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Zusammenfassung

Zum schon oft verzeichneten Kernbestand des Selbstverständnisses der Moderne gehört ein radikales Kontingenzbewusstsein. Nahezu alles könnte auch ganz anders sein. Wie Robert Musils (1930: 16) „Mann ohne Eigenschaften“eignet der Moderne ein nicht bloß ausgeprägter, sondern geradezu wildgewordener „Möglichkeitssinn“:

Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muß geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müßte geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.

Zur Radikalität dieses Kontingenzbewusstseins gehört, dass es selbst nicht kontingent ist, also nicht weggedacht werden kann. Die Moderne wird es nicht mehr los, ohne aufzuhören, Moderne zu sein.1

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Literatur

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    Siehe auch die Gegenüberstellung von „progressive rhetoric“und „rhetoric of reaction“bei Albert Hirschman (1991).Google Scholar
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    Nicht von ungefähr hat Luhmann (1997: 866–1149) der endgültigen Ausarbeitung seiner Gesellschaftstheorie einen umfangreichen Teil über gesellschaftliche Selbstbeschreibungen hinzugefügt.Google Scholar
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    Zu Letzterem siehe Schimank/Volkmann (1999: 23–30).Google Scholar
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    In der Manuskriptfassung von Degele (1999) hieß es gar drohend: „Wer über Differenzierung spricht, darf über Integration nicht schweigen.“Google Scholar
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    Wenn Luhmann (1997: 601–608) und daran anschließend noch dezidierter Armin Nassehi (1997; 2001) die Integrationsfrage differenzierungstheoretisch tiefer hänger wollen, tun sie das bezeichnenderweise mit einem für Luhmann nicht unüblichen semantischen Trick. Der Integrationsbegriff wird umdefiniert, und das, was üblicherweise unter Integration verstanden wird, wird unter anderem Namen — etwa: „Differenzierungsfolgen“(Nassehi 1999) — weiter behandelt. Wenn man Sprachverwirrung für Erkenntnisfortschritt hält…Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005

Authors and Affiliations

  • Uwe Schimank

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