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Allgemeine Theorie organisierter Sozialsysteme

  • Thomas Drepper
Chapter
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Part of the Organisation und Gesellschaft book series (OUG)

Zusammenfassung

Dieses Kapitel diskutiert die Luhmannschen Theorieentwürfe zu einer Allgemeinen Theorie organisierter Sozialsysteme. Die folgenden Überlegungen werden den jeweils grundlegenden Zusammenhang der allgemeinen Organisationstheorie mit der allgemeinen Theorie sozialer Systeme und der darin ausgearbeiteten Relation von allgemeiner Theorie sozialer Systeme und allgemein-systemtheoretischen Grundlagen klarmachen. Bringt man die paradigmatischen Theorieentwicklungen auf eine Reihe, so führt der Weg von der funktional-strukturellen Theorie umweltoffener Systeme zur ereignisbezogenen Theorie selbstreferentieller Systeme zur späten Autopoiesistheorie im Rahmen des Paradigmas operativgeschlossener Systeme. 1 Diesem Dreischnitt folgt die Darstellung in diesem Kapitel. Mit dem Ereignisbegriff im Rahmen der Theorie selbstreferentieller Systeme wird die Ereignis-Strukturtheorie (eventstructure-theory) auf den Weg gebracht und später durch den Operationsbegriff noch einmal radikalisiert. Idealtypisch verkürzt, läuft die paradigmatische Bewegung im Luhmannschen Werk von einem strukturellen zu einem operativprozessualen Verständnis sozialer Systeme und damit auch von Organisation als Sozialsystem. Gerade die späten begrifflichen Umbauten und Ergänzungen (Kommunikation, Operation und Beobachtung, Paradoxie) arbeiten sich verstärkt daran ab, dem „Rätsel der Emergenz von Entscheidungen“2 auf die Spur zu kommen.

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Literatur

  1. 1.
    Luhmann reflektiert und historisiert seine eigene organisationstheoretische Theoriearbeit in dem Epilog zur Wiederauflage von „Funktionen und Folgen formaler Organisation“(1994, 398–405) entlang einer wissenssoziologisch-unterscheidungstheoretischen Analyse der Leitunterscheidungen, die die Organisationstheorie maßgeblich motiviert haben. In dieser Perspektive lassen sich einige Entwürfe Luhmanns zu einer allgemeinen Theorie organisierter Sozialsysteme jeweils deutlich als inkongruente Beiträge zu den „herrschenden Paradigmen“(gut juristisch!) lesen. Nur eine kleine Reihe: Es beginnt mit der Theorie der formalen und informalen Organisation, geht über zum Kontingenzparadigma (Lawrence/Lorch) und dann zur operativen Entscheidungstheorie (March). Die ausgiebige wissenssoziologisch-unterscheidungstheoretische Beobachtung der Leitdifferenzen der empirischen Organisationswissenschaft findet sich in Luhmann 2000a, 11ff. Dort spricht Luhmann dann auch nicht mehr von klassischen Positionen, sondern von klassischen Konstruktionen. Beobachtungs- und Kognitionstheorie zeigen hier Wirkung. Kognitionen bringen Konstruktionen hervor. Darauf weist auch Wil Martens 2001, 356 hin. „Die ständige Frage, welche Unterscheidungen stecken dahinter“kennzeichnen Luhmann 2000a.Google Scholar
  2. 2.
    Luhmann 2000a, 140.Google Scholar
  3. 3.
    So problematisiert etwa Perrow 1970, 18ff. die Relation von Generalisierung und Spezifizierung in der Analyse von Organisationen, zum Problem von Einheit und Vielheit des Gegenstandes. Vgl. Tacke 2001b zur Neuauflage des Typologisierungsproblems aus systemtheoretischer Perspektive. Tacke kommt zu dem Schluss (165), dass eine Organisationstypologie nur als Theorie der Beobachtung zweiter Ordnung formuliert werden kann. Wir kommen darauf zurück.Google Scholar
  4. 4.
    Es geht mir hier um die Betonung des Aspektes einer General Theory. Vgl. dazu Parsons 1960b und 1960a. Die Relation von Parsons’ Organisations- zur Gesamttheorie ist allerdings ein kompliziertes und wenig ausgearbeitetes Feld. Im letzten Kapitel gehen wir darauf im Zusammenhang mit dem collectivity-Begriff ein. Als Auseinandersetzungen mit Parsons’ Organisationstheorie vgl. Landsberger 1961, Whyte 1961 und Hills 1976. Ein anderes Beispiel für die Theoriearbeit mit der Unterscheidung von Generalisierung und Spezifizierung ist der population-ecology Ansatz in der Organisationstheorie (Hannan/Freeman 1989). Nur dort ist die Bezugsreferenz eine andere, nämlich die Population, und eine „Population besteht aus Individuen“(Luhmann 1997b, 25). Vgl. ebenfalls Kuhn 1982 zu einem „System-Based Social Science Framework for Organization Theory“, nur mit gänzlich anderen Prämissen als die Luhmannsche Systemtheorie: „All social systems are organizations, and all organizations are social systems. A tightened and coordinated organization theory is therefore not achievable on its own, but rather hinges on a tightened and coordinated theory of social systems — that is, on improved social science.“(22)Google Scholar
  5. 5.
    Barnard 1938 (1968), 77. Vgl. Williamson 1995 (Hrsg.) zur Relevanz der Barnardschen Organisationstheorie im Kontext neuerer Ansätze.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Luhmann 1964, 19 zur inkongruenten Perspektive als Erkenntnisformat, das „das naive, direkte, unreflektierte Erleben der Alltagsorientierung in der Welt durch ihm fremde Perspektiven erläutert“. Referenz ist hier Kenneth Burke 1935.Google Scholar
  7. 7.
    Luhmann 1966, 34. Für die Entfaltung dieses klassischen Arguments ist es unerheblich, ob von Handlungen oder Kommunikationen als Elementen die Rede ist. Bereits Barnard 1938 (1968), 39f. weist auf die Funktion von Kommunikation für organisationale Kooperation und Koordination hin. Bei Barnard lesen wir eine Rezeption auf den zu diesem Zeitpunkt populär werdenden Begriff der Kommunikation zur Beschreibung wechselseitiger menschlicher Verhaltens- und Koordinationsprozesse. Barnard versucht sich bspw. an einer „Kommunikationstheorie der Autorität und Führung“(172ff), in der er Autorität als eine spezifische Kommunikation und kommunikativen Zuschrei-bungseffekt in einer formalen Organisation begreift. An diesen bei Barnard noch wenig ausgearbeiteten Kommunikationsbegriff schließen Simon 1981 (1945) und March/Simon 1976, 150ff. wie selbstverständlich an und räumen ihm eine informationstheoretische Schlüsselstellung in ihrer verhaltenstheoretischen Entscheidungstheorie ein. Luhmann 1964, 190f. kombiniert Handlungs- und Kommunikationsbegriff zunächst auf diese Weise und begreift Kommunikation als einen Informationsaustauschprozeß, der wesentlich für die Informationsverarbeitung ist, der Handlung als Systemelement aber nicht ersetzt. Kommunikationsnetze in formalen Organisationen sind sekundäre Funktionen der Formalisierung. Google Scholar
  8. 8.
    Luhmann 1964, 21. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  9. 9.
    Luhmann 1964, 26.Google Scholar
  10. 10.
    Luhmann 1964, 59.Google Scholar
  11. 11.
    Luhmann 1964, 60. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  12. 12.
    Luhmann 1964, 27.Google Scholar
  13. 13.
