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Differenzierungs- und Medientheorie

  • Thomas Drepper
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Zusammenfassung

In den folgenden Überlegungen geht es um die Wiederaufnahme und Vertiefung differenzierungstheoretischer Theoriefiguren zur Strukturanalyse der Gesellschaft als umfassendem Kommunikationssystem. Ich skizziere dazu wesentliche Facetten der späten Luhmannschen Gesellschaftstheorie, in dessen Rahmen das operative Verständnis sozialer Systeme, dass wir mit dem Autopoiesistheorem für die Analyse von Organisation im letzten Kapitel dargestellt haben, auch zur Definition der Einheit von Funktionssystemen eingesetzt wird. Die Analyserichtung verschiebt sich. Die Funktionssysteme als Subsysteme auf der Ebene von Gesellschaft werden nun nicht mehr wie im funktionalstrukturellen Paradigma als strukturell binnendifferenzierte Handlungssysteme mit Funktionssystembezug verstanden, sondern als operative Einheiten, als Kommunikationszusammenhänge mit typischen, aneinander anschließenden Kommunikationen, die Strukturen hervorbringen, die diese Kommunikationen mit Sinn ausstatten.1 Des Weiteren zeigt sich, dass Luhmann in der abschließenden Gesellschaftstheorie die Differenzierungstheorie mit der späten Kommunikationstheorie zu verbinden versucht. Haben wir bereits für das funktionalstrukturelle Paradigma sozialer Differenzierung auf den Sammelcharakter des Strukturbegriffes hingewiesen, der sowohl Erwartungsstrukturen wie Personen, Rollen, Programme und Werte als auch Sozialstrukturen wie Organisationen, Medien und Formen interner Differenzierung umfasst, geht Luhmann nun dezidiert die Frage an, wie die primären Formen gesellschaftlicher Differenzierung als Strukturen den Einsatz gesellschaftlicher Kommunikation leiten.

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Literatur

  1. 1.
    Das Konzept der Selbstreferenz greift durch bis auf die operative Ebene sozialer Systeme, bis auf die Ebene der Systemoperationen, auf der Elemente so aufeinander Bezug nehmen, „sich durch Rückbezug auf sich selbst miteinander verhaken“, dass dadurch systemförmige Zusammenhänge bzw. Prozesse entstehen. Diese Verknüpfung gelingt aber nur unter der Bedingung einer Typik, einer hinreichenden Gleichartigkeit der Elemente eines Systems. Autopoietische Reproduktion — das ist die Quintessenz dieser These — ist „auf eine hinreichende Homogenität der Systemoperationen angewiesen, und diese definiert die Einheit einer bestimmten Systemtypik.“(Luhmann 1984a, 68) Die Monographien zu den einzelnen Funktionssystemen gehen diesen Weg, das operative Verständnis sozialer Systeme auch für die Analyse gesellschaftlicher Funktionssysteme nutzbar zu machen. Vgl. Luhmann 1988b, 1990a, 1993a, 1995d, 1996b, 2000b, 2000c.Google Scholar
  2. 2.
    Noch einmal sei in diesem Zusammenhang an Gabriel 1979 erinnert, der die Relation Organisation — Gesellschaft zum Fokus seiner Beschäftigung mit der Luhmannschen Gesellschaftstheorie und Organisationstheorie macht- Stand: Ende der siebziger Jahre!Google Scholar
  3. 3.
    Luhmann 1972, 148.Google Scholar
  4. 4.
    Mit diesem Differenzierungskonzept wird der Schluss von Strukturproblemen gesellschaftlicher Differenzierung auf individuelles Verhalten umgangen, was es selbstverständlich nicht ausschließen soll, „auch von Rollendifferenzierung oder von differenziertem Geschmack, von begrifflichen Differenzierungen oder von terminologischen Differenzierungen in einem ganz allgemeinen Sinne zu sprechen. Alles, was unterschieden wird, kann, wenn man das Ergebnis dieser Operation meint, auch als Differenz bezeichnet werden. Die These der folgenden Untersuchungen ist jedoch, daß andere Differenzierungen sich als Folge von Systemdifferenzierung einstellen, also durch Systemdifferenzierung erklärt werden können; und dies deshalb, weil jede operative (rekursive) Verknüpfung von Operationen eine Differenz von System und Umwelt erzeugt“. (Luhmann 1997a, 597) Vgl. auch die einschlägigen Passagen in Luhmann 1984a, 22ffGoogle Scholar
  5. 5.
