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Aufstieg und Fall des Fordismus

  • Max Koch

Zusammenfassung

In diesem Kapitel wird der „Fordismus“ als idealtypisches Konzept zur Charakterisierung der Prosperitätskonstellation der Nachkriegszeit diskutiert (3.1). Auf der Basis der regulationstheoretischen Literatur gehe ich der Frage nach, wie Akkumulationsregime und Regulationsweise so miteinander vernetzt waren, dass eine mehrere Jahrzehnte anhaltende Wachstumsperiode möglich wurde. Danach berühre ich die Diskussion um die Krise des Fordismus (3.2). Dies geschieht aus der Überlegung heraus, dass die in der aktuellen Debatte im Vordergrund stehenden Phänomene der gesellschaftlichen Desintegration und Exklusion etwas zu tun haben mit Verfallserscheinungen speziell jener Institutionen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ausgebildet worden sind. Auf der Grundlage der Diskussion der Krise des fordistischen Akkumulationsregimes und seiner Regulationsweise werden im vierten Kapitel Hypothesen über mögliche Wege zum Postfordismus aufgestellt, die westeuropäischen Staaten als Entwicklungsstrategien offen stehen.

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Literature

  1. 1.
    Robert Reich (1993: 60), Arbeitsminister von Ex-Präsident Bill Clinton, beschreibt die enge Verwandtschaft zwischen der Befehlshierarchie der tayloristischen Fabrik und einer Militärbürokratie, welche die reibungslose Einreihung der zahlreichen Kriegsveteranen in Amerikas Kernunternehmen in den fünfziger Jahren erklärt. Ganz wie in der Armee hatte „jeder Arbeitsplatz ... seine genaue Beschreibung, mit vorher festgelegten Prozeduren und Verantwortlichkeiten. Auf Organisationsdiagrammen wurden die internen hierarchischen Strukturen dargestellt, mit einem großen Kasten an der Spitze für den Vorstand und darunter liegenden Ebenen, in denen die Kästchen immer kleiner und immer zahlreicher wurden.“Google Scholar
  2. 2.
    Wie ein bestimmter Warentyp vom nationalen Aushängeschild zum „Weltgut“ wird, zeigt Robert Reich (1993: 128) anhand der international verzweigten Automobilherstellung: „Wenn zum Beispiel ein Amerikaner einen Pontiac Le Mans von General Motors kauft, beteiligt er sich unbewusst an einer internationalen Transaktion. Von den 10.000 Dollar, die er an GM zahlt, gehen etwa 3.000 Dollar für Montagearbeiten nach Südkorea. 1.750 Dollar für hochtechnologische Komponenten (Motor, Getriebe und Elektronik) nach Japan, 750 Dollar für Styling und Konstruktion nach Deutschland, 400 Dollar für verschiedene kleinere Komponenten nach Taiwan, Singapur und Japan, 250 Dollar für Werbung und Marketing nach Großbritannien und etwa 50 Dollar für Datenverarbeitung nach Irland und Barbados.“Google Scholar
  3. 3.
    Nach Angaben von Revelli (1997: 43) bildet der Austausch von Endprodukten einen immer kleineren Anteil des internationalen Handels und ist bereits auf unter 50% gesunken. Laut Burchart (1996: 743 f.) entspricht dies dem Grad der Verflechtung des Welthandels von 1914.Google Scholar
  4. 4.
    Novy et al. (1999) beschreiben, wie die US-Notenbank bis in die sechziger Jahre hinein streng darauf achtete, dass die Banken ihre Mindestreserven aufrechterhielten und ihre Kreditvolumen nicht zu stark von ihrer monetären Basis entkoppelten, um das Inflationsrisiko möglichst gering zu halten. Da das Kapital innerhalb der USA nicht gewinnbringend genug investiert werden konnte, begannen die Unternehmungen nach Chancen Ausschau zu halten, es außerhalb anzulegen, wo es mobiler war. Dies geschah zunächst auf dem in den sechziger Jahren geschaffenen „Eurodollarmarkt“ — ein Anlagemarkt für überschüssiges Leihkapital. Ab Anfang der siebziger Jahre erweiterte sich der Einfluss des deregulierten Finanzmarktes auf sogenannte offshore-Zentren in der Karibik, in Lateinamerika, im nahen Osten und Südostasien. Mitte der siebziger Jahre zogen die eigendichen Finanzzentren nach. Zunächst in New York (1975) und dann in London, Tokio, Zürich und Frankfurt am Main wurden die nationalen Kapitalverkehrsbeschränkungen und Regulierungen sukzessive aufgegeben und die Finanzgeschäfte liberalisiert.Google Scholar
  5. 5.
    Reuter (ebd.) geht zudem auf den Fall der Deutschen Telekom ein, deren Wert an einem einzigen Börsentag um 20 Milliarden DM anstieg. Bemerkenswert ist der Schluss, den der unverblümter Kapitalismus-Kritik unverdächtige Top-Manger aus diesen Zahlen zieht: „Selbst dem blauäugigsten Anbeter des marktwirtschaftlichen Systems wird es ein wenig schwer fallen, solche Entwicklungen mit einer entsprechenden Substanzmehrung des Unternehmens oder allein mit der Qualität des dahinter stehenden unternehmerischen Handelns zu erklären.“Google Scholar
  6. 8.
    Vgl. zum Gehalt entsprechender neoliberaler Argumentationsfiguren Krätke 1998.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Max Koch

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