    Luhmann 1964, 27.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Luhmann 1964, 28.Google Scholar
  15. 15.
    Luhmann 1964, 28.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. Luhmann 1964, 29.Google Scholar
  17. 17.
    Wie an anderer Stelle bereits betont, fragt auch Simon 1981, 182ff. nach der Einheit der Differenz von formal/informal und erblickt sie in Kommunikation.Google Scholar
  18. 18.
    Luhmann 1964, 34.Google Scholar
  19. 19.
    Luhmann 1964, 35.Google Scholar
  20. 20.
    Luhmann 1964, 36.Google Scholar
  21. 21.
    Luhmann 1964, 36.Google Scholar
  22. 22.
    Luhmann 1964, 39.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. March/Simon 1976, 37ff. und 81ff.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. Luhmann 1964, 48f.Google Scholar
  25. 25.
    Wie Luhmann 1964, 60 formuliert: „Die Mitgliedsrolle setzt die Einzelerwartung in eine bestimmte Beziehung zum System. In jeder formalisierten Erwartung ist die Mitgliedschaft im System als ganzem involviert. Jede Konfrontierung mit einer solchen Erwartung ist latent mit einer Grundsatzentscheidung belastet, die immer und für alle Beteiligten und für alle Erwartungen dieselbe ist. Man kann der Erwartung nur entgegentreten, wenn man den Austritt aus dem System in Betracht zieht. Dadurch überträgt sich die Systemsicherheit auf die Einzelerwartung.“Schimank 2001b, 21 bezeichnet die binären Codes funktionaler Teilsysteme als die allgegenwärtigen unbewegten Beweger, die in jeder funktionssystemspezifischen Kommunikation anwesend sind, latent oder manifest. Vielleicht könnte man das für Mitgliedschaft als Symbol auf einer niedrigeren Generalisierungsebene auch für Organisation als Sozialsystem annehmen.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. Luhmann 1964, 41. Dieses Argument der Selbstvergewisserung eines Systems als System durch die Thematisierung und Problematisierung ihrer Systemgrenze durch Mitglieder (Eintritt/Austritt als Option) wird im Kontext neuerer systemtheoretischer Begrifflichkeiten auf die Fähigkeit sozialer Systeme zur Selbstbeobachtung bezogen. Soziale Systeme sind selbstbeobachtende Systeme, und für Organisationen gilt das ebenfalls und im besonderen Maße. Wir kommen darauf zurück. Für Organisation als soziales System ist das ein Kernargument in Luhmann 2000aGoogle Scholar
  27. 27.
    Barnard 1938(1968), 167ff.Google Scholar
  28. 28.
    Baecker 2002, 1.Google Scholar
  29. 29.
    Luhmann 1964, 42.Google Scholar
  30. 30.
    Luhmann 1964, 38.Google Scholar
  31. 31.
    Der Entscheidungsbegriff taucht in Luhmann 1964 natürlich sehr wohl auf, wir dort allerdings als ein Prozess bzw. Kommunikationstyp neben Weisung, Entwurf und Mitzeichnung begriffen (82 etwa). Daneben wir er gebraucht, um verschiedene Organisationen mit unterschiedlicher Teilsystemreferenz zu typisieren. Es gibt Organisationen, die als primären Zweck haben, Entscheidungen anzufertigen und an die Umwelt abzugeben. Das sind Verwaltungen und Gerichte. Wirtschaftsorganisationen der Produktion und Dienstleistung fertigen Entscheidungen indes nur als Mittel zum Zweck an. Vgl. Luhmann 1964, 172.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. Luhmann 1962, 14.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. Luhmann 1964, 18. Luhmann differenziert Handeln und Verhalten zu diesem Zeitpunkt nicht konsequent. Hier finden sich Parallelen zu Simon 1981 (1945), bei dem es um die Unterscheidung von Tatsachen und Werten sowie ethischen und faktischen Elementen in Entscheidungsprozessen geht. Simon geht es in seiner Organisationstheorie zentral darum, keine gestaltenden Hinweise für die Organisationspraxis zu liefern und die Vermischung von organisationstheoretischer Analyse und gestaltender Praxis aufzuheben.Google Scholar
  34. 34.
    Luhmann 1964, 55.Google Scholar
  35. 35.
    Luhmann 1964, 55.Google Scholar
  36. 36.
    Der andere Modus des Umgangs mit Erwartungsenttäuschungen ist die Kognition. Vgl. ausführlich zur Unterscheidung von normativen und kognitiven Erwartungen Luhmann 1983, 40ff.Google Scholar
  37. 37.
    Luhmann 1964, 58.Google Scholar
  38. 38.
    Luhmann 1964, 59.Google Scholar
  39. 39.
    Luhmann 1964, 61.Google Scholar
  40. 40.
    Luhmann 1964, 61 f.Google Scholar
  41. 41.
    Luhmann 1964, 62.Google Scholar
  42. 42.
    Luhmann 1964, 63.Google Scholar
  43. 43.
    Vgl. Luhmann 1964, 67.Google Scholar
  44. 44.
    Luhmann 1964, 68.Google Scholar
  45. 45.
    Alois Hahn 1983 hat die Funktion der Latenz von Konsensfiktionen für junge Ehen gezeigt.Google Scholar
  46. 46.
    Luhmann 1964, 71.Google Scholar
  47. 47.
    Luhmann 1964, 71.Google Scholar
  48. 48.
    Luhmann 1964, 72. Neben Formalisierung als Generalisierungsmechanismus von Erwartungen sind hier vor allen Dingen Medien als symbolische Generalisierung von Erwartungen zu nennen. Vgl. ausführlich im Verhältnis zu Vertrauen natürlich Luhmann 1989 (1968).Google Scholar
  49. 49.
    Luhmann 1964, 53.Google Scholar
  50. 50.
    Luhmann 1964, 73. Als abgrenzende Paradigmen einer Theorie der Systemdifferenzierung nennt Luhmann auch hier die wirtschaftswissenschaftliche Arbeitsteilungslehre und die politische Gewaltenteilungslehre.Google Scholar
  51. 51.
    Luhmann 1964, 77.Google Scholar
  52. 52.
    Luhmann 1964, 78. Für Parsons 1960a, 19 steht die Genese moderner Organisationen genau in dieser Systemverschachtelungslogik. Fortschreitende Arbeitsteilung fordert Organisationsbildung. Organisationen sind Zielerreichende, „functionally differentiated subsystems of a larger social system“, für die sie, mit anderen Subsystemen zusammen, Funktionen erbringen. Was Ziel für die Organisation ist, ist Funktion für das umfassendere System: „What from the point of view of the organization in question is its specified goal is, from the point of view of the larger system of which it is a differentiated part or subsystem, a specialized or differentiated function. This relationship is the primary link between an organization and the larger system of which it is a part, and provides a basis for the classification of types of organization.“Google Scholar
  53. 53.
    Vgl. dazu das Zitat in der Fußnote zuvor.Google Scholar
  54. 54.
    Luhmann 1964, 82.Google Scholar
  55. 55.
    Luhmann 1964, 82. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  56. 56.
    Luhmann orientiert sich an Parsons’ medias of interchange. Google Scholar
  57. 57.
    Luhmann 1964, 91.Google Scholar
  58. 58.
    Luhmann 1964, 94.Google Scholar
  59. 59.
    Luhmann 1964, 99.Google Scholar
  60. 60.
