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Nietzsches Genealogie der Moral. Eine Herkunfts- und Destruktionsgeschichte des Sinnhorizonts moderner Kultur

  • Gerald Hartung
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Zusammenfassung

Das Selbstverständnis unserer modernen Kultur ist an die Bewusstseinsstellung gekoppelt, dass die Fragen nach dem Sinn kultureller Existenz in einem offenen Horizont diskutiert werden. Mit der Destruktion des metaphysischen Weltbildes, die in der Kantischen Revolution der Denkungsart und der Darwinschen Festschreibung des Entwicklungsgedankens unaufhaltsam vorangeschritten ist, hat sich seit dem 19. Jahrhundert eine geistige Situation herauskristallisiert, deren letzte Konsequenzen noch nicht abschätzbar sind. Die Rede vom Tod Gottes, von Heine als Konsequenz der Kantischen Vernunftkritik gelesen und von Nietzsche als Grundlage einer neuen Verkündigung vom Sinn des Lebens (Also sprach Zarathustra) genommen, markiert bis heute den Hintergrund philosophisch-anthropologischer und existenzialphilosophischer Reflexionen.1

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Literatur

  1. 1a.
    Vgl. M. Schlossberger (1998): Über Nietzsche und die Philosophische Anthropologie. In: V. Gerhardt/R. Reschke (Hrsg.): Nietzscheforschung. Ein Jahrbuch, Bd. 4. Berlin: Akademie-Verlag, S. 147–167.Google Scholar
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  3. 2.
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  5. 4a.
    Vgl. zum Hintergrund die vorzügliche Studie von Hans Joas (1999): Die Entstehung der Werte. Frankfurt/M.: Suhrkamp, insb. S. 10–36 (Fragestellung);Google Scholar
  6. 4b.
    Vgl. zum Hintergrund die vorzügliche Studie von Hans Joas (1999): Die Entstehung der Werte. Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 37–57 (Nietzsche).Google Scholar
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    Nietzsche (1988): Nachgelassene Fragmente 1885–1889. In: G. Colli/ M. Montinari (Hrsg.): Nietzsche. Kritische Studienausgabe, Bd. 13. Berlin & New York: de Gruyter, S. 128: „Es bedurfte erst des neunzehnten Jahrhunderts — le siècle de l’irrespect — um einige der vorläufigsten Bedingungen wieder zu gewinnen, um das Buch als Buch (und nicht als Wahrheit) zu lesen, um diese Geschichte nicht als heilige Geschichte, sondern als eine Teufelei von Fabel, Zurechtmachung, Fälschung, Palimpsest, Wirrwarr, kurz als Realität wieder zu erkennen.“Google Scholar
  11. 9.
    Nietzsche (1988): Morgenröte, Buch 1, Aph. 84. In: Nietzsche. Kritische Studienausgabe, Bd. 3. Berlin & New York: de Gruyter, S. 79–80. Der Aphorismus trägt den Titel „Die Philologie des Christenthums“.Google Scholar
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    Nietzsche (1988): Menschliches-Allzumenschliches, Buch 1, Aph. 23. In: Nietzsche. Kritische Studienausgabe, Bd. 2. Berlin & New York: de Gruyter, S. 44–45.Google Scholar
  13. 11.
    Nietzsche (1988): Die Fröhliche Wissenschaft, Buch 3, Aph. 112. In: Nietzsche. Kritische Studienausgabe, Bd. 3. Berlin-New York: de Gruyter, S. 472.Google Scholar
  14. 12.
    Nietzsche (1994): Wir Philologen. In: K. Schlechta (Hrsg.): Nietzsches Werke, Bd. 3. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 323–332.Google Scholar
  15. 13.
    Nietzsche (1994): Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. In: K. Schlechta (Hrsg.): Nietzsches Werke, Bd. 1. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 273.Google Scholar
  16. 14.
