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Theorie der Beobachtung 1: Kognitive Operationen

  • Jensen Stefan

Übersicht

Die folgenden beiden Kapitel, mit denen Teil 2 endet, wenden sich dem zentralen Thema des Konstruktivismus zu: der Theorie der wissenschaftlichen Beobachtung. Damit ist nicht die Methodik der empirischen Sozialforschung gemeint, die Anleitungen zu praktischen Beobachtung von Menschen in sozialen Zusammenhängen gibt, um Daten zu erheben. Gemeint ist vielmehr eine Theorie der Bildung von Beobachtungssystemen, in denen sich die kognitiven Operationen vollziehen, die das wissenschaftliche Wissen erzeugen. Zu unterscheiden sind Operationen von Phänomenen. Ein Phänomen ist, was in der Beobachtung erscheint; eine Beobachtung ist eine Operation, die nicht gleichzeitig als Phänomen beobachtet werden kann. Beobachten ist nur eine der Operationen, die insgesamt das Bündel der kognitiven Operationen ausmachen. Dennoch nimmt die »Operation Beobachtung« einen zentralen Platz ein; sie ist das Paradigma, das alle gemeinten Operationen vertritt. Dieses Kapitel wird sich vor allem mit einer Erklärung der kognitiven Operationen beschäftigen; im folgenden Kapitel wird das Konzept Beobachtung anhand von Beispielen — vor allem aus dem naturwissenschaftlichen Bereich, genauer gesagt, der Quantenphysik — erklärt.

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Literatur

  1. 445.
    So noch Niels Bohr in einem Beitrag Einheit der Wissenschaft aus dem Jahre 1954, deutsch in Krüger 1970: 389–402. Bohr sagt: „Wie in der Physik halten wir selbstverständlich auch in der Biologie an unserer Stellung als außenstehender Beobachter fest…“ (S. 397), während er doch zugleich sieht, wie in der folgenden Fußnote zitiert, daß jede Beobachtung eine Störung der Phänomene sei — eine Ausdrucksweise, der er jedoch als ‘irreführend’ empfindet.Google Scholar
  2. 446.
    „Wir können die Welt nicht erkennen, ohne ihr Schaden zuzufügen“, sagt Lem Fiasko, 1986: 148. So (wenngleich mit Vorbehalten) auch Niels Bohr,,… Störung der Phänomene durch Beobachtung“, S. 394 in Einheit der Wissenschaft, in Krüger 1970: 389–402.Google Scholar
  3. 447.
    Maturana 1982: 34f sowie 1998: 20f; dazu Von Foerster: „Alles Gesagte wird von einem Beobachter gesagt. Alles Gesagte wird zu einem Beobachter gesagt.… Und aus dieser Keimzelle entsteht die Gesellschaft.“ (1993:84f). Maturanas Theorem hat zudem eine weitere Dimension; eine Beobachtung einem Beobachter zurechnen, kann politisch bedeuten, seine Ideologie dafür verantwortlich zu machen — und in einem gewissen Sinne ist der Konstmktivismus nichts anderes eine auf Erkenntnisprobleme ausgedehnte Anwendung der Wissenssoziologie.Google Scholar
  4. 448.
    Bereits Aristoteles beschreibt unter dem Begriff ‘Beobachtung’ sowohl (bewußte) Wahrnehmungen als auch Experimente. Auch die antike Astronomie ist keineswegs nur ‘Beobachtung’, sondern zu einem erheblichen Teil Experiment, das in besonderen Anlagen ausgeführt wird und im Zusammenhang mit der Gestaltung der Natur (vor allem in Bewässerungsanlagen) besteht. Aber „erst von R. Grosseteste wird eine Methodenlehre der Erfahrungserkenntnis entworfen, die von Roger Bacon, Wilhelm von Ockham und Nikolaus Oresme weiterentwickelt und bei Leonardo da Vinci,… und in der Schule von Padua zu einer Theorie der experimentellen Beobachtung ausgeweitet wird. Damit gelangen Grosseteste und seine Nachfolger erstmals zu einem «klaren Verständnis der Beziehungen zwischen Theorie und Beobachtung»…“ [Crombie 1977].Google Scholar
  5. Nach dieser Methodenlehre wird durch Beobachtung (experimentia, experimentum; gelegentlich observatio) die scientia quia begründet, von der auf die Prinzipien und die vier aristotelischen Ursachen zurückgegangen wird (resolutio). Diese werden nun — in der säentia propter quid — einer Ableitung in umgekehrter Richtung zugrunde gelegt (compositio), die es am Ende erlaubt, die behaupteten Ursachen durch Beobachtung zu verwerfen oder zu bestätigen, ohne daß damit ein Wahrheitsanspruch für die hypothetischen Ursachen erhoben würde (so noch Osiander in seinem Vorwort zu Kopernikus)… Der mit Kopernikus beginnende Umbruch ist dadurch gekennzeichnet, daß die Wahrheit der Hypothesen aufgrund von methodischen, das heißt, systematisch gewonnenen und wiederholbaren Beobachtungen behauptet wird.… Galilei übernimmt sowohl den Wahrheitsanspruch für die Hypothesen als auch die resolutiv-kompositive Methode mit dem Ausgang «per via dei sensi, dell’esperanza e delle osservazzione» [zit. aus den Dialogen] und mit der Überprüfung im Experiment im letzten Schritt… Zugleich grenzt er die Bedeutung der Beobachtung ein, denn, wie Sinnestäuschung und Kopernikus’ bewunderungswürdiges Beispiel lehren, muß «die Vernunft die Sinne überwinden» [Dialoge]. Diese Auffassung findet ihre Fortsetzung im Rationalismus.“ Quelle «Observatio, Beobachtung» in Ritter/Gründer (Hg.): Hist. Wb. Philos. 6 (1984) 1072–1081; hier 1074f. Ausführlich Alistair C. Crombie Von Augustinus bis Galilei, 1977.Google Scholar
  6. 448a.
