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„Taking Democracy Seriously“ — Die theoretische Konzeption des Deliberative Polling

  • Eva Johanna Schweitzer
Chapter

Zusammenfassung

Professor James S. Fishkin, der in Yale (USA) und Cambridge (Großbritannien) Politikwissenschaft und Philosophie studierte und heute gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Shanto Iyengar als Leiter des Center for Deliberative Democracy an der Universität Stanford tätig ist (vgl. Center for Deliberative Democracy 2003; Center for Deliberative Polling 2000a)52, veröffentlichte sein Konzept des „Deliberative Polling“ erstmals im August 1988 — zu diesem Zeitpunkt noch unter der Bezeichnung „National Caucus“ — in einem Aufsatz für die Zeitschrift The Atlantic Monthly53. Argumentativer Ausgangspunkt jenes Artikels, wie auch der nachfolgenden Monographien zum Gegenstand des Deliberative Polling (vgl. Fishkin 1991, 1995, 1997), ist die These Fishkins, daß sich das politische System der Vereinigten Staaten von der einst durch die Gründerväter verfassungsmäßig beschlossenen repräsentativen Demokratie im Sinne Madisons durch zahlreiche partizipatorische Zugeständnisse an die Bevölkerung, wie z.B. in Form der durch Amendments legitimierten Primaries oder Referenda, entfernt und damit zugleich dem Entstehen einer „mass democracy“ (Fishkin 1995: 62) Vorschub geleistet habe. Jene sei dabei entsprechend der konstatierten Kennzeichen der politischen Kommunikationskrise nicht nur durch ein mangelndes Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger in der Wahrnehmung ihrer demokratischen Pflichten gekennzeichnet, wie es die Theorie der Rational Choice von Anthony Downs (1957) als ökonomisch angesichts der minimalen direkten Einflußmöglichkeit einer einzigen Wahlstimme unter den Stimmen aller Wahlberechtigten ansieht, sondern vor allem durch das Fehlen intensiver Beratungen und Diskussionen über politische Sachfragen: „Pursuit of a direct-majoritarian vision reminiscent of the Anti-Federalists has led us empty the system of effective deliberation by bringing power to the masses under conditions where the masses have little chance to deliberate about the power they exercise“ (Fishkin 1991: 20).

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Literatur

  1. 52.
    Bis zum 1. September 2003 leitete James S. Fishkin das Center for Deliberative Polling an der Universität Texas in Austin, das nun unter dem neuen Namen „Center for Deliberative Democracy“ an der Universität Stanford weitergeführt wird (vgl. Center for Deliberative Democracy 2003: 2 ).Google Scholar
  2. 54.
    Der Begriff der „non-attitudes“ geht ursprünglich auf Philip E. Converse (1970) zurück.Google Scholar
  3. 55.
    Ähnlich argumentiert auch Noelle-Neumann (1991: 112): „Die Demoskopie nimmt in diesem Fall den Medientenor auf, sie zeigt in einer Art von Echo-Demoskopie die Resonanz bei der Bevölkerung; diese Ergebnisse werden dann veröffentlicht und untersucht und verstärken ihrerseits den Medientenor.“Google Scholar
  4. 56.
    Im antiken Sparta wurden die Mitglieder des Rates durch eine Methode namens „apella“ (engl.: „Shout”) gewählt, bei der die Lautstärke des Applauses der anwesenden Bevölkerung für einen Kandidaten über dessen Amtswahl entschied (vgl. Fishkin 1995: 23).Google Scholar
  5. 59.
    Fishkin (2000: 10/11) sucht damit das von George Gallup bei einem Vortrag 1938 in Princeton formulierte Ideal eines „sampling referendum“ zu verwirklichen, welches basierend auf den Möglichkeiten der Demoskopie eine Stadtversammlung neuenglischen Vorbilds („Town Hall Meeting”) auf Nationalstaatebene zu konstituieren hoffte (vgl. Gallup 1939: 14–15).Google Scholar

Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Eva Johanna Schweitzer

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