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Professionalisierung der Politik — Verdrossenheit der Bürger: Repräsentationspraktische und repräsentationstheoretische Dimensionen des Themas

  • Suzanne S. Schüttemeyer

Zusammenfassung

Skepsis und Kritik gegenüber Repräsentation kommen aus verschiedenen Richtungen: Seit den achtziger Jahren und verstärkt nach dem als Epoche machend empfundenen Jahr 1989 wird aus demokratie- und gesellschaftstheoretischer Perspektive normativ die Angemessenheit, empirisch die Funktionsfähigkeit der repräsentativen Demokratie diskutiert, zuweilen gar manches Ende beschworen oder befürchtet — das Ende der Geschichte1, das Ende der Demokratie2, das Ende der Utopie3. Aus Sicht von Akteuren, Teilnehmern, Betroffenen und Beobachtern wird gleichermaßen — teilweise konkret, teilweise diffus — Klage geführt über alltägliche wie strukturelle Fehlentwicklungen in den Kommunikationsbeziehungen zwischen Gesellschaft und Politik, zwischen Bürgern und Politikern, insbesondere über Defizite in der Vertretung von Interessen, in der Vermittlung und Verantwortung von Politik. Repräsentative Demokratie mit ihren Institutionen erscheint vielen Bürgern zunehmend als (theoretisch mehr schlecht als recht verbrämter) Demokratie-Ersatz, in dem eine politische Klasse dominiert, die -abgekoppelt von der “normalen” Lebenswelt — vor allem an ihrer Selbsterhaltung interessiert ist.

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Literatur

  1. 1.
    Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir?, München 1992.Google Scholar
  2. 2.
    Jean-Marie Guéhenno, Das Ende der Demokratie, München u.a. 1994.Google Scholar
  3. 3.
    Richard Saage, Das Ende der politischen Utopie?, Frankfurt am Main 1990.Google Scholar
  4. 4a.
    Vgl. die Diskussion in der ZParl mit folgenden Beiträgen: Christof Ehrhart und Eberhard Sandschneider, Politikverdrossenheit: Kritische Anmerkungen zur Empirie, Wahrnehmung und Interpretation abnehmender politischer Partizipation, 25. Jg. (1994), Heft 3, S. 441 – 458Google Scholar
  5. 4b.
    Günter Rieger, “Parteienverdrossenheit” und “Parteienkritik” in der Bundesrepublik Deutschland, ebenda, S. 459–471Google Scholar
  6. 4c.
    Christian Welzel, Politikverdrossenheit und der Wandel des Partizipationsverhaltens. Zum Nutzen direkt-demokratischer Beteiligungsformen, 26. Jg. (1995), Heft 1, S. 141 – 149Google Scholar
  7. 4d.
    Peter Lösche, Parteienverdrossenheit ohne Ende?, ebenda, S. 149 – 159Google Scholar
  8. 4e.
    siehe auch Andreas Schedler, Die demoskopische Konstruktion von Politikverdrossenheit, in: PVS, Heft 3/1993, S. 414 – 435Google Scholar
  9. 4f.
    sowie Fritz Plasser und Peter A. Ulram, Wie man durch die kritische Rekonstruktion von Apfelmus die Birne als “demoskopisches Konstrukt” entlarvt, in: PVS, Heft 2/1994, S. 271–276.Google Scholar
  10. 5a.
    Vgl. Ernst Fraenkel, Parlament und öffentliche Meinung (1958)Google Scholar
  11. 5b.
    Strukturdefekte der Demokratie und deren Überwindung (1964)Google Scholar
  12. 5c.
    Ursprung und politische Bedeutung der Parlamentsverdrossenheit (1966), alle abgedruckt in: ders., Deutschland und die westlichen Demokratien, 6. Aufl., Stuttgart u.a. 1974.Google Scholar
  13. 6.
    Vgl. Suzanne S. Schüttemeyer, Bundestag und Bürger, a.a.O.Google Scholar
  14. 7.