    Gerade Organisationen wie z.B. Vereine, in denen die Motivation zur Mitgliedschaft an die enge Erfüllung des Zweckes gebunden wird, können sowohl in der Änderung der Zwecke wie in der Rekrutierung neuer Mitglieder keine großen Kompromisse eingehen: „Systeme mit motivierenden Zwecken überleben es zumeist nicht, wenn ihr Zweck erfüllt wird, obsolet wird oder in Mißkredit gerät. Organisationen, deren Zweck den Mitgliedern nichts bedeutet, können ihn anpassen, die Produktion von Badewannen auf Maschinegewehre umstellen oder in der staatlichen Förderung der Landwirtschaft von individuell-fürsorgenden zu global-wirtschaftslenkenden Konzeptionen übergehen oder in der Gefängnisverwaltung die bloße Aufbewahrung der Verbrecher durch therapeutische Bemühungen ergänzen, ohne daß der organisatorische Apparat auseinandergeht.“(Luhmann 1964, 103)Google Scholar
  61. 61.
    Luhmann 1964, 90.Google Scholar
  62. 62.
    Jeweils Luhmann 1964, 92.Google Scholar
  63. 63.
    Vgl. Luhmann 1988b, 272ff.Google Scholar
  64. 64.
    Den Gesamtkontext bereitet die Figur der Temporalisierung von Komplexität. Systeme, die ihre Komplexität temporalisieren, setzen Zeit ein, um Elemente selektiv miteinander zu verknüpfen, da die Möglichkeit, jedes Element mit jedem anderen zu verknüpfen, faktisch nicht mehr realisierbar ist. Temporalisierung ist damit eine Lösung des Komplexitätsproblems sozialer Systeme. Zunächst eher für die Ebene der Strukturen sozialer Systeme gedacht, geht es dann immer mehr um die Zeitlichkeit auf der Ebene der Elemente selbst. Luhmann 1982a kann als ein Vermittlungsaufsatz begriffen werden zwischen den Studien zum Ereignisbegriff und dem aufscheinenden Autopoiesisparadigma. Liest man hier aufmerksam, so scheint es gerade das Versprechen des Autopoiesistheorems auf zeittheoretische Einsichten der Operationslogik von Systemen zu sein, die Luhmann an selbigem reizt. Das zeittheoretische Problem und die theoretische Richtung (Temporalisierung von Elementen und Strukturen), also die Elemente sozialer Systeme als Ereignisse zu begreifen, liegt vor in der Systemtheorie als Figur vor, und Luhmann verbindet die Ereignistheorien Whiteheads und Meads mit Maturanas und Varelas Verständnis lebender, autopoietischer Systeme.Google Scholar
  65. 65.
    Vgl. Luhmann 1981e, 51.Google Scholar
  66. 66.
    Luhmann 1981e, 52.Google Scholar
  67. 67.
    Wichtig zu betonen ist, dass Luhmann bereits den frühen Handlungstheoretiker Parsons („Structure of Social Action“) für einen ausgemachten Emergenztheoretiker und damit Systemtheoretiker in Lauerstellung hält. Diese Parsonsrezeption ist sicherlich umstritten, für Luhmann allerdings eine Kernthese. Vgl. Luhmann 1981b, 115 und die dazugehörende Fußnote 30 auf 123.Google Scholar
  68. 68.
    Luhmann 1981e, 54fGoogle Scholar
  69. 69.
    Luhmann 1981e, 56.Google Scholar
  70. 70.
    Luhmann 1981e, 56.Google Scholar
  71. 71.
    Luhmann 1981e, 57. Diese Idee wir im letzten Kapitel unter dem Stichwort der soziokulturellen Variabilität von Attributionsroutinen für die Frage nach Organisationen als Kollektivadressen in der modernen Gesellschaft wieder aufgenommen.Google Scholar
  72. 72.
    Luhmann 1981e, 60.Google Scholar
  73. 73.
    Luhmann 1981e, 60. Hier weist Luhmann besonders auf den Schützschen Typisierungsbegriff hin. Vgl. Schütz 1971, 3ff, für den alle sinnhaften Konstruktionen typenförmige Generalisierungen sind.Google Scholar
  74. 74.
    Luhmann 1981e, 60f.Google Scholar
  75. 73.
    Luhmann 1981e, 62.Google Scholar
  76. 76.
    Luhmann 1981e, 62.Google Scholar
  77. 77.
    Luhmann 1981e, 62.Google Scholar
  78. 78.
    Luhmann 1981b, 113 fasst die Unterstellung des mit fragloser Gültigkeit ausgestatteten Schemas zusammen: „Es könnten schließlich nur Personen (Menschen, Individuen, Subjekte) handeln. Das Argumentschema der wissenschaftlichen Kommunikation wird damit parallelgeschaltet zum, und gebunden ans, Alltagsschema der Zurechnung von Handlungen auf Personen. Analog zum Schema Substanz/Akzidenz oder Ding/Eigenschaft wird Person/Handlung als dasjenige Dual genommen, das die Aussagevariation im wissenschaftlichen Kommunikationszusammenhang steuert.“Google Scholar
  79. 79.
    Luhmann 1981b, 101: „Unabhängig also von allen (ohnehin sehr vordergründig geführten) Kontroversen um ,Handlungstheorie’ oder ,Systemtheorie’ kann man mithin sagen, daß die soziologische Theorie heute unbestritten davon ausgeht, daß der Handelnde nach seinen Intentionen handelt und daß seine Zeitvorstellung die Struktur seiner Intentionen bestimmt (...).“Google Scholar
  80. 80.
    Luhmann 1981b, 114.Google Scholar
  81. 81.
    Vgl. Luhmann 2000a, 155f. Was etwa für Familiensysteme nur sehr beschränkt gilt. Gerade die Gleichzeitigkeit verschiedener Erwartungskonstellationen ist der Konfliktzündstoff in Familien und Intimbeziehungen und sorgt für Spannungen, Krisen und Trennungen: Kino oder Badmington, Freunde treffen oder die Oma besuchen, alleine oder gemeinsam in den Urlaub, den Golf oder den Alpha, zwei oder vier Kinder? Eine Problemlösungsmöglichkeit liegt in der Zeitdimension und ist das Verschieben in das Nacheinander. Gerade Bobos (Brooks 2000) haben das Problem: erst Karriere, dann Kinder, oder erst Kinder, dann Karriere. Prekär bleiben beide Sequenzialisierungen aber allemal. Familienplanungstechnisch ist die Gefahr groß, den richtigen Zeitpunkt (für den Eisprung) nie zu finden („Da kommt doch so ein spannendes Projekt!“ „Es wird bald ruhiger, bestimmt“!). Oder für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt ist man zu schnell zu alt oder qualifikationsmäßig nicht mehr auf der Höhe der Zeit und damit ein Kostenfaktor. Familien können keine Abteilungen für Arbeit, Entbindung, Haushaltsführung, Erziehung und Sozialkontakte ausdifferenzieren und Erwartungen nur sehr schwer programmieren, da in der Sozialdimension verstärkt auf die Befindlichkeit der Personen Rücksicht genommen werden muss. Und Kinder sind auch keine Projekte, sondern Daueraufgaben. Und Eltern ab einem gewissen Alter auch.Google Scholar
  82. 82.
    Vgl. hier als Referenz McHugh 1968, 35 mit Bezug auf Meads “Philosophy of the Present“, Schütz und Whitehead: „Remember that emergence includes, in the present, the changing meaning of past events and future programs. The social character of events, rather than their epistemological truth or falsity, can develop new and different features even after the event has occurred or before it happens.“Google Scholar
  83. 83.