    Observatio, Beobachtung» in Ritter/Gründer (Hg.): Hist. Wb. Philos. 6 (1984) 1074f.Google Scholar
  7. 449.
    Siehe dazu Maturana 1998, Kapitel 1, Biologie der Kognition. Google Scholar
  8. 450.
    Daraus entsteht ein Fehler, den der Philosoph hysteron proteron nennt. Die empirischen Wissenschaften (wie beispielsweise die Biologie) setzen genau dasjenige Universum als Gegenstandsbereich voraus, den sie duren ihre eigenen Ergebnisse validieren. Die Untersuchung der Wahrnehmung von Fröschen validiert die Hypothese, daß Frösche Wahrnehmungen ihrer Umwelt haben und diese ‘erkennen’, und das fuhrt, verallgemeinert, zum Konzept der Umwelterkenntnis. Diese wird dann auf den Menscnen übertragen, und so erscheint die biologische Wahrnehmung als Grundlage der (philosophischen) Erkenntnis: hysteron proteron — Umkehrung von Ursache und Folge.Google Scholar
  9. 451.
    Kritische Anmerkungen zum methodologischen Operationalismus macht Gustav Bergmann, Sinn und Unsinn des methodologischen Operationalismus, in Ernst Topitsch 1965: 104–112. Daraus ein Zitat: „Der Operationalismus, sowohl die Idee als auch das Wort, stammt aus der Physik. Sein Manifest, Bridgmans The Logic of Modern Physics, wurde von einem Physiker geschrieben. Der unmittelbare Anlaß war anscheinend Einsteins berühmte Analyse der nichdokalen Gleichzeitigkeit… Aber nachdem sie die Einsteinsche Revolution verarbeitet hatten, verspürten die Naturwissenschaften weiter kein großes Bedürfnis nach er operationalistischen Disziplin. Dementsprechend war der Operationalis tische Einfluß nur begrenzt.… [Hingegen war] der Einfluß auf die Psychologie gewaltig. Auch das ist leicht zu verstehen. Auf psychologische Begriffe angewandt, wird der Operationalismus zum methodologischen Behaviorismus, das heißt, zu einem seiner Metaphysik entkleideten Behaviorismus.… Inzwischen sind diese Mißverständnisse glücklicherweise verschwunden; zumindest sind sie aufgezeigt worden. Die Wurzel des Übels war, daß einige Psychologen in ihrer Begeisterung die operationalistische Fußnote für die gesamte Wissenschaftstheorie, wenn nicht für die gesamte Philosophie hielten.“(S. 109f).Google Scholar
  10. 452.
    Als Übersicht zu Operation, Operationalismus, Operativismus siehe Ritter/Gründer (Hg.): Hist. Wb. Philos. 6 (1984) 1208–1223. Siehe auch Mario Bunge, Physik und Wirklichkeit, in Krüger 1970: 435–457, insbesondere Abschnitt 4 über Gegenständliche und operationale Interpretation, S. 440–443, daraus ein Zitat: „Und wir werden sagen, daß ein Symbol mit einer operationalen Interpretation (nicht Definition!) ausgestattet ist, wenn eine Korrespondenz zwischen dem Symbol und den Ergebnissen tatsächlicher oder möglicher Operationen vereinbart ist, welche darauf abgestellt sind, »dieselbe« Eigenschaft »desselben« Gegenstandes zu beobachten oder zu messen. (Die Anführungszeichen sollen darauf hinweisen, daß der Gegenstand sich als Folge solcher empirischer Operationen verändern kann.)“Google Scholar
  11. 452a.
    Mario Bunge, Physik und Wirklichkeit, in Krüger 1970: 435–457Google Scholar
  12. 453.
    Dazu ausführlich Popper/Eccles Ich und Gehirn, 2/1982; John C. Eccles, Evolution des Gehirns — Erschaffung des Selbst, 2/1993; A. Lurija, Das Gehirn in Aktion — Einführung Neuropsychologie, 1992; Ornstein/Thompson, Gehirn — lebendiges Labyrinth, 1993; Pöppel/ Edingshaus, Kosmos Gehirn, 1994; G. Roth, Das Gehirn und seine Wirklichkeit, 4/1996.Google Scholar
  13. 453a.
    JohnC.Eccles, Evolution des Gehirns — Erschaffung des Selbst, 2/1993Google Scholar
  14. 453b.
    A.Lurija, Das Gehirn in Aktion — Einführung Neuropsychologie, 1992Google Scholar
  15. 453c.
    Ornstein/Thompson, Gehirn — lebendiges Labyrinth, 1993Google Scholar
  16. 453d.
    Pöppel/ Edingshaus, Kosmos Gehirn, 1994Google Scholar
  17. 453e.