    Vgl. jene Veröffentlichungen Werner J. Patzelts, in denen er die Ergebnisse seiner Umfragen bei bayerischen Landes-, Bundes- und Europaparlamentariern darlegt, insbesondere: Abgeordnete und Repräsentation. Amtsverständnis und Wahlkreisarbeit, Passau 1993.Google Scholar
  15. 8.
    Peter Glotz, Gegen die Versetzung der Schiffsgeistlichen auf die Brücke, in: SZ vom 1. März 1995.Google Scholar
  16. 9.
    Robert A. Dahl, Dilemmas of Pluralist Democracy, New Haven 1982, S. 13.Google Scholar
  17. 11.
    Peter Graf Kielmansegg, Das Experiment der Freiheit, Stuttgart 1988, S. 89, Hervorhebung im Original.Google Scholar
  18. 12.
    Aristoteles, Politik, Erstes Buch, 2. Kapitel, in der Übersetzung von Eugen Rolfes, Hamburg 1958, S. 4.Google Scholar
  19. 13.
    Wolfgang Kersting, Die politische Philosophie des Gesellschaftsvertrags, Darmstadt 1994, S. 10f.Google Scholar
  20. 14.
    Vgl. ebenda, S. 19ff.Google Scholar
  21. 15.
    Vgl. Iring Fetscher, Rousseaus politische Philosophie, 2. Aufl., Neuwied 1968, Kapitel III.Google Scholar
  22. 16.
    In seinem posthum erschienenen Verfassungsentwurf für Polen (Considérations sur le gouvernement de Pologne et sur sa réformation projettée von 1772) schlägt er die Aufteilung des Landes in 33 föderative Kleinstaaten vor, wodurch es “réunirait la force des grandes Monarchies & la liberté des petites Républiques”, Genf 1782, S. 497.Google Scholar
  23. 17.
    Jean-Jacques Rousseau, Du contrat social (1762), zitiert nach der deutschen Ausgabe, Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts, III. Buch, 15. Kapitel, Paderborn 1977, S. 103.Google Scholar
  24. 18.
    Peter Graf Kielmansegg, a.a.O., S. 63.Google Scholar
  25. 19.
    Norberto Bobbio, Die Zukunft der Demokratie, Berlin 1988, S. 26.Google Scholar
  26. 20a.
    Vgl. Hermann Heller, Staatslehre, 6., revidierte Auflage, Tübingen 1983, S. 101 ff.Google Scholar
  27. 20b.
  28. 21.
    Vgl. Ernst-Wolfgang Böckenförde, Mittelbare/repräsentative Demokratie, a.a.O.Google Scholar
  29. 22.
    Vgl. Hermann Heller, a.a.O., S. 102.Google Scholar
  30. 23a.
    Vgl. ebenda, S. 103f.Google Scholar
  31. 23b.
  32. 24.
    Ernest Renan, Qu’est-ce qu’une nation? Conférence faite en Sorbonne, le 11 mars 1882, Paris 1882, S. 26f.Google Scholar
  33. 25.
    Hermann Heller, a.a.O., S. 104.Google Scholar
  34. 26.
    Ebenda, S. 264f.Google Scholar
  35. 27.
    Vgl. Ernst-Wolfgang Böckenförde, Mittelbare/repräsentative Demokratie, a.a.O., S. 311.Google Scholar
  36. 28.
    Ebenda, S. 312.Google Scholar
  37. 30.
    Vgl.Arend Lijphart, a.a.O., S.215ff.Google Scholar
  38. 31a.
    Vgl. für Deutschland insbesondere die Arbeiten von Fritz W. Scharpf: Politikverflechtung: Theorie und Empirie des kooperativen Föderalismus in der Bundesrepublik, Kronberg 1976 (zusammen mit Bernd Reissert und Fritz Schnabel)Google Scholar
  39. 31b.