    Vgl. Luhmann 1981g zum Terminus der selbstsubstitutiven Ordnung. Wie wir später noch sehen werden, muss das kommunikationstheoretisch und sinntheoretisch ergänzt werden. Am Anfang der menschlichen Gesellschaft steht Sprache, und der Beginn von Differenzierung ist die Negation! Google Scholar
  6. 6.
    Luhmann 1997a, 597. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  7. 7.
    Luhmann 1996c, 60.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. zur Kritik am Ganzes/Teil-Schema sowie Zweck/Mittel-Schema Luhmann 1970c, 138f.Google Scholar
  9. 9.
    Luhmann 1997a, 600.Google Scholar
  10. 10.
    Luhmann 198If, 37, Fn. 63.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Kapitel 1.1 dieser Arbeit.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Luhmann 1997a, 601. Das wäre andernfalls genau der funktionale Fehlschluss, dem bereits Durkheim mit der Unterscheidung von funktionaler und historisch-genetischer Analyse von Institutionen begegnen wollte. Vgl. auch Gehlen 1956, 34 zur Unterscheidung der Genesis und Funktion von Institutionen.Google Scholar
  13. 13.
    Luhmann 1984a, 39.Google Scholar
  14. 14.
    Luhmann 1997a, 609f.Google Scholar
  15. 15.
    Luhmann 1997a, 61 If.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. Kapitel 1.1 dieser Arbeit.Google Scholar
  17. 17.
    Stichweh 1994, 363f. Bei Luhmann ist die differenzierungs- und evolutionstheoretische Relevanz von Berufskorporationen kein sehr eigenständiges Thema. Anders dagegen die differenzierungstheoretische Klassik bei Durkheim 1992, der in seinem Vorwort zur 2. Auflage des Arbeitsteilungsbuches die Relevanz der Berufsgruppen für die Entwicklung der modernen Gesellschaft herausstellt. Vgl. dazu ausführlich Meier 1987. Für die, um einen Korpus gelehrten Wissens organisierten, Professionen findet sich der Zusammenhang von funktionaler Differenzierung und korporierten Sozialsystemen bei Stichweh 1994, 362ff.Google Scholar
  18. 18.
    Luhmann 1997a, 616.Google Scholar
  19. 19.
    Hier wird die Weite des Strukturbegriffes an evolutions- und gesellschaftstheoretischer Stelle deutlich. Sowohl Differenzierungsformen (Segmentation, Zentrum/Peripherie, Stratifikation, Funktion) wie Medien und deren Derivate (Oralität, Schrift, symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien), wie Erwartungsstrukturen (Personen, Rollen, Programme, Werte) sowie Systeme (Organisationen) können als Strukturen einer jeweils zeitpunktfixierten historischen Gesellschaft für weitere Entwicklungsschritte von Relevanz sein.Google Scholar
  20. 20.
    Luhmann 1997a, 640.Google Scholar
  21. 21.
    Luhmann 1997a, 642. Wir werden an der Figur des korporativen Akteurs und der Juristischen Person sehen, dass sich Personalisierung auch für die Bezeichnung von Organisationen durchgesetzt hat.Google Scholar
  22. 22.
    Luhmann 1997a, 647.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. zu „Gegenseitigkeit“ Gehlen 1956, 45ff.Google Scholar
  24. 24.
    Diese Betonung ist relevant, denn sie kann später auf die Frage nach der extemalen Kommunikationsfähigkeit von Organisationen bezogen werden.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. Luhmann 1997a, 651.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. Luhmann 1997a, 653.Google Scholar
  27. 27.
    In Differenz zu interaktionsförmig realisierter Reziprozität wird deutlich, wie evolutionstheoretisch weitreichend die Aussage ist, von der organisationsmäßigen Stabilisierung der Komplementarität des Erwartens zu sprechen.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. Wimmer 1996, 163ff. hierzu unter dem Stichwort der Evolution der Politik in segmentären Gesellschaften. Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. Luhmann 1997a, 655ff. und Wimmer 1996, S.185ff. zu der schwierigen Bestimmung der evolutionären Übergänge.Google Scholar
  30. 30.