    G.Roth, Das Gehirn und seine Wirklichkeit, 4/1996Google Scholar
  18. 454.
    in Form der „kI“ (künstliche Intelligenz, artificial intelligence); dazu Winograd/Flores, Erkenntnis Maschinen Verstehen, 2/1992; Raymond Kurzweil, Künstliche Intelligenz, 1993; Zimmerli/Wolf (Hg.): Künstliche Intelligenz, 1994.Google Scholar
  19. 454a.
    RaymondKurzweil, Künstliche Intelligenz, 1993Google Scholar
  20. 454b.
    Zimmerli/Wolf (Hg.): Künstliche Intelligenz, 1994.Google Scholar
  21. 455.
    Eine nette Einleitung dazu gibt C. F. Von Weizsäcker Geist und Natur, in Dürr/Zimmerli 1991: 17–27.Google Scholar
  22. 456.
    Als theoretische Grundlage dazu Parsons/Platt American University, 1973, sowie Luhmann WiGe, 1990a.Google Scholar
  23. 456a.
    LuhmannWiGe, 1990aGoogle Scholar
  24. 457.
    und zwar spätestens seit Francis Bacon. Dazu ein Zitat: „Neu ist das klare Methodenkonzept der Beobachtung: Ausrichtung der Beobachtung an einer Fragestellung, breites Sammeln von Beobachtungen, Wiederholung der Beobachtung, Kontrolle am Experiment und die Vermeidung vorschneller (oder jeder) induktiven Hypothesenbildung. Die Royal Society wird zur Institution, solche Beobachtungen zu sammeln.… Newtons Ansatz wird leitend für die Experimentalphilosophie in Holland… und unter [dem] Einfluß [der holländischen Gelehrten] in Frankreich ergänzt um eine schon bei Th. Sydenham vertretene sorgfältige Abgrenzung von Beobachtung und Experiment.… Ohne auf Experimente und Tneorien verzichten zu wollen, übernimmt Boerhaaven die Trennung von Beobachtung und Experiment und teilt alle Naturwissenschaft in «historia naturalis», die auf «observationes sensuum» beruht, und «physica rationalis», als theoretischen Teil, in dem «per ratiocinia ex observationibus» Unbekanntes abgeleitet wird… Die Boerhaavensche Auffassung wird von seinem Schüler La Mettrie und von Voltaire übernommen und findet 1765 ihren Niederschlag in den umfänglichen Artikeln <Observateur> und <Observation> der <Encyclopédie>… Zugleich dokumentieren die Encyclopédie-Artikel zwei neue Elemente: a) den Hinweis auf eine den Beobachter einbeziehende Methodologie der Beobachtung; b) die Feststellung, daß die «observation» als «premier fondement de toutes les sciences» nicht nur die «histoire naturelle», sondern auch die «histoire sacré» und die «histoire civile» begründet.“ Quelle Ritter/Gründer (Hg.): Hist. Wb. Philos. 6 (1984) 1072–1081;, Stichwort «Observatio, Beobachtung» 1075f.Google Scholar
  25. 458.
    Dazu nochmals ein Zitat: „Die Beobachtung ist eine Handlung (Fichte), ein «leises Mittun» (E. Mach). Mehr noch gilt dies für die messende und experimentelle Beobachtung, die seit Herschel als nur graduell verschieden von der Beobachtung im eigentlichen Sinne angesehen wird. — Mit der Relativitätstheorie wird die Einbeziehung des handelnden Beobachters in den Begriff des Beobachtungsobjekts (Raum, Zeit) zwingend. Daß die (messende) Beobachtung als Operation den Sinn eines Begriffs konstituiert, ist für P. W. Bridgman Grundlage seiner Logic of modern physics [New York 1927] und wird in Verbindung mit ähnlichen Auffassungen H. Dinglers heute im Konstruktivismus vertreten. — Ahnliche Bedeutung kommt der Quantentheorie zu, weil in ihr der Einfluß des messenden Beobachters auf den beobachteten Sachverhalt grundsätzlich nicht eliminierbar ist.… Nach Popper sind «Beobachtungen… immer Interpretationen der beobachteten Tatsachen… im Lichte von Theorien.» Das hatte bereits P. Duhem [Paris 1906] auf dem Hintergrund historischer Studien vor jeder experimentellen Beobachtung festgestellt. Ebenfalls wissenschaftshistorisch begründet besteht für Th. S. Kuhn die Leistung des die «normale Wissenschaft» leitenden «Paradigmas» nicht nur darin zu bestimmen, welche Beobachtungen gemacht werden oder wie sie zu interpretieren sind, sondern die Beobachtung ist selbst Teil der Weltsicht.“ Quelle: Ritter/Gründer (Hg.): Hist. Wb. Philos. 6 (1984); Stichwort «Observatio, Beobachtung» 1078f.Google Scholar
  26. Ein Hinweis dazu: Als Neuauflage liegt vor Pierre Duhem, Ziel und Struktur physikalischer Theorien. Mit einer Einleitung herausgegeben von Lothar Schäfer, Hamburg (Felix Meiner) 1998.Google Scholar
  27. 458a.
    Ritter/Gründer (Hg.): Hist. Wb. Philos. 6 (1984)Google Scholar
  28. 460.
