Advertisement

Theorie der Beobachtung 2: Schrödingers Katze

  • Jensen Stefan

Übersicht

Dieser Abschnitt führt in naturwissenschaftliche Bahnen. Der Grund dafür ist die Abhängigkeit der Theorie der Beobachtung nicht nur von symbolischen, sondern auch von physischen Operationen. Diese erzeugen Effekte, die in der Beobachtungsanlage, aber nicht außerhalb davon existieren. Der Begriff der Beobachtung ist zwar historisch bis Aristoteles zurück zu verfolgen, er hat aber in der neueren Philosophie der Naturwissenschaften im Anschluß an die Relativitätstheorie und die Quantenphysik einen drastischen Wandel erfahren. Als Symbol für das heutige Verständnis von Beobachtung steht in der Überschrift ein quantenphilosophisches Beispiel: Schrödingers Katze. Auf die Entstehung des Konstruktivismus hat die Quantenphilosophie große Wirkung gehabt. Daher ist es berechtigt, einige Beispiele naturwissenschaftlicher Beobachtungen in die Darstellung des Konstruktivismus einzubeziehen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 515.
    So noch Newton. Er blickte (bildhaft gesprochen) Von außen’ auf das Universum — gleichsam in einen dreidimensionalen Raum/Zeit-‘Kasten’, in dem das Universum expandierte, während außerhalb die kosmische Standuhr tickt, welche die Einheiten der Zeit mißt. Das ist die externalistische Auffassung des Beobachters. Die veränderte internalistische Auffassung besteht darin, daß sich der Beobachter im Universum befindet und von seinem lokalen Beobachtungsort aus die Realität um sich herum erforscht. Als Einführung in das konstruktivistische Verständnis von Beobachtung und Beobachter siehe Luhmann Beobachtungen der Moderne, 1992, insbesondere 60ff sowie 118.Google Scholar
  2. 515a.
    Der grundsätzliche Text zum Thema „Beobachten“ findet sich in Luhmann WiGe, 1990a, Kap. 2:68 ff.Google Scholar
  3. 515b.
    Grundlage der konstruktivistischen Beobachtungstheorien ist Heinz Von Foerster Observing Systems, 1982.Google Scholar
  4. 516.
    Um die berühmten Namen zu nennen: Zunächst durch Kopernikus und Galilei, dann durch Gilbert, Boyle, Hooke, Newton, in der theoretischen Grundlegung durch Bacon, Locke. Ausführlich dazu Crombie Von Augustinus bis Galilei 1977.Google Scholar
  5. 517.
    Die kognitiven Größen der Quantenphysik sind mathematisch gefaßte Ergebnisse einer physikalischen Wechselwirkung. Diese hat sowohl Wellen- wie Tetlcheneigenschaften. Wenn man die Teilcheneigenschaft untersucht, dann kann man dem Teilchen eine hypothetische Bahn zuweisen und daraus seinen Ort berechnen. In diesem Fall verliert das Teilchen seine Welleneigenschaft und folglich kann der Impuls nicht mehr ‘scharf’ berechnet werden: Untersucht man hingegen die Welleneigenschaft, dann kann man zwar den Impuls, aber nicht mehr den Ort ‘scharf’ berechnen. Orts- und Impulsvariable sind keine unabhängigen Größen, sondern werden durch Differentialoperatoren ersetzt, die komplementäre Beziehungen ausdrücken. Die Unschärfe kann (nach der von Heisenberg verwendeten Formel) nie kleiner sein als die plancksche Konstante h. Siehe Gribbin 3/1996: 171ff.Google Scholar
  6. 518.
    Diese Annahme hat Heisenberg als „Ontologie des Materialismus“ bezeichnet; sie entspricht dem heutigen Physikalismus.Google Scholar
  7. 519.
    Der Ausdruck Mesokosmos stammt von G. Vollmer; siehe 6/1994: 161 über „die Welt der mitderen Dimensionen“.Google Scholar
  8. 520.
    Siehe Harold J. Morowitz in Hofstadter/Dennett 1992: 41–49 sowie die anschließenden ‘Reflexionen’ der Herausgeber; ähnlich Brown/Davies 1988.Google Scholar
  9. 521.
    Die Quantenphysik hat es mit extrem kleinen Systemen und mit sehr großen Mengen von Elementen zu tun. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Ein Diamant von einem Karat (0,2 Gramm, also 200 Milligramm reiner Kohlenstoff) enthält ca. 1023 Atome. Das Universum ist ca. 5 × 1017 Sekunden (15 Milliarden Janre) alt. Für einen Dämon, der in jeder Sekunde ein Atom greifen könnte, hätte diese Zeit nicht ausgereicht, um einen einzelnen Diamanten von einem Karat zusammenzusetzen (vgl. Gribbin 3/1996: 81f). Es lassen sich viele derartiger Beispiele bilden. Sie machen deutlich, warum die Quantenphysik sich nicht mit einzelnen Elementen, sondern mit Wahrscheinlichkeitsverteilungen großer Mengen beschäftigt. Ihre Gesetzmäßigkeiten sind statistischer Art.Google Scholar
  10. 523.