    Shils 1975, 3 und Eisenstadt 1993 (1963) als klassische Referenz.Google Scholar
  31. 31.
    Luhmann 1997a, 663.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. Luhmann 1997a, 665.Google Scholar
  33. 33.
    Luhmann 1997a, 666.Google Scholar
  34. 34.
    Luhmann 1997a, 669.Google Scholar
  35. 35.
    Luhmann 1997a, 674f.Google Scholar
  36. 36.
    Luhmann 1997a, 679 f.Google Scholar
  37. 37.
    Zum aktuellen Stand der Diskussion vgl. Oexle/Paravicini 1997.Google Scholar
  38. 38.
    Luhmann 1980a, 74. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  39. 39.
    Vgl. Luhmann 1997a, 680.Google Scholar
  40. 40.
    Luhmann 1997a, 686.Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. Luhmann 1980a, 80.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. Luhmann 1977b, 33. Von einem kybernetischen und informationstheoretischen Standpunkt aus lässt sich annehmen, dass es immer dann in Systemen zu Komplexitätssprüngen kommen kann, wenn symmetrische (analoge) Kommunikation in asymmetrische (digitale) Kommunikation transformiert werden kann. Wir werden später in diesem Kapitel auf diese, auf Gregory Bateson zurückgehende Unterscheidung von analoger und digitaler Kommunikation zurückkommen.Google Scholar
  43. 43.
    Vgl. Luhmann 1980a.Google Scholar
  44. 44.
    Luhmann 1997a, 708.Google Scholar
  45. 45.
    Luhmann 1997a, 708.Google Scholar
  46. 46.
    Luhmann 1978, 88f. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. Luhmann 1980a, 139.Google Scholar
  48. 48.
    Luhmann 1997a, 731.Google Scholar
  49. 49.
    Luhmann 1997a, 734.Google Scholar
  50. 30.
    Ein Patient, der findet, ihm würde zu tief in die Tasche gegriffen (Rolle im wirtschaftlichen System) kann das zum politischen Thema und zu einer möglichen Wahlpräferenz machen. Er wählt die Partei mit dem schlüssigsten Reformpaket des Gesundheitswesens. An diesem Beispiel kann man schon rollentheoretisch die Komplexität der modernern Sozialstruktur ablesen. Strukturgenetisch ist aber diese Trennung von Rollenbezügen eine wesentliche Strukturvoraussetzung funktionaler Differenzierung. Auf der nächst höheren Ebene der Systemstabilisierung kommt es dann zur Zirkularität von vormals struktureller Voraussetzung und gegenwärtiger Systemkomplexität. Strukturen erzeugen Komplexität und sind gleichzeitig die einzige Möglichkeit „to cope with complexity“ als Formen der Komplexitätsreduktion.Google Scholar
  51. 31.
    Luhmann 1978, 89 und vgl. auch 1997a, 739. Nicht jede gesellschaftliche Funktion hat die gleichen Chancen, als Teilsystem stabilisiert zu werden, obwohl die Probleme, auf die sie eine Antwort geben, gesellschaftsweit anfallen. Die Funktion der Moral ist für das Nichtgelingen der teilsystemischen Stabilisierung einer gesellschaftlichen Kommunikationsform ein gutes Beispiel, u. a. aufgrund fehlender Rollendifferenzierung: „Auch die Moral hat, wie eingehend ausgeführt, eine spezifische Funktion im sozialen System der Gesellschaft, aber sie läßt sich gleichwohl nicht als Teilsystem der Gesellschaft ausdifferenzieren. Ihre Funktion liegt dafür zu tief, ist zu sehr mit den Prozessen der Bildung sozialer Systeme verquickt, als daß sie einem Sozialsystem zur besonderen Pflege übertragen werden könnte. Es mag Rollenvirtuosen gebe, die sich selbst, und Moralunternehmer, die andere antreiben; aber es kommt nicht, wie im Sport, zu einem Hochleistungs-Ghetto mit spezifisch interessiertem Publikum. (…) Die Moral läßt sich, mit anderen Worten nicht aus der Gesellschaft herausziehen, auch nicht in der Form einer Schwerpunkt-Organisation nach dem Muster von Staat oder Kirche oder Produktionsbetrieb, auf die die gesamte Gesellschaft sich direkt oder indirekt bezieht, wenn immer ein Bedarf für moralische Kommunikation auftritt.“(Luhmann 1997a, 739)Google Scholar
  52. 52.
