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Zusammenfassung

Soziale Ungleichheit ist das Anathema der Soziologie. Spätestens seit Rousseaus „Entdeckung“der natürlichen Gleichheit aller Menschen in seinem berühmten „Diskurs über die Ungleichheit unter den Menschen“(1755), seit der Französischen Revolution von 1789 und ihrem Wertekanon von „Freiheit“, „Gleichheit“und „Brüderlichkeit“und seit der Verheißung einer egalitären Gesellschaft durch Marx und Engels im „Kommunistischen Manifest“(1848) steht das Programm der Gleichheit auf der politischen Tagesordnung. Alle Menschen sollten gleiche Rechte, ein gleiches Maß an Versorgung und eine gleiche Behandlung erfahren — so lautet die normative Idealvorstellung seither. Die Realität in Gestalt einer „Klassengesellschaft“hingegen, die sich im Zuge der Industrialisierung und der Heraufkunft des Kapitalismus herausbildet, wird zum Inbegriff von Unfreiheit, Ungleichheit und Unbrüderlichkeit und gilt als Ausdruck von Unterdrückung, Ausbeutung und Entfremdung. Die Soziologie, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als universitäres Fach etabliert, gerät als „Gesellschaftswissenschaft“mitten hinein in diese sozialen und politischen Auseinandersetzungen. Häufig wurden damals „Socialismus“, „Sociologie“und „Sociale Frage“ebenso in eins gesetzt, wie heute zuweilen „Feminismus“, „Frauenforschung“und „Frauenfrage“.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Hans-Peter Müller
  • Michael Schmid

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