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Wissenschaft, Rekapitulationstheorie, Pädagogik

  • Michael Mönninger

Zusammenfassung

Sittes lebenslanges Interesse an Erziehungsfragen läßt ihn als einen späten Abkömmling des »pädagogischen Zeitalters« um 1800 erscheinen, als die Pädagogik einen festen Platz im Kanon der Wissenschaften einzunehmen begann und das Interesse an der »Erziehung des Menschengeschlechts« (Lessing) auch Philosophen wie Schleiermacher oder Kant regelmäßig pädagogische Vorlesungen halten ließ. Die pädagogische Gedankenwelt hat gerade im Hinblick auf Sittes kunsterzieherisches Interesse vielfältige Wurzeln in der deutschen Aufklärung: Herders Orientierung auf das Schaffen des Volkes, Goethes Entdeckung der sinnlich-sittlichen Wirkung der Farbe, Schillers Bewertung des Spiels, Rousseaus Gedanke von der natürlichen bildnerischen Tätigkeit als Mittel der Selbstentfaltung und Humboldts Auffassung vom Zeichnen als einer Art Sprache.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Karl-Ernst Jeismann, Zur Bedeutung der Bildung im 19. Jahrhundert, in: Handbuch der Deutschen Bildungsgeschichte. München 1987. Bd. III, 1800–1870, S. 1. Zur Bildungsgeschichte vgl. auch Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866–1918, Bd. 1. Arbeitswelt und Bürgergeist. München 1990, S. 531 ff. Vgl. auch Georg Bollenbeck, Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters. Frankfurt am Main 1994. Uber die Bildungssituation in Osterreich vgl. Ludwig von Friedeburg, Bildungsreform in Deutschland. Geschichte und gesellschaftlicher Widerspruch. Frankfurt am Main 1992, S. 91 ffGoogle Scholar
  2. 2.
    vgl. Jeismann, a.a.O., S. 6Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Christa Berg, Ulrich Herrmann, Industriegesesellschaft und Kulturkrise, in: Handbuch der Deutschen Bildungsgeschichte. München 1991. Bd. IV, 1870–1918, S. 1–33Google Scholar
  4. 4.
    Uber Langbehn und die konservative Revolution vgl. Fritz Stern, Kulturpessimismus als politische Gefahr. (1961). München 1986, bes. 5. 148–170Google Scholar
  5. 5.
    Uber Herbert Spencer vgl. Johann Günther Muhri, Herbert Spencer, in: Klassiker der Pädagogik, Hg. v. Hans Scheuerl. München 1979, S. 299 ffGoogle Scholar
  6. 6.
    Einen Überblick über den Aufstieg der Naturwissenschaften bis hin zur Ersatzreligion des »Monismus« gibt Hermann Lübbe, Politische Philosophie in Deutschland. Basel, Stuttgart 1963, S.127172Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. Dietrich von Engelhardt, Der Begriff der Bildung und Kultur bei Du Bois-Reymond, in Gunter Mann (Hg.), Naturwissen und Erkenntnis im 19. Jahrhundert: Emil Du Bois-Reymond. Hildesheim 1981, S. 178Google Scholar
  8. 8.
    Eine aktuelle Würdigung von Helmholtz’ Werk, auch von dessen philosophisch-erkenntnistheoretischen Aspekten, gibt das Sammelwerk von Lorenz Krüger (Hg.), Universalgenie Helmholtz. Berlin 1994Google Scholar
  9. 9.
    Hermann von Helmholtz, Handbuch der Physiologischen Optik. (1856–1866). (2. Aufl. ), Hamburg und Leipzig 1896 S. 577Google Scholar
  10. 10.
    Der Hauptsatz der empiristischen Ansicht ist: Die Sinnesempfindungen sind für unser Bewußtsein Zeichen, deren Bedeutung verstehen zu lernen unserem Verstande überlassen ist.« H. v. Helmholtz, a.a.O., S. 947. Eine grundlegende Interpretation von Helmholtz und seiner zwiespältigen Zeichentheorie gibt Ernst Cassirer: »So steht Helmholtz als Mathematiker und Physiker ebensowohl in Bannkreis des Cartesischen Intellektualismus, wie er sich als Physiologe und empiristischer Philosoph Berkeley nähert…« Ernst Cassirer, Philosophie der symbolischen Formen. Dritter Teil. Philosophie der Erkenntnis. Darmstadt 1977, S. 171Google Scholar
  11. 11.