    Vgl. zu der Relation von Handlung als Element und Kommunikation als Prozess Luhmann 1982a und über weite Strecken Luhmann 1984a.Google Scholar
  84. 84.
    Luhmann 1981b, 119f.Google Scholar
  85. 85.
    Simon 1981, 96.Google Scholar
  86. 86.
    Gerade Herbert A. Simon hat in seiner verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie die Kritik an den Grenzen einer rein an rationalen Gesichtspunkten verengten (betriebswissenschaftlichen) Entscheidungstheorie zum wesentlichen Fokus gemacht. Die Begrenzungen werden bei Simon und March/Simon sozialpsychologisch und kognitionstheoretisch sichtbar gemacht. Für Luhmann ist das eine zentrale Referenz für die Ausarbeitung einer, auch für die Analyse sozialer Systeme, brauchbaren Entscheidungstheorie.Google Scholar
  87. 87.
    Vgl. Luhmann 1981c, 337. Luhmann zufolge ist dies das Geschäft primär betriebswirtschaftlich motivierter Entscheidungstheorien.Google Scholar
  88. 88.
    Luhmann 1981c, 337.Google Scholar
  89. 89.
    Luhmann 1981c, 337Google Scholar
  90. 90.
    Luhmann 1981c, 337.Google Scholar
  91. 91.
    Luhmann 1981c, 338.Google Scholar
  92. 92.
    Luhmann 1981c, 339.Google Scholar
  93. 93.
    Luhmann 1981c, 339.Google Scholar
  94. 94.
    Unter dem Topos der Unsicherheitsabsorption kommen wir darauf zurück.Google Scholar
  95. 95.
    Luhmann 1981c, 339.Google Scholar
  96. 96.
    Luhmann 1981c, 341.Google Scholar
  97. 97.
    Ich möchte mit Bezug auf die starke Luhmannsche Betonung der Ereignishaftigkeit von Elementen vom unit event sprechen. Die unit ist eine temporale Einheit, die sich aus der Einheit von Identität und Differenz herstellt. Luhmann 1982a, 370 in einem komplizierten Bezug auf Whitehead: „Ein Einzelereignis muß demnach beides in sich aufnehmen: Identität mit sich selbst und Differenz zu sich selbst; nur so kann es in einen ,Nexus’ eingehen. Die Handlung „an einer Haustür klingeln“ ist nicht nur das Klingeln selbst. Ihr Sinn bezieht ein, daß die Haustür geöffnet wird. Das Klingeln muß aufhören. Es kann gerade nicht seinen Sinn darin finden, weiterzuklingeln oder ein weiteres Klingeln zu bewirken. Es hätte sonst keine unterscheidbare Einheit. Gewiß: das Öffnen der Haustür ist eine andere Handlung, ein neues Ereignis, das auch unterbleiben kann. Ob es sich nun ereignet oder nicht: die Differenz zu diesem anderen Ereignis (und weiter: zu allen anderen Ereignissen) ist Mitsinn des Klingeins selbst. Ohne Identität und Differenz wäre es selbst kein Ereignis. Und keine Handlung!“ Und an anderer Stelle ebenfalls zur Whiteheadschen Kosmologie Luhmann 1987e, 315: „Sind Ereignisse demnach identisch und different?“Google Scholar
  98. 98.
    Luhmann 1981c, 353.Google Scholar
  99. 99.
    Luhmann 1981c, 353.Google Scholar
  100. 100.
    Diese Formulierung orientiert sich an Ortmann 1999, 164, der Kieser im Kontext neuerer dekonstruktivistischer Organisationstheorien und des interpretativen Narrativitäts-Paradigmas der Organisation zitiert. Dort heißt es, dass die Organisieren die „allmähliche Verfertigung der Organisation beim Reden“ ist.Google Scholar
  101. 101.
    Der Titel bezieht sich auf Luhmann 1988b, 272ffGoogle Scholar
  102. 102.
    Luhmann 1988b, 278.Google Scholar
  103. 103.
    Luhmann 1988b, 279.Google Scholar
  104. 104.
    Der Begriff der Rekursivität erlebt einen Boom in der Organisationstheorie. Mit diesem Begriff können dann selbst so hoch differente Theorieentwürfe wie Giddens und Luhmann einander nah gebracht werden. Autopoiesis und das Theorem der Dualität von Handlung und Struktur werden auf diesem Generalisierungsniveau miteinander vergleichbar. Günther Ortmann 1995, 81ff. diskutiert das unter dem Titel der Rekursiven Rotationen entlang rekursiver Schleifen menschlicher Praxis. Ortmann 1995, 56 beschreibt die Rekursivität entlang des Giddensschen Dualitätsverständnisses von Struktur (Regeln und Ressourcen) und Handlung: „Handeln findet im Medium der Struktur statt. Andererseits ist Struktur das Produkt von Handeln, d.h. nur dadurch, dass sich die Handelnden auf ,Strukturmomente’ (structural properties) sozialer Systeme beziehen, also auf kognitive und normative Ordnungen und Ressourcenverteilungen, existieren sie überhaupt.“Google Scholar
  105. 105.
    Luhmann 1988b, 283.Google Scholar
  106. 106.
    Luhmann 1988b, 283. Und das ist ein unüberwindlicher Unterschied zwischen Giddens und Luhmann: Strukturen gibt es nicht ohne Systeme!Google Scholar
  107. 107.
    Luhmann 1988b, 284.Google Scholar
  108. 108.
    Luhmann 1988b, 293f. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  109. 109.
    Das Vermeiden der Kommunikation von Erwartungen findet sich in Kommunikationsformen wie geselliger Kommunikation, in denen Takt und Konfliktvermeidung als Normalerwartungen institutionalisiert sind.Google Scholar
  110. 110.
    Vgl. Luhmann 1988b, 295f. Die anderen zwei Beispiele der Produktion von Entscheidungslasten, die soziale Reßexivität von Verhaltensenvartungen und die Normierung von Verhaltenserwartungen, sparen wir hier aus.Google Scholar
  111. 111.
    Luhmann 1988b, 297.Google Scholar
  112. 112.
    Luhmann 1988b, 300.Google Scholar
  113. 113.
    Luhmann 1988b, 298.Google Scholar
  114. 114.
    Das ist ja bekanntlich ein Standardargument gegen eine rein rational kalkulierende Entscheidungstheorie, man müsse die gesellschaftliche Einbettung von Organisation und Entscheidung unter Legitimationsgesichtspunkten berücksichtigen. Institutionalistische und Neoinstitutionalistische Organisationstheorien betonen diesen Punkt mit Vorliebe unter Rekurs auf Max Weber.Google Scholar
  115. 115.
    Luhmann 1977a, 286. Dass das Paradigma selbstreferentieller Sinnsysteme zunächst „gut“ ohne den Autopoiesisbegriff auskommt, wird in der Historisierung der Luhmannschen Theoriephasen meist nicht gesehen und der Begriff der Autopoiesis in seiner paradigmatischen „Wendefunktion“ damit überschätzt. Vgl. etwa die Passagen in Luhmann 1977a, 27. Auch Luhmann 1984a kommt über weite Passagen ohne den Autopoiesisbegriff aus.Google Scholar
  116. 116.
    Als wegweisender Text für den Organisationskontext kann hier Luhmann 1992a (1988) gelten. Vgl. Schneider 2002 Bd. 2., 276ff. ausführlich zum dreistelligen Kommunikationsbegriff.Google Scholar
  117. 117.
