Advertisement

Deliberative Polling in der Praxis

  • Eva Johanna Schweitzer
Chapter
  • 46 Downloads

Zusammenfassung

Seit der Vorstellung der Grundgedanken des Deliberative Polling im Jahre 1988 wurde jenes Konzept weltweit bislang einundzwanzigmal zu unterschiedlichen Themen in die Praxis umgesetzt (vgl. Anhang, Tabelle A-1): Neben fünf britischen Projekten, zwei in Australien 1999 und 2001 organisierten Deliberative Polls zur Frage der Einführung einer Republik und der Versöhnung mit den Aboriginies sowie einem Deliberative Polling in Bulgarien zur Frage der Kriminalitätsbekämpfung und einer dänischen Anwendung zur Einführung des Euro erfolgten dabei allein zwölf der insgesamt einundzwanzig realisierten Deliberative Polls in den USA — zehn auf lokaler Ebene sowie zwei nationale Deliberative Pollings im Rahmen der sog. National Issues Conventions der Jahre 1996 und 2003.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 61.
    Die in der Literatur zu findenden Angaben über die Zahl der Personen, die tatsächlich am Deliberationswochenende in Manchester 1994 teilnahmen, schwanken: Während Fishkin (1995: 167; 1996: 136) zunächst von 300 Beteiligten, je 150 Männer und Frauen, berichtet, später in einem Aufsatz jedoch eine Zahl von 301 Teilnehmer nennt (vgl. Luskin/Fishkin/Jowell 2002: 455), konstatieren Vincent Price und Peter Neijens (1998: 152) insgesamt 302 Delegierte.Google Scholar
  2. 62.
    Fishkin (1996, 1997: 215/216; siehe auch Center for Deliberative Democracy 2003: 6; The Center for Deliberative Polling 2003: Deliberative Polls) führt jedoch weder die jeweils signifikanten Items im einzelnen auf, noch gibt er Auskunft über das gewählte Signifikanzniveau.Google Scholar
  3. 63.
    Hierbei ist anzumerken, daß die Aufführung prozentaler Veränderungen in den Einstellung der Delegierten vor und nach der Deliberation wiederum nur für 21 der insgesamt 52 veröffentlichten Deliverative Poll-Ergebnisse zur Premiere 1994 in Manchester vorgenommen wurde, wobei die Angabe entsprechender Signifikanzen unterblieb.Google Scholar
  4. 64.
    Umfragen des Eurobarometers aus dem Frühjahr 1999 zeigen, daß sich das Vereinigte Königreich von allen 15 EU-Mitgliedsländern nicht nur am wenigsten der EU zugetan fühlt, sondern mit 55% der in Großbritannien befragten Personen auch die Einführung des Euros am stärksten von allen EU-Mitgliedsländern ablehnte. Dabei fürchtete die britische Bevölkerung infolge der europäischen Integration vor allem den Verlust der nationalen Identität, den Transfer von Arbeitsplätzen in Länder mit geringeren Produktionskosten und die Zunahme international organisierter Kriminalität sowie des Drogenhandels (vgl. European Commission 1999: 9, 25, 61, 45.). Fehlende Kompromißbereitschaft und ein hohes Maß an politischem Eigensinn wird dabei nicht nur in den Befragungen des Eurobarometers in Großbritannien deutlich, sondern auch in den Meinungsumfragen des Instituts für Demoskopie Allensbach: Im Rahmen einer Befragung der deutschen Bevölkerung zur Europäischen Union vom 26. April bis zum B. Mai 2001 gaben mit 32% die meisten Bürger an erster Stelle Großbritannien als jenes Land an, welches ihrer Meinung nach am wenigsten bereit sei, im Rahmen der EU Kompromisse einzugehen (vgl. Elisabeth Noelle-Neumann 2001b: 5).Google Scholar
  5. 65.
    Fishkin (1996: 139) spricht zwar allgemein von „massive, statistically significant changes“ im Rahmen des Deliberative Polling 1995, führt diese jedoch auch hier nicht für die verschiedenen Befragungsitems im einzelnen auf (vgl. Center for Deliberative Democracy 2003: 6; Fishkin 1997: 216/217; The Center for Deliberative Polling 2002: Deliberative Polls).Google Scholar
  6. 66.
    Wie bei den zuvor dargestellten Ergebnissen der ersten beiden britischen Deliberative Pollings ist jedoch auch hier anzumerken, daß — mit Ausnahme des Deliberative Polling im Jahre 1997 — als signifikant ausgewiesene Veränderungen in den Einstellungen der Delegierten nicht gesondert in den entsprechenden Projektberichten aufgeführt werden. Zudem ist nur ein Teil der insgesamt erhobenen Befragungsergebnisse der nachfolgenden britischen Deliberative Pollings veröffentlicht worden, so daß an dieser Stelle auf die gegebene Einschränkung der Ergebnisinterpretation hinzuweisen ist, die mit dem publizistischen Auswahlverhalten der Organisatoren in der Präsentation ihrer Forschungsbefunde einhergeht.Google Scholar
  7. 67.
    Die NIC wurde von der Universität Texas als Veranstalter, den nationalen Presidential Libraries mit Hilfe von Freddie Mac sowie von der Annie E. Casey Foundation, Southwestern Bell, American Airlines, The National Issues Forums (NIF), der Stadt Austin und dem Fernsehsender Public Broadcasting Service (PBS) finanziell unterstützt (vgl. Merkle 1996: 590).Google Scholar
  8. 68.
    Neben den von Public Agenda in Zusammenarbeit mit der Kettering Foundation erstellten Diskussionsmaterialien zu den Themen des Deliberative Polling, die in ihrer Genauigkeit und inhaltlichen Ausgewogenheit von einem unabhängigen Komitee unter dem Vorsitz der vormals Kongreß-Angehörigen Barbara Jordan und William Frensel überprüft wurden, bot das NORC mit einem finanziellen Aufwand von über 500.000 Dollar den Befragten der Ausgangsstichprobe zusätzliche Unterlagen an, die sie von der Legitimität des Projekts und vom Besuch der geplanten Deliberationsveranstaltung überzeugen sollten. Darunter befand sich u.a. an zweieinhalbminütiges Video mit Jim Lehrer von PBS, ein Brief des Präsidenten der Universität Texas sowie Zeitungsartikel über das geplante Deliberative Poll-Ereignis und eine gebührenfreie Telefonhotline zur weiteren Information (vgl. Merkle 1996: 597).Google Scholar
  9. 69.
    Von der Terminierung der National Issues Convention an einem footballfreien Wochenende verspach man sich dabei nicht nur höhere Einschaltquoten innerhalb der amerikanischen Bevölkerung, sondern auch höhere Partizipationsraten unter den Delegierten der Deliberative Poll-Veranstaltung, wohlwissend, daß die NIC der National Football League (NFL), insbesondere am Tag des Superbowls, in bezug auf das öffentliche Interesse unterlegen wäre (vgl. Boldt 1999: 95).Google Scholar
  10. 70.
    Zu diesen und folgenden Prozentangaben bezüglich der Meinungsverhältnisse unter den Delegierten bei der National Issues Convention 1996 vgl. Fishkin/Luskin (1999a: 21–25); The Center for Deliberative Polling (2002: Deliberative Polls).Google Scholar

Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Eva Johanna Schweitzer

There are no affiliations available

Personalised recommendations