    Nietzsche (1988): Morgenröte, aaO., uch 4, Aph. 307, S. 224–225: „Facta! Ja Facta ficta! — Ein Geschichtsschreiber hat es nicht mit dem, was wirklich geschehen ist, sondern nur mit den vermeintlichen Ereignissen zu tun: denn nur diese haben gewirkt.[…] Sein Thema, die sogenannte Weltgeschichte, sind Meinungen über vermeintliche Handlungen und deren vermeintliche Motive, welche wieder Anlaß zu Meinungen und Handlungen geben, deren Realität aber sofort wieder verdampft […]. Alle Historiker erzählen von Dingen, die nie existiert haben, außer in der Vorstellung.“Google Scholar
  17. 15.
    Nietzsche (1988): Die Fröhliche Wissenschaft, aaO., Buch 5, Aph. 374: „Wie weit der perspektivische Charakter des Daseins reicht oder gar ob es irgendeinen anderen Charakter noch hat, […] ob, andrerseits, nicht alles Dasein essentiell ein auslegendes Dasein ist- das kann, wie billig, auch durch die fleißigste und peinlich-gewissenhafteste Analysis und Selbstprüfung des Intellekts nicht ausgemacht werden: da der menschliche Intellekt bei dieser Analysis nicht umhin kann, sich selbst unter seinen perspektivischen Formen zu sehn und nur in ihnen zu sehn.“Google Scholar
  18. 16.
    Nietzsche (1988): Die Fröhliche Wissenschaft, ebd.Google Scholar
  19. 17.
    Nietzsche (1988): Morgenröte, aaO, Buch 1, Aph. 91, S. 84–85.Google Scholar
  20. 18.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift, Vorrede, Aph. 7. In: Nietzsche. Kritische Studienausgabe Bd. 5. Berlin-New York: de Gruyter, S. 254.Google Scholar
  21. 19.
    Nietzsche (1988): Die Fröhliche Wissenschaft, aaO., 1. Aph. 7, S. 378–379: „Wer jetzt aus den moralischen Dingen ein Studium machen will, eröffnet ein ungeheures Feld der Arbeit. Alle Arten Passionen müssen einzeln durchdacht, einzeln durch Zeiten, Völker, große und kleine Einzelne verfolgt werden; ihre ganze Vernunft und alle ihre Wertschätzungen und Beleuchtungen der Dinge sollen ans Licht hinaus! Bisher hat alles das, was dem Dasein Farbe gegeben hat, noch keine Geschichte: oder wo gäbe es eine Geschichte der Liebe, der Habsucht, des Neides, des Gewissens, der Pietät, der Grausamkeit? Selbst eine vergleichende Geschichte des Rechtes, oder auch nur der Strafe, fehlt bisher vollständig.“Google Scholar
  22. 20a.
    Nietzsche (1988): Menschliches, Allzumenschliches, aaO., Buch 2, Aph. 21, S. 554: „Der Mensch als der Messende. — Vielleicht hat alle Moralität der Menschheit in der ungeheuren inneren Aufregung ihren Ursprung, welche die Urmenschen ergriff, als sie das Maß und Messen, die Wage und das Wägen entdecken (das Wort Mensch bedeutet ja den Messenden […].“Google Scholar
  23. 20b.
    Vgl. V. Gerhardt (1983), Das Princip des Gleichgewichts. Zum Verhältnis von Recht und Macht bei Nietzsche. In: E. Behler (Hrsg.): Nietzsche-Studien, Bd. 12. Berlin & New York: de Gruyter, S. 111–133.Google Scholar
  24. 21.