    C.S., Beobachtungen… Unveröff. Ms. dat. v. 12.2. 1868, Inv.-Nr. 249Google Scholar
  12. 12.
    Diesem Widerspruch widmet sich ausführlich Erwin Panofsky in seiner grundlegenden Studie »Die Perspektive als symbolische Form« (1924/1925), in: Erwin Panofsky, Aufsätze zu Grundfragen der Kunstwissenschaft. Berlin 1985, S. 99–167, besonders S. 99–111Google Scholar
  13. 13.
    C.S., Beobachtungen, a.a.O. Helmholtz erwähnt die »Gewöhnung an die perspectivischen Verziehungen der Bilder parallelepipedischer Körper« nur an einer Stelle. Vgl H.v. Helmholtz, Optik, a.a.O., S. 609. Eine Bestätigung von Sittes Ausführungen und einen Überblick über den heutigen Erkenntnisstand der Sinnesphysiologie über die geometrischen Raumtäuschungen und die Vieldeutigkeit des Netzhautbildes gibt Christoph von Campenhausen, Die Sinne des Menschen. Einführung in die Psychophysik der Wahrnehmung. Stuttgart/New York 1993, S. 116 ffGoogle Scholar
  14. 14.
    C.S., Beobachtungen, a.a.O. Alle folgenden Zitate ebd. In der Kunstgeschichte wird diese archaische Darstellungsweise auch als geradansichtig-vorstelliger Reliefstil mit Übereinanderstaffelungen, Aufsichten und additiven Reihungen bezeichnet.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. Alois Riegl, Spätromische Kunstindustrie. (1901). Darmstadt 1973, S.34. Riegl arbeitete von 1887–1893 als Kustos für Textilien an Rudolf von Eitelbergers Österreichischem Museum für Kunst und Industrie. Über Riegl vgl. William M. Johnston, Österreichische Kultur-und Geistesgeschichte. Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848–1938. (1972). Wien/Köln/Weimar 1992, S. 162. Sitte muß über das Museum auch Riegl kennengelernt haben, erwähnt ihn aber nirgends.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. Wilhelm Worringer, Abstraktion und Einfühlung. Ein Beitrag zur Stilpsychologie (1908). München 1981Google Scholar
  17. 17.
    In diesem Zusammenhang spricht die Kunstgeschichte von Bedeutungsperspektive bzw. umgekehrter Perspektive, die häufig in der Szenographie anzutreffen ist.Google Scholar
  18. 18.
    Gemeint ist Piero della Francesca (ca. 1416–1492). Über ihn hat Sitte später eine weitergehende Studie verfaßt, die auch in der Kunstgeschichte Anerkennung fand und in Piero della Francesca-Biographien verzeichnet ist. Sie heißt »Die Perspectivlehre des Pietro degli Franceschi« (Mitteilungen des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie VII, 1879. Nr. 164. Inv.-Nr. 200.) Darin berichtet Sitte über ein seit 1585 erstmals wieder aufgefundes Manuskript Piero della Francescas über die zeichnerische Konstruktionsmethode. Sitte stellt dar, wie diese Lehre diejenige von Alberti weitergeführt hat. Neben den kunsttechnischen Aspekten ist besonders bemerkenswert, daß Sitte zwei Aspekte in rekapitulationstheoretischer und pädagogischer Absicht hervorhebt. Es handele sich um ein »Erstlingswerk, das die ganze Mühe des Erfindens und Klarmachen der schwierigen Probleme noch in sich trägt«, weshalb es allgemeinverständlich und als pädagogisches Lehrwerk sehr geeignet sei. Zweitens bewertet Sitte das Manuskript als Baustein in der langen Geschichte einer Theorie, die nicht auf einen Erfinder zurückzuführen, sondern von jedem Zeitalter kontinuierlich weiterentwickelt worden sei.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Riegl, a.a.O., S. 32–36Google Scholar
  20. 20.
    C.S., Beobachtungen, a.a.O.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. S. 68 ffGoogle Scholar
  22. 22.
    C.S., Beobachtungen, a.a.O. Auch Vitruv und damit die gesamte Klassik hatte den Maßstab vom menschlichen Körper her abgeleitet, vgl. Marcus Vitruvius Pollio, Zehn Bücher über Architektur. Ausgabe Baden-Baden 1983.3. Buch, Kap. 1, S. 105 fGoogle Scholar
  23. 23.