    Siehe beispielsweise Klaus Wörterbuch der Kybernetik, 2Bde. Frankfurt/M und Hamburg (Fischer) 2/1969; stärker biologisch Redaktion Spektrum Akademischer Verlag (Hrsg.): Verständliche Forschung: Signale und Kommunikation. Heidelberg, 1993.Google Scholar
  29. 461.
    Siehe dazu beispielsweise Metzger 2/1974; Prinz/Bridgeman 1994Google Scholar
  30. 462.
    Neurophysiologische Wahrnehmungswissenschaft, siehe Kandel/Schwartz/ Jessell 1996; Churchland/Sejnowski 1997; als historische Einführung Breidbach 1997Google Scholar
  31. 463.
    Bewußtseinstheorien, als Übergang vom vorherigen Thema siehe Fedrowitz/Matejowski/Kaiser (Hg.) Neuroworlds, 1994;Google Scholar
  32. 463a.
    weiterhin Julian Jaynes Ursprung des Bewußtseins, 1993;Google Scholar
  33. 463b.
    William H. Calvin Symphonie des Denkens, 1993Google Scholar
  34. 463c.
    Daniel Dennett Philosophie des menschlichen Bewußtseins, 1994;Google Scholar
  35. 463d.
    Metzinger (Hg.) Bewußtsein, 1996.Google Scholar
  36. 464.
    Kurt Koffka, geboren 1886 in Berlin, zunächst in Gießen, dann an verschiedenen amerikanischen Universitäten, gestorben 1941 in den Usa. Er gehörte zu den wichtigsten Vertreten der sogenannten „Berliner Schule“ der Gestaltpsychologie; entsprechend liegt seine Bedeutung in der systematischen Anwendung gestaltpsy-chologischer Prinzipien auf die Bereiche der Wahrnehmungs-, Lern- und Entwicklungspsychologie (siehe Principles of Gestaltpsycholog)/, 1935).Google Scholar
  37. 465.
    Why do things look as they look, Koffka 1936, zitiert von Bischof in Metzger2/1974:49.Google Scholar
  38. 466.
    Als Einführung siehe beispielsweise Gardner 1992, speziell S. 50ff sowie 398ff und 411ff.Google Scholar
  39. 467.
    Siehe Varela in Redder 1990: 15Google Scholar
  40. 469.
    Gegen Wundt hatte sich vor allem die Chicagoer Schule (im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts) mit der Entwicklung des Funktionalismus gewandt; er verstand sich als Überwindung des psychologischen Strukturalismus — der Methode der immanenten, statt der teleonymen Analyse der Bewußtseinsvorgänge (Hauptvertreter des Chicagoer Funktionalismus war J. R. Angell).Google Scholar
  41. 470.
    Koffka 1936; vgl. dazu Bischof in Metzger2/1974: 48ffGoogle Scholar
  42. 471.
    Zu einem erstaunlich genau bestimmten Zeitpunkt: dem 11. September 1956, so mitgeteilt von Gardner 1992: 40. Gemeint ist das Symposium on Information Theory vom 10–12. Sept. 1956 am Massachusetts Institute of Technology/ Mit. Aber man könnte sich auch schon auf das sogenannte Hixon-Symposium von 1948 am Caltec beziehen, bei dem John Von Neumann, Warren Mcculloch, Karl Lashley und andere Berühmtheiten Vorträge hielten, die mit den Prinzipien des Behaviorismus brachen und die Aspekte des Computerdenkens, der Konnektivität (netzartigen Verbundenheit) und der Repräsentation ins Spiel brachten. Aber ebenso könnte man sagen, daß der kognitive Ansatz wieder an die empiristische Tradition Humes anknüpft. In Deutschland hatte bereits Helmholtz eine erkenntnistheoretisch ähnliche Auffassung vertreten, und ausführlich ist die Grundidee des kognitiven Wahrnehmungsverständnisses von Brunswik ausgearbeitet worden; eine Übersicht gibt Bischof in Metzger 2/1974: 46ff.Google Scholar
  43. 473.
    Maturana in Riegas/Vetter 1990: 30–35; s.a. Bio-Epistemologie, a.a.O.: 162.Google Scholar
  44. 474.
    Prinz/Bridgeman (Hg.) 1994. Eine kurze Skizze aktueller Perspektiven der Kognitionswissenschaften gibt Francisco J. Varela 1990 — aus seiner Sicht und in Hinblick auf seinen eigene (konnektivistische) Auffassung. Ausführlichere Einführungen geben Gardner 1992 oder Hayward 1990 sowie Münch 1992.Google Scholar
  45. 475.
    LuhmannWiGe, 1990a, Kap. 2: 68ff; 1990b, Kap. 2: 31ff.Google Scholar
  46. 476.
    An die Vorstellung des Netzes knüpft seinerseits ein weiterer Begriff an, der in der laufenden Debatte große Bedeutung gewonnen hat: der Begriff Autopoiesis. Es handelt sich um einen Kunstbegriff ohne philosophische Tradition, den Humberto Maturana ‘erfunden’ hat. Seine besondere Bedeutung gewann er allerdings erst durch Luhmann, der darin ein allgemeines Prinzip der Systembildung sieht: „Autopoiesis heißt: Selbstreproduktion des Systems auf der Basis seiner eigenen Elemente.“ (Luhmann Aufklärung6, 1995a: 189).Google Scholar
  47. 477.
