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Sizilien pp 128-139 | Cite as

Enna

  • René König
Part of the René König · Schriften · Ausgabe letzter Hand book series (RKSALH, volume 5)

Zusammenfassung

Nur wo Höhe ist, ist die Tiefe gegenwärtig, denn je bedeutender ein Bauwerk aufsteigt, desto weiter müssen seine Fundamente sich unterirdisch verzweigen. So lebt Enna mit fünfzigtausend Einwohnern hoch in der Luft auf einem ragenden Felsstock tausend Meter über dem Meere, viele hundert Meter über der umgebenden Landschaft, und doch stieg am unweiten See von Pergusa Pluto, der Herr der Unterwelt, auf einem Gespann mit schwarzen Rossen ans Licht und entführte die liebliche Jungfrau Persephone, die mit ihren Gespielinnen Narzissen sammelte. Ihre Mutter Demeter zündete am Ätna eine Fackel an, um jammernd auf der Suche nach ihrem Kinde die Welt zu durchstreifen, während die Erde weithin verdörrte. Wer aber jemals in die Tiefe sah, ist niemals mehr ganz und restlos der Oberwelt zurückzugewinnen. Persephone aß von dem Granatapfel Plutos, und jetzt konnte nicht einmal Zeus ihr helfen. So gab er seine Einwilligung zur Hochzeit mit Pluto. Als Mitgift erhielt Persephone vom Göttervater die Insel Sizilien, die er selber vom Ätnagipfel aus beherrschte. Zum Tröste für die Mutter erlaubte er, dass Persephone nur das eine Drittel des Jahres bei ihrem Gatten in der Unterwelt, die andern zwei Drittel aber bei ihrer Mutter am Lichte verbringen sollte; wie das Korn, das am Eingang des Winters in die Erde versenkt wird, mit seinen Wurzeln sich in der Stille der Unterwelt vermählt, um dann im Frühling mit gewaltigem Stoß heraufzusteigen an das Licht der Sonne. Die Reife kommt aus dem Tag, die Kraft aber aus der Nacht.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005

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  • René König

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