    Horizontale Politikverflechtung. Zur Theorie von Verhandlungssystemen, Frankfurt/New York 1992 (zusammen mit Arthur Benz und Reinhard Zintl); darin: Koordination durch Verhandlungssysteme: Analytische Konzepte und institutionelle Lösungen, S. 51 – 96; Die Handlungsfähigkeit des Staates am Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts, in: Beate Kohler-Koch (Hrsg.), Staat und Demokratie in Europa, Opladen 1992, S. 93 – 115; Versuch über Demokratie im verhandelnden Staat, in: Roland Czada und Manfred G. Schmidt (Hrsg.), Verhandlungsdemokratie, Interessenvermittlung, Regierbarkeit. Festschrift für Gerhard Lehmbruch, Opladen 1993, S. 25 – 50; Positive und negative Koordination in Verhandlungssystemen, in: Adrienne Héritier (Hrsg.), Policy-Analyse, PVS-Sonderheft 24/1993, S. 57 – 83; siehe auch Renate Mayntz, Policy-Netzwerke und die Logik von Verhandlungssystemen, in: Adrienne Héritier, a.a.O., S. 39 – 56, dort auch weitere Nachweise ihrer Veröffentlichungen zu Verflechtungserscheinungen und Verhandlungslösungen auf einzelnen Politikfeldern.Google Scholar
  40. 32.
    Fritz W. Scharpf, Versuch über Demokratie, a.a.O., S. 34.Google Scholar
  41. 34.
    Ob es sich hierbei um ein Mittelschichtsphänomen handelt, ist strittig (für die verschiedenen Positionen vgl. Martin und Sylvia Greiffenhagen, Ein schwieriges Vaterland. Zur politischen Kultur im vereinigten Deutschland, München u.a. 1993, S. 295), spielt aber im vorliegenden Kontext keine Rolle: Selbst wenn die hier skizzierten Zusammenhänge der Individualisierung und Pluralisierung auf die Mittelschicht beschränkt sein sollten, hätte dies die genannten grundsätzlichen Folgewirkungen geringerer Stabilität der herkömmlichen Institutionen der Interessenvermittlung und ihrer schlechteren Kalkulierbarkeit im politischen Prozeß.Google Scholar
  42. 35.
    Vgl. hierzu mit weiteren Nachweisen Ulrich Beck, Die Erfindung des Politischen, Frankfurt am Main 1993, bes. S. 149ff.Google Scholar
  43. 36.
    Vgl. ders., Solidarischer Individualismus, in: SZ vom 2. März 1995.Google Scholar
  44. 37.
    Dies trifft je mehr zu desto öfter jeder Entscheidungsbeteiligte als Vertreter verschiedener, eben nicht überschneidungsfreier Gruppeninteressen, also in jeweils unterschiedlichen Allianzen agiert und desto eindeutiger Prozesse der “negativen Koordination” nachgewiesen werden können. Diese “basiert auf der Respektierung antizipierter Widerstände oder Veto-Positionen, und sie impliziert die Selbstbeschränkung neuer Programm-Initiativen auf Optionen, die mit den jeweils gegebenen und selbst nicht zur Disposition stehenden Positionen potentiell betroffener anderer Einheiten verträglich sind”, Fritz W. Scharpf, Handlungsfähigkeit des Staates, a.a.O., S. 101; siehe auch ders., Positive und negative Koordination in Verhandlungssystemen, a.a.O., S. 69.Google Scholar
  45. 38a.
    Vgl. etwa für die Bundesrepublik Werner Weber, Spannungen und Kräfte im westdeutschen Verfassungssystem, Stuttgart 1951Google Scholar
  46. 38b.
    Ernst Forsthoff, Der Staat in der Industriegesellschaft, München 1971Google Scholar
  47. 38c.
    siehe auch Theodor Eschenburg, Herrschaft der Verbände?, Stuttgart 1955; für die USA Grant McConnell, Private Power and American Democracy, New York 1966.Google Scholar
  48. 39a.
    Jean-Marie Guéhenno, a.a.O., S. 39ff.Google Scholar
  49. 39b.
  50. 40.
    Zur normativen Dimension, zu Befunden und Forschungsdesideraten in diesem Bereich vgl. Fritz W. Scharpf, Handlungsfähigkeit des Staates, a.a.O., S. 103ff., Zitate auf S. 96. Zum einen sollte die “Untersuchung der Funktionsbedingungen und Funktionsweisen der horizontalen Selbstkoordination gleichberechtigt neben das bisher dominante Interesse an der Staatswillensbildung und hierarchischen Willensdurchsetzung treten” (ebenda, S. 103) und deren Wechselbeziehungen erforscht werden; dabei sollten aber, zweitens, nicht nur die außerstaatlichen und außerhalb der Verfassungsinstitutionen angesiedelten Verhandlungssysteme berücksichtigt werden, sondern auch die Entscheidungsstrukturen und -prozesse von Parlamenten und Regierungen mit den entsprechenden Konzepten und Begriffen befragt werden.Google Scholar
  51. 41.