    Vgl. die ausführliche Darstellung dieser Überlegung bei Hoimar Von Ditfurth 1991: 27ff sowie bei Karl Steinbuch 1965: 17: „Wenn wir nun annehmen, wir hätten trotz aller Schwierigkeiten auf einigen Quadratkilometern eng bezeichneten Papiers das vollständige Schaltbild eines funktionsfähigen Nervennetzes aufgezeichnet, so hülfe uns das nur wenig, denn wir wären nicht imstande, die zwangsläufig sich ergebenden Verhaltens formen zu erkennen. Das menschliche Vorstellungsvermögen versagt bei Aggregaten dieser Größenordnung.… Offensichtlich machen also rein quantitative Ursachen ein Verständnis der menschlichen Denkvorgänge unmöglich.“ Denkvorgänge sind in Denkvorgängen nicht nachzuvollziehen; der Ablauf des Denkens ist sich selbst unzugänglich; die Kapazität der Denkleistung des menschlichen Gehirns reicht nicht aus, um seine eigene Komplexität zu erfassen, und umgekehrt: könnte das Gehirn sich selbst erfassen, dann müßte es viel einfacher sein, als es ist — ein paradoxes Amüsement der Neurologen. Aber vielleicht erliegen wir hier auch nur zeitgenössischen Vorurteilen, ähnlich denen, daß nichts schwimmen/fliegen könne, was schwerer sei als Wasser/Luft. Auch das waren einmal ernsthafte wissenschaftliche Befunde, ebenso wie das ‘physiologische Argument’, die bei Dampfzügen mögliche Geschwindigkeit könnte das menschliche Gehirn schädigen. Zu solchen und weiteren Beispielen wissenschaftlicher Befunde renommierter Gelehrter vgl. Arthur C. Clarke Profiles of the Future. An Inquiry into the limits of the Possible. London: Gollanz, 1962 (deutsch 1969).Google Scholar
  48. 479.
    Douglas R. Hofstadter in Hofstadter/Dennett 1992: 185.Google Scholar
  49. 480.
    Das war die mittelalterliche Auffassung. Die Metapher des Spiegels oder des Bildes deutet über sich hinaus auf eine Transzendenz, die in ihm transparent wird; siehe Gloy 1995: 147.Google Scholar
  50. 481.
    Douglas R. Hofstadter, wie zuvor. Eine witzige Variante dieser Idee hat Stanislaw Lem 1987 fin dem schon eingangs zitierten science fiction Roman Lokaltermin) durchprobiert (Science fiction hat bei Lem oft, so auch hier, die wörtliche Bedeutung fiktive Wissenschaft. Autobiographische Notizen dazu findet der Leser in Lem Zufall II, 1985a: 160ff.) Die zentrale Idee ist, daß der Sternforscher Ijon Tichy einen Vergnügungssatelliten (eine Art Disney-World) des Planeten „Entia“ für die normale Alltagsrealität dieser Welt hält und sein Forschungsbericht (Vierzehnte Reise) darüber nun diplomatische Schwierigkeiten erzeugt — freilich nicht in der Realität, sondern in einer Computersimulation, die ein Institut in der Schweiz auf ihren Rechenanlagen erzeugt. Hier haben wir ein von der Wirklichkeit abgeschnittenes Repräsentationssystem, das sich — genau wie von Hofstadter gewünscht — „in einer Weise fortentwickelt, die, wenn schon nicht den wirklichen, so jedenfalls doch einen möglichen Entwicklungsgang der Welt reflektiert.“ In fast wörtlicher Weise wird über die Ziele der Computersimulation künftiger Welten und ihrer politischen Apparate auch Ijon Tlchy vom Leiter des „Instituts für Geschichtsmaschinen“ belenrt; vgl. S. 35fr (sehr empfehlenswert). Eine der erwähnenswerten Leistungen solcher Repräsentationssysteme besteht darin, daß man auf ihrer Grundlage zwar so gut wie alles wissen kann, sich aber uneinig ist, worüber (über welche Art von Wirklichkeit) man eigentlich weiß. Dies führt auf eine der Paradoxien der modernen Informationsgesellschaft: Sie weiß alles Mögliche — über nicht existente Gegenstände und irreal Welten.Google Scholar
  51. 482.
    Ein romanhaftes Beispiel (Fortsetzung der Wissenschaft mit anderen Mitteln, um Eco zu zitieren) für solche solipsistiscnen Systeme gibt Stanislaw Lem (Tagebuch in Lem Mehr Phantastische Geschichten, 1981a: 65–86) über ein „im Felsenschädel eingeschlossenes homöostatisches Gehirn“, das durch Autostimulation angeregt wird. Siehe auch Lem Altruizin, 1985b: 7–86, mit einer Erzählung über Mamosch Eigensohn und seine zufallsinduzierte Entdeckung des Gozmoz (Kosmos), S. 69ff.Google Scholar
  52. 483.
    Weshalb Luhmann auch an diversen Stellen formuliert, daß Realität nur das sei, „was beobachtet wird“, vgl. beispielsweise Luhmann Aufklärung5, 1990b: 230 oderGoogle Scholar
  53. 483a.
