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Funktionale Differenzierung, Durchorganisierung und Integration der modernen Gesellschaft

  • Uwe Schimank

Zusammenfassung

Dieses Kapitel — ursprünglich veröffentlicht in: Veronika Tacke (Hrsg.), Organisation und gesellschaftliche Differenzierung. Wiesbaden, 2001: Westdeutscher Verlag, 19–38 — greift ein weiteres Charakteristikum der modernen Gesellschaft auf: dass sie auch eine Organisationsgesellschaft ist. Dieses Merkmal wird zur funktionalen Differenzierung in Beziehung gesetzt und daraufhin betrachtet, was es für die gesellschaftliche System- und Sozialintegration bedeutet.

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Literatur

  1. 202.
    Organisationsgesellschaft soll also nicht etwa besagen, dass die ganze Gesellschaft eine einzige Organisation sei oder dass sämtliche gesellschaftlichen Vorgänge im Rahmen von irgendeiner Organisation stattfänden. Genauso wenig ist gemeint, dass Durchorganisierung das wichtigste Merkmal zur Charakterisierung der modernen Gesellschaft ist.Google Scholar
  2. 203.
    Zu Deutungsstrukturen im Unterschied zu Erwartungs- und Konstellationsstrukturen siehe Schimank (2000a: 176–179).Google Scholar
  3. 204.
    Dies ist schwächer formuliert als in Schimank (1996: 244), wo eine wechselseitige Auferlegung von Fügsamkeit nahegelegt wird — was aber erst durch formale Organisationen geschieht, wie gleich angesprochen werden wird.Google Scholar
  4. 205.
    Siehe hierzu im Rahmen einer Betrachtung der anthropologischen Prämissen von Luhmanns Theorie Kapitel 4. Mit Alain Touraine (1992) müsste man davon sprechen, dass in Luhmanns Gesellschaft keine „actors“, sondern lediglich „agents“ auftreten.Google Scholar
  5. 206.
    Allgemein dazu Schimank (1992c). Zugrunde gelegt wird hier eine Vorstellung von individuellen Akteuren, die diesen unterstellt, dass sie Ziele verfolgen, die nicht immer mit den jeweils gegebenen sozialen Strukturen konform gehen. Man könnte demgegenüber eine „oversocialized conception of man“ (Wrong 1961) annehmen, womit alle im weiteren behandelten Probleme sozusagen wegdefiniert wären. Mir erscheint ein Akteurkonzept plausibler, das ein irreduzibles Spannungsverhältnis zwischen dem Streben nach Erwartungssicherheit und Zielverfolgung behauptet.Google Scholar
  6. 207.
    André Kieserling (1999: 82) notiert denselben Sachverhalt mit Blick auf Beteiligte an Interaktionen ebenfalls als „Zumutung“: „Es versteht sich nicht von selbst, dass Anwesende es sich klaglos gefallen lassen, wenn ihre Möglichkeiten auf ein binäres Schema gebracht werden…“Google Scholar
  7. 209.
    Im Sinne von Richard Emersons (1962) Überlegungen zu „power-dependence relations“ steigert Austauschbarkeit Egos für Alter des letzteren Macht über ersteren und damit dessen Fügsamkeit gegenüber Alter — sofern Ego von Alter abhängig ist. Vorausgesetzt ist also auf seiten Egos die Institutionalisierung von Lohnarbeit als dominanter Form der Sicherung des Lebensunterhalts sowie auf seiten Alters — der Organisation — die Möglichkeit, Mitarbeiter entlassen zu können. Beides ist historisch erst mit der Ausdifferenzierung des modernen Wirtschaftssystems etabliert worden.Google Scholar
  8. 210.
    Siehe dazu am Beispiel von Forschungseinrichtungen Luhmann (1990a: 672–680). Generell zu dessen Sicht des Zusammenhangs von formalen Organisationen, im Zusammenspiel mit — hier nicht weiter zu behandelnden — symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien, und funktionaler Differenzierung der Gesellschaft siehe Luhmann (1987c; 1988a: 272–316; 1994a; 1997: 826–847; 2000: 380–416).Google Scholar