    Fritz W. Scharpf, Versuch über Demokratie, a.a.O., S. 35. Ob allerdings in solchen Systemen tatsächlich auf der “demokratischen Haben-Seite” eine “größere Eigenständigkeit des Parlaments” (S. 34) steht, bedarf noch des systematischen Nachweises.Google Scholar
  52. 42a.
    Vgl. Ulrich Beck, Erfindung, a.a.O., S. 154ff.Google Scholar
  53. 42b.
    S. 190f., der diese Postulate wie folgt erläutert: “(1) Es muß Abschied genommen werden von der Vorstellung, Verwaltungen und Experten wüßten immer ganz genau oder besser, was richtig und gut für alle sei… (2) Der Kreis der zu beteiligenden Gruppen kann nicht mehr nach fachimmanenten Gesichtspunkten geschlossen, sondern muß nach sozialen Relevanzmaßstäben geöffnet werden… (3) Allen Beteiligten muß klar sein, daß bei Beginn die Entscheidungen nicht schon gefallen sind und nur noch ‘verkauft’, nach außen durchgesetzt werden sollen… (4) Das Verhandeln hinter geschlossenen Türen zwischen Experten und Entscheidungsträgern muß also in einen öffentlichen Dialog zwischen verschiedensten Akteuren überführt und verwandelt werden — mit der Folge weiterer ‘Unkontrollierbarkeit’… (5) Für dieses Verfahren müssen Normen — Gesprächsweisen, Protokolle, Diskussionen, Auswertungen von Interviews, Formen der Zu- und Abstimmung — verabredet und sanktioniert werden…” (S. 190f.).Google Scholar
  54. 43.
    Vgl. Winfried Steffani, Transparenz, a.a.O., S. 19.Google Scholar
  55. 44.
    Vgl. ebenda, S. 20f. Steffani expliziert diesen Zusammenhang nicht für die demokratische Praxis, sondern für die wissenschaftliche Analyse von Demokratie: “Wird bei der Analyse komplexer Systeme das Effizienzkriterium im Sinne von leistungssteigernder Wirtschaftlichkeit zur ausschließlichen Norm erhoben, dürfte die Fragestellung technokratischen Zielbestimmungen entsprechen…. Von einem verkürzten Demokratiebegriff kann dann gesprochen werden, wenn und insoweit die Effizienzproblematik und deren Bedeutsamkeit für die Existenz- und Funktionsfähigkeit hochkomplexer Industriegesellschaften außer Acht gelassen bleibt und als Definitionskriterien die Identität von Regierenden und Regierten sowie ein rigides Partizipationsund Transparenzmaximierungskonzept postuliert werden.”Google Scholar
  56. 45.
    So Giovanni Sartori, Rethinking Democracy: Bad Polity and Bad Politics, in: International Social Science Journal 129, 1991, S. 437 – 450. Dies wäre die Umkehrung des für Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg diagnostizierten Zusammenhanges von spezifischer und diffuser Unterstützung (vgl. David Easton, A Systems Analysis of Political Life, New York u.a. 1965) für das politische System. Auf dem Wege der Effizienzerfahrung entstand zunehmend demokratische Substanz in der Politischen Kultur, die mehr Transparenz und Partizipation nach sich zog — ein Fall der “Lernhypothese” (vgl. Suzanne S. Schüttemeyer, Bundestag und Bürger, a.a.O., S. 50ff). Sollte tatsächlich nach fünfzig Jahren demokratischer Entwicklung und der begründeten Annahme, daß sich in (West-)Deutschland diffuse Unterstützung für das politische System und die Demokratie herausgebildet hat, ein längerfristiger Leistungseinbruch der politischen Institutionen zum Entzug von Unterstützung und zum Legitimitätsverlust der Politik führen oder derartiges in anderen, länger etablierten Demokratien passieren, müßten das Konzept und seine Befunde überprüft werden. Zu fragen wäre etwa: Muß die “Strukturierungshypothese”, derzufolge diffuse Unterstützung größere Bereitschaft zu spezifischer prägt, fallengelassen werden? Oder kann sie hinsichtlich zeitlicher wie inhaltlicher Schranken, an denen systemische Fehlleistungen zur Erosion diffuser Unterstützung führen, empirisch präzisiert werden? Kann die nachlassende output-bezogene Wertschätzung des politischen Systems kompensiert werden durch input-bezogene, kann also mangelnde Effizienz durch vermehrte Transparenz und Partizipation wettgemacht werden? Wenn ja, in welchem Maße? etc.Google Scholar
  57. 46.