    LuhmannWiGe, 1990a, Kap. 2: 68ff. Allgemein nennt Luhmann dieses Verfahren, sich von einer Vorausgesetzten Realität’ zu lösen, De-ontologisierung — also ‘metaphysische Abkopplung’. Aber wie schafft das jemand, der glaubt, auf festen realistischen Beinen zu stehen?Google Scholar
  54. 484.
    In der Philosophie wird die realistische Auffassung der Wahrnehmung beispielsweise vertreten von G. E. Moore, siehe Speck Philosophie der Gegenwart, Bd. 3, 2/1984: 9–50Google Scholar
  55. 484a.
    oder auch von Putnam Realistischer Standpunkt, 1993.Google Scholar
  56. 484b.
    Als Einführung Sandkühler Wirklichkeit und Wissen, 1992;Google Scholar
  57. 484c.
    ausführlich Ronald N. Giere, Explaining Science, 1988.Google Scholar
  58. 486.
    Einige Überlegungen dazu finden sich bei Julian Jaynes 1993: 532. Historisch ließe sich dieser Faden weiter bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Im Mittelalter entwickelte sich, wie Karin Gloy 1995: 148f zeigt, „bezüglich der Heiligen Schrift eine höchst subtile, differenzierte Interpretationskunst, die zunehmend auf die Natur übertragen wurde… Der Parallelismus von Bibel und Natur… bringt… einen für das Mittelalter typischen Empirismus mit sich. Die Naturerfahrung wird als zweite autonome Quelle der Gotteserfahrung neben der Heiligen Schrift anerkannt. Es genügt nicht, sich bei der Erklärung der Naturphänomene ausschließlich auf Gott als erste Ursache (causa prima) zu berufen… Konsultiert werden muß vorab und ausdrücklich die Naturerfahrung als nächste Ursache (causa proxima) (So)… meint Thomas von Aguin (ca. 1225–1274), daß der, welcher Naturwissenschaft ohne Rücksicht auf die Sinneserfahrung (sensibilia) betreibe, einen Fehler begehe.… (Hier) bahnt sich eine empirisch gesicherte, instrumenteil gestützte interpretatio naturae anstelle der rein spekulativen anticipatio naturae an… auch wenn die damit verbundene Methode erst bei Giovanni Battista Vico (1668–1744) und in der Renaissance zur vollen Entfaltung gelangt.“ Der Grundgedanke, welcher der erwähnten „sensibilia“ (also der sinnlichen Erfahrbarkeit der Natur) zugrunde liegt, ist die Vorstellung der ‘Natur als Buch’, zu dessen sinnhaften Inhalten der Mensch mit seinen Sinnen und seiner Vernunft einen direkten Zugang hat (legere in libro naturae oder legere in libro mundi) Der Bezug auf den (verborgenen) Sinn der Zeichen stellt sich nicht von selbst her, sondern muß hermeneutisch vom „erkennenden Subjekt“ geleistet werden, metaphysische Voraussetzung aber dafür ist, daß es einen wirklichen Kontakt mit der sinnhaften Welt gibt — una diesen Gedanken hält auch die moderne Wissenschaft noch immer in vielen Variationen fest, auch wenn sie seinen religiösen Aspekt (die Theophanie) längst preisgegeben hat.Google Scholar
  59. 487.
    Die erste systematische Theorie der experimentellen Wissenschaft entstand mit Robert GROSSETESTE und Roger BACON im 12/13. Jahrhundert; siehe dazu beispielsweise CROMBIE 1977: 247ff.Google Scholar
  60. 488.
    Operationen, operatives Vorgehen soll heißen Anlage eines instrumentellen Handlungszusammenhanges, in dem nicht nur nachgedacht, sondern mit Geräten und Stoffen experimentell gearbeitet wird.Google Scholar
  61. 489.
    Ein Beispiel dafür sind die Bücher LUHMANNs, die weit über das Fach hinaus diskutiert werden und (thesenweise) Bestand des bürgerlichen Kulturwissens geworden sind. Ein anderes Beispiel ist das berühmte Buch von Stephen HAWKING 1988 über Zeit, das viel zur Popularisierung seiner Theorie der ‘Scnwarzen Löcher’ beigetragen hat, an deren Existenz seitdem zunehmend mehr Leute glauben, ohne das zugrunde liegende (mathematische) Modell zu verstehen.Google Scholar
  62. 490.
    Es geht also wieder um die Frage, worauf ein Term oder Konzept referiert: auf Terme, die Wissenschaftler benutzen, um ihre Beobachtungen zu ordnen, oder auf das materiell-energetische Feld (die Realität) selbst. Dieselbe Frage war auch zwischen MACH und EINSTEIN hinsichtlich der Realität der Atome strittig. Bezeichnet der Begriff ‘Atom’ physisch existente Systeme oder gedankliche Vorstellung einer ‘kleinsten Einheit der Materie’?Google Scholar
  63. 491.
    Quelle: CLARK 1984: 120.Google Scholar
  64. 492.
    Man beachte die Feinheit der Antwort, die LORENTZ gibt: Die Kontraktion ist „so real, wie Realität in der Beobachtung nur sein kann“— aber wie real sind die Gegenstände, die in der Beobachtung erscheinen, denn nun wirklich? EDDINGTON legt sich eindeutig fest: Eigenschaften, die wir an Phänomenen beobachten, sind Relationen, die ein Beobachter zwischen sich und den Phänomenen herstellt; sie sind keine ‘objektiven Eigenschaften’ der Dinge. Sie werden in der Beobachtung als Effekte der konkreten Operationen erzeugt; sie sind keine Eigenschaften der (vorausgesetzten) Wirklichkeit.Google Scholar
  65. 493.
