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Macht und Moral in zivilisationstheoretischer Perspektive

  • Georg W. Oesterdiekhoff
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Zusammenfassung

Nach Auffassung des Herausgebers dieses Sammelbandes gehören „Macht und Moral untrennbar zusammen, denn Moral wird durch Macht konstituiert. Moral, moralisches Handeln und moralische Motivation werden durch Sanktionen gestützt, durch Internalisierung kontrolliert und durch Machtanwendung stabilisiert.“ Hier sind Differenzierungen nötig. Soll der Hinweis auf den untrennbaren Zusammenhang bedeuten, Moral und Macht seien substantiell identisch? Ist die Moral nur ein Vehikel, eine Funktion oder gar nur eine Emanation, ein Sonderbereich der Macht, eine verkappte oder modifizierte subtile Form der Macht (liber die Rolle der Macht in sozialen Beziehungen vgl. Fürstenberg 1995: 67 ff.; Popitz 1992)? Schon die Verwendung zweier Begriffe indiziert, dass die obige Aussage nicht so gemeint sein soll, Macht und Moral seien substantiell und in jeder Hinsicht identisch. Eine grenzbegriffliche Unterscheidung ist impliziert. Es wird jedoch angenommen, dass moralische Regeln, Regungen, Haltungen und Handlungen weitgehend von Phänomenen der Macht gesteuert werden. Die Macht steuert dieser Auffassung zufolge das moralische Handeln der von ihr regulierten und ihr unterworfenen Menschen im Sinne der Aufrechterhaltung der Macht. Die Moral besteht geradezu darin, die Menschen zu veranlassen, im Sinne der Macht zu handeln. Den Menschen erscheint es als moralisch, im Sinne der Macht zu handeln, da die Macht auf subtilem Wege sich in den Köpfen der Menschen eingenistet hat, um sie zu bewegen, auch gegen ihre Interessen machtkonform zu handeln.

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© Westdeutscher Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Georg W. Oesterdiekhoff

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