    Vgl. Parsons 1980.Google Scholar
  53. 53.
    Vgl. Göbel 2000, 79ff. und 240ff. In den Umbauarbeiten zu Parsons’ Medientheorie geht es einerseits um eine kommunikationstheoretische wie auch eine eigenständig-medientheoretische Modifizierung, die in den letzten Jahren durch die Form- und Unterscheidungstheorie weiter profiliert wurde. Parsons meets Heider und Spencer Brown. Diese Verbindung diskutiert Luhmann in „Wissenschaft der Gesellschaft“(167ff): „Auch symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien sind Medien insofern, als sie die Differenz von loser und strikter Kopplung voraussetzen und auf der Grundlage eines lose gekoppelten medialen Substrats Formbildungen ermöglichen. Es handelt sich jedoch weder einfach um Sondersprachen noch um Verbreitungsmedien, sondern um einen Medientypus anderer Art: um eine andere Form, eine anderer Art von Unterscheidung, um andersartige Codes“(Luhmann 1997a, 319)Google Scholar
  54. 54.
    Luhmann 1987c, 40Google Scholar
  55. 55.
    Vgl. Luhmann 1981h.Google Scholar
  56. 56.
    Luhmann 1997a, 191.Google Scholar
  57. 57.
    Luhmann 1997a, 205.Google Scholar
  58. 58.
    Vgl. Lock/Peters 1996. Auch ohne elaborierte Zeichencodes, die Sinngeneralisierungen festhalten und für Wiederverwendung verfügbar machen, scheint die Rekursivität von Ereignissen bzw. Operationen als Bezugnahme neuer Akte auf vorherige bereits auf so basalen Ebenen wie gestenvermittelter Kommunikation ein Mechanismus der Emergenz zu sein. Voraussetzung für Höherentwicklung scheint dabei die Möglichkeit zu sein, symmetrische (analoge) Informationsverarbeitungsprozesse in asymmetrische (digitale) zu überführen. Bedingung dafür ist die Reizhemmung und das Potential zur Ablehnung von angebotenen Verhaltenskonditionierungen. So entstehen aus analogen, synchronisierten Verhaltensmustern, digitale, alternativenreiche Strukturen.Google Scholar
  59. 59.
    Anthony Wilden 1980 (1972), 18 spricht von der Negationsfunktion der Sprache als „possibility of saying,not’ (Animals refuse, they cannot negate.)“.Google Scholar
  60. 60.
    Luhmann 1997a, 225. Hervorhebung von mir. Auf die Funktion binärer Schematismen als Zirkelunterbrecher selbstreferentieller Strukturen mit komplexitätssteigernden Effekten kommen wir später zu sprechen.Google Scholar
  61. 61.
    Luhmann 1997a, 230.Google Scholar
  62. 62.
    Luhmann 1997a, 231.Google Scholar
  63. 63.
    Luhmann 1997a, 257. Vgl. Goody/Watt/Gough 1991, Havelock 1990, Assmann/Assmann 1990 zur soziokulturellen Bedeutung von Schrift.Google Scholar
  64. 64.
    Luhmann 1997a, 258.Google Scholar
  65. 65.
    Luhmann 1997a, 316.Google Scholar
  66. 66.
    Luhmann 1997a, 316f. Für die Urlaubsplanung von Familien lässt sich das z.B. annehmen. Der einmal im Familienrat abgelehnte Wanderurlaub wird auch dadurch nicht wahrscheinlicher, wenn er bei jeder neuen Planung als Vorschlag wieder auf den Tisch gebracht wird. Dazu müssen zunächst andere Möglichkeitsbedingungen hinzukommen. Die lauffaulen Kinder pubertieren und fahren alleine in Urlaub, oder der neue Freund oder die neue Freundin finden Wandern ganz toll.Google Scholar
  67. 67.
    Luhmann 1997a, 317.Google Scholar
  68. 68.
    Luhmann 1997a, 320.Google Scholar
  69. 69.
