur Formen von Bewegungen sind.« G.S., Rodin, in: Philosophische Kultur. (1911) Berlin 1986, S. 164Google Scholar
  98. 96.
    Gegenüber den zahlreichen Untersuchungen über die Wiener Moderne, die den Vertretern des secessionistischen und ästhetizistischen Aufbruchs zuweilen eine wahre Heldenverehrung angedeihen läßt, gibt es nur wenige Darstellungen über die konservative Modernitäts-Kritik. Dazu zählen, wenngleich mit starker politischer Thematik, die Beiträge im Sammelwerk von Jürgen Nautz und Richard Vahrenkamp (Hg.), Die Wiener Jahrhundertwende. Einflüsse, Umwelt, Wirkungen. Wien, Köln, Graz 1993, Abschnitt »Gesellschaft und Politik«, S. 677–812Google Scholar
  99. 97.
    C.S., Sezession und Monumentalkunst, NWT, 5.5. /6.5. 1903, Inv.-Nr. 179. Vgl. im Anhang S. 192 ffGoogle Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Michael Mönninger

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