    Einstein/Podolski/Rosen (Erp) 1935; als Einführung dazu Pais 1982: 455f.Google Scholar
  11. 524.
    Es sei an den weiter oben zitierten Ausspruch Poppers erinnert: es sind „Beobachtungen… immer Interpretationen der beobachteten Tatsachen… im Lichte von Theorien“ Google Scholar
  12. 525.
    Den Bezugspunkt bilden zunächst die Arbeiten Einsteins (1915), dann De Broglies (1923–25) sowie nachfolgend die Entwicklung der sogenannten Kopenhagener Deutung, vor allem durch Bohr und Heisenberg. Daran schlossen Dirac und Schrödinger sowie die Diskussionen zwischen Bohr und Einstein an. Siehe dazu den Beitrag von Niels Bohr: Diskussion mit Einstein über erkenntnistheoretische Probleme in der Atomphysik, in Schilpp Einstein, 1979: 115–150.Google Scholar
  13. 526.
    Dazu ein Zitat: „Die Naturwissenschaft handelt nicht von der eigentlichen Wirklichkeit, der ursprünglichen Welterfahrung, oder, allgemeiner: dem, was dahinter steckt, sondern nur von einer bestimmten Projektion dieser Wirklichkeit, nämlich von dem Aspekt, den man, nach Maßgabe detaillierter Anleitung in Experimentalhandbüchern, durch «gute» Beobachtung heraus filtern kann.“ Hans-Peter Dürr in Dürr/Zimmerli (Hg.) 1991: 31.Google Scholar
  14. 527.
    Einstein/Podolski/Rosen (Epr) 1935; dazu Pais 1982. Der Beitrag Schrödingers („Schrödingers Katze“), mit dem dieser die (absurden) Konsequenzen aus der Wellenmechanik auf die Makroweit demonstrieren wollte, erschien im selben Jahr. Beide Angriffe auf die quantenmechanische Deutung der Realität sollten zeigen, daß die Verknüpfung von Zufall und Notwendigkeit (Zufall auf der quantenmechanischen Ebene, Notwendigkeit auf der Ebene der ‘normalen’ Realität) zu einer nicht annehmbaren Deutung von Realität führt. Zu „Schrödingers Katze“ siehe den Beitrag von H. Morrowitz Die Wiederentdeckung des Geistes, in Hofstadter /Dennett1992: 41–56. Eine ausführliche Darstellung gibt Gribbin3/1996.Google Scholar
  15. 527a.
    Mit dem Epr -Experiment hat sich wissenschaftssoziologisch u. a. auseinandergesetzt Gernot Böhme Am Ende des Baconschen Zeitalters, 1993, Aufsatz 9: 177ff, unter dem (auch für uns relevanten) Titel Was ist, naturwissenschaftlich gesehen, Realität? Google Scholar
  16. 528.
    Siehe dazu und zur Frage, „ob Einstein unrecht hatte“, Hübner 1978, Abschnitt VI/1: 138ff. Ausführlich Pais 1982.Google Scholar
  17. 530.
    Brown/Davies 1988; Gribbin3/1996.Google Scholar
  18. 531.
    Siehe Einstein/Infeld 1956:157ff sowie Menger Die Relativitätstheorie und die Geometrie, und Infeld Über die Struktur des Weltalls, in Schilpp 1979: 328–362.Google Scholar
  19. 532.
    In einem Bericht über die deutsche Ausgabe schreibt die Faz unter dem Titel Abraham “Pais über Einstein als Mythos und Medienereignis: „Newton gestürzt, Cambridge erledigt. Am 7. November 1919 brachte die Londoner „Times“ einen Artikel mit der Uberschrift „Wissenschaftliche Revolution/Neue Theorie des Universums/Newtons Vorstellungen umgestürzt“. Zwei Tage später informierte dannGoogle Scholar
  20. auch die „New York Times“ ihre Leser über diese Revolution, mit deutliche mehr Sinn für journalistische Farbigkeit: „Lichter am Himmel alle schief/ Wissenschaftler auf Sonnenfinsternis-Beobachtung gespannt/ Einsteins Theorie triumphiert/ Sterne nicht dort, wo sie zu stehen scheinen oder rechnerisch stehen sollten, aber kein Grund zur Sorge.“ Noch zwei Tage später konnte man im selben Blatt die etwas rätselhafte Bemerkung lesen: „Diese Nachricht bedeutet sicher einen Schock, und man muß befürchten, daß sogar das Vertrauen in die Multiplikationstabellen schwinden wird.“… Zeitungsartikel wie diese machten Albert Einstein fast über Nacht zu einem Heros der Wissenschaft.“(Faz, Nr. 251, 28. Okt. 1995: 38).Google Scholar
  21. Der Bericht der Faz bezieht sich auf Pais 1995 Ich vertraue auf Intuition. Der andere Albert Einstein ; siehe dort insbesondere S. 191 ff. Dann folgt der Versuch einer Klärung der Frage „Woher kommt es, daß mich niemand versteht und jeder mag“(Einstein zitiert in der New York Times vom 12. März 1944) — was faszinierte die Massen an Einstein? (S. 194ff).Google Scholar
  22. Siehe dazu auch Clark 1984, Kap. 10 (The new Messiah). „Einstein awoke in Berlin on the morning of November 7, 1919, to find himself famous.… He was of course, already known to the equivalent of today’s science writers. In addition, the esoteric quality of his work had combined with his own individuality to produce a local notoriety. Now, on the morning of November 7, the situation was dramatically changed. Even a month later he could write to Born that the publicity was „so bad that I can hardly breathe, let alone get down to sensible work.“ … Under „The Fabric of the Universe“, The Times stated that „the scientific conception of the fabric of the universe must be changed.“ … it concluded thus: „But it is confidently believed by the greatest experts that enough has been done do overthrow the certainty of ages, and to require a new philosophy of the universe, a philosophy that will sweep away nearly all that has hitherto been accepted as the axiomatic basis of physical thought.“ … (It was) agreed that the world would never be the same. Attention turned to man responsible.“ (S. 295 f).Google Scholar
  23. 533.