    Der Begriff der Operation hat mit der Zeit bei Luhmann immer mehr den Elementbegriff verschoben, vielleicht sogar ersetzt. In welcher begrifflichen Relation die Begriffe Element, Ereignis und Operation stehen, ist schwer ersichtlich und bedürfte einer Klärung. Formulierungen wie elementare Operationen verwischen eher die Differenzen, denn zur Klärung beizutragen. Auffällig ist aber, dass die Definition sozialer Systeme durch die Dominanz des Operationsbegriffes ohne den Elementbegriff auskommt. Vgl. dazu etwa die Passagen in Luhmann 2000c, 15f.Google Scholar
  118. 118.
    Die Kommunikation von Entscheidungen bzw. Entscheidungskommunikation kommt nicht nur in Organisation vor. Nur, und das ist das systemtheoretische Kernargument, wenn, dann auf einer emergenten Operations- und Systemebene, die ein typisches soziales System erzeugt, nämlich ein durch Mitgliedschaft konditioniertes Entscheidungssystem. Und in Organisationen kommen auch andere als zu Entscheidungen verdichtete Kommunikationen vor (vgl. Baecker 1999, 145). Der Begriff der Kommunikation hat in vielerlei Hinsicht Einzug in die Organisationstheorie gehalten. Meist geht es dabei um die Bedeutung von Kommunikation in Organisationen und die daran gekoppelte Forderung, interpretative Sozial- und Sprachtheorien in der Organisationstheorie stärker zu gewichten. Vgl. schon früh Putnam/Pacanowsky 1983. Ein anderer Zweig geht verstärkt dem Begriff der Metapher nach und fragt nach dessen konstruktiven Effekten für die Organisationswirklichkeit. Dafür steht maßgeblich Gareth Morgan (1993). Vgl. Alvesson 1993, 114ff. zusammenfassend hierzu. Die systemtheoretische Fassung der Verbindung von Kommunikation und Entscheidung arbeitet Baecker 1999, 136ff. deutlich heraus.Google Scholar
  119. 119.
    Luhmann 1992a, 168.Google Scholar
  120. 120.
    Luhmann 1992a, 168.Google Scholar
  121. 121.
    Luhmann 1996a, 60. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  122. 122.
    Krippendorff 1971, 171: „In the context of society, the law could read: any communication process, once initiated and maintained, leads to the genesis of social structure (...)“.Google Scholar
  123. 123.
    Luhmann 1996a, 59.Google Scholar
  124. 124.
    Luhmann 1996a, 60: „Even neurophysiological systems, and certainly systems of consciousness and social systems, have to monitor their own cohesion continuously with the aid of such identities (which may be either anchored on a molecular level, or represented as objects, or re-used via language), to safeguard the selectivity of their systemic coherence. This is done by replacing vanished events by memory values, which are condensed into entities and re-used again and again in new situations, and thus are confirmed and generalized.“Google Scholar
  125. 125.
    Innerhalb der Sozialtheorie ist das seit Mead eine Grundannahme, die lange nicht gesehen und aufgegriffen wurde. Als frühe Rezeption hierzu McHugh 1968 und Bergmann 1981a und 1981b.Google Scholar
  126. 126.
    Luhmann 1997b, 127. Hervorhebung von mir. Das ist ein Argument, dass an den Eingang dieser Arbeit erinnert und an das Argument von Alfred Kieser hinsichtlich des Scheiterns von Korporationen im Übergang zur modernen Gesellschaft. Sie waren multifunktional orientiert. Moderne Organisation hingegen erfüllen keine gesellschaftlichen Funktionen, sondern müssen diese voraussetzen, und stellen dann Leistungen für Teilsysteme bereit. Wir kommen darauf zurück.Google Scholar
  127. 127.
    Luhmann 1997b, 128.Google Scholar
  128. 128.
    Baecker 1999, 126ff. spricht deshalb von der doppelten Schließung von Organisationen auf der Ebene ihrer Elemente und Strukturen.Google Scholar
  129. 129.
    Luhmann 1997b, 128.Google Scholar
  130. 130.
    Vgl. Parsons 1960a, 41 plakativ zur gesellschaftlichen Zielerreichungsfunktion von Organisationen: „As seen in the analysis in the first section of this paper, the development of organizations is the principal mechanism by which, in a highly differentiated society, it is possible to ,get things done’, to achieve goals beyond the reach of the individual and under conditions which provide a relative maximization of effectiveness, in Chester Barnard sense.“Google Scholar
  131. 131.
    Vgl. Luhmann 1997b, 128. Daraufkommen wir im letzten Kapitel zurück.Google Scholar
  132. 132.
    Luhmann 2000a, 45. Hervorhebung von mir. Mit der epistemologisch weitreichenden Umstellung von Was- auf Wie-Fragen hängt die Frage nach der Beobachterabhängigkeit jeglicher Erkenntnis zusammen. Eine „Theorie des Beobachters“ und der Beobachtung (von Foerster 1985 und 1993) wird in den unterschiedlichsten disziplinaren und theoretischen Kontexten diskutiert. Eine second-order-cybernetics oder auch Neokybemetik (von Foerster, Glanville 1988), der radikale Konstruktivismus, die Maturanasche Autopoiesistheorie und nicht zuletzt der operative Konstruktivismus der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns (1990 und 1990a) kümmern sich um die „Entdeckung des Beobachters“ als der „zentrale(n) intellektuell(n) Faszination“ dieses (wissenschaftlichen) Jahrhunderts (Baecker 1993, 17). Als Heimat des Beobachters muss man sicherlich mehrere, nur teilweise zusammenhängende theoretische Diskurse anführen. Heinz von Foersters Kybernetik zweiter Ordnung, G. Spencer Browns Unterscheidungstheorie und Humberto Maturanas Autopoiesistheorie etablieren den Beobachter als zentralen Theoriebegriff. Aber auch die sozialpsychologische Attributionstheorie (Fritz Heider) diskutiert Zuschreibungen beobachterabhängig.Google Scholar
  133. 133.
    Luhmann 2000a, 53.Google Scholar
  134. 134.
    Luhmann 1992a, 166.Google Scholar
  135. 135.
    Luhmann 2000a, 59.Google Scholar
  136. 136.
    Luhmann hat das maßgeblich für die Ebene von teilsystemischer Kommunikation diskutiert. Zahlungen im Wirtschaftssystem, Rechtsprechung im Recht, Publikationen in der Wissenschaft, kollektiv bindende Entscheidungen in der Politik.Google Scholar
  137. 137.
    Luhmann 2000a, 63. Dieses Zitat macht deutlich, dass der Strukturaspekt dem Operations- und Ereignisbegriff nachgeordnet wird.Google Scholar
  138. 138.
    Baecker 2002, 1.Google Scholar
  139. 139.
    Luhmann 2000a, 67.Google Scholar
  140. 140.
    Im handlungstheoretischen Paradigma der Theorie formaler Organisation lautete das analoge Argument, dass nicht alle Verhaltensweisen in Organisationen formalisiert sein müssen. Im späten Zugriff 2000a, 68 heißt das: „Alles was überhaupt geschieht, geschieht als Kommunikation von Entscheidungen oder im Hinblick darauf. Es können in Organisationen zwar auch andere Verhaltensweisen vorkommen, etwa Klatsch (so wie es in lebenden Zellen auch Mineralien gibt, die nicht an der Autopoiesis des Systems teilnehmen und trotzdem wichtige Funktionen erfüllen). Aber die Aufrechterhaltung der autopoietischen Reproduktion und die dadurch bewirkte Reproduktion der Differenz von System und Umwelt ist dasjenige Erfordernis, dass das System als System (einer bestimmten Art) erhält. Ohne die Grundoperation der Kommunikation von Entscheidungen gäbe es auch keine anderes Verhalten im System, weil es das System nicht gäbe.“Google Scholar
  141. 141.