    Luhmann 1997a, 321ff. Die Formalisierung von Verhaltensweisen löst dieses Problem funktional äquivalent, nur mit einer anderen Reichweite, nämlich in den Grenzen organisierter Sozialsysteme, in denen formalisierte Verhaltenserwartungen als Kommunikationsstrukturen institutionalisiert sind. Das haben wir im zweiten Kapitel diskutiert.Google Scholar
  70. 70.
    Luhmann 1997a, 203f.Google Scholar
  71. 71.
    Luhmann 1997a, 332.Google Scholar
  72. 72.
    Luhmann 1977a, 334. Wir werden im letzten Kapitel ausführlich auf die attributionstheoretischen Zusammenhänge eingehen.Google Scholar
  73. 73.
    Luhmann 1997a, 335. Vgl. Luhmann 1975f, 175 und 1997a, 336 kreuztabelliert (!) zu den Zurechnungskonstellationen und symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien.Google Scholar
  74. 74.
    Wie bereits in Luhmann 1984a nimmt Luhmann 1997a Mutualität als die Grundbedingung selbstreferentieller Kommunikationssysteme an: It takes two. Vgl. auch Buckley 1967, 68 zu mutual relations. Google Scholar
  75. 75.
    Luhmann 1997a, 336.Google Scholar
  76. 76.
    Luhmann 1997a, 336. Zu ähnlichen Ergebnissen zum Zusammenhang von Zurechnung und Kausalität kommt klassischerweise die sozialpsychologische Attributionstheorie im Anschluss an Fritz Heider. Die gesellschafts- und organisationstheoretische Relevanz dieser Aussagen prüfen wir in Kapitel 4.Google Scholar
  77. 77.
    Luhmann 1997a, 337.Google Scholar
  78. 78.
    Luhmann 1997a, 358.Google Scholar
  79. 79.
    Vgl. ausführlich zur Methode der „Funktionalen Analyse“Luhmann 1970f und 1970g. Für den hier relevanten Kontext symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien vgl. auch Luhmann 1997a, 359.Google Scholar
  80. 80.
    Luhmann 1997a, 359.Google Scholar
  81. 81.
    Luhmann 1997a, 360. Die Unterscheidung von analoger und digitaler Informationsverarbeitung geht auf Gregory Bateson zurück. Grathoff 1989, 288 macht deutlich, das sich dahinter aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive die Differenz von symmetrischen und komplementären Verhaltensketten verbirgt. Wir haben bereits darauf verwiesen.Google Scholar
  82. 82.
    Luhmann schreibt in diesem Kontext zu Moral und binärer Codierung: „Wie der Sprachcode selbst enthält auch dieser Code nur zwei Werte, und ebenfalls einen positiven und einen negativen Wert. Der Moralcode aber steht quer zum Sprachcode mit der Folge, daß sowohl das Annehmen als auch das Ablehnen einer Kommunikation sowohl gut als auch schlecht sein kann. Darin liegt, verglichen mit der zuvor behandelten Restriktion der Kommunikation, die Unwahrscheinlichkeit der Moral und speziell die Unwahrscheinlichkeit, daß sie durch die Sprache freigesetzten Risiken auf diese Weise kontrolliert werden können.“(Luhmann 1997a, 244) So erklärt sich, dass, obwohl Moral eine evolutionäre Universalie ist, nicht zur funktionssystemspezifischen Ausdifferenzierung „taugt“. Der Code der Moral wird auch in der modernen Gesellschacht ständig genutzt, aber, er läuft leer, führt nicht zur Systembildung, da die Kriterien bzw. Konditionierungen, um zwischen gut/schlecht unterscheiden zu können, nicht gesellschaftsweit konsensfähig sind. Der Moralcode erfüllt auf der Ebene der Codierung all die Anforderungen, die an die Technologie eines Codes gestellt werden: „Abstraktheit, Abrufbarkeit, Invarianz: Aber die eben deshalb notwendigen Programme, die regeln, welches Verhalten positiv bzw. negativ zu beurteilen ist, sind nicht mehr durch die Religion vorgeschrieben; und dafür hat es auch kein Substrat gegeben. Die moralische Kommunikation tritt noch unter dem Anspruch auf, für die Gesellschaft zu sprechen; aber in einer polykontexturalen Welt kann das nicht mehr einstimmig geschehen“(Luhmann 1997a, 248)Google Scholar
  83. 83.
    Luhmann 1997a, 362.Google Scholar
  84. 84.
