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Intergruppenwettbewerb

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Zusammenfassung

In der in Kapitel 3 diskutierten Arbeit von Quillian (1995) wurde angenommen, daß eine schlechte makro-ökonomische Situation (ebenso wie ein hoher Anteil der Minoritätsangehörigen) eine Bedrohung der Vormachtstellung der Mehrheit darstelle („group threat“) und fremdenfeindliche Einstellungen bei allen Majoritätsangehörigen verursache (vgl. Quillian, 1995, 590). Warum ausgerechnet Minderheitenangehörige zur Zielscheibe von Vorurteilen bei schlechten ökonomischen Bedingungen werden, wird von Quillian unter Hinweis auf die Suche nach Sündenböcken („scapegoating“) bzw. einen verschärften Wettbewerb mit Minderheitenangehörigen begründet. Trifft die Konkurrenzthese zu, dann läßt sich ohne weitere Annahmen allerdings nicht schlüssig begründen, warum eine schlechte ökonomische Lage bei allen Mehrheitsangehörigen die Ausbildung von fremdenfeindlichen Vorurteilen fördert. Gegen eine homogene Reaktion sprechen äußerst verschiedene Interessenlagen auf Seiten der Mehrheitsangehörigen (vgl. bereits Bonacich, 1972, 553 f. und Blalock, 1967, 150).