    Nietzsche-Briefwechsel (1984), Brief Nr. 946. (an C. G. Naumann in Leipzig; datiert: Nizza 08.11.1887) In: G. Colli/ M. Montinari (Hrsg.): Nietzsche. Kritische Gesamtausgabe III. Bd. 5. Berlin-New York: de Gruyter, S. 186–188.Google Scholar
  25. 22.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Buch 1, Anmerkung, S. 288–289: „In Hinsicht auf eine Möglichkeit dieser Art sei die […] Frage in Vorschlag gebracht: sie verdient ebenso sehr die Aufmerksamkeit der Philologen und Historiker als die der eigentlichen Philosophie-Gelehrten von Beruf. […] Andrerseits ist es freilich ebenso nöthig, die Theilnahme der Physiologen und Mediziner für diese Probleme (vom Werthe der bisherigen Werthschätzungen) zu gewinnen: wobei es den Fach-Philosophen überlassen sein mag, auch in diesem einzelnen Falle die Fürsprecher und Vermittler zu machen, nachdem es ihnen im Ganzen gelungen ist, das ursprünglich so spröde, so misstrauische Verhältnis zwischen Philosophie, Physiologie und Medizin in den freundschaftlichsten und fruchtbringendsten Austausch umzugestalten.“Google Scholar
  26. 23.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 8, S. 306.Google Scholar
  27. 24.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 2, S. 293.Google Scholar
  28. 25.
    Nietzsche: Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 8, S. 306. Vgl. die Nietzsche bekannte Schrift des Rechtsethnologen A. H. Post, in der unter anderen methodischen Prämissen (genetisches Entwicklungsmodell) dasselbe Programm verfolgt wird: Bausteine für eine allgemeine Rechtswissenschaft auf vergleichend-ethnologischer Basis, Buch 1, Einleitung, § 19. Oldenburg 1880, S. 73: „Dieses Rechtssubjekt, dieser einzelne Mensch als Träger von Rechten und Pflichten, welcher uns heutzutage so selbstverständlich erscheint, hat aber keineswegs von jeher bestanden, sondern er ist vom vergleichend-ethnologischen Standpunkte aus das Produkt einer langen und complizierten Entwicklung. Es ist vollständig möglich, eine Geschichte der natürlichen Person zu schreiben, indem man die allmähliche Entwicklung derselben namentlich durch die Gebiete der Geschichte der Blutrache, der Schuldenhaftung […] verfolgt.“Google Scholar
  29. 26.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 5, S. 298–299: „Die Vergegenwärtigung dieser Vertragsverhältnisse weckt allerdings, wie es nach dem Voraus-Bemerkten von vornherein zu erwarten steht, gegen die ältere Menschheit, die sie schuf oder gestattete, mancherlei Verdacht und Widerstand. Hier gerade wird versprochen; hier gerade handelt es sich darum, Dem, der verspricht, ein Gedächtnis zu machen; hier gerade, so darf man argwöhnen, wird eine Fundstätte für Hartes, Grausames, Peinliches sein. Der Schuldner, um Vertrauen für sein Versprechen der Zurückzahlung einzuflössen, um eine Bürgschaft für den Ernst und die Heiligkeit seines Versprechens zu geben, um bei sich selbst die Zurückbezahlung als Pflicht, Verpflichtung seinem Gewissen einzuschärfen, verpfändet Kraft eines Vertrages dem Gläubiger für den Fall, dass er nicht zahlt, Etwas, das er sonst noch besitzt, über das er sonst noch Gewalt hat, zum Beispiel seinen Leib oder sein Weib oder seine Freiheit oder auch sein Leben.“Google Scholar
  30. 27.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 5, S. 299: „Namentlich aber konnte der Gläubiger dem Leibe des Schuldners alle Arten Schmach und Folter anthun, zum Beispiel so viel davon herunterschneiden als der Grösse der Schuld angemessen schien: — und es gab frühzeitig und überall von diesem Gesichtspunkte aus genaue, zum Theil entsetzlich in’s Kleine und Kleinste gehende Abschätzungen der einzelnen Glieder und Körperstellen. Ich nehme es bereits als Fortschritt, als Beweis freierer, grösser rechnender, römischerer Rechtsauffassung, wenn die Zwölftafel-Gesetzgebung Rom’s dekretierte, es sei gleichgültig, wie viel oder wie wenig die Gläubiger in einem solchen Falle herunterschnitten si plus minusve secuerunt, ne fraude esto.“Google Scholar
  31. 28a.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 5, S. 300. Vgl. dagegen A.H. Post (1878): Die Anfänge des Staats- und Rechtslebens. Ein Beitrag zu einer allgemeinen vergleichenden Staats- und Rechtsgeschichte, Buch 5. Oldenburg, S. 173: „Ursprünglich kann jeder Rechtsbruch vom Verletzten blutig und masslos gerächt werden.[…] Gleichgültig ist ursprünglich, ob denjenigen, welcher irgend einen Rechtsbruch begeht, eine Schuld trifft oder nicht. Auch derjenige, der rein zufällig einen Schaden veranlasst, ist dafür verantwortlich.“Google Scholar
  32. 29a.