    Richard von Weizsäcker im Gespräch mit Gunter Hofmann und Werner A. Perger, Frankfurt am Main 1992, S. 150.Google Scholar
  58. 47.
    Einen guten Überblick über die Argumente der Kritiker sowie Gegenpositionen findet sich bei: Gunter Hofmann und Werner A. Perger (Hrsg.), Die Kontroverse, a.a.O. Vgl. auch zahlreiche Veröffentlichungen Hans Herbert von Arnims, z.B. Der Staat als Beute, Staat ohne Diener, Demokratie ohne Volk, alle München 1993 sowie Erwin K. und Ute Scheuch, Cliquen, Klüngel und Karrieren. Über den Verfall der politischen Parteien — eine Studie, Reinbek 1992.Google Scholar
  59. 48.
    Vgl. Dietrich Herzog, Berufspolitiker, a.a.O., S. 46.Google Scholar
  60. 49.
    Soll hier heißen: durch das Eingehen auf (tatsächliche oder vermutete) Wählerpräferenzen; vgl. Klaus von Beyme, Politische Klasse, a.a.O., S. 189f.Google Scholar
  61. 50a.
    Thomas Mirbach, Eine kybernetische Auflösung des Repräsentationsproblems, in: ZParl 23. Jg. (1992), H. 4, S. 658 – 672, S. 667. Vgl. AuchGoogle Scholar
  62. 50b.
    Ulrich Beck, Die Erfindung des Politischen, Frankfurt am Main 1993, bes. S. 154ff. mit seiner oben diskutierten These vom Vordringen einer “Subpolitik”, die — auf die “institutionalisierte Ignoranz” (S. 158) von Regierenden und Parlament reagierend — an die Seite, wenn nicht gar an die Stelle der Institutionen der repräsentativen Demokratie tritt; vgl. alsGoogle Scholar
  63. 50c.
    Gegenargumentation Uwe Thaysen, Repräsentative Demokratie: Ist der Deutsche Bundestag dem zunehmenden gesellschaftlichen Pluralismus noch gewachsen?, in: Günther Rüther (Hrsg.), Repräsentative oder plebiszitäre Demokratie — eine Alternative?, St. Augustin 1996, S. 223 – 243.Google Scholar
  64. 51.
    Vgl. hierzu auch die Ausführungen Eberhard Schutt-Wetschkys zum Gruppentyp und klassisch-altliberalen Typ parlamentarischer Demokratie mit weiteren Nachweisen zu den Vertretern des letzteren in Literatur und Politik, a.a.O., S. 37ff.Google Scholar
  65. 52.
    Hanna F. Pitkin, The Concept of Representation, Berkeley 1967, S. 8f.Google Scholar
  66. 53.
    Carl Schmitt, Verfassungslehre, München u.a. 1928 (Nachdruck 1954), S. 209.Google Scholar
  67. 54.
    Gerhard Leibholz, Das Wesen der Repräsentation und der Gestaltwandel der Demokratie im 20. Jahrhundert, 3. Aufl., Berlin 1966.Google Scholar
  68. 55.
    Vgl. Hasso Hofmann, Repräsentation. Studien zur Wort- und Begriffsgeschichte von der Antike bis ins 19. Jahrhundert, Berlin 1974, S. 35.Google Scholar
  69. 56.