    Abgesehen von dem Fall, in dem uns ‘andere’ (Gott oder sonstige himmlische Mächte oder ihre Boten oder Propheten oder auch kosmische ‘Andere’) Aufklärung zukommen lassen. In diesem Bericht bleiben wir jedoch bei dem Fall, in dem wir uns allein ‘aus dem Sumpf ziehen’ müssen.Google Scholar
  66. 494.
    „Wir sind nicht gezwungen, etwas zu glauben, und nichts zu glauben, bedeutet nicht, etwas zu glauben.“Thomas NAGEL 1992: 142.Google Scholar
  67. 495.
    Das wird in Kapitel 15 behandelt; siehe dazu CLARK 1984, PAIS 1982; HÜBNER 1978:43, 138.Google Scholar
  68. 496.
    Anderenfalls entsteht natürlich auch ein Bild, aber nicht das von den Theoretikern intendierte. Aber auch solche Mißverständnisse können Folgen für die Wissenschaft haben.Google Scholar
  69. 497.
    W. STEGMÜLLER Das Problem der Induktion: Humes Herausforderung und moderne Antworten, in H. LENK (Hg.): Neue Aspekte der Wissenschaftstheorie, Braunschweig (Vieweg) 1971: 13–74. „Dies ist das Humesche Problem der Induktion: Gibt es wahrheits-honservierende Erweiterungsschlüsse?… Humes Antwort auf diese Frage lautet: Nein, so etwas gibt es nicht.… Das eindrucksvollste Illustrationsbeispiel für diesen Sachverhalt bildet das Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft. All unser Beobachtungswissen bezieht sich auf vergangene Geschehnisse. Nichttautologische Behauptungen über das, was sich erst ereignen wird, sind nicht im Gehalt von Aussagen über Vergangenes eingeschlossen. Also können wir sie, wenn sie ein Wissen beinhalten sollen, nur durch korrekte, das heißt, wahrheitskonservierende Erweiterungs-Schlüsse aus unserem Wissen über Vergangenes hergeleitet werden. Da es solche Schlüsse nicht gibt, haben wir kein Wissen um künftige Geschehnisse. Die Zukunft könnte vollkommen anderes sein als die Vergangenheit.“S. 17.Google Scholar
  70. 498.
    Tatsächlich ist die Sache noch komplizierter, denn in vielen Fällen sind Theorien formale Strukturen, deren Terme interpretiert werden müssen — und erst die Interpretation macht sie zu einer sinnhaften Beschreibung, die intentionale Vorstellungen vermitteln kann.Google Scholar
  71. 499.
    Zweiter Ordnung deswegen, weil hier eine kognitive Operation erster Ordnung vorausgesetzt ist, die in (der gesellschaftlichen Organisation von) professioneller Beobachtung besteht; mehr dazu im Text. Die Basis für all diese Überlegungen bildet LUHMANN WiGe, 1990a.Google Scholar
  72. 500.
    Zwar verlangt POPPER mehr — nämlich, daß Theorien an der Erfahrung scheitern oder sich an ihr bewähren können. Theorien sind nicht wahr, aber sie können sich bewähren, lautet der berühmte Eingangssatz von Kapitel X in Logik der Forschung 1934. Aber dabei treten Probleme auf, die sich bislang als nicht lösbar erwiesen haben — vor allem das sogenannte ‘Basisproblem’; siehe dazu STEGMÜLLER, MSW, 1969: 64 ff. Daher steht hier nur “Validierung’; siehe dazu RUDNER 1966: 4f.Google Scholar
  73. 501.
    „Nicht in der Theorie, sondern erst in der Metatheorie erscheint die Realität.“Kurt HÜBNER, Kritik der wissenschaftlichen Vernunft, 1978: 171. Was wir sehen, ist die kognitive Realität.Google Scholar
  74. 502.
    Edgar ZILSEL bemerkt im Zusammenhang mit seinem Bericht über die Entwicklung der experimentellen Naturwissenschaften und das Erscheinen des ersten gelehrten Buches der Neuzeit zu diesem Thema (William GILBERTS De Magnete im Jahre 1600) dazu: „Bloße Beobachtung ist passiv, bedeutet »warten und sehen« und hängt oft vom Zufall ab. Dagegen ist das Experiment eine aktive Forschungsmethode. Der Experimentator wartet nicht ab, bis die Ereignisse gleichsam anfangen für sich selbst zu sprechen, er stellt systematische Fragen. Überdies gebraucht er künstliche Mittel, um Bedingungen herzustellen, unter denen klare Anworten wahrscheinlich sind.“(1976: 163). Genau diese Art der systematischen experimentellen Beobachtung ist auch hier gemeint, wenn von „Beobachtung“und „Beobachtungszusammenhängen“gesprochen wird. Ein Beobachtungssystem ist ein auf kontrollierte experimentelle Operationen hin angelegtes Sozialsystem.Google Scholar
  75. 503.
    „Möglicherweise entspringt diese Zurechnung jedoch nur einem „grammatischen Vorurteil“, vermutet LUHMANN SoSy, 1984: 286ff und 595f; dazu auch REESESCHÄFER 1992: 108.Google Scholar
  76. 504.