    Eine Bestätigung von Sittes rudimentären Ausführungen über Säulenaufstellungen gibt Robert Chitham, Die Säulenordnungen der Antike. Stuttgart 1987, S. 14 ff. Dort werden auch die Proportionsbeziehungen zwischen der horizontalen und vertikalen Säulengliederung bestimmt.Google Scholar
  24. 24.
    C.S., Beobachtungen, a.a.O.Google Scholar
  25. 25.
    Dabei könnte Sitte an Bühnenbilder gedacht haben, wie Schinkel sie etwa für Schillers »Jungfrau von Orleans« 1818 entworfen hatte. Darin ist ein Durchblick auf die Stadt Reims durch zwei gestaffelte Pfeilerreihen eines offenen gotischen Portikus dargestellt. Über Schinkels Bühnenbilder vgl. S. 64 fGoogle Scholar
  26. 26.
    Als Negativbeispiele für wechselnde Maßstäbe an einem Bauwerk erwähnt Sitte die Taufkapelle zu Pisa und die Schloßkapelle zu Palermo, »was sehr unruhig wirkt«.Google Scholar
  27. 27.
    Sitte schreibt weiter: »In diesem letzten Falle würde es allerdings sehr schlecht sein, die große Baumasse unmittelbar in die kleine Einheit zu zerlegen, da eine große Menge gleichartiger Figuren nicht augenblicklich faßlich und somit wirkungslos ist. Man wird die große Masse zuerst in große Parthien theilen, diese wieder untertheilen und so fort bis man zur gegebenen Einheit gelangt.«Google Scholar
  28. 28.
    Zu Sittes Übereinstimmung mit Hildebrands Theorie der wahrnehmungsgerechten plastischen Form vgl. S. 68 fGoogle Scholar
  29. 29.
    Eine grundlegende Untersuchung über die Geschichte des Zeichenunterrichtes und der Lehrmethoden bei Wolfang Kemp, »… einen wahrhaft bildenden Zeichenunterrricht überall einzuführen.« Zeichnen und Zeichenunterricht der Laien 1500–1870. Ein Handbuch. Frankfurt am Main 1979Google Scholar
  30. 30.
    C.S., Zur Geschichte und Methodik des elementaren Körperzeichnens. Vortrag in Wien in der Monatsversammlung des Vereines österr. Zeichenlehrer am 29.4. 1884. Inv.-Nr. 202Google Scholar
  31. 31.
    A.a.O., S. 4Google Scholar
  32. 32.
    A.a.O., S. 3 fGoogle Scholar
  33. 33.
    A.a.O., S. 4Google Scholar
  34. 34.
    A.a.O., S. 5. Vgl. W. Kemp, a.a.O., 5.121 ffGoogle Scholar
  35. 35.
    C. S., Geschichte und Methodik, A.a.O., S. 6 fGoogle Scholar
  36. 36.
    Vgl. S. 100 ffGoogle Scholar
  37. 37.
    Sitte meint Paolo Uccello (ca.1397–1475), der mit eigenen Perspektiv-und Geometriestudien zu einem der Wegbereiter der italienischen Renaissance geworden war.Google Scholar
  38. 38.
    A.a.O., S. 12Google Scholar
  39. 39.
    Das entspricht der kunstgeschichtlichen Ansicht, wonach die Perspektive erst nach Erfahrungswerten entworfen, dann von Brunelleschi erstmals mathematisch-exakt konstruiert und von Uccello, della Francesca und anderen später wissenschaftlich berechnet wurde.Google Scholar
  40. 40.
    A.a.O., S. 15. In einer Abhandlung über Ornamentgeschichte kehrt Sitte die hier konstatierte Sukzession von Praxis und Theorie um und fordert für die Lehre zuerst die Vermittlung der Theorie vor der Praxis. Dies ist kein Widerspruch, sondern nur die logische Anwendung der im folgenden Abschnitt erläuterten Rekapitulationtstheorie, weil das Erlernen einer verlorenen Praxis nur in umgekehrter Reihenfolge von der Theorie her geschehen kann. Vgl. S. 159 ffGoogle Scholar
  41. 41.
    A.a.O., S. 16. Vgl. die Entsprechung zu Oswald Spengler im folgenden Abschnitt.Google Scholar
  42. 42.