    Ernst Fraenkel, Die repräsentative und die plebiszitäre Komponente im demokratischen Verfassungsstaat, in: ders., Deutschland und die westlichen Demokratien, a.a.O., S. 113.Google Scholar
  70. 57.
    Vgl. Johannes Kimme, Das Repräsentativsystem, Berlin 1988, S. 31ff., S. 47ff.Google Scholar
  71. 58.
    Vgl. Karl Bosl (Hrsg.), Der moderne Parlamentarismus und seine Grundlagen in der ständischen Repräsentation, Berlin 1977.Google Scholar
  72. 59.
    Vgl. Kurt Kluxen, a.a.O., S. 89ff.Google Scholar
  73. 60.
    Nach wie vor das wohl brillanteste Plädoyer für dieses Verfassungsverständnis liefern Alexander Hamilton, James Madison und John Jay in ihren Essays zum Abstimmungskampf um die Ratifikation der US-amerikanischen Verfassung durch die Einzelstaaten im Jahre 1787, The Federalist Papers, New York 1961 (Nachdruck der sogenannten McLean Edition von 1788); vgl. auch Horst Dreier, Demokratische Repräsentation und vernünftiger Allgemeinwille, in: AöR 113. Bd. (1988), S. 450–483.Google Scholar
  74. 61.
    Titre III, Art. 2; zitiert nach der von Georges Berlia herausgegebenen 7. Auflage von Les constitutions et les principales lois politiques de la France, Paris 1952.Google Scholar
  75. 62a.
    Hegel befürchtete Anarchie und Revolution als Folge politischer Repräsentation, vgl. Rolf K. Hocevar, Der Anteil Gentz’ und Hegels an der Perhorreszierung der Repräsentativverfassung in Deutschland, in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie 52 (1966), S. 117 – 133; zum Verhältnis von monarchischem Prinzip und Repräsentation vgl.Google Scholar
  76. 62b.
    Hasso Hofmann, a.a.O., S. 416–440Google Scholar
  77. 62c.
    Hermann Reuss, Zur Geschichte der Repräsentativverfassung in Deutschland, in: Heinz Rausch (Hrsg.), Zur Theorie und Geschichte der Repräsentation und Repräsentativverfassung, Darmstadt 1968, S. 1 – 27. Für einen Überblick über die Positionen (vor allem der Geschichtswissenschaft) zur Stellung des Parlaments im Deutschen Kaiserreich vgl. Konrad von Zwehl, Zum Verhältnis von Regierung und Reichstag im Kaiserreich (1871 – 1918),Google Scholar
  78. 62d.
    in: Gerhard A. Ritter (Hrsg.), Regierung, Bürokratie und Parlament in Preußen und Deutschland von 1848 bis zur Gegenwart, Düsseldorf 1983, S. 90 – 116.Google Scholar
  79. 63.
    Vgl. besonders Ernst Fraenkel, Die repräsentative und die plebiszitäre Komponente, a.a.O., S. 144ff. Keineswegs sollen diese “Geburtsfehler” der Weimarer Demokratie hier für deren Scheitern allein ursächlich gemacht werden; sie waren aber mindestens nicht geeignet, dem Scheitern entgegenzuwirken.Google Scholar
  80. 64.
    Vgl. Hanna F. Pitkin, a.a.O., S. 295.Google Scholar
  81. 65.
    Zum Beispiel Thomas Smith, De Republica Anglorum (1565), London 1906.Google Scholar
  82. 66.
    Vgl. besonders Edward Coke (1642/1644): “It is to be observed though one be chosen for one particular county, or borough, yet when he is returned, and sits in parliament, he serveth for the whole realm, for the end of his coming thither as in the writ of his election appeareth, is generali.” Zitiert nach Hanna F. Pitkin, a.a.O., S. 245.Google Scholar
  83. 67.
    John Locke, Two Treatises of Civil Government (1690), London 1970, bes. Book II, Chapter VIII.Google Scholar
  84. 68.
