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Fichtes Berliner Universitätsplan

Chapter
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Part of the Schriften · Ausgabe letzter Hand book series (RKSALH, volume 2)

Zusammenfassung

Gingen alle bisherigen Pläne zur Universitätsreform von der Wirklichkeit der Universität aus, so nimmt Fichte seinen Ausgang von der Idee. Damit ist nicht gesagt, daß die Wirklichkeit einfach übersehen würde; vielmehr wird ein ganz neues Verhältnis zwischen Idee und Wirklichkeit gesetzt: die Wirklichkeit hat sich nach der Idee zu richten. „Die allgemeinen Merkmale der Gründlichkeit eines Planes, der sich nicht bescheiden vermag, ein bloßer schöner Traum zu seyn, sondern der auf wirkliche und alsbaldige Ausführung Anspruch macht, sind diese: daß er zuvörderst nicht etwa die wirkliche Welt liegen lasse und für sich seinen Weg fortzugehen begehre, sondern daß er durchaus auf sie Rücksicht nehme, wiewohl allerdings nicht in der Voraussetzung, daß sie bleiben solle, wie sie ist, sondern daß sie werden solle, und daß im Fortgange nicht Er sich ihr, sondern Sie sich ihm bequeme“17. Wirklichkeit ist also nicht mehr etwas Vorge-fundenes, Hinzunehmendes, sondern ein erst zukünftig (in unendlicher Annäherung) zu Verwirklichendes, ständige Aufforderung, unendliche Aufgabe. Dies ist der bezeichnende Wirklichkeitsbegriff der Reformperiode, der allerdings von dem der Aufklärung um eine Welt geschieden ist. Wer jemals diesen in einer sittlichen Dynamik begründeten Wirklichkeitsbegriff verstanden hat, wird vor dem trivialen Urteil bewahrt sein, daß Fichtes Plan „nur“ ein Traum, „nur“ ein Ideal sei, dem „leider“ die wirklichen Verhältnisse entgegenständen. Verhältnisse der gegenwärtigen Wirklichkeit sind überhaupt nur insofern wirklich, als sie sich vor dem Ideal beugen lassen, als sie erfaßt werden von jener rastlosen Tätigkeit der absoluten Vernunft, die auch den letzten Bestandteil des Daseins zu sich hinaufzieht. Auch die Wirklichkeit hat ihre Idee, und diese ist unendliche Tätigkeit.

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© Leske + Budrich, Opladen 2000

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