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Die Traditionalisierung der Demokratie in der Moderne

  • Michael Th. Greven
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderheft book series (PVS, volume 30)

Zusammenfassung

Die Moderne als Epoche sieht sich in Differenz zu vorausgegangenen Epochen — die sie selber definiert. Wie schon in die Namensgebung „Mittelalter“eingeschrieben, erfolgte die Bestimmung der vorangegangenen Epoche ex post, im Bewußtsein ihrer Verabschiedung. Die Menschen des Mittelalters, was immer diese Generalisierung umschließen mag, konnten sich selbst nicht als „mittelalterlich“erkennen. Erst in der sich selbst definierenden Moderne gewinnt die Kennzeichnung, vor allem in den Hochzeiten der Aufklärung, als Kontrastfolie Popularität und unvermeidlich schnell pejorative Färbung: „vor-modern“bedeutet zugleich rückständig (Gumbrecht 1978). Mit dem Einsetzen der Selbstkritik in der Moderne zu Beginn des 19. Jahrhunderts kann dann der „romantische“Rückgriff auf die „gute alte Zeit“des, bei Novalis und anderen, zumeist „hohen“Mittelalters positiv gewendet werden. In der projektiven Rückschau, die eigentlich mehr Konstruktion ist, gewinnt im Kontrast zur „Zerrissenheit“der modernen Gegenwart die vorangegangene Epoche den Charakter einer vorwärtsgewandten Utopie der Versöhnung, die sich künstlerisch beispielsweise in manchen Opern Wagners und politisch in den bereits im 19. Jahrhundert auftauchenden Verheißungen eines neuen, eines „III. Reiches“niederschlägt.

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Literaturverzeichnis

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Michael Th. Greven

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