  43. 43.
    A.a.O., S. 25. In seinem Manuskript »Grundzüge einer Reform des Zeichenunterrichts« (Wien. Ms. dat. v. 18. 1. 1899, Inv.-Nr. 212) führt Sitte diese Überlegungen weiter aus und entwirft eine pädagogisch-praktische Stufenfolge aller Schulgattungen vom Kindergarten bis zur Universität. Dort verzichtet er allerdings auf bildhafte Analogien der Kulturstufen.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. Bodo-Michael Baumunk, Jürgen Rieß (Hg.) Darwin und Darwinismus. Berlin 1994, S. 16 ffGoogle Scholar
  45. 45.
    Vgl. Reinhart Koselleck, »Entwicklung«, in: Geschichtliche Grundbegriffe, Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Hg. von Otto Brunner, Werner Conze und Reinhart Koselleck. Stuttgart 1975. Band 2, 225 f. Daß Darwins Theorie in der Rezeptionsgeschichte zunächst eine nur untergeordnete Rolle spielte und erst durch Richard Owen und Thomas Henry Huxley ihre Breitenwirkung erhielt, sei hier nur angedeutet. Vgl. Jürgen Rieß, Charles Darwin und die Evolutionstheorie, in: Bodo-Michael Baumunk, Darwin und Darwinismus, a.a.O., S. 66 ffGoogle Scholar
  46. 46.
    Dolf Sternberger, Panorama oder Ansichten vom 19. Jahrhundert (1938). Neuauflage Frankfurt 1974. S. 87Google Scholar
  47. 47.
    Helmut Schnädelbach, Die Abkehr von der Geschichte. Stichworte zum »Zeitgeist« im Kaiserreich, in: Ideengeschichte und Kunstwissenschaft. Philosophie und bildende Kunst im Kaiserreich. Hg. von Ekkehard Mai, Stephan Waetzoldt und Gerd Wolandt. Berlin 1983. S. 37Google Scholar
  48. 48.
    Vgl. Karl Clausberg, Naturhistorische Leitbilder der Kulturwissenschaften. Die Evolutions-Paradigmen. in: Michael Brix/Monika Steinhauser, Geschichte allein ist zeitgemäß. Historismus in Deutschland. Lahn-Gießen 1978, S. 41–51. Vgl. auch Jürgen Rieß, Naturgeschichte und Entwicklungsdenken, in: Bodo-Michael Baumunk, Jürgen Rieß (Hg.) Darwin und Darwinismus. Berlin 1994, S. 33–37. Vgl. auch Hans Querner, Darwin, sein Werk und der Darwinismus, in: Gunter Mann (Hg.), Biologismus im 19. Jahrhundert. Vorträge eines Symposiums vom 30.-31. Oktober 1970 in Frankfurt am Main. Stuttgart 1973, S. 10–29Google Scholar
  49. 49.
    Haeckel bezeichnete dieses Gesetz auch als »Causal-Nexus zwischen Ontogenie und Phylogenie«. Es lautet: »Die Formenreihe, welche der individuelle Organismus während seiner Entwickelung von der Eizelle an bis zu seinem ausgebildeten Zustand durchläuft, ist eine kurze gedrängte Wiederholung der langen Formenreihe, welche die thierischen Vorfahren desselben Organismus, oder die Stammformen seiner Art von den ältesten Zeiten der sogenannten organischen Schöpfung an bis auf die Gegenwart durchlaufen haben.« E.H., Ueber die Wellenzeugung der Lebensteilchen oder die Perigenesis der Plastidule, in: Gesammelte populäre Vorträge aus dem Gebiete der Entwicklungslehre. Zweites Heft. Bonn 1879. S. 30Google Scholar
  50. 50.
    Über Haeckel und die Rekapitulationstheorie: vgl. Ernst Mayr, Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt. Vielfalt, Evolution und Vererbung. Berlin/Heidelberg/New York 1984, S. 379 fGoogle Scholar
  51. 51.
    Clausberg, a.a.O., S. 43Google Scholar
  52. 52.
    Vgl. Clausberg, a.a.O., S.45. Vgl. auch E. Scheerer, »Psychologie« in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg. v. Joachim Ritter. Basel 1989, Bd. 7, 5. 1599–1653Google Scholar
  53. 53.