    Heisenberg veröffentlichte seine Formel 1927.Google Scholar
  24. 534.
    Siehe Pais 1982.Google Scholar
  25. 535.
    ‘Unabhängig’ bedeutet unabhängig von unseren Operationen. Siehe dazu Eisenhardt/Kurth/Stiehl 1995: 32.Google Scholar
  26. 537.
    Als Einführung Hirschberger, Bd. I (19911 42–46; Röd, Bd. I (1994) 69–72. Daraus ein Zitat: „Blickt man vom Standpunkt des 20. Jahrhunderts aus auf die antike Atomistik zurück, könnte man sich versucht fühlen, sie für eine naturwissenschaftliche Theorie zu halten. In Wirklichkeit war sie nicht naturwissenschaftlich, sondern naturphilosophisch beziehungsweise metaphysisch motiviert, da Leukipp, Demokrit und ihre Nachfolger die Theorie der Atome nicht auf Beobachtungen beziehen konnten. Der Begriff des Atoms wird nicht der Erfahrung entnommen, er wird auch nicht gebildet, um bestimmte Erfahrungstatsachen zu erklären, sondern er dient in erster Linie dazu, eine philosophische Theorie des Werdens zu formulieren. Mt Hilfe dieser Theorie sollte begreifliche gemacht werden, daß Dinge entstehen, sich wandeln und eines Tages zu bestehen aufhören. Da die Atomisten an der Voraussetzung festhielten, daß unabhängig von etwas Unwandelbarem nicht von «Werden» gesprochen werden könne, schufen sie den Begriff von etwas, das dem Werden entzogen ist, aber in veränderliche Komplexe eingehen kann.… Die atomistische Auffassung hat großen Einfluß auf das Denken der Folgezeit ausgeübt. Sie wurde von Epikur… und anderen Vertretern der Atomistik in der späteren Antike übernommen; nach der Erneuerung des Epikureismus im 17. Jahrhundert wurde sie zur Grundlage der exakten Naturwissenschaften, und zwar zunächst der Physik und der Chemie. Dabei wandelte sich die Atomistik von einer spekulativen Annahme zu einer empirischen Theorie. In der Neuzeit diente sie der wissenschaftlichen Erklärung von Beobachtungstatsachen und der Aufstellung von Prognosen, deren Eintreffen beobachtet werden kann.“Google Scholar
  27. 538.
    Es gibt neuere holistische Interpretationen quantenphysikalischer Experimente, die auf das berühmte Epr-(Gedanken)-Experiment (Einstein/Podolski/ Rosen 1935) sowie Beils Theorem zurückgehen. Demnach ‘wissen’ zwei Elementarteilchen — auch über sehr große Entfernungen hinweg — voneinander. Dies setzt entweder nichdokale, überlichtschnelle Signalverbindungen zwischen ihnen voraus — oder eben die Deutung, daß ‘in Wahrheit’ alle raumzeitlichen Erscheinungsformen von Energie/Materie/Strahlung eine untrennbare Einheit bilden, die nur in unserem Blick getrennt erscheint. Siehe dazu beispielsweise Gribbin 3/1996: 231ff oder Brown/Davies 1988: 25–38. So auch VON WEIZSÄCKER: „Die Quantentheorie ist, wie man gesagt hat, holistisch ganzheitlich. Sie leugnet die Endgültigkeit aller Teilungen. Jede entscheidbare Alternative hängt in Wahrheit mit jeder anderen zusammen. Für theoretische Physiker gesagt: Jedes Objekt hat den Hilbertraum seiner Zustände; der Hübertraum des aus zwei Objekten «zusammengesetzten» Objekts enthält aber nur als Menge vom Maße Null die Zustände, in denen die Teilobjekte je für sich in wohldefinierten Zuständen ihres jeweils eigenen Hilbertraums sind, die «Produktzustände». Das Wasserstoffatom ist ein Ganzes. Es ist nicht eigentlich aus Proton und Elektron zusammengesetzt; es kann nur relativ leicht zerstört werden, daß ein Proton und ein Elektron zurückbleiben. Ein Eiskristall ist auch nicht in Strenge aus Wassermolekülen zusammengesetzt; er kann nur in sie zerlegt werden. Und die Welt ist nicht aus Objekten zusammengesetzt; nur der endliche Verstand des Menschen zerlegt das Ganze, zu dem er selbst gehört, in Objekte, um sich zurechtzufinden.“In DÜRR/ZIMMERLI 1991: 25f.Google Scholar
  28. 539.