    Vgl. zur Konjunktur dieses Denkansatzes: Michael Foucault (1983): Der Wille zum Wissen (Sexualität und Wahrheit, Bd. 1), Frankfurt/M.: Suhrkamp, insb. Kap. 5: Recht über den Tod und Macht zum Leben, S, 159–190;Google Scholar
  33. 29b.
    G. Agamben (1998): Homer Sacer. Sovereign Power and Bare Life. Stanford/California: Stanford University Press.Google Scholar
  34. 30.
    Die vormoralische Periode der Menschheit wird von Nietzsche (1988): Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft 2. Aph. 32, In: Nietzsche. Kritische Studienausgabe, Bd. 5. Berlin- New York: de Gruyter, S. 50–51 skizziert.Google Scholar
  35. 31a.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 6, S. 300.Google Scholar
  36. 31b.
    Vgl. R. Jhering (1872), Der Kampf um’s Recht, 2. Auflage: Wien, S. 15–17: „Alle großen Errungenschaften, welche die Geschichte des Rechts zu registrieren hat […] haben erst auf diesem Wege des heftigsten, oft jahrhundertelang fortgesetzten Kampfes gewonnen werden müssen, und nicht selten bezeichnen Ströme Bluts, überall aber zertretene Rechte den Weg, den das Recht dabei gewandelt ist.“Google Scholar
  37. 32.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Vorrede, Aph. 3, S. 249.Google Scholar
  38. 33.
    Vgl. G. Deleuze (1985): Nietzsche und die Philosophie. Frankfurt/M.: Europäische Verlagsanstalt, S. 6: “Genealogie meint zugleich den Wert der Herkunft und die Herkunft der Werte.”Google Scholar
  39. 34.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Vorrede, Aph. 7, S. 254.Google Scholar
  40. 35.
    Vgl. M. Foucault (1987): Nietzsche, die Genealogie, die Historie. In: W. Seitter (Hrsg.): M. Foucault, Von der Subversion des Wissens. Frankfurt/M.: Fischer, S. 82: „Das letzte Kennzeichen dieser wirklichen Historie ist schließlich, daß sie nicht fürchtet, ein perspektivisches Wissen zu sein. Die Historiker suchen so weit wie nur möglich alles zu verwischen, was in ihrem Wissen den Ort verraten könnte, von dem sie aus blicken, den Zeitpunkt, an dem sie sich befinden, die Partei, die sie ergreifen, und die Unvermeidlichkeit ihrer Leidenschaften. Der historische Sinn, wie ihn Nietzsche versteht, weiß, daß er perspektivisch ist, und lehnt das System seiner eigenen Ungerechtigkeit nicht ab. Er betrachtet unter einem bestimmten Blickwinkel; er ist entschlossen, abzuschätzen, ja oder nein zu sagen, allen Spuren des Giftes zu folgen, das beste Gegengift zu finden. Anstatt ein diskretes Zurückweichen vor dem Betrachteten vorzutäuschen, anstatt im Betrachteten sein Gesetz zu suchen und ihm jede Bewegung unterzuordnen, weiß sein Blick, von wo er blickt und worauf er blickt.“Google Scholar
  41. 36.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Vorrede, Aph. 4, S. 250–251.Google Scholar
  42. 37.