    Vgl. Kieserling 1994 zu Interaktion in Organisationen. Bei diesen Interaktionsformen müsste man natürlich auch ganz sensibel die strukturellen Konditionierungen und Verdichtungsgrade angeben. „Scheinbar“ freie Interaktion, die reine Form der Geselligkeit im Simmelschen Sinne, ist ja immer noch Interaktion in Gesellschaft und damit ebenfalls strukturell konditioniert. Strukturell äquivalentes gilt für Familien und Intimbeziehungen. Komplett konditionierungsfrei ist keine Interaktion zu begreifen.Google Scholar
  142. 142.
    Vgl. Kapitel 1.7Google Scholar
  143. 143.
    Luhmann 1992a, 167.Google Scholar
  144. 144.
    Vgl. Weick 1995, 24ff.Google Scholar
  145. 145.
    Neuberger 2000, 179.Google Scholar
  146. 146.
    Vgl. Ortmann 1999, 168. Das wären Begriffe und Theoreme aus dem Interessenspektrum so genannter „Postmoderner Organisationstheorien“, die den klassischen Organisationstheorien vor allen Dingen sprach- und kommunikationstheoretische sowie dekonstruktivistische Supplemente hinzufügen. Vgl. hierzu die Rekursivitäts-Supplemente als die Zirkularitätsergänzungen linearer Aussagen, die Ortmann 1995, 105ff. und 1999, 173ff. vorschlägt.Google Scholar
  147. 147.
    In dieser theoretischen Figur der Zirkularität von Ereignis und Struktur liegt eine Nähe zur Giddensschen Strukturationstheorie, auf die Luhmann selbst hinweist. Vgl. Luhmann 2000a, 50 Fn. 33 Giddens verwendet die Figur der Rekursivität allerdings dezidiert ohne einen grenzdefinierten Systembegriff. Giddens 1992, 216f. lehnt einen nur im weitesten Sinne an biologische oder funktionalistische Konzepte angelehnten Systembegriff explizit ab. Soziale Systeme, von denen Giddens spricht, unterscheiden sich hinsichtlich der Ausbildung und raum-zeitlichen Ausdehnung bestimmter Strukturen und Institutionen. Die Frage, die damit m.E. unterschätzt wird, ist, wie sich Systeme voneinander unterscheiden können, wenn sie keine Grenzen ausbilden? Als Kritik an der Luhmannschen Systemtheorie kann Giddens hier nicht ernsthaft begriffen werden, sind soziale Systemgrenzen bei Luhmann Sinngrenzen und keine organischen oder räumlichen Grenzen.Google Scholar
  148. 148.
    Luhmann 1992a, 172. An dieser grundlegenden Argumentation ändert sich also nichts im Übergang von der handlungs- zur kommunikationstheoretischen Grundierung bei Luhmann. Dass Strukturen immer zugleich enabling und constraining zugleich sind, arbeitet vor allen Dingen die strukturationstheoretische Organisationstheorie in Anlehnung an Anthony Giddens’ Dualitätstheorem der Struktur heraus. Vgl. hierzu Ortmann 1995, 57 Auch neoinstitutionalistische Ansätze begreifen den Struktureffekt von Institutionen auf diese Weise. Bei DiMaggio und Powell 1991a 11 heißt es: „Institutions do not just constrain options: they establish the very criteria by which people discover their preferences.“ Günther Ortmann 1996, 25 weist für DiMaggio/Powell auf die Annäherung der Neoinstitutionalisten an die Strukturationstheorie hin.Google Scholar
  149. 149.
    Vgl. unter Rückgriff auf Henry Atlans Unterscheidung von Varietät/Redundanz Luhmann 1992a, 172ff.Google Scholar
  150. 150.
    Luhmann 2000a, 54.Google Scholar
  151. 151.
    Luhmann 2000a, 54.Google Scholar
  152. 152.
    Luhmann 2000a, 51f.Google Scholar
  153. 153.
    Luhmann 2000a, 52.Google Scholar
  154. 154.
    Vgl. Luhmann 2000a, 54.Google Scholar
  155. 155.
    „Vorbildlich“ darf hier nicht im Sinne einer Präferenz für Analogisierungen missverstanden werden. Es kann bei der Figur der operativen Schließung, ähnlich wie bei Autopoiesis schlechthin, nicht um eine Analogie gehen, die man aus dem Bereich des Lebens auf soziale Systeme überträgt. Obwohl Luhmann des Öfteren darauf hingewiesen hat, dass es sich bei Autopoiesis um ein allgemeines, empirisch zunächst wenig aussagekräftiges Prinzip handelt, das für verschiedenartige Systeme verschieden spezifiziert werden muss und damit immer auf dem theoretischen Prüfstein steht, wird häufig einfache Analogisierung unterstellt. Vgl. zur selbst eingeräumten, geringen empirischen Reichweite des Begriffs der Autopoiesis Luhmann 2000a, 49.Google Scholar
  156. 156.
    Luhmann 2000a, 72.Google Scholar
  157. 157.
    Luhmann 2000a, 74.Google Scholar
  158. 158.
    Luhmann 2000a, 154.Google Scholar
  159. 159.
    Luhmann 2000a, 164.Google Scholar
  160. 160.
    Vgl. Luhmann 2000a, 166, der sich hier auf den zeittheoretischen Entscheidungsbegriff von Shackle bezieht. Vgl. als Überblicksband Shackle 1990.Google Scholar
  161. 161.
    Luhmann 2000a, 166f. Der Gedanke der Unsicherheit und Unsicherheitsabsorption wird später aufgegriffen.Google Scholar
  162. 162.
    Luhmann 1993a, 309.Google Scholar
  163. 163.
    Ein mittlerweile nahezu inflationär gebrauchter Terminus des Organisationsmanagements, der zukünftige Unsicherheiten und Kontingenz in Form von Leitideen, Entwicklungs- und Lernkonzepten doch wieder gestaltbar macht. Weiß man schon fast nichts über zukünftige Entwicklungen, kann man sie sich wenigstens positiv und gewaltig vorstellen, mit dem eigenen Unternehmen im Zentrum.Google Scholar
  164. 164.
    Luhmann 2000a, 163.Google Scholar
  165. 165.
    Vgl. Luhmann 2000a, 172f.Google Scholar
  166. 166.
    Die Begriffe Beobachtung, Unterscheidung und Operation werden ab Mitte der achtziger Jahre bei Luhmann zu Kernbegriffen. Als erste monographische Texte, die mit dem Begriffspaar arbeiten und die Beobachtungstheorie ausarbeiten vgl. Luhmann 1988a und 1990a. Zaghaftere Ansätze finden sich aber bereits in Luhmann 1984a. In diesem Kontext erfährt der Paradoxiebegriff seine Konjunktur. Vgl. Göbel 2000, 207ff.Google Scholar
  167. 167.
    Luhmann 2000a, 126.Google Scholar
  168. 168.
    Luhmann 1993c, 293.Google Scholar
  169. 169.