    Die Auffassung NEWTONS dazu ist nicht völlig klar; seine Darstellung der Opticks endet mit einer Folge von Fragen, die zeigen, daß NEWTON teilweise zu einer korpuskularen Deutung, teils auch zu einer Wellendeutung des Lichts neigte. Jedenfalls setzte sich in der Folge die Wellendeutung durch.Google Scholar
  29. 540.
    Es handelt sich um die Untersuchung der Wärmestrahlung (genauer: ihrer Verteilung auf die einzelnen Wellenlängen) in einem idealen heißen Körper. Der Körper ist ein Hohlraum (ein Rohr, das an den Enden verschlossen ist, oder — bildhaft — ein Ofen), in dem sich die elektromagnetische Strahlung im thermischen Gleichgewicht befindet. Der verschlossene Hohlraum ist ein ‘Schwarzer Körper’, der alle Strahlung absorbiert und nichts reflektiert. Zugleich emittiert er mehr Strahlung, als jeder andere mögliche Körper. Diese wird durch eine kleine Bohrung entlassen, so daß man damit einen ‘Schwarzen Strahler’ darstellen kann. Nun kann die Verteilung der Energiedichte der elektromagnetischen Hohlraumstrahlung gemessen und berechnet werden. PLANCK gab die von ihm dafür gefundene Formel im Oktober 1900 auf einer Sitzung der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin bekannt. Siehe dazu beispielsweise ERBRICH 1996: 121f oder GRIBBIN 3/1996: 49ff oder FALK/BRILL/STORK 1990: 441.Google Scholar
  30. 541.
    Es war die Untersuchung des Photoelektrischen Effekts, für die EINSTEIN (der 1905 noch nicht einmal den Doktortitel hatte — den bekam er erst 1906) den Nobelpreis des Jahres 1921 erhielt: „… in Würdigung Ihrer Beiträge zur theoretischen Physik und insbesondere für Ihre Entdeckung des Gesetzes des Photoelektrischen Effekts, ohne jedoch damit ein Werturteil über Ihre Theorien der Relativität und Gravitation abzugeben, sofern diese bestätigt werden“, wie es in dem Brief des Sekretärs der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Professor AURIVILLIUS, vom 10. November 1922 heißt. Übrigens ging am gleichen Tag, an dem EINSTEIN der Nobelpreis für 1921 zugesprochen wurde, der Physik-Nobelpreis für 1922 an Niels BOHR „für seine Erforschung des Atoms und der von ihm ausgehenden Strahlung“. Quelle: Abraham PAIS 1995: 92.Google Scholar
  31. 542.
    Die Deutung der Materie als Strahlung erfolgte zunächst nicht durch EINSTEIN, sondern durch DE BROGLIE 1923/24. Zu EINSTEINS Beitrag siehe Wolfgang PAULI Einsteins Beitrag zur Quantentheorie und Max BORN Einsteins statistische Theorien, in SCHILPP 1979: 74–97. DE BROGLIE veröffentlichte 1923 einen Artikel, in dem er sinngemäß schreibt, ihm sei beim Nachdenken über EINSTEINS Entdeckung die Idee gekommen, daß sie verallgemeinert und auf alle materiellen Teilchen (Korpuskeln) ausgedehnt werden sollte. Dies geschah dann in einer Folge von rublikationen(vor allem 1925 in den Analen der Physik), auf die EINSTEIN dann seinerseits wieder reagierte. Siehe dazu ausführlich FAIS 1982, Abschnitt 24: 435–439; PAIS 1992: 75. Zum Begriff der »Materiewellen« siehe RITTER/GRÜNDER (Hg.): Hist. Wb. Philos. 5 (1980) 925–926.Google Scholar
  32. 543.
    Atomsystem ist hier nicht mehr das (chemische) Atom, das die kleinste Einheit der Elemente bildet, sondern das gedankliche System der ‘Teilchenwelt’, die den Mikrokosmos bildet. Atomsysteme haben eine durchschnittliche Größendimension (Durchmesser) von etwa 10-7 Millimetern. Dies ist sozusagen der größtmögliche ‘äußere Rahmen’ oder die Außendimension des Kosmos, in den die Quantenphysik eindringt.Google Scholar
  33. 544.
    So auch EISENHARDT/KURTH/STIEHL 1995: 22.Google Scholar
  34. 545.
