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Zur allgemeinen Systemtheorie

  • Jensen Stefan

Übersicht

Als erstes wird die Entwicklung der modernen Systemtheorie skizziert. Der Aufstieg von Kybernetik und Systemtheorie beruht auf Entwicklungen vor allem im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Deren erkenntnistheoretische Grundlage war der Neopragmatismus: Diesem geht es nicht um abstrakte Erkenntnis, sondern die Lösung (meist technischer) Probleme. Die Systemtheorie entwickelt sich zu einer neuen Einheitswissenschaft auf der Basis des Physikalismus. Wirklichkeit wird systemtheoretisch als Menge von Sjstemen-in-Sjstemen gesehen.630 Rein technische Erklärungen diese Systembildungen fuhren im Bereich Sozialwissenschaften und Kultur zu Problemen. Aus ihrer Sicht dürfen Systeme nicht als physische Einheiten (Prototyp ‘Maschine’) betrachtet werden, sondern müssen als Prozeßgeschehen gedeutet werden. Das ist genauer zu erklären.

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Literatur

  1. 630.
    Dazu ein Zitat: „Realität, in der modernen begrifflichen Fassung, erscheint als eine gewaltige hierarchische Ordnung organisierter Entitäten, die in einer Überlagerung vieler Stufen von physikalischen und chemischen Systemen zu biologischen und soziologischen Systemen führten.“ Ludwig Von Bertalanffy An Outline of General Systems Theory, in The British Journal for the Philosophy of Science, 1/1950: 134-165. Zitat S. 164Google Scholar
  2. 631.
    Autopoiesis, Autoreplikation 632 Jensen 1983: 7f et pass.Google Scholar
  3. 632.
    Jensen 1983: 7f et pass.Google Scholar
  4. 633a.
    Siehe «System, Systemtheorie» in Ritter/Gründer (Hg.): Hist. Wh. Philos. 10 (1998). Ausführliche Nachweise zur Begriffsgeschichte bei Luhmann 1984: 20/Anm. 8. Siehe auch Gloy 1995, 1996Google Scholar
  5. 633b.
    allgemein Von Bertalanffy General Systems Theory, 1956Google Scholar
  6. 633c.
    ders.: 1968; Müller 1996: 65ff; Young 1964.Google Scholar
  7. 634.
    Die Betonung liegt auf modern, denn ‘Denken in Systemen’ hat es ‘schon immer’, mindestens seit der griechischen Antike, gegeben, aus der ja auch der Begriff to systema (das Ganze) stammt. Die antike Diskussion (die ihre Fortsetzung in der Scholastik hatte) verlief jedoch nicht unter dem Stichwort ‘System’, sondern unter dem Thema ‘Teil/Ganzes’. Dieses Thema brach mit dem Ende des Mittelalters ab. In der Neuzeit tritt als weiterer Unterschied hinzu, ob man ‘ganzheitlich’ denkt und argumentiert, oder ob man das Instrument der Moderne, genannt ‘Systemtneorie’ als analytische Methode verwendet. Hier beschäftigt uns vor allem der zweite Fall, die ‘systemtheoretische’ Verwendung des Systemkonzepts. Als allgemeine Übersicht vgl. Händle/Jensen, Systemtheorie und Systemtechnik, 1974; hingewiesen sei insbesondere auf die Bibliographie der Herausgeber, S. 51 ff.Google Scholar
  8. 635.
    Physische oder ‘harte’ Systeme sind primär durch ihre materiell-energetischen Eigenschaften bestimmt; oft werden ihnen auch zusätzlich informationelle Eigenschaften zugeordnet. Die Systemtheorie beschäftigt sich jedoch nicht mit diesen ‘harten’ Eigenschaften selbst, sondern mit Aspekten der Steuerung/Regelung des Systemverhaltens — und zwar zumeist unter normativen Gesichtspunkten: wie kann man ein System (das Systemverhalten) so steuern, daß es ganz bestimmte Zustände annimmt, beziehungsweise bestimmte Ziele erreicht werden.Google Scholar
  9. 636a.
    L.MarcuseAmerikanisches Philosophieren, Hamburg 1959Google Scholar
  10. 636b.
    Nicholas Rescher Methodological Pragmatism: A System-Theoretic Approach to the Theory of Knowledge, Oxford 1977.Google Scholar
  11. 636c.
    Die umfassendste Darstellung des Pragmatismus gibt H. S. Thayer, Meaning and Action: A critical History of Pragmatism, New York 1968.Google Scholar
  12. 636d.