    Vgl. W. Stegmaier (1994): Nietzsches >Genealogie der Moral< (Werkinterpretationen). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, insb. S. 54–59.Google Scholar
  43. 38.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 10, S. 309.Google Scholar
  44. 39a.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 17, S. 324: „Ich gebrauchte das Wort Staat: es versteht sich von selbst, wer damit gemeint ist — irgend ein Rudel blonder Raubthiere, eine Eroberer- und Herren-Rasse, welche, kriegerisch organisirt und mit der Kraft zu organisiren, unbedenklich ihre furchtbaren Tatzen auf eine der Zahl nach vielleicht ungeheuer überlegene, aber noch gestaltlose, noch schweifende Bevölkerung legt. Dergestalt beginnt ja der Staat auf Erden: ich denke, jene Schwärmerei ist abgethan, welche ihn mit einem Vertrage beginnen ließ.“Google Scholar
  45. 39b.
    Vgl. G. Schweppenhäuser (1988), Nietzsches Überwindung der Moral. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 57.Google Scholar
  46. 40.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 11, S. 312–313: „An sich von Recht und Unrecht reden entbehrt alles Sinns, an sich kann natürlich ein Verletzen, Vergewaltigen, Ausbeuten, Vernichten nichts Unrechtes sein, insofern das Leben essentiell, nämlich in seinen Grundfunktionen verletzend, vergewaltigend, ausbeutend, vernichtend fungirt und gar nicht gedacht werden kann ohne diesen Charakter. Man muß sich sogar noch etwas Bedenklicheres eingestehn: dass, von einem höchsten biologischen Standpunkte aus, Rechtszustände immer nur Ausnahme-Zustände sein dürfen, als theilweise Restriktionen des eigentlichen Lebenswillens, der auf Macht aus ist, und sich dessen Gesammtzwecke als Einzelmittel unterordnend: nämlich als Mittel, grössere Macht-Einheiten zu schaffen.“Google Scholar
  47. 41.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., 2. Abh., Aph. 17–18, S. 324–327.Google Scholar
  48. 42a.
    Die Ressentiment-Konzeption Nietzsches hat vor allem Max Weber nachhaltig beeinflusst; vgl. Max Weber (1985): Religionssoziologie, § 7. In: J. Winckelmann (Hrsg.): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss einer verstehenden Soziologie. Tübingen: J.C.B. Mohr, S. 301–304.Google Scholar
  49. 42b.
    Vgl. E. Fleischmann (1981): M. Weber, die Juden und das Ressentiment. In: W. Schluchter (Hrsg.): Max Webers Studie über das antike Judentum. Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 263–286.Google Scholar
  50. 43.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., 2. Abh., Aph. 16, S. 322–323: „Alle Instinkte, welche sich nicht nach Aussen entladen, wenden sich nach Innen — dies ist das, was ich die Verinnerlichung des Menschen nenne […].“Google Scholar
  51. 44.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., 2. Abh., Aph. 19, S. 327: „Das privatrechtliche Verhältnis des Schuldners zu seinem Gläubiger, von dem des längeren schon die Rede war, ist noch einmal, und zwar in einer historisch überaus merkwürdigen und bedenklichen Weise in ein Verhältnis hereininterpretiert worden, worin es uns modernen Menschen vielleicht am unverständlichsten ist: nämlich in das Verhältnis der Gegenwärtigen zu ihren Vorfahren. Innerhalb der ursprünglichen Geschlechtsgenossenschaft — wir reden von Urzeiten — erkennt jedes Mal die lebendige Generation gegen die frühere und in Sonderheit gegen die früheste, geschlechtbegründende eine juristische Verpflichtung.“Google Scholar
  52. 45.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., 2. Abh., Aph. 20, S. 329–330.Google Scholar
  53. 46.