  9. 211.
    In seiner vergleichenden Betrachtung von drei basalen Mechanismen sozialer Koordination — Markt, Gemeinschaft und Organisation — gelangt Helmut Wiesenthal (2000) zum selben Ergebnis: Die spezifische Leistungsfähigkeit von Organisationen liege in der Herstellung von „Zuverlässigkeit“.Google Scholar
  10. 213.
    Sehr ähnlich auch Luhmann (2000: 110) zu den „Motivunterstellungen“ von Mitgliedschaft als sozialer Konstruktion.Google Scholar
  11. 214.
    Wie weit dies mittlerweile in vielen Adressatenbeziehungen geht, zeigt George Ritzer (1993) in seinen Untersuchungen zur „McDonaldisation“ der zeitgenössischen Gesellschaft plastisch auf.Google Scholar
  12. 215.
    Es mag Organisationen geben, deren Aufgabenstellung in keines der gesellschaftlichen Teilsysteme hinein fällt — vielleicht Schützenvereine oder andere auf Geselligkeit ausgerichtete Organisationen. Und es gibt Organisationen, die gleichberechtigt Aufgabenstellungen aus zwei oder noch mehr Teilsystemen haben. Zu einem solchen „organisatorischen Nebeneinander“ siehe Braun/Schimank (1992) am Beispiel von Hochschulen.Google Scholar
  13. 216.
    Das schließt nicht aus, dass man als untergeordnete Aufgabe oder als nützlichen Nebeneffekt Leistungen vorsieht oder hinnimmt, die anderen Teilsystemen zugeordnet werden, also etwa die pädagogische Nützlichkeit des Sporttreibens Jugendlicher. Ein interessanter Sonderfall ist die kommerzielle, also gewinnorientierte Erbringung von Leistungen, die nicht dem Wirtschaftssystem zugerechnet werden. In Instituten für Auftragsforschung oder privaten Fernsehsendern dominiert faktisch, aber nicht selten bei permanentem schlechten Gewissen der Mitarbeiter, die wirtschaftliche Logik — siehe dazu auch Pierre Bourdieus (1998) Konzept der „Intrusion“. Auch dann ist aber gewährleistet, dass den individuellen Akteuren eine Teilsystemlogik organisatorisch nahegebracht wird.Google Scholar
  14. 217.
    Woraus sich dann das Problem der Fügsamkeit mit den einzelnen Teilsystemlogiken ergibt.Google Scholar
  15. 218.
    Was nicht ausschließt, dass eine Organisation, die einem bestimmten Teilsystem angehört, Untereinheiten ausdifferenziert, die andere Teilsysteme repräsentieren — etwa Rechts- oder Forschungsabteilungen von Unternehmen. Zu solchen „organisatorischen Einbettungen“ siehe ebenfalls Braun/Schimank (1992).Google Scholar
  16. 219.
    Bei Interessenorganisationen ist also die organisatorische Disziplinierung der Individuen im Sinne der jeweiligen Teilsystemlogik eigentlich eine kollektive Selbstdisziplinierung der individuellen Mitglieder mittels Organisation.Google Scholar
  17. 220.
    Vieles von dem, was Renate Mayntz (1988: 20/21, 23–26) als „Gebildecharakter“ gesellschaftlicher Teilsysteme anspricht, bezieht sich auf organisationsgesellschaftliche Merkmale.Google Scholar
  18. 221.
    Thomas Meyer (1992) spricht von „Privatheit“.Google Scholar
  19. 223.
    Auch Jürgen Habermas (1981) These einer „Kolonialisierung der Lebenswelt“ durch das politische System und das Wirtschaftssystem begründet sich, genau besehen, vor allem aus Argumenten, die implizit oder explizit den Tatbestand der Organisationsgesellschaft hervorheben.Google Scholar
  20. 224.
    Als eine sehr anschauliche Fallstudie dazu siehe Kreutzer (2001) zum Beruf in der ehemaligen DDR.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005

Authors and Affiliations

  • Uwe Schimank

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