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Marktwirtschaft, Wettbewerb und Aktienrecht

  • Jacek Bak
Part of the Ökonomische Analyse des Rechts book series (ÖAR)

Zusammenfassung

Die Effizienz wird im Rahmen dieser Abhandlung mit dem Pareto-Kriterium gemessen. Das ist nicht unbedenklich. Das grundsätzliche Problem der Verwendung des Pareto-Kriteriums liegt darin, dass dieses Kriterium jeder von einer Maßnahme betroffenen Person ein Veto-Recht einräumt, mit dem sie eine belastende Maßnahme verhindern kann. In der Rechtspolitik lässt sich schwer ein Vorschlag vorstellen, von dem nicht mindestens eine Person nachteilig betroffen wird. Es müsste allen Personen nach der Ausführung eines Vorschlages tatsächlich besser gehen als vorher. Dass das selten der Fall sein wird, lässt sich schwer bestreiten. Bei der Benutzung des Kaldor/Hicks-Kriteriums lassen sich solche Schwierigkeiten vermeiden. Wenn trotz dieser Bedenken am Pareto-Kriterium im Rahmen dieser Arbeit festgehalten wird, dann gibt es dafür einen konkreten Grund. Das Pareto-Kriterium hat seine größte Bedeutung im Zusammenhang mit dem Marktmechanismus und dem Grundsatz der Vertragsfreiheit. Denn wenn die Parteien einen Vertrag oder eine Transaktion freiwillig abschließen oder ausführen, dann verhält es sich offenbar so, dass beide Parteien von diesem Vertrag bzw. Transaktion einen Nutzen ziehen, denn sonst hätten sie den Vertrag nicht abgeschlossen. Da in einer Aktiengesellschaft auch eine Vielzahl unterschiedlicher Parteien ein Netz von Verträgen aus freiem Willen zusammenschließen, scheint es vertretbar zu sein, auf das Pareto-Kriterium abzustellen. 49

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Literatur

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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Jacek Bak

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