    Dazu ein Zitat: „Im… April 1927 leitete HEISENBERG seine Mitteilung mit dem Satz ein: «Ich glaub, ich habe das Kausalgesetz widerlegt.» Das war, philosophisch gesehen, ein etwas gewagter Satz: sein Sinn hing davon ab, was man mit dem Wort «Kausalgesetz» meinte. Methodisch zentral war der Indeterminismus, die Unausweichlichkeit des Wahrscheinlichkeitsbegriffs. Im Modell gesagt: Unter einem Elektron verstand die klassische Physik ein quasi punktförmiges Teilchen. Ein solches Teilchen durchläuft eine Bahn, das heißt, es hat in jedem Augenblick einen Ort und einen Impuls. Die Quantentheorie ist reicher und zutreffender als die klassische Physik in ihren Vohersagen. Zum Beispiel wäre, wie Bohr 1912 erkannte, eine Umlaufbahn des Elektrons um einen Kern klassisch instabil. Die Quantenmechanik sagt aber eine im Prinzip unendliche Menge stabiler Zustände des Elektrons im Atom voraus, beschrieben durch sogenannte Wellenfunktionen. Heisenberg zeigte, daß diese Zustände nur stabil sein können, weil sie keine Bahnen eines punktförmigen Teilchens sind: weil die Bahnen nicht existieren. Das Elektron kann zwar an einem Ort vorgefunden werden, dann aber hat es keinen Impuls; und vice versa. Den Ort, beziehungsweise den Impuls, den an bei einer Messung an dem Elektron finden wird, kann man nur mit Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Den numerischen Wert dieser Wahrscheinlichkeit bestimmt die Wellenfunktion. Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist die Vorhersage der relativen Häufigkeit, mit der man ein Ereignis dieser Typus bei wiederholten Messungen finden wird. Philosophisch wichtig an dieser Definition ist zweierlei: Wahrscheinlichkeit bezieht sich auf menschliche Beobachtung. Und Wahrscheinlichkeit ist eine Vorhersage, sie bezieht sich auf die Zukunft, sie setzt Zeit voraus.“VON WEIZSÄCKER in DÜRR/ZIMMERLI 1991:21f.Google Scholar
  35. Zum letzten Satz des Zitats sei noch eine Bemerkung hinzugefügt: Es ist VON WEIZSÄCKERS Auffassung, daß ‘Zeit’ eine besondere Rolle in der ineoriebildung der Physik spielt; siehe dazu Zeit und Wissen, 1992 sowie Aufbau der Physik, 3/1994. Jedoch ist die Aussage, „Wahrscheinlichkeit bezieht auf Zukunft“, nicht haltbar. Wahrscheinlichkeiten sind immer statistische Berechnungen von numerischen Größen, die über die Zeit nichts sagen. Eine Statistik ist eine mathematische Berechnung einer Werteverteilung. Werteverteilungen (‘Häufigkeiten’) sind empirisch immer solche der Vergangenheit. Wir können (unter der Annahme, daß die Zukunft wie die Vergangenheit sein wird) diese Werte als ‘Wettquotienten’ für künftige Ereignisse verwenden, deren Eintritt wir (mit dieser so gewonnenen Wahrscheinlichkeit) erwarten. Ob aber die Zukunft so sein wird wie die Vergangenheit, und in dieser Zukunft dieselben Wahrscheinlichkeiten auftreten, wie in der Vergangenheit, ist völlig offen.Google Scholar
  36. 546.
    Siehe beispielsweise PRIGOGINE/STENGERS 1993.Google Scholar
  37. 547.
    Dazu ein Zitat: „Es fällt uns schwer, uns die Welt und ihren Inhalt (Dinge), ihre Zustände, nicht-objekthaft vorzustellen. Unser ganzes Begriffssystem, unsere Sprache ist ja auch auf dieser «zeitlos gedachten» Struktur aufgebaut. Um sie trotzdem in ihrer «Erwartungsstruktur» denken zu können, fuhren wir abstrakt den objekthaft klingenden Begriff eines «virtuellen Zustands» ein und stellen diesen Zustand formal durch einen Vektor in einem unendlich-dimensionalen Zustandsraum (Hilbertraum) dar. Seine jeweilige (im allgemeinen zeitlich veränderliche) Richtung beschreibt die (im allgemeinen zeitlich veränderlichen) Wahrscheinlichkeiten für die möglichen Realisierungen. Dieser Zustandsvektor repräsentiert die ständige Erwartung und die zwingende Aufforderung, daß sich die Welt in irfendeiner Form neu ereigne. Durch diesen Kunstgriff, die Objekte der klassischen Vorstellung in der Quantenbeschreibung durch «Zustandsvektoren» zu ersetzen, wirdiedoch die Objektivierbarkeit der Welt nicht wieder hergestellt. Dies ist eher ein Trick, mit dem wir die prinzipiellen Schranken, die uns unser Denken auferlegt, zu überwinden versuchen.“DÜRR in DÜRR/ZIMMERLI (Hg.) 1991: 40.Google Scholar
  38. 548.
    Ebenso wie man statistisch die Unfall-, Krankheits- und Sterbewahrscheinlichkeiten für eine Population kennt, aber daraus keine Vorhersage für konkrete Personen ableiten kann. Man kann damit jedoch Prämien, Beiträge und Rentengrößen berechnen — immer unter der Prämisse der vorhergehenden Anmerkung: daß die Zukunft so sein wird wie die Vergangenheit (oder man zumindest die Veränderung kalkulieren kann — wie im Fall der Rentenentwicklung, die auf den demoskopiscnen Daten beruht, die allerdings durch Krieg, Seuchen oder sonstige Katastrophen völlig „über den Haufen geworfen werden können“.Google Scholar
  39. 549.
