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Der deutsche Sozialstaat

  • Lutz Leisering
Part of the Politische Vierteljahresschrift Sonderheft book series (PVS, volume 30)

Zusammenfassung

„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“(Art. 20 (1) GG). „Die verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern muß den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes entsprechen“(Art. 28 (1) GG). Das unscheinbare Adjektiv „sozial“, im Herrenchiemseer Verfassungsentwurf gar nicht enthalten und im Parlamentarischen Rat kaum debattiert, ist der verfassungsrechtliche Ausgangspunkt des deutschen Nachkriegssozialstaats. In den frühen 50er Jahren konkurrierte eine minimierende Auslegung der Sozialstaatsklausel, die den Primat des „gewährleistenden” Rechtsstaats vor dem „gewährenden“Sozialstaat, der kein eigentlicher Rechtsbegriff sei, betonte (Forsthoff 1954a,b, 1968), mit einer maximierenden, die dem Sozialstaat den Primat zusprach und ihn als Auftrag zur sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaftsstruktur deutete (Abendroth 1954; später Hartwich 1970). Bald setzte sich eine mittlere Linie durch, die Rechts- und Sozialstaat als gleichrangige, sich gegenseitig stützende und begrenzende Verfassungsprinzipien verstand (Benda 1983; Zacher 1987, 1989) — eine gemischte Sozialverfassung.

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  • Lutz Leisering

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