    Vgl. Luhmann 1971f, 15f.Google Scholar
  85. 85.
    Luhmann 1986, 77.Google Scholar
  86. 86.
    Der Programmbegriff wird auf der Ebene der Medientheorie eingeführt. Die Verbindung mit dem organisationstheoretischen Programmbegriffwird von Luhmann m.E. nie wirklich expliziert.Google Scholar
  87. 87.
    Luhmann 1997a, 377.Google Scholar
  88. 88.
    Luhmann 1997a, 362.Google Scholar
  89. 89.
    Vgl. Luhmann 1997a, 751.Google Scholar
  90. 90.
    Luhmann 1997a, 751. In diesem Sinne lässt sich hier nicht von einem „Kampf der Wertsphären“im Weberschen Sinne sprechen. Die funktionssystemischen Kommunikationen sind zwar universalistisch verfasst, nicht aber imperialistisch und behaupten nicht immer schon gleich mit, die „bessere Kommunikation“zu sein. Vgl. Schwinn 2001 zur Renovierung des Weberschen Wertsphärenkonzept.Google Scholar
  91. 91.
    D.h. eben nicht, dass Funktionssysteme Alleskönner sind. Luhmann 1995g, 12 dazu: „Es gibt die Allzuständigkeit der Wirtschaft für alles, was man für Geld bekommen kann. Es gibt die Allzuständigkeit des Rechts für alles, was auf das Schema Recht oder Unrecht gebracht werden kann. Und natürlich die Allzuständigkeit der Religion für ihre Schematik von Immanenz/Transzendenz als Beobachtungsschema. Das ist der Punkt, an dem man klassische, zweiwertige Logiken und klassische Gattungstheorien als nicht ausreichend komplex aufgeben muss.“Google Scholar
  92. 92.
    Luhmann 1997a, 408. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  93. 93.
    Luhmann 1997a, 747. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  94. 94.
    Luhmann 1997a, 747. Ein spannendes, aber auch heikles Thema im Rahmen der Luhmannschen Systemtheorie ist die Analyse sich ausdifferenzierender Systeme auf der Ebene von Gesellschaft, die Frage danach, wie Strukturen (z.B. Professionsrollen, Medien, Organisationen), die zunächst in anderen Systemzusammenhängen und auf anderen Systemebenen institutionalisiert waren, sich auf einer eigenständigen Systemebene mit Gesellschaftsbezug restabilisieren. Für das System der Massenmedien hat Luhmann das diskutiert. Für das System der sozialen Hilfe wird das ebenfalls seit einiger Zeit diskutiert. (Vgl. Baecker 1994 und als Übersicht Merten 2000)Google Scholar
  95. 95.
    Vgl. Luhmann 1981g zu diesem Begriff mit Bezug auf Gesellschaft.Google Scholar
  96. 96.
    Vgl. Berger 1999, 37 und 160f. zur Kritik an der (nicht nur) systemtheoretischen Reduzierung wirtschaftlichen Geschehens auf Zahlungen und Tauschakte. Berger zufolge steht gerade aufgrund des Zukunftsaspekts der Funktion der modernen Wirtschaft eher die Investition und nicht die Zahlung „im Zentrum des wirtschaftlichen Geschehens“(37).Google Scholar
  97. 97.
    Luhmann 1997a, 776. Michael Hartmann 1996 macht sowohl auf die unverminderte Schichtabhängigkeit der Personalrekrutierungsmechanismen von Spitzenpositionen in der Wirtschaft aufmerksam als auch auf deren konjunkturabhängige Veränderungen. In guten Zeiten haben auch periphere Gruppen größere Chancen auf eine Laufbahn im gehobenen Management. In schlechten Zeiten werden die „gates“undurchlässiger und die Schließungsprozesse wieder strikter. Diese Prozesse werden heute unter dem Begriff des „gatekeeping“diskutiert. Vgl. hierzu Struck 2000.Google Scholar
  98. 98.
    Luhmann 1997a, 760.Google Scholar
  99. 99.
    Luhmann 1997a, 760.Google Scholar
  100. 100.
    Es ist schwierig für die aufgeführten Systembestandteile einen einheitlichen Begriff zu finden. Für den frühen Luhmann würde es sich um Strukturen handeln. Dem Unterscheidungsreichtum der späten Luhmannschen Theorie geneigt, wird man sich vielleicht etwas sträuben, alle die Begriffe unter dem Strukturbegriff zu versammeln.Google Scholar
  101. 101.