    Technisch heißt dieser Vorgang Kollaps (oder Kollabieren) der Wellenfunktion. Eine der Möglichkeiten wird damit Realität in unserer Welt. Was geschieht mit den anderen Möglichkeiten? Realisieren sie sich gleichzeitig in Form von parallelen Welten? Manche Physiker stellen sich das so vor… Als Vertreter einer solchen Auffassung (Mehrfacnwelten) kommt beispielsweise David DEUTSCH in BROWN/ DAVIES 1988: 103–128 zu Wort. Auch VON WEIZSÄCKER neigt zu dieser Deutung, wie man aus den oben zitierten Stellen sehen kann.Google Scholar
  40. 550.
    Dazu ein Beispiel: In Golf-Turnieren gibt es oft einen Sonderpreis für den ‘längsten Schlag’, den ein Spieler vom Abschlag (von einem bestimmten Tee) erreicht. Gibt es diesen längsten Schlag’ nur dann, wenn er gemessen wird — oder auch dann, wenn niemand mißt. Natürlich kann man innerlicn die Vorstellung von einem Spieler bilden, der von einem bestimmten Tee aus den Ball weiter geschlagen hat als jeder andere. Aber entspricht dieser abstrakten Vorstellung eine reale Tatsache — das ist der Streitpunkt. Ähnlich gebildet ist das Beispiel vom fallenden Baum, den niemand sieht und hört: Welches Geräusch macht dieser fallende Baum? Ist ein Geräusch nicht immer ein Ereignis in der Wahrnehmung eines Beobachters? Gibt es Beobachtungsereignisse (Beobachtungen) ohne Beobachter?Google Scholar
  41. 551.
    Oder doch? Mit dieser Doppeldeutigkeit der (subjektiven) Erscheinung einerseits, die tatsächlich nur im Blick des Beobachters eintritt gegenüber der objektiven Existenz von Dingen, die beobachtungsabhängig in der Welt vorkommen, operiert der Konstruktivismus vielfach. Aber diese Art der Doppeldeutigkeit ist hier nicht gemeint.Google Scholar
  42. 552.
    Es sei an die berühmte Fabel Brechts erinnert: »Der Lehrer: Si Fu, nenne uns die Hauptfragen der Philosophie! Si Fu: Sind die Dinge außer uns, für sich, auch ohne uns, oder sind die Dinge in uns, für uns, nicht ohne uns? Der Lehrer: Welche Meinung ist die richtiger Si FU: Es ist keine Entscheidung gefallen. Der Lehrer: Zu welcner Meinung neigte zuletzt die Mehrheit unserer Philosophen? Si Fu: Die Dinge sind außer uns, für sich, auch ohne uns. Der Lehrer: Warum blieb die Frage ungelöst? Si Fu: Der Kongreß, der die Entscheidung bringen sollte, fand, wie seit zweihundert Jahren, im Kloster Mi Sang statt, welches am Ufer des Gelben Flusses liegt. Die Frage hieß: Ist der Gelbe Fluß wirklich, oder existiert er nur in den Köpfen? Während des Kongresses aber gab es eine Schneeschmelze im Gebirge, und der Gelbe Fluß stieg über seine Ufer und schwemmte das Kloster Mi Sang mit allen Kongreßteilnehmern weg. So ist der Beweis, daß die Dinge außer uns, für sich, auch ohne uns sind, nicht erbracht worden.« Brecht, Turandot oder der Kongreß der Weißwäscber, in Stücke, Bd 14: 36.Google Scholar
  43. 553.
    Siehe dazu Jungk 1969; Ledermann/Teresi 1993.Google Scholar
  44. 554.
    Kurt Hübner 1968, 1978.Google Scholar
  45. 555.
    In manchen Theorien (Feynman) existiert überhaupt nur ein einziges Elektron, das in der Raum/Zeit-Mannigfaltigkeit umher saust. Verwenden wir also Analogie wieder Das Sonnensystem, so bestünde unser Sonnensystem in dieser Theorie aus einem sternenartigen Kern und aus einem einzigen Teilchen, das sich in der Beobachtung als Venus, Erde, Mars, Jupiter… auf verschiedenen Bahnen manifestiert.Google Scholar
  46. 556.
    Erstmals wohl 1957 von Hugh Everett, siehe dazu Brown/Davies 1988, speziell den Beitrag von David Deutsch.Google Scholar
  47. 557.
    Erklärungen dazu findet man bei F. A. Wolf Parallele Universen — Suche nach anderen Welten, 1993.Google Scholar
  48. 558.
    Aber aus solchen Annahmen folgt nichts. Sie haben mehr Unterhaltungs- als Erkenntniswert und können daher in den Bereich der science fiction oder der populären Unterhaltung verlagert werden. Siehe dazu Douglas R. Hofstadter Metamagicum, Abschnitt IV/19, Heisenbergs Unschärferelation und die Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik, 3/1991: 489ff.Google Scholar
  49. 559.