    LUHMANN GdG, 1997: 24f. zitiert zustimmend DURKHEIM, daß die Gesellschaft nicht aus Individuen bestehe. Die Theorie könne mit ‘dem Menschen’ nicht operieren, er sei als Referenzsystem zu vielschichtig. Ausführlich begründet wird die Trennung von psychischen und sozialen Systemen in LUHMANN SoSy, 1984, Kap. 6 und 7, sowie in LUHMANN WiGe, 1990a: 275 (Anmerkung 5), sowie in LUHMANN Aufklärung?, 1995a, der als Band gänzlich dem Thema der Stellung des Menschen in der soziologischen Theorie gewidmet ist.Google Scholar
  77. 505.
    LUHMANN WiGe, 1990a, Kapitel 1; ders.: Was ist Kommunikation? in Aufklärung6, 1995a: 113–124; ders. GdG, 1997, Kapitel 2 und 5;.W. L. SCHNEIDER Die Beobachtung von Kommunikation. Zur kommunikativen Konstruktion sozialen Handelns, Opladen 1994; siehe auch «Kommunikation» in RITTER/GRÜNDER (Hg.): Hist. Wb. Philos. 4 (1976) 893–899.Google Scholar
  78. 506.
    MATURANA 1982: 34f; vgl. a. VON FOERSTER 1993: „Alles Gesagte wird von einem Beobachter gesagt. Alles Gesagte wird zu einem Beobachter gesagt.… Und aus dieser Keimzelle entsteht die Gesellschaft.“(S. 84 f). Es ist also kein reiner Biologismus, der hier vertreten wird, sondern eine biologisch interpretierte Theorie gesellschaftlicher Prozesse — Bio-Epistemologie vermischt mit Soziobiologie.Google Scholar
  79. 507.
    Beispiel Wetterforschung: Die Daten der Meßstationen werden in ein Modell eingegeben, das Modell errechnet Ausgabewerte, die für die weitere Prognose wieder als Eingabedaten dienen und so weiter. Bei einer ähnlichen Berechnung der sogenannten ‘Leonidenschwärme’ (eine Kometenerscheinung, die im Zehnjahres-Rhythmus im Sternbild Löwe erscheint) war die Modellrechnung im November 1998 um 10 Stunden hinter dem echten Prozeß zurück, so daß das Ereignis vorbei war, ehe die Beobachter mit der Beobachtung begannen, die sich auf das Modell verlassen hatten.Google Scholar
  80. 508.
    Vgl. das frühere Zitat aus STEINBUCH 1965: 17.Google Scholar
  81. 509.
    Radio/TV-Modell: Auch wenn man nicht weiß, wie der Apparat funktioniert, kann man durch ‘Manipulation der Eingaben’ (an der Fernbedienung) die gewünschten Sender (und ihre Programme) erhalten. Das funktioniert auch mit Haustieren und mit Menschen — jedenfalls im kybernetischen Modell. Letztlich bleibt man damit im Behaviorismus.Google Scholar
  82. 510.
    Vgl. JENSEN Im Kerngehäuse; in RUSCH/SCHMIDT 1994: 47–108.Google Scholar
  83. 511.
    Heinz VON FOERSTER, Observing Systems (Seaside/Cal.) 1982 oder ders. Cybernetics of cybernetics, in: K. KRIPPENDORF (Hg.): Communication and control in society (New York) 1979: 5–8; psychologisch und kommunikationstheoretisch weiter bearbeitet durch die Palo Alto-Gruppe (G. BATESON, J. HALEY, P. WATZLAWICK). Siehe allgemein WATZLAWICK/KRIEG (Hg.) 1991. Natürlich lassen sich, wenn ein derartiges Problem erst einmal in das allgemeine Bewußtsein gedrungen ist, zahlreiche Vorläufer finden. Vor allem könnte man hier Niels BOHR nennen, dessen Prinzip der »Komplementarität« ebenfalls auf den nicht hintergehbaren Innenstandpunkt des Beobachters hinausläuft. Mehr dazu im folgenden Kapitel sowie in Teil 3.Google Scholar
  84. 512.
    Man darf nicht den Fahrer als Erzeuger des Phänomens ansehen — er kontrolliert die Geschwindigkeit des Fahrzeugs, aber das gemessene Phänomen erscheint in der Beobachtungsanlage des Beobachtersystems: in Form den Funktionen der Radaranlage, den Zeigerausschlägen, den Meßwerten und so weiter. In der Anlage des Beobachtungssystems wird das gemeinte Phänomen generiert, dort entsteht die Realität, zu der es gehört.Google Scholar
  85. 513.
    Um es noch einmal zu definieren: kognitive Realität ist die kognitiv erkannte oder kognitiv bestimmte Realität, ontische Realität jene vorausgesetzte Wirklichkeit, die unabhängig von jedem möglichen Beobachter (beobachtungsinvariant) existiert. In Bezug auf diese ontische Realität verhält sich der Konstruktivismus agnostisch: ob sie existiert, läßt sich nicht sagen.Google Scholar
  86. 514.
    „Erneut“deswegen, weil diese Vermutung schon von Paul FORMAN ausgesprochen wurde (in STEHR/MEJA (Hg.) 1981: 393).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Jensen Stefan

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