    Als kurze Einführung siehe «Pragmatismus, Pragmatizismus» in Ritter/Gründer (Hg.): Hist. Wb. Philos. 7 (1989) 1244–1249.Google Scholar
  13. 637.
    Luhmann hat frühzeitig den Einwand erhoben, daß der Begriff des Systems (oder auch der Systemhaftigkeit der Welt) in einer Welt entwickelt wird, die als nicht festgelegte Wirklichkeit (als unbestimmter Horizont des Seins) gegeben ist. System sei also immer das, was in einer ansonsten noch nicht festgelegten Wirklichkeit konkret bestimmt wird. Das konkrete System stehe daher immer der Welt gegenüber, deren Horizont gleichsam vor uns zurückweiche, mit jedem Schritt, den wir auf ihn zu tun. Aber das ist eine andere metaphysische Auffassung von Wirklichkeit als sie Systemtheorie vertritt.Google Scholar
  14. 638.
    Eine Metapher dafür wäre ein Maler, der sich selbst in dem Bild placiert, das er als Sujet malt; so beispielsweise Vermeer Allegorie auf die Malerei. Google Scholar
  15. 639.
    Diese Suche wird vor allem von den Physikern betrieben, etwa Hawkins 1988 oder Schwinger 1987. Erstmals erscheint die Idee der mathematisch begründeten Einheit der Wissenschaft bei Kepler; dazu ein Zitat: „(Bei ihm) ist zum ersten Mal das ausgesprochen, was die moderne abendländische Naturwissenschaft und ihr Methoden von der der Griechen unterscheidet. Den Fehler der Griechen sieht Kepler in ihrem Versuch, die Natur aus qualitativ verschiedenen Kräften zu erklären. Demgegenüber sieht er die Natur als durch und durch einheitlich und die Unterschiede in ihr nur als quantitative. Die Rückführung qualitativer Unterschiede auf quantitative Verhältnisse aber ist das Geheimnis der staunenswerten Erfolge moderner Naturwissenschaft. »Ubi materia, ibi geometrica« — wo Materie ist, da ist Mathematik -, so ruft Kepler aus und formuliert damit zum erstenmal das für alle folgende Naturwissenschaft bestimmende mathematische Erkenntni- sideal.“Störig 15/1990: 282. Siehe zur Geschichte dieser Idee auch Schulte/Mcguinness 1972; als sehr gute Übersicht auch die Beiträge Oppenheim/Putnam, von Weizsäcker, bohr in Krüger 1970, Teil Fünf, Einheit der Wissenschaft. Die Physiker können sich bei der Suche nach der ‘Weltformel’ natürlich stets darauf zurückziehen, daß sie nur die Einheit ihres Feldes meinen — das physikalische Raum/Zeit-Universum, aber es ist unklar, ob sie damit nicht doch zugleich meinen, daß dieses Universum alle anderen Dinge in sich enthält. Der Physikalismus wäre dann das einzig relevante Erklärungsschema.Google Scholar
  16. 640.
    „Das Programm der physikalistischen Einheitswissenschaft besagt… nicht, daß die Gesetze auer Wissenschaften auf die Gesetze der Physik zurückgeführt werden könnten, sondern lediglich, daß die Sätze aller Wissenschaften in einer bestimmten Sprache ausgedrückt werden sollten. Carnap stellte sich den Weg zur Einheitswissenschaft zunächst so vor, daß die Sprache der Physik auf die elementare physikalistische Sprache (Dingsprache) zurückgeführt werden solle; die Sprache der Biologie sollte dann auf die der Physik und die der Psychologie auf die der Biologie zurückgeführt werden.“Rainer Hegselmann in Schulte/Mcguinness 1972: 12. Dieses Ziel hat die Systemtheorie mit ihrer Systemsemantik annähernd erreicht.Google Scholar
  17. 641.
    Das sieht Luhmann anders. Da er einen Systemrealismus vertritt, betrachtet er Sozialsysteme als reale Erscheinungen der Realität; dazu später mehr.Google Scholar
  18. 642.
    Unter Physikalismus versteht man im engeren Sinne die wissenschaftstheoretische These des logischen Empirismus, daß sich die Resultate aller Erfahrungswissenschaften in einer einheitlichen Darstellung (beispielsweise der Systemtheorie) mit den Mitteln der Naturwissenschaften (speziell der Physik) darstellen ließen. Das Projekt des Naturalismus knüpft an diese These an; siehe dazu Bieri 1992.Google Scholar
  19. 643.