    Historisch war die Wissenschaft keineswegs blind für die Probleme der Wahrnehmung des Forschers. Dieses Problem war den Psychologen seit langem bekannt und bereits Teil aller populärwissenschaftlichen Darstellungen; vgl. beispielsweise den Beitrag von A. Marcuse über Die Schwierigkeiten der wissenschaftlichen Beobachtung in Hans Kraemer (Hg.): Weltall und Menschheit, Bd V: 365–392. Es geht jedoch nicht mehr um die Frage der Sinne, sondern um die Frage der Konstruktion des technischen Apparates in Abhängigkeit von der verwendeten Theorie. Diese technische verwirklichte Einheit von experimenteller Beobachtung und theoretischer Deutung (wie sie sich etwa in dem berühmten ‘Äther-Experiment’ zeigt), erzwingt die Reflexion auf die Rolle des kognitiven Apparates. Was von dem, das er uns zeigt, ist der Natur, was dem Apparat zuzurechnen? Die volle Bedeutung dieser Frage wurde erst in jüngster Zeit begriffen.Google Scholar
  50. 560.
    Genauer müßte man sagen, daß die Wissenschaftstheorie erst von einem gewissen Zeitpunkt an in der Lage war, das diffuse Unbehagen an der Vermutung, der Beobachter nehme im physikalischen Prozeßgeschehen eine unerklärliche privilegiert Rolle ein, zu einem neuartigen Erklärungsansatz zu sublimieren. Erste Ansätze findet man Ende der siebziger Jahre; siehe beispielsweise Harold Morowitz Die Wiederentdeckung des Geistes, in Hofstadter/Dennett 1992: 41ff sowie die nachfolgenden Reflexionen der Herausgeber.Google Scholar
  51. 561.
    Die «Kybernetik zweiter Ordnung» geht zurück auf Heinz Von Foerster sowie auf die sogenannte Palo Alto-Gruppe (G. Bateson, J. Haley, P. Watzlawick) Ausgangspunkt dafür waren Überlegungen von W. R. Ashby über ‘Mechanismen zweiter Ordnung’; siehe Ashby Design for a brain, 1960; daran schloß vor allem H. Von Foerster mit einer Reihe von Arbeiten an (wie Principles of Self Organization; Observing Systems, Cybernetics of cybernetics u.a.m., auch in Zusammenarbeit mit Gordon Pask, siehe Pask/von Foerster: A predictive model for self-organizing systems, in: Cybernetica 3/4 (1960) 258–300 und Cybernetica 4/1 (1961) 20–55). In Deutschland wurden seine Ideen vor allem von N. Luhmann (1990a, 1997) übernommen, um daraus eine Theorie der modernen Gesellschaft zu entwickeln.Google Scholar
  52. 562.
    Eine besondere Rolle für die Entwicklung dieses neuen systemischen Denkens spielte seine Anwendung in der Psychologie und in der Kommunikationsforschung. Diese Ideen waren eng mit der erwähnten Forschergruppe in Palo Alto verbunden, namentlich mit Gregory Bateson, Jay Haley und Paul Watzlawick. Siehe dazu Schiepeck 1991; Stangl 1989.Google Scholar
  53. 563.
    N. Bohr Atomphysik und menschliche Erkenntnis, Braunschweig 1985; siehe auch »Komplementarität« in Ritter/Gründer (Hg.) Hist. Wb. Philos. 4 (1976) 933–934. Jedes Phänomen erscheint immer nur unter den spezifischen Bedingungen seiner Beobachtung; es ist komplementär zum Beobachtungssystem. Vgl. dazu Max Delbrück 1986: 281ff.Google Scholar
  54. 564.
    Mittelstaedt 1966:16.Google Scholar
  55. 565.
    Das Weltall (der mit Materie und Strahlung erfüllte Raum, aufgespannt durch die kosmischen Objekte: Sterne, Stemsysteme, Galaxien, Quasare, Nebel, Strahlung) hat einen Weltradius von 13 Milliarden Lichtjahren (4 Mrd. Parsec). Der astronomischen Forschung mit ihren Radio- und Spiegelteleskopen ist eine Tiefe von 9 Milliarden Lichtjahre (3 Mrd. Parsec) zugänglich. Um das (uns sichtbare) Universum in seinem gegenwärtigen Zustand zu erklären, genügen astrophysikalische Daten, die aus der empirischen Beobachtung des Weltenraums mit Teleskopen und raumgestützten Observatorien stammen, deren Instrumente infrarote, ultraviolette Röntgen- und Gammastrahlen (kurz: den gesamten Bereich des elektromagnetischen Spektrums) erfassen. Auf diesen Beobachtungen beruht das kosmologische ‘Standardmodell’. Es geht von einem singulären Zustand vor rund fünfzehn Milliarden Jahren (ca. 5 × 1017 Sekunden) aus, in dem sich das Universum in einem Punkt unendlicher Dichte und Temperatur befand. Aus Gründen, über die wir nichts wissen, explodierte diese Singularität, dehnte sich aus und kühlte sich ab. Die empirischen Daten, auf denen dieses Modell beruht, stammen aus Beobachtungen Edwin Hubbels aus dem Jahr 1929; die mathematische Darstellung dieses Modells geht auf Einstein sowie auf Friedmann, Lemaitre, De Sitter und andere zurück. Die neuesten Berechnungen stammen von Stephen Hawking; ihnen zufolge endet da Universum als ausgebrannter, kalter und dunkler Raum in etwa 100 Billionen (1014) Jahren. Einen Kurzbericht dazu enthielt Der Spiegel 11/1998: 192–193.Google Scholar
  56. 566.