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Literatur

  1. 1.
    „Relative deprivation should always be understood to mean a sense of deprivation; a person who is ‘relatively deprived’ need not be ‘objectively’ deprived in the more usual sense that he is demonstrably lacking something“(Runciman, 1972, 12, Hervorhebung im Original).Google Scholar
  2. 2.
    Daneben sind zwei weitere Typen möglich: Personen, die keine Deprivation wahrnehmen und Personen, die sowohl im Hinblick auf ihre Position in der Gruppe als auch die Position der Gruppe in der Gesellschaft depriviert sind (vgl. Runciman, 1972).Google Scholar
  3. 3.
    Es wurden verschiedene Wettbewerbe zwischen den Gruppen organisiert, bei denen die Gruppe der Sieger Geschenke erhielt, während die Verlierergruppe leer ausging (vgl. zu den Experimenten Hogg und Abrams, 1988, 42–47).Google Scholar
  4. 4.
    Andere Autoren haben im Gegensatz dazu argumentiert, daß unter bestimmten Bedingungen gerade assimilierte Minderheiten als Sündenböcke herhalten müßten. Und zwar dann, wenn die Frustrationsquelle zwar bekannt aber zu mächtig sei und die gesellschaftlich weniger geschützte assimilierte Minderheit dieser gleiche, z.B. hinsichtlich ihrer ökonomischen Position: „such a substitute is likely to be as similar as possible to the actual source, while at the same time not involving a high risk of punishment for aggression. Since the middleman minority has enjoyed an economic status not too dissimilar from that of the elite group,…., when left unprotected, becomes an ideal scapegoat“(Blalock, 1967, 81) Betroffen wären damit insbesondere statushohe Minderheiten.Google Scholar
  5. 5.
    Runciman (1972) analysiert die Differenz zwischen sozialer Ungleichheit (objektiver Deprivation) und verschiedenen Formen wahrgenommenen Ungleichheit (relativer Deprivation) auf drei Dimensionen — Klasse, Status und Macht — in England zwischen 1918 und 1962.Google Scholar
  6. 6.
    Obwohl der Blalocksche Ansatz auch auf andere als sozio-ökonomische Konkurrenz angewendet werden könnte, ist der Erklärungsansatz nach Ansicht des Autors hier besonders sinnvoll. Ökonomische und Status-Ziele sind seiner Ansicht nach nur mit einer begrenzten Zahl an Mitteln zu erreichen, weshalb die Wahl der Mittel (und damit auch Diskriminierung) relativ einfach vorhersagbar sei.Google Scholar
  7. 7.
    Nach neoklassischer Argumentation (vgl. Becker, 1957) laufen Vorurteile und Diskriminierung auf eine Verringerung des Unternehmensgewinns hinaus. Während Beschäftigte durch Diskriminierung gewinnen, verlieren Unternehmer demnach durch Diskriminierung. Becker (1957) führt die von ihm belegte Diskriminierung durch Unternehmer auf marktexogene Faktoren zurück.Google Scholar
  8. 8.
    Blalock (1967) illustriert am Beispiel der amerikanischen Baseballliga, in der sich die schwarzen Spieler nach Aufhebung der Rassentrennung in den Clubs sehr schnell durchsetzen konnten, den Fall, daß Diskriminierungsstrategien von Seiten der weißen Spieler ohne Erfolg bleiben mußten. Er begründet dies mit der ausgeprägten Wettbewerbsnorm im Leistungssport. Diese äußere sich darin, daß die Fähigkeiten der Spieler sehr einfach bewertet werden könnten, die Leistung einzelner Spieler der ganzen Gruppe zugute käme bzw. die Spieler eines Teams nicht miteinander konkurrierten. Diskriminierung von Seiten der weißen Spieler hatte keinen Aussicht auf Erfolg, weil diese insbesondere den Interessen der (mächtigeren) Teamchefs zuwidergelaufen wäre (vgl. Blalock, 1967, 92–100).Google Scholar
  9. 9.
    Da Intergruppenwettbewerb hier über die Größe der beteiligten Gruppen definiert wird, sind Annahmen über den Einfluß der Größe der Minderheit auf Intergruppenwettbewerb nicht mehr möglich.Google Scholar
  10. 10.
    Das heißt natürlich nicht, daß beispielsweise Immigranten über dieselbe Qualifikationsstruktur verfügen wie Einheimische; es bedeutet vielmehr, daß sie bei gleicher Qualifikation ein niedrigeres Lohnniveau und schlechtere Arbeitsbedingungen akzeptieren.Google Scholar
  11. 11.
    Umgekehrt können geteilte Arbeitsmärkte das Resultat nicht-ethnisch bedingter Unterschiede in Ressourcen oder Zielen von Gruppen sein; die Autorin nennt hier neben derGoogle Scholar
  12. Frauenerwerbstätigkeit die Beschäftigung von Gefangenen. Während Frauen häufig einen niedrigeren Lohn akzeptierten, weil sie häufig ein zusätzliches Einkommen erwürben, fehle es Gefangenen an politischen Ressourcen zur Durchsetzung höherer Löhne (vgl. Bonacich, 1972, 552).Google Scholar
  13. 12.
    Zur Berechnung international vergleichbarer Arbeitslosenquoten werden unterschiedliche Datenquellen und damit zusammenhängend Definitionen von Arbeitslosigkeit benutzt, weshalb Angaben in verschiedenen Publikationen voneinander abweichen können. Die in Tabelle 5.1 dargestellten Daten basieren im wesentlichen auf Umfragen, in Deutschland auf dem Mikrozensus. Als arbeitslos gelten Personen, die während einer angegebenen Referenzperiode ohne bezahlte Arbeit und nicht selbständig waren, zur Aufnahme einer bezahlten Tätigkeit zur Verfügung standen und Schritte zur Arbeitssuche unternommen hatten (wie Registrierung bei offiziellen Ämtern, Bewerbungen etc.) (vgl. OECD, 2001b, xiif.).Google Scholar
  14. 13.
    Die finnische Auswanderung erfolgte dabei weitgehend nach Schweden.Google Scholar
  15. 14.
    In Italien betrug der Anteil der Albaner an allen Ausländern 1995 3,5%, 1998 bereits 7,3% (vgl OECD, 2000, 340).Google Scholar
  16. 15.
    Bade (2000, 434) gibt einen Anteil der Albaner an der Bevölkerung Griechenlands von rund 3,5% (1994) an.Google Scholar
  17. 16.
    Franzosen stellen den höchsten Anteil an den in Luxemburg beschäftigten Ausländern (rund 32%), gefolgt von Portugiesen (22%), Belgiern (-18%) und Deutschen (12%) (Zahlenangaben für 1997)(vgl. OECD, 2000, 359).Google Scholar
  18. 17.
    20% der ausländischen Erwerbspersonen sind in Frankreich Portugiesen, rund 15% Algerier und 14% Marokkaner (Daten für 1999) (vgl. OECD, 2000, 357).Google Scholar
  19. 18.
    Nach Angaben des Bundeskanzleramtes wurden in den ersten beiden Jahren rund 12.500 Menschen angeworben.Google Scholar
  20. 19.
    Geringere Anteile ausländischer Beschäftigter als in Tabelle 5.2 resultieren in einem Teil der Staaten daraus, daß lediglich die Anteile an den Erwerbstätigen und nicht an allen Erwerbspersonen wiedergegeben sind, da die Arbeitslosenquote der Ausländer tendenziell über der der Inländer liegt (vgl. OECD, 2001c) und die Datengrundlage sich unterscheidet. Abweichungen treten in Belgien, Dänemark, Italien, Portugal und vor allem Luxemburg auf. In Luxemburg ist der Anteil deutlich geringer (ca. 40%), da der Labour Force Survey auf der Wohnbevölkerung basiert, die Angaben in Tabelle 5.2 dagegen auf Arbeitsbewilligungen, d. h. auch Grenzgänger sind dort berücksichtigt.Google Scholar
  21. 20.
    Eine Alternative zu offiziellen Statistiken bzw. vorhandenen Analysen besteht prinzipiell darin, anhand der zur Analyse fremdenfeindlicher Einstellungen verwendeten Daten die Entlohnung nach Tätigkeitsbereichen zumindest ansatzweise zu untersuchen. Der Verwendung der im folgenden analysierten Eurobarometerdaten in diesem Sinne steht jedoch entgegen, daß die Grundgesamtheit nicht die Wohnbevölkerung der einzelnen EU-Staaten umfaßt, sondern die in einem EU-Staat lebenden Staatsangehörigen eines EU-Staates. Drittstaatenangehörige wurden gemäß der Definition der Grundgesamtheit nicht befragt. Die Eurobarometerdaten beinhalten also keine Informationen über die berufliche Stellung und die Bildungsstruktur von Drittstaatenangehörigen.Google Scholar

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

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