    ‘Operativ’ bedeutet, ‘auf Operationen bezogen’ oder ‘aus Operationen heraus definiert’. Wirtschaftsunternehmen verwenden den Begriff zur Definition von meßbaren Größen, die aus dem laufenden Betrieb — etwa einer Fluggesellschaft oder eines Hotels — entstehen. So kann etwa der Betrieb bestimmter Strecken in der Luftfahrt „operative Verluste“erzeugen; beispielsweise wurde die Verbindung Berlin-New York (die letzte Direktverbindung zwischen Berlin und den Usa) ab März 1998 wegen „operativer Verluste“vom Betreiber gestrichen. Auch ‘Denken in Systemen’ ist ein operatives Konzept, bezogen auf technologische Operationen. Dabei werden die Zustandsvariablen eines Systems als meßbare Größen definiert, um Abläufe darstellen und kontrollieren zu können.Google Scholar
  20. 644.
    Holismus = die Auffassung, daß das wahrgenommene Ganze mehr als die Summe seiner beobachtbaren Teile sei.Google Scholar
  21. 645a.
    Das Thema ist latent in der Biologie angelegt, tritt aber erst in den siebziger Jahren öffentlich hervor; ursprünglich durch Rachel Carson, Silent Spring, die 1962 damit das Startsignal der Umweltbewegung gab,Google Scholar
  22. 645b.
    siehe dazu Linda Lear, Rachel Carson: Witness for Nature, New York (Henry Holt) 1997; dann J. Lovelock 1988 (engl. Ausgabe, deutsch Das Gaia-Prinzip, 1993)Google Scholar
  23. 645c.
    siehe auch H. Haber, Unser Blauer Planet, Hamburg 1965 undGoogle Scholar
  24. 656d.
    Luhmann, Ökologische Kommunikation, Opladen 1986 (3/1990). Ob andere Kulturen ein früheres und höheres Umweltbewußtsein entwickelt haben, ist schwer zu beurteilen; siehe beispielsweise den Begriff «Fengshui» in der chinesischen Philosophie (Geosophie). Feng-shui (wörtlicn Wind und Wasser) sind die Kräfte des Himmels und der Erde, denen Landschaft, Bauwerke und die Lebensführung darin unterliegen.Google Scholar
  25. 646.
    Die Entwicklung ist tatsächlich sehr komplex, denn innerhalb der sozialwissenschaftlichen Theorie gibt es sowohl interaktionistische wie holistische Strömungen (oft sogar innerhalb der Publikationen ein und desselben Autors), so sich hier zahlreiche Aspekte überlagern.Google Scholar
  26. 647.
    Der Term ‘organismisch’ ist als Gegenbegriff zur mechanisch-reduktionistischen Auffassung gemeint, die sich in der Biologie auf der Ebene der molekularen Genetik durchgesetzt hat. „In philosophischer Ausdrucksweise ist die angedeutete Auffassung… des Reduktionismus (die)…, daß komplizierte Erscheinungen auf höchster Stufe der Natur letzthin auf elementare Erscheinungen zurückgeführt werden sollen. In unserem Fall bedeutet dies Reduktion der Lebenserscheinungen auf die Gesetze der Physik und Chemie, im besonderen deren Zurückfuhrung auf die bemerkenswerten Eigenheiten der Nukleinsäure-Moleküle und die in der Molekularbiologie aufgedeckten Gesetzmäßigkeiten. Die Auffassung, daß sich das Leben letztlich in physikalisch-chemische Geschehnisse und Gesetzmäßigkeiten auflöse, wird als Theorie des Mechanismus bezeichnet. Demgegenüber habe ich seit mehr als vierzig Jahren, also lange vor der Molekularbiologie, eine andere, die sogenannte organismische Auffassung vertreten…, das heißt, die Auffassung, daß das Phänomen des Lebens („mehr“oder „anderes“) als die Auswirkung der Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten jener merkwürdigen Nukleinsäure-Moleküle sei.“Ludwig Von Bertalanffy, Biologie und Weltbild, in Lohmann 1977: 16f.Google Scholar
  27. 648.
