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Jean-Luc Benoziglio

  • Steffen Richter
Part of the Literaturwissenschaft/Kulturwissenschaft book series (LWKW)

Zusammenfassung

Wenn er so weitermache, werde er bald nur noch das 6. Arrondissement oder sich selber blenden, warnte der Starkritiker Bertrand Poirot-Delpech von Le Monde, als Jean-Luc Benoziglio 1978 mit L’écrivain fantôme seinen fünften Roman veröffentlichte. Die Vorwürfe, die gegen den Autor erhoben wurden, betrafen vor allem seinen angeblichen Elitarismus („jeux pour initiés“), das Festhalten an der Vorstellung eines kompromißlos auf das Abenteuer der eigenen écriture ausgerichteten Schreibens („l’aventurier de la plume, qui risque quelque chose en se refusant rien“), welches das ‘Metier’ des Schriftstellers insofern verrate, als es mit dem Auftrag breche, eine Kommunikation „au-delà de la petite famille“ herzustellen. Und natürlich ist es die gute alte intrigue, die man im Zentrum jener „fictions ‘réalistes’“ vermißte, nach denen es das Publikum vorgeblich verlangte.20 Daß sich für den Autor zum permanenten ökonomischen Mißerfolg nun selbst die Kritik ansonsten wohlmeinender Rezensenten gesellte, muß ihm als ‘Alarmzeichen’ erschienen sein. Bei Erscheinen seines nächsten Romans Cabinet portrait (1980) jedenfalls versprach Benoziglio, sich dem ungeheuren Druck zu beugen und endlich Bücher zu schreiben, in denen die Sätze von dezenter Länge und die Satzzeichen mehr oder weniger an ihrem Platz sind, die Parenthesen nicht mehr überborden und eine Geschichte von biblischer Einfachheit erzählt wird … Kurz, ein Großteil des Arsenals experimenteller Schreibtechniken wurde programmatisch verabschiedet. Noch im selben Jahr, also nahezu postwendend, verlieh man ihm den renommierten Prix Médicis.

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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 2003

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  • Steffen Richter

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