    Luhmann 1997a, 760 f.Google Scholar
  102. 102.
    Luhmann 1975g, 160. Hervorhebung von mir. Die Hervorhebung ist wesentlich, denn Luhmann denkt auch hier wieder Steigerungsverhältnisse. Das Prinzip der Totalinklusion schließt gesellschaftliche Ungleichheiten keineswegs aus, denn scheinbar „ist mit zunehmender Gleichheit auch die Ungleichheit gestiegen, ebenso wie mit zunehmender Unabhängigkeit der Teilsysteme auch ihre wechselseitige Abhängigkeit“(ebd.). Der Begriff der strukturellen Kopplung wird für die Bestimmung des Verhältnisses gesellschaftlicher Teilsysteme im Folgenden geklärt.Google Scholar
  103. 103.
    Bei Marshall 1992, 33ff. geht es maßgeblich um Staatsbürgerrechte, Staatsbürgerschaft und die Staatsbürgerrolle als den Inklusionsstrukturen zwischen Politik und Recht im Übergang zur modernen demokratischen Gesellschaft.Google Scholar
  104. 104.
    Luhmann markiert, dass Parsons trotz einiger Unklarheiten im Begriffsgebrauch aber sehr wohl zwischen Integration und Interpenetration unterscheidet, um die Referenzen Teilsystem und personales System zu trennen. Vgl. Luhmann 1997a, 618f Vgl. zur Geschichte der Einzelbegriffe wie des Begriffspaares Göbel/Schmidt 1998. Als Grobtendenz kann man festhalten, dass mit den Theoriejahren das Pendant zu Inklusion, die Exklusion, immer deutlicher mitbegriffen wird.Google Scholar
  105. 105.
    Vgl. Lockwood 1969, 125.Google Scholar
  106. 106.
    Stichweh 1988a, 46.Google Scholar
  107. 107.
    Die Betonung liegt in diesem Fall auf Unterscheidung, denn — das wurde bereits angedeutet — Inklusion und Exklusion haben bei Luhmann noch nicht immer ein derart intimes Verweisungsverhältnis gehabt wie in den neuesten differenzierungs- und beobachtungstheoretischen Studien.Google Scholar
  108. 108.
    Luhmann 1997a, 620.Google Scholar
  109. 109.
    Luhmann 1997a, 622.Google Scholar
  110. 110.
    Luhmann 1997a, 624.Google Scholar
  111. 111.
    Vgl. Luhmann 1995b, 241. Im Unterscheidungsbegriff, der immer zwei Seiten vorsieht, liegt auch die Luhmannsche Kritik an Parsons’ Theorie- und Begriffsgebäude. Sie berücksichtige, so Luhmann 1997a, 620, nicht in ausreichendem Maße den Negativfall von Kategorien.Google Scholar
  112. 112.
    Luhmann 1995b, 241.Google Scholar
  113. 113.
    Vgl. Fuchs 1992, 199ff.Google Scholar
  114. 114.
    Luhmann 1994, 192.Google Scholar
  115. 115.
    Dahrendorf 1996, 194.Google Scholar
  116. 116.
    Luhmann 1997a, 626.Google Scholar
  117. 117.
    Luhmann 1997a, 628.Google Scholar
  118. 118.
    Vgl. Luhmann 1997a, 628.Google Scholar
  119. 119.
    Vgl. auch bei Schimank 1996 zu dieser wesentlichen Leitdifferenz in der Geschichte der soziologischen Differenzierungstheorie. Schimank spart sich allerdings die Beschäftigung mit Spencer, wie Tyrell 1998 treffend kritisiert.Google Scholar
  120. 120.
    Vgl. Mayntz 1988, 1997, Mayntz/Scharpf 1995a für die diese Diagnose immer zur Steuerungstheorie führt. Vgl. auch Heitmeyer 1997a und 1997b. Für die Ebene von Organisationen als Sozialsysteme ist die Unterscheidung von Differenzierung/Integration seit Lawrence/Lorch 1967 unter dem Titel der Kontingenztheorie ein Standard.Google Scholar
  121. 121.
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Thomas Drepper

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