    Teleonomie ist eine Variante der Teleologie, die anstelle der älteren Vorstellungen natürlicher oder göttlicher Handlungsziele naturgesetzliche Wirkungskräfte („Zweckmäßigkeit ohne Zweck“) unterstellt. Es bleibt beim Prinzip der Teleologie, übertragen auf Systeme. Daraus entwickelt sich die ‘Theorie der Systeme mit zielgerichteter Organisation’ (Zo-Systeme); siehe dazu als kurze Einführung JensenSystemtheorie, 1983 (mit weiteren Hinweisen, insbesondere auf Nagel und Stegmüller; siehe auch die folgenden Nachweise zur Systemtheorie). In der weiteren Entwicklung hin zum Konstruktivismus löste sich Systemtheorie vom Konzept der Zo-Systeme und wurde zu einer Theorie selbstreferentieller (beziehungsweise autopoietischer) Systeme.Google Scholar
  28. 649.
    Hierzu zählt einerseits der Ansatz Parsons’ (The Social System, 1951; Parsons/Shils, Towards A General Theory of Action, 1951); andererseits auch die formale Untersuchung zielgerichteten menschlichen Verhaltens, siehe beispielsweise Rosenblueth/Wiener/Bigelow : Behavior, Purpose and Teleology, 1943.Google Scholar
  29. 650a.
    Dazu beispielsweise R. Abraham Chaos, Gata, Eros, 1994Google Scholar
  30. 650b.
    Briggs/PeatEntdek-kung des Chaos, 1990Google Scholar
  31. 650c.
    Coveney/HlghfieldAnti-Chaos, 1992Google Scholar
  32. 650d.
    Meier/Strech (Hg.): Tohuwabohu, 1991Google Scholar
  33. 650e.
    LewinKomplexität, 1934.Google Scholar
  34. 651.
    „Auf knappste Weise ausgedrückt, läßt sich diese neue Sicht als prozeßorientiert bezeichnen im Gegensatz zur Betonung »solider« Systemkomponenten und daraus zusammengesetzter Strukturen. Diese beiden Perspektiven sind in ihren Konsequenzen nicht symmetrisch: Während eine vorgegebene Struktur, etwa eine Maschine, in hohem Maße die Prozesse bestimmt, de in ihr ablaufen können, und somit ihre Evolution verhindert, kann das Zusammenspiel von Prozessen unter angebbaren Bedingungen zu einer offenen Evolution von Strukturen fuhren. Die Betonung liegt dann auf dem Werden — und selbst das Sein erscheint dann in dynamischen Systemen als ein Aspekt des Werdens. Der Begriff des Systems selbst ist nicht mehr an eine bestimmte Struktur gebunden oder an eine wechselnde Konfiguration bestimmter Komponenten, noch selbst an seine bestimmte Gruppierung innerer oder äußerer Beziehungen. Vielmehr steht der Systembegriff nun für die Kohärenz evolvierender, interaktiver Bündel von Prozessen, die sich zeitweise in global stabilen Strukturen manifestieren…“Erich Jantsch, Selbstorganisation, 1992: 31f.Google Scholar
  35. 652.
    Ein Beispiel dafür ist der nächtliche Sternenhimmel: Was wir sehend erleben, ist das majestätische Bild unzähliger strahlender Sterne, die unveränderlich vor einem schwarzen Hintergrund leuchten. Was sich aus physikalischer Sicht dort zeigt, ist der Prozeß einer kosmischen Explosion, bei dem strahlende Materie mit einer Geschwindigkeiten von Tausenden von Stundenkilometern auseinander fliegt.Google Scholar
  36. 653.
    Genauer gesagt, geht es um systemische, stochastische oder chaotische Prozesse. Systembüdungen sind ein besonderer Fall, systembildenden Prozessen liegen spezielle Programme zugrunde, die den Prozeßablauf (oder das Prozeßgeschehen) so steuern, daß es darin zu Systembildungen kommt.Google Scholar
  37. 654.
    Dazu ein Zitat aus Klaus, Wörterbuch der Kybernetik, Bd. 2 (1969) 634–638: „System: Menge von Elementen und Menge von Relationen, die zwischen diesen Elementen bestehen.…“und „Systemtheorie: Theorie der Beziehungen zwischen der Elementen eines Systems, der Relation zwischen Struktur und Punktion von Systemen,, der Beziehung zwischen Teilsystemen und Gesamtsystem usw. Die Systemtheorie nimmt verschiedene Klassifikation von Systemen vor (offene, geschlossene Systeme; stabile, instabile Systeme; lineare, nichtlineare Systeme usw.). Sie strebt eine exakte mathematische Formulierung der von ihr erarbeiteten Begriffsbildungen, Beziehungen, Gesetze usw. an. Hierzu benutzt sie vor allem die Vektor- und Matrizenrechnung, die Topplogie, die Theorie der Differentialgleichungen und die Funktionentheorie. Die allgemeinsten Ergebnisse der Systemtneorie haben Bedeutung für die systematische Philosophie, insbesondere für den dialektischen Materialismus. Darüber hinaus gewinnen systemtheoretische Betrachtungen für alle Bereiche der Wissenschaft in wachsendem Maße Bedeutung, in denen komplexe und komplizierte Systeme im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen. Das gilt z.B. für die verschiedenen wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen einschließlich der politischen Ökonomie.“Google Scholar
  38. 655.