    Clausberg, a.a.O., 5.44. Clausberg führt als Vorreiter dieser Auffassung allerdings nicht Ernst Haeckel, sondern G.J. Romanes’ Schrift »Die geistige Entwicklung beim Menschen (1893) und J.M. Baldwins »Die Entwicklung des Geistes« (1898) an.Google Scholar
  54. 54.
    Als Beispiel nennt Sitte das Schneemannaufstellen der Kinder, das nach ähnlichen Prinzipien erfolge wie die Plazierung von Monumenten in alten Städten, nämlich unter Freihaltung der Platzmitte, in: C.S., Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen. Wien 1889. Braunschweig/Wiesbaden 1983, S. 25 fGoogle Scholar
  55. 55.
    Vgl. S. 169 fGoogle Scholar
  56. 56.
    Adolf Loos, Ornament und Verbrechen (1908), in: A.L. Trotzdem. (Sämtliche Schriften 1900–1930). Hg. von Franz Glück. Wien, München 1962, S. 282 fGoogle Scholar
  57. 57.
    Über die Wiener Schule vgl. S. 157 fGoogle Scholar
  58. 58.
    Clausberg, a.a.O., S. 47 fGoogle Scholar
  59. 59.
    Vgl. G. Scholtz, »Historismus« in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg. v. J. Ritter. Basel 1974, Bd. 3, S. 1141–1147.Google Scholar
  60. 60.
    Vgl. Fritz Wagner, Biologismus und Historismus im Deutschland des 19. Jahrhunderts, in: Gunter Mann (Hg.), Biologismus im 19. Jahrhundert. A.a.O. S. 30–42Google Scholar
  61. 61.
    H. Schnädelbach, Die Abkehr von der Geschichte, a.a.O., S. 38Google Scholar
  62. 63.
    Sittes in pädagogischer Absicht aufgestelltes Modell der Stufenfolgen des Lernens geht davon aus, daß der Bauernstand noch auf einer früheren Kulturepoche steht und deshalb primitiverer Lehrstufen bedarf. Diese Vorstellung von zeitgenössischer Ungleichzeitigkeit findet sich auch bei Spengler: »Der Bauer ist der ewige Mensch, unabhängig von aller Kultur, die in den Städten nistet. […] So nahm der westeuropäische Bauer alle Lehren der großen Konzile vom großen lateranischen bis zudem von Trient äußerlich entgegen wie die Ergebnisse der Maschinentechnik und der französischen Revolution. Er blieb deshalb doch, was er war, was er vor Karl dem Großen schon gewesen war. Die heutige Frömmigkeit des Bauern ist älter als das Christentum.« Spengler, a.a.O., S. 669Google Scholar
  63. 64.
    Diesen Bezug stellt auch Daniel Wieczorek her: »La continuité suggérée ainsi jouit sans doute aux yeux du Sitte pragmatique d’une faveur particulière, car elle a des implications concrètes immédiates et pointe versGoogle Scholar
  64. cette autre pratique chère au théoricien viennois: vers l’enseignement et la pédagogie, qui doivent essyer, génération aprés génération, de donner l’impulsion favorable à un nouvel essor.« Daniel Wieczorek, Camille Sitte et les débuts de l’urbanisme moderne. Brüssel 1981. S. 182Google Scholar
  65. 65.
    C.S, Das Entwerfen im Freihandzeichen-Unterricht. Sonder-Abdruck aus den Mittheilungen k.k. Oesterreich. Museums. Wien 1884. Inv.-Nr. 212 fGoogle Scholar
  66. 66.
    A.a.O., S. 3 fGoogle Scholar
  67. 67.
    A.a.O., S. 4Google Scholar
  68. 68.
    Franz Grillparzer, Sämtliche Werke. Hg. v. P. Frank u. K. Pörnbacher. München 1963. III. Bd., S. 247 69 Vgl. Jochen Schmidt, Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750–1945. Darmstadt 1985, Bd. 2, S. 119 ffGoogle Scholar
  69. 70.
    Vgl. J. Schmidt, a.a.O., S. 122 f. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Schriften des österreichischen Kunstkritikers und Literaten Hermann Bahr über die Entwicklung der naturalistischen, realistischen und modernen Kunst. Bahr war wie Sitte Mitarbeiter des »Neuen Wiener Tagblattes«. Vgl. Hermann Bahr, Die Überwindung des Naturalismus. Theoretische Schriften 18871904. Stuttgart, Berlin/Köln/Mainz 1968Google Scholar
  70. 71.