    Luhmann 1993c und Luhmann 2000a, 123ff Vgl. Göbel 2000, 222ff und 262ff ausführlich zu verschiedenen Varianten des Einsatzes des Paradoxiebegriffes in der Luhmannschen Systemtheorie. Luhmanns Interesse an inkongruenter Perspektivik zeigt sich auch und gerade in der Verwendung des Paradoxiebegriffes, die aus unterschiedlichen, vornehmlich rhetorischen Richtungen gespeist wird. Eine Fundamentalreferenz für die frühe Luhmannsche Sensibilisierung für Kommunikationsparadoxien und deren Funktion ist sicherlich die Palo Alto-Schule und deren Gespür für kommunikalive Paradoxien. Als einflussreiche Texte hierzu Ruesch/Bateson 1951 und Anthony Wilden 1980 (1972).Google Scholar
  170. 170.
    Luhmann 1993c, 294.Google Scholar
  171. 171.
    Luhmann 2000a, 133.Google Scholar
  172. 172.
    Luhmann 2000a, 133.Google Scholar
  173. 173.
    Luhmann 1993a, 308.Google Scholar
  174. 174.
    Luhmann 1993c, 290.Google Scholar
  175. 175.
    Luhmann 1993c, 290.Google Scholar
  176. 176.
    Luhmann 1993c, 290.Google Scholar
  177. 177.
    Vgl. zu „Entscheidungsfindung unter Ungewißheit“ March 1990, 281ff, als klassische Referenz March/Simon 1976, S.153ff.Google Scholar
  178. 178.
    Vgl. unter diesem Gesichtspunkt z.B. Meyer 1999, 35ff.Google Scholar
  179. 179.
    Luhmann 1993c, 300.Google Scholar
  180. 180.
    Vgl. Luhmann 1964, 176. Der weitere Kontext, in dem Unsicherheitsabsorption hier diskutiert wird, ist der von „Verantwortung und Verantwortlichkeit“.Google Scholar
  181. 181.
    Vgl. Luhmann 1964, 175.Google Scholar
  182. 182.
    Vor allen Dingen die Verbindung von Kybernetik, Informationstheorie und der Theorie umweltoffener Systeme ist hier zu nennen. Vgl. als Übersicht hierzu Scott 1986, 149ff. Zum Verhältnis von Information und Entscheidung vgl. March 1990, 456ff. Vgl. auch Stinchcombe 1990.Google Scholar
  183. 183.
    Vgl. Luhmann 1995c nur stellvertretend für das Votum gegen ein Übertragungs- und Röhrenmetaphermodell der KommunikationGoogle Scholar
  184. 184.
    Vgl. Gregory Bateson 1985, 408 zur differenztheoretischen Definition des Informationsbegriffes: „Ein ,Bit’ Information läßt sich definieren als ein Unterschied, der einen Unterschied macht.“Google Scholar
  185. 185.
    Luhmann 2000a, 183.Google Scholar
  186. 186.
    Vgl. Luhmann 2000a, 184. Und auch hier fungieren erneut Maren/Simon 1976 als Referenz.Google Scholar
  187. 187.
    Luhmann 2000a, 185.Google Scholar
  188. 188.
    Luhmann 2000c, 239.Google Scholar
  189. 189.
    Luhmann 2000a, 215f. Hannan/Freeman 1989, 5. vermuten aus einer anderen Perspektive Vergleichbares zur Eigenlogik mit Gefahr der Selbstisolierung von Organisationen: „Organizations develop lives of their own, with action at least partly disconnected from ostensible goals, from demands of relevant environments, and often from the intentions of organizational leaders.“Google Scholar
  190. 190.
    Luhmann 1993c, 302 verbindet hier Organisations- und Erkenntnistheorie.Google Scholar
  191. 191.
    Luhmann 2000a, 216.Google Scholar
  192. 192.
    Aus soziologischer Sicht vgl. Beck 1986, Luhmann 1991a und Japp 1996.Google Scholar
  193. 193.
    Vgl. Luhmann 1964, S.382 zur katalytischen Wirkung der Zwei-Seiten-Form von Problemlösungen und Lösungsproblemen. Der Begriff der Unsicherheitsabsorption wird im Luhmannschen Spätwerk verstärkt auf die Beschreibung des Verhältnisses von Funktionssystemen und Organisationen angewendet. Wir kommen darauf im letzten Kapitel zurück.Google Scholar
  194. 194.
    Simon 1981, 37.Google Scholar
  195. 195.
    Luhmann 2000a, 231.Google Scholar
  196. 196.
    Luhmann 2000a, 222.Google Scholar
  197. 197.
    Womit nicht gesagt sein soll, dass solche Tatbestände nicht tatsächlich Einflüsse auf manche Entscheidungen haben. Nur, weder in Unternehmen noch in Schulämtern dürften Entscheidungen, die Relevanz für weiteres Entscheiden haben, durch Übersäuerungs-, Hormonpegel oder Eheprobleme dauerhaft legitimierbar sein: „Immer wenn der Chef aufstößt, dann ...“Google Scholar
  198. 198.
    Vgl. Ortmann 2003 zu einer deutlich am Regelbegriff orientierten Sozial- und Organisationstheorie. Vgl. auch March et al. 2000 zur „Dynamic of Rules“.Google Scholar
  199. 199.
    Luhmann 2000a, 224.Google Scholar
  200. 200.
    Auf die bei Luhmann 2000a, 239ff. neuerdings unter dem Titel der Organisationskultur diskutierten „unentscheidbaren Entscheidungsprämissen“ gehe ich an dieser Stelle nicht ausführlich ein. Auch diese Prämissen kommen natürlich durch Entscheidungsroutinen zustande, sind aber latente, unhinterfragte Grundlage für Entscheidungen und deshalb nur gegen großen Widerstand änderbar.Google Scholar
  201. 201.
    Diese drei Typen von Entscheidungsprämissen ziehen sich durch das gesamte organisationstheoretische Werk Luhmanns.Google Scholar
  202. 202.
    Vgl. Luhmann 2000a, 233.Google Scholar
  203. 203.
    Luhmann 2000a, 238.Google Scholar
  204. 204.
    Luhmann 2000a, 239. Martens 2001, 357 macht die unterscheidungstheoretische Reformulierung der Entscheidungsprämissen wesentlich deutlicher als Luhmann 2000a selbst: „Der aufmerksame Leser kann den Kapiteln 7, 8, 9, 10 allerdings entnehmen, dass die Entscheidungsprogramme allgemein u.a. auf den Unterscheidungen Aufgabe/Ausführung, falsch/richtig basieren. Die Konditionalprogramme basieren auf den Unterscheidungen: Bedingung/Konsequenz, Regel/Ausnahme; Anwendung/Nichtanwendung; und die Zweckprogramme auf den Distinktionen: Zweck/Mittel; Ursache/Wirkung; Hauptzweck/Nebenzweck; Kosten/Risiken. Grundlegend für den Personaleinsatz sind die Unterscheidungen Individuum/Person, Stelle/Person, Charakter/Motivation, kompetent/nichtkompetent, Mitglied/Nichtmitglied; rekrutieren/versetzen; Stelle/Karriere. Bei der Gestaltung der Kommunikationswege sind die relevanten Unterscheidungen: Adresse/keine Adresse; verantwortlich/nichtverantwortlich; groß/klein; verschiedenartig/nicht verschiedenartig, fachliche Kompetenz/hierarchische Kompetenz, horizontale Verknüpfung/vertikale Verknüpfung.“Google Scholar
  205. 205.
    Bei einem Organisationswechsel ist ja nicht das Spannende, Schwierige, mitunter Riskante, die offiziellen Strukturen zu begreifen. Die hat man schnell begriffen, sei es aus anderen Vereinen, anderen Unternehmen, Krankenhäusern, Parteien. Wirklich relevant sind die je spezifischen Relationen zwischen den einzelnen Prämissen, die Geschichte mancher Personen in Stellen, mancher Programme und Hierarchiebeziehungen.Google Scholar
  206. 206.