    Vgl. Thomas Hobbes, Leviathan (1651), zitiert nach der deutschen Ausgabe, hrsg. von Peter C. Mayer-Tasch, München 1965; siehe auch Hanna F. Pitkin, a.a.O., S. 14ff.Google Scholar
  85. 69.
    Vgl. Winfried Steffani, Edmund Burke: Zur Vereinbarkeit von freiem Mandat und Fraktionsdisziplin, in: ZParl 12. Jg. (1981), H. 1, S. 109 – 122.Google Scholar
  86. 70.
    Vgl. Hanna F. Pitkin, a.a.O., S. 173.Google Scholar
  87. 71.
    Edmund Burke, Speech in the House of Commons on the state of the representation (1782), in: The Writings and Speeches of Edmund Burke, Boston 1901, Bd. 7, S. 92 – 98.Google Scholar
  88. 72.
    Vgl. Charles Montesquieu, De l’Esprit des lois (1748), zitiert nach der deutschen Ausgabe, Vom Geist der Gesetze, hrsg. von Ernst Forsthoff, München 1968.Google Scholar
  89. 73.
    Vgl. Jean-Jacques Rousseau, a.a.O., bes. S. 158.Google Scholar
  90. 74.
    So hat ihn Karl von Rotteck in seinen “Ideen über Landstände” (1819) genannt.Google Scholar
  91. 75.
    Vgl. Emmanuel Joseph Sieyes, Politische Schriften, 2 Bände, hrsg. von Johann Gottfried Ebel, o.O. 1796, besonders Band II, S. 363 – 400; s.a. Politische Schriften 1788 – 1790, hrsg. von Eberhard Schmitt und Rolf Reichardt, 2. Aufl., München u.a 1981; darin auch die Herleitung der korrekten Schreibweise des Namens ohne accents.Google Scholar
  92. 76.
    Hasso Hofmann, a.a.O., S. 407f.Google Scholar
  93. 77.
    Immanuel Kant, Werke in 10 Bänden, hrsg. von W. Weischedel, Darmstadt 1983, hier: Die Metaphysik der Sitten (1797), 7. Band, 2. Teil, § 46, S. 432f.Google Scholar
  94. 78.
    Ebenda, § 52, S. 464.Google Scholar
  95. 79.
    Hasso Hofmann, a.a.O., S. 343.Google Scholar
  96. 80.
    “… die Menschen sollen an der Herrschaft des Staates Theil nehmen, nicht nach ihrer sinnlichen empirischen Existenz…, sondern nach ihrer sittlich geistigen Existenz. Es ist… der sittlich politische Grund, daß nicht die Masse, sondern nur die Auserlesenen aus dem Volke den öffentlichen Zustand bestimmen sollen.” Friedrich Julius Stahl (1864), zitiert nach Hasso Hofmann, a.a.O., S. 438.Google Scholar
  97. 81.
    Vgl. Hanna F. Pitkin, a.a.O., S. 39ff.Google Scholar
  98. 82.
    Werner J. Patzelt hat diese Repräsentationstheorien als “handlungsanalytische” bezeichnet, Abgeordnete und Repräsentation, a.a.O., S. 26f.Google Scholar
  99. 83.
    Vgl. Hanna F. Pitkin, a.a.O. S. 209.Google Scholar
  100. 84.
    Vgl. Dietrich Herzog, Was heißt und zu welchem Ende studiert man Repräsentation?, a.a.O., S. 307–335, S. 314ff.Google Scholar
  101. 85.
    Vgl. Thomas Mirbach, a.a.O., S. 670.Google Scholar
  102. 86a.
    Vgl. für die deutsche Diskussion des Begriffes Responsivität Herbert Uppendahl, Repräsentation und Responsivität. Bausteine einer Theorie responsiver Demokratie, in: ZParl 12. Jg. (1981), H. 1, S. 123 – 134;Google Scholar
  103. 86b.
    grundlegend mehrere Beiträge des Bandes: Heinz Eulau und John C. Wahlke (Hrsg.), The Politics of Representation, Beverly Hills u.a. 1978; für einen Überblick über die “Linkage-Perspektive” der Repräsentationsforschung sieheGoogle Scholar
  104. 86c.
    Werner J. Patzelt, Abgeordnete und Repräsentation