    Auf etwa 3 × 103 Kelvin, ab da gilt die klassische (statt den Quanten-) Relativität.Google Scholar
  57. 567.
    Die Anwendung der Quantentheorie auf die Kosmologie hat die Aufgabe, die Anfangsbedingungen zu rekonstruieren, die (dem Modell nach) im Augenblick der Schöpfung existiert haben müssen. Aus Sicht der Physiker stellt das frühe Universum nichts anderes dar als einen kosmischen Teilchenbeschleuniger. Um die Entwicklung zu verstehen, müßte man also ‘alles’ über Mesonen, Quarks, Leptonen und andere Teilchen sowie die zwischen ihnen waltenden Kräfte wissen. Aber bislang fehlt es an einer hinreichend vollständigen Theorie (insbesondere einer Theorie der Quantengravitation) dieser Größen. Es gibt eine Reihe von mathematischen Modellen, die sich über diese Grenzen hinwegsetzen und Erklärungen über die Entstehung des Universums aus Sicht eines ‘Außenbeobachters’ geben. Diese Modelle — Superstrings, Toe, Gut und andere — haben jedoch keinen Kontakt zu einer beobachtbaren Realität. Siehe dazu Ledermann/Teresi 1993. Der aussichtsreichste Kandidat für eine universelle Weltbeschreibung (auf physikalischer Ebene) ist zur Zeit die,,M-Form der Superstring-Theorie“(Edward Witten, Princeton 1995). Superstrings sind winzige Fäden oder Schlaufen, die (angeblich) die letzten’ Bestandteile der Materie bilden. Sie werden durch Energie in Schwingungen versetzt, und diese Schwingungen des Feldes erzeugen die Elementarteilchen. Der Kosmos wäre also letztlich eine Vibration dieser strings Die M-Theorie operiert mit elf Dimensionen, von denen wir nur vier wahrnehmen; die anderen sieben Dimensionen bilden winzige Knäuele. Tatsächlich dient die Zahl der Dimensionen nur der mathematischen Handhabbarkeit des Modells, und entsprechend gibt es bereits Modelle mit einer noch größeren Zahl von Dimensionen. Das Lieblingsobjekt für diese Modelle sind (natürlich) die ‘Schwarzen Löcher’. Wäre es möglich, daß bei Astrophysikern gelegentlich ein Vergnügen am intellektuellen Jux durchbricht? Es gibt Belege dafür, daß sich Physiker mit Reputation (wie Nobelpreisträger Sheldon Glashow) von solchen Theorien demonstrativ fernhalten.Google Scholar
  58. 568.
    So beispielsweise Demokrit; dazu ein Zitat über sein Verständnis von „primären und sekundären Eigenschaften. „Alle Eigenschaften der Dinge beruhen auf den Unterschieden in der Gestalt, Lage, Größe und Anordnung der Atome, aus denen sie zusammengesetzt sind. Jedoch kommen nur die Eigenschaften der Schwere, Dichtigkeit (Undurchdringlichkeit) und Härte den Dingen an sich zu, das heißt sie sind, wie man später sagt, ‘primäre’ Eigenschaften. Alles andere, was uns als Eigenschaft eines Dinges erscheint, wie Farbe, Wärme, Geruch, Geschmack, Töne, die es hervorbringt — all das liegt nicht in den Dingen selbst, sondern hat seine Ursache nur in der Eigenart unserer Sinne und unseres Wahrnehmungsvermögens, ist Zutat, die wir zu den Dingen hinzutun, hat nicht objektive, sondern nur subjektive Realität, ist ‘sekundäre’ Eigenschaft. »Der üblichen Redeweise nach gibt es Farbe, Süßes, Bitteres, in Wahrheit aber nur Atome und Leere« [heißt es bei Demokrit].“Quelle Störig 15/1990: 141. Siehe auch Röd, Bd. 1 (1994) 70ff.Google Scholar
  59. 569.
    The Fabric of the Universe — eine berühmte Überschrift der Londoner Times im November 1919 im Zusammenhang mit Einstein. Quelle Clark 1984, Kap. 9: 272.Google Scholar
  60. 570.
    Damit hat sich die Wissenssoziologie bereits vor zwanzig Jahren auseinandergesetzt; siehe beispielsweise Paul Forman: Kausalität, Anschaulichkeit und Individualität. Oder: Wie Wesen und Thesen, die der Quantenmechanik zugeschrieben, durch kulturelle Werte vorgeschrieben wurden In Stehr/Meja 1981: 393–406.Google Scholar
  61. 571.
    Dazu ein Zitat: „Was mit Realität gemeint ist, kann deshalb nur ein internes Korrelat der Systeinoperationen sein — und nicht etwas eine Eigenschaft, die den Gegenständen der Erkenntnis zusätzlich zu dem, was sie nach Individualität oder Gattung auszeichnet, außerdem noch zukommt.… Realität wird systemintern durch Sinngebung (besser im Englischen: sensemaking) erarbeitet.“Luhmann Realität der Massenmedien, 1996: 19.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Jensen Stefan

There are no affiliations available

Personalised recommendations