    Siehe dazu Parsons 1978: 356; weitere Nachweise dort. Teleonomie bildet, wie erwähnt, die funktionalistische Variante der Teleologie („Zweckmäßigkeit ohne Zwecksetzung“).Google Scholar
  39. 656.
    Vgl. ausführlich Jensen 1976 mit weiteren Literaturhinweisen auf Nagel, Rudner und Stegmüller.Google Scholar
  40. 657.
    Es sei an den Roman von Stanislaw Lem Die Stimme des Herrn, 1981b, erinnert. Er basiert auf der Analyse des Rauschens in der Radioantenne von Holmdel, New Jersey, bei der Penzias und Wilson 1964/65 die kosmische ‘3-K’ Hintergrund-Strahlung entdeckten. Das Rauschen der Antenne hatte eine weitreichende physikalische Bedeutung; der Roman Lems schließt daran die Vermutung an, daß auch die Unregelmäßigkeiten in der Intensität des Rauschens eine Bedeutung haben — es handelt sich um eine der Hintergrundstrahlung aufgeprägte Nachricht einer anderen Zivilisation.Google Scholar
  41. 658.
    Oder doch? Order from white noise, Ordnung aus Chaos, ist eines der großen Themen der (kybernetischen) Evolutionstheorie; siehe Heinz Von Foerster 1985 sowie die Theorie der Hyperzyklen bei Eigen/Schuster The Hypercycle. (Berlin/Heidelberg/New York: Springer 1979). Auch hier wirken Programme. CrossRefGoogle Scholar
  42. 659.
    In vielen Fällen besteht das Interesse nur daran, eine momentan gegebene Systemgestalt analytisch ‘einzufrieren’ und sie als feste Struktur, die Teilen und Beziehungen zu einem Ganzen verknüpft, zu betrachten. Das gilt vor allem für technische Zusammenhänge. So ist der Aufbau von Rolltreppen in einem Kaufhaus ein System, ebenso eine Heizungsanlage, ein TV-Set oder ein Starfighter. Aber dies ist ein sehr stark (auf technische Zusammenhänge) eingeschränktes Systemverständnis, mit dem sich in den Sozialwissenschaften wenig anfangen läßt.Google Scholar
  43. 660.
    Der Begriff “Entropie’ wird im 2. Hauptsatz formuliert als Größe, die in geschlossenen Systemen nur zunehmen kann. Historisch vollzog sich die ‘Erfinaung’ der Entropie erst nach Klärung der Wärme. Die beiden wichtigsten frühen Formulierungen von Rudolf Clausius 1850 und William Thomson/Lord Kelvin 1851, sind noch auf sie bezogen. In der historischen Entwicklung der thermischen Physik wurde Wärme zunächst von Lavoisier als einer Stoff — Caloricum — betrachtet, der einem Körper zugeführt oder entzogen werden kann. Möglicherweise wurde bereits von Carnot, mit Sicherheit dann aber von Mayer, Joule und Helmholtz erkannt, daß Wärme, Arbeit und Bewegungsenergie nur verschiedene Erscheinungen einer einzigen Größe sind. Die Folge war zunächst die Erkenntnis des 1. Hauptsatzes, nach dem es unmöglich ist, Energie zu erzeugen oder zu vernichten; sie verändert nur ihre Form. Daran schlossen dann der zweite und dritte Hauptsatz an, die heute beide auf “Entropie’ bezogen sind. Quelle Falk/Ruppel 1976, Energie und Entropie, Kap. VI und VI.Google Scholar
  44. 661.
    Genauer gesagt, extrem unwahrscheinlich. Die Thermodynamik wird (seit Boltzmann) statistisch interpretiert. In einem unendlich langen Zeitraum ist jede Verteilung von Energie möglich; in einem gegebenen Zeitraum sind extreme Verteilungen jedoch unwahrscheinlich.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

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  • Jensen Stefan

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