    Schmidt, a.a.O., S. 123Google Scholar
  71. 72.
    Sitte bezieht sich auf Sempers Schrift »Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architektur und Plastik bei den Alten« von 1834. Darin führt Semper die Stilverwirrung in der Architektur auf das Abkopieren von Bauvorbildern mittels durchsichtigem Ölpapier zurück: »Was für Wunder uns aus dieser Erfindung erwachsen. Ihr verdanken wir, daß unsere Hauptstädte als wahre extraits de mille fleurs, als Quintessencen aller Länder und Jahrhunderte emporblühen, so daß wir, in angenehmer Täuschung, am Ende selber vergessen, welchem Jahrhunderte wir angehören.« In: Gottfried Semper, Kleine Schriften. Hg. von Manfred und Hans Semper. Berlin & Stuttgart 1884. S. 217. Über Auswirkungen neuer Zeichentechniken auf die historische Entwicklung der Zeichen-und Entwurfspraxis vgl. Winfried Nerdinger, Die Architekturzeichnung. Vom barocken Idealplan zur Axonometrie. Katalog der Ausstellung des Deutschen Architekturmuseum Frankfurt/M. München 1986. S. 8–18Google Scholar
  72. 73.
    C.S., Entwerfen im Freihandzeichen-Unterricht, a.a.O., S. 6Google Scholar
  73. 74.
    A.a.O., S. 9Google Scholar
  74. 75.
    A.a.O., S 10.Google Scholar
  75. 76.
    A.a.O., S. 11Google Scholar
  76. 77.
    A.a.O., S. 14Google Scholar
  77. 78.
    C.S., Rezension des Buches »Das Zeichnen nach der Natur« von Albert Kornhas, in: Suppelement zum Centralblatt für das gewerbliche Unterrichtswesen in Oesterreich, Band 15, Heft. 3–4, o. J., Inv.-Nr. 212cGoogle Scholar
  78. 79.
    A.a.O., S. 4Google Scholar
  79. 80.
    C.S., Zur Lehrmittel-Ausstellung der Gewerbeschule, Salzburger Zeitung Nr. 95 u. 96, 1875, Inv.Nr. 206Google Scholar
  80. 81.
    Vgl. Max Liedtke, Johann Heinrich Pestalozzi, in: Klassiker der Pädagogik. Hg. von Hans Scheuerl. München 1991, S. 182Google Scholar
  81. 82.
    Julius Langbehn, Rembrandt als Erzieher. Leipzig 1890, S. 94Google Scholar
  82. 83.
    C.S., Zur Lehrmittel-Ausstellung der Gewerbeschule, a.a.O.Google Scholar
  83. 84.
    Goethe schrieb: »Wie die einfache Nachahmung auf dem ruhigen Dasein und einer liebevollen Gegenwart beruhet, die Manier eine Erscheinung mit einem leichten, fähigen Gemüt ergreift, so ruht der Stil auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, insofern uns erlaubt ist, es in sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen.« Johann Wolfgang von Goethe, Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil, in: J.W.v.G., Schriften zur Kunst. Werke, Hamburger Ausgabe, München 1988, Bd. 12, S. 32Google Scholar
  84. 85.
    Diese Gesetzmäßigkeiten entfaltet Sitte in seinen Schriften zum Kunstgewerbe ausführlicher. Vgl. S. 159 ffGoogle Scholar
  85. 86.
    Über die philosophische Hermeneutik im 19. Jahrhundert vgl. Herbert Schnädelbach, Philosophie in Deutschland 1831–1933. Frankfurt am Main 1983. S. 138–168. Vgl. auch Hans-Georg Gadamer, »Hermeneutik«, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg. von Joachim Ritter. Basel und Stuttgart 1974. Bd. 3, S. 1061–1073. Über Schleiermacher vgl. Manfred Frank, Einleitung zu F.D. Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik. Hg. von Manfred Frank. Frankfurt am Main 1977, S. 7–67. Über Dilthey und Droysen vgl. Wolfgang Hardtwig, Geschichtsschreibung zwischen Alteuropa und moderner Welt. Göttingen 1974, S. 36 f, 130 fGoogle Scholar

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© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 1998

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  • Michael Mönninger

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