    Vgl. hierzu die eindringliche Analyse des Begriffspaares aktiv/reaktiv bei G. Deleuze (1985): Nietzsche und die Philosophie. München: Rogner & Bernhart, S. 45–80.Google Scholar
  54. 47.
    Vgl. Deleuze (1985), Nietzsche und die Philosophie, S. 154: „Die Vereinigung der reaktiven Kräfte geht so einher mit einer Umwandlung der Schuld: sie wird Schuld gegenüber der Gottheit, der Sozietät, dem Staat, gegenüber reaktiven Instanzen. Die Schuld geht ihres aktiven Charakters verlustig, durch den sie an der Befreiung des Menschen partizipierte: unter ihrer neuen Form ist sie unausschöpfbar, unabzahlbar.“Google Scholar
  55. 48a.
    Vgl. Nietzsches Anmerkungen über das “Phänomen Napoleon” in Morgenröte, aaO., Buch 4, Aph. 245, S. 203Google Scholar
  56. 48b.
    und Fröhliche Wissenschaft, aaO., Buch 1, Aph. 23, S. 395–398;Google Scholar
  57. 48c.
    Nietzsche (1988): Die Fröhliche Wissenschaft, Buch 5, Aph. 362. In: Nietzsche. Kritische Studienausgabe, Bd. 3. Berlin-New York: de Gruyter, S. 609–610.Google Scholar
  58. 48d.
    Vgl. hierzu Jakob Burckhardts Kapitel über „Historische Größe“, In: ders., Weltgeschichtliche Betrachtungen. Stuttgart: Kröner, 1978, S. 207–248.Google Scholar
  59. 49.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 17, S. 324.Google Scholar
  60. 50.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 6, S. 300.Google Scholar
  61. 51.
    Vgl. C. Menke (2000): Genealogie und Kritik. Zwei Formen ethischer Moralbefragung. In: Nietzscheforschung. Jahrbuch der Nietzsche-Gesellschaft, Bd. 5/6. Berlin, S. 209–227.Google Scholar
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    E. Blondel (1994): The Question of Genealogy. In: R. Schacht (Hrsg.): Nietzsche, Genealogy, Morality. Essays on Nietzsche’s >Genealogy of Morals<. Berkeley-Los Angeles-London: University of California Press, S. 306–317.Google Scholar
  63. 53.
    Nietzsche (1988): Nachgelassene Fragmente 1885–1887. In: G. Colli/ M. Montinari (Hrsg.): Kritische Studienausgabe, Bd. 12. Berlin & New York: de Gruyter, S. 535–536: „[…] mechanistisch betrachtet, bleibt die Energie des Gesammt-werdens constant; ökonomisch betrachtet, steigt sie bis zu einem Höhepunkt und sinkt von ihm wieder herab in einem ewigen Kreislauf; dieser »Wille zur Macht« drückt sich in der Ausdeutung, in der Art des Kraftverbrauchs aus -Verwandlung der Energie in Leben und Leben in höchster Potenz erscheint demnach als Ziel. […] Geschehen und Nothwendig-Geschshen ist eine Tautologie.“Google Scholar
  64. 54.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 2, S. 293: „Stellen wir uns dagegen an’s Ende des ungeheuren Prozesses, dorthin, wo der Baum endlich seine Früchte zeitigt, wo die Societät und ihre Sittlichkeit der Sittc endlich zu Tage bringt, wozu sie nur das Mittel war: so finden wir als reifste Frucht an ihrem Baum das souveraine Individuum, das nur sich selbst gleiche, das von der Sittlichkeit der Sitte wieder losgekommene, das autonome sittliche Individuum (denn autonom und sittlich schließt sich aus), kurz den Menschen des eignen unabhängigen langen Willens, der versprechen darf.“Google Scholar
  65. 55.
    Nietzsche (1988): Zur Genealogie der Moral, aaO., Abh. 2, Aph. 11, S. 313.Google Scholar

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  • Gerald Hartung

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