    Von diesem Standpunkt aus sind natürlich virtuelle Organisationen gar nicht so virtuell. Auch sie können natürlich nicht darauf verzichten, beobachtet, unterschieden und bezeichnet zu werden, z.B. am Markt, von anderen Marktteilnehmern, Aktionären, Schuldnern und nicht zuletzt den Mitarbeitern. Auch sie haben Adressen, auch wenn vielleicht nur noch im Internet, und auch sie haben meist einen Namen.Google Scholar
  207. 207.
    Luhmann 2000a, 228.Google Scholar
  208. 208.
    Die Relevanz des Programmbegriffes für die frühe Verwaltungstheorie sowie die Theorie des politischen Systems und des Rechtssystems haben wir bereits im ersten Kapitel besprochen.Google Scholar
  209. 209.
    March/Simon 1976, 134ff. In der deutschen Übersetzung werden diese als Ausführungsprogramme bezeichnet.Google Scholar
  210. 210.
    Für die Beschreibung der operativen und prozessualen Ebenen in Organisationen gehört der Programmbegriff in ein Begriffsfeld mit Routine, Technologie, Regeln (rules) und für die strukturelle Betrachtung in eine Reihe mit Begriffen wie constraints, tasks, regulations. Vgl. etwa Perrow 1970 mit diesem Begriffsinventar. Vgl. Luhmann 1971h zu einer systemtheoretischen Verbindung von Konditionalprogrammierung und Routine.Google Scholar
  211. 211.
    In Organisationen spricht man eher von Zielen, Zwecken, Visionen, Projekten, Aufgaben etc. In schwierigen Zeiten gibt es „task forces“, aber keine „program forces“. Diese pragmatische Semantik greift selbst im Sport und auch in der Wissenschaft.Google Scholar
  212. 212.
    Luhmann 2000a, 260f.Google Scholar
  213. 213.
    Luhmann 2000a, 263. In konkreten Situationen lässt sich eine Ausnahme machen, was die Regel allerdings ebenfalls bestätigt. Strukturelle Änderungen können nur durch Entscheidungen über das Programm erreicht werden.Google Scholar
  214. 214.
    Das noch einmal als Erinnerung an die Ausführungen des letzten Kapitels und daran, dass Zwecke immer schon irgendwie bewertete, mit Präferenzen versehene Vorstellungen sind.Google Scholar
  215. 215.
    Luhmann 2000a, 252.Google Scholar
  216. 216.
    Auch ein Blick in alte Kochrezepte zeigt diesen Zusammenhang von Kognition und Programmierung. Als BSE noch kein Thema war, konnte man das Beimischen von Gelatine oder Markbällchen noch wohlwollend mit dem Hinweis versehen, etwas für den kindlichen Knochenaufbau zu tun. Times, there are a changing!Google Scholar
  217. 217.
    Luhmann 2000a, 262.Google Scholar
  218. 218.
    An den vielen gescheiterten Börsengängen von start-up-Unternehmen der new economy sieht man etwa die Risiken und Grenzen standardisierter Vorgehensweisen. Die Wirtschaftsrealität funktioniert scheinbar nicht einfach nach Maßgabe standardisierter tool-kits. In der Organisationsforschung wird die Nichtlinearität und fehlende Transitivität zwischen kulturellen Werten und organisationalen Normen durch die Begriffe des loose coupling und, geht es eher um strategische Kalküle, des decoupling analysiert.Google Scholar
  219. 219.
    Luhmann 2000a, 285.Google Scholar
  220. 220.
    Luhmann 2000a, 90ff.Google Scholar
  221. 221.
    Luhmann 2000a, 92.Google Scholar
  222. 222.
    Wie schwer es ist, einen einmal stabilisierten Erwartungsrahmen wieder zu unterlaufen und nicht ständig immer wieder zu bestätigen, lehrt der „labelling approach“. Befindet man sich einmal auf der Seite der Abweichung des Schemas Norm/Abweichung, wird selbst der Versuch des crossing kritisch als Abweichung von der Abweichung beobachtet. Das sind sozial-dramatische Inklusions-/Exklusionszirkel. Vgl. dazu Becker 1973. Vgl. Luhmann 1962 zu einer verwaltungs- und organisationstheoretischen Diskussion der Attributionsroutinen zur Rolle des neuen Chefs.Google Scholar
  223. 223.
    Nur als Stichworte für ein Beispiel aus Parteien, in dem Personalisierung mit Hierarchisierung für ein Übergewicht gegenüber der Programmierung gesorgt hat: Schwarze Kassen und Konten, Parteivorsitzender und Kanzler, Parteispenden und ausgehebelte rechtlich codierte Konditionalprogrammierung („Wenn Spenden gezahlt werden, dann ist so und so damit zu verfahren“).Google Scholar
  224. 224.
    Luhmann 2000a, 284f.Google Scholar
  225. 225.
    Vgl. Berger 1999, 201.Google Scholar
  226. 226.
    Mentoring wird maßgeblich auf der Sachebene eingeführt und legitimiert. Der Neuankömmling wird in den bereichsspezifisch relevanten Aufbau-, Ablauf- und Aufgabenfragen von einem „alten Hasen“ unterrichtet. Es geht beim mentoring aber vielmehr in der Sozialdimension um die karriereförderlichen Effekte informeller, persönlicher Beziehungen. Als Greenhorn wird man in Insiderwissen eingeweiht, mit Personenkenntnis ausgestattet und in Kontaknetze aufgenommen. Man erhält mitunter die Chance, in bestimmte inner circles aufgenommen zu werden. Oder man schafft es eben nicht. Vgl. auch Blutner 2002 et al., 156.Google Scholar
  227. 227.
    Vgl. Luhmann 2000a, 302. Vgl. Luhmann 1964, 190ff. zur „Formalisierung des Kommunikationsnetzes“.Google Scholar
  228. 228.
    Luhmann 2000a, 316. Hervorhebung von mir.Google Scholar
  229. 229.
    Vgl. nur Weick 1995, 106ff. für das organisationssoziologische Interesse an cognitive and causal maps zur Analyse von Organisationen. Weick diskutiert das im Rahmen der substance und contents of sensemaking.Google Scholar
  230. 230.
    Luhmann 2000a, 317.Google Scholar
  231. 231.
    Luhmann 2000a, 84.Google Scholar
  232. 232.
    Luhmann 2000a, 81.Google Scholar
  233. 233.
    In Luhmann 1964, 383f. heißt es: „Die schlichte Entgegensetzung von Individuum und Kollektiv wird der Tatsache nicht gerecht, daß dieselbe Handlung sowohl Handlung des Individuums als auch Handlung des sozialen Systems sein kann. Sie kann beiden Systemen zugleich angehören. Die Unterscheidung verschiedener Systeme ist dennoch gerechtfertigt, weil sie sich als Systeme getrennt i-dentifizieren und je eigene Grenzen invariant halten. Aber sie überschneiden sich in den umgrenzten Handlungsbereichen und nehmen zum Teil dieselben Handlungen für je eigene Systemfunktionen in Anspruch.“Google Scholar
  234. 234.
    Luhmann 2000a, 81.Google Scholar
  235. 235.
    Luhmann 2000a, 88.Google Scholar
  236. 236.
    Luhmann 1992a, 171.Google Scholar
  237. 237.
    Vgl. Luhmann 2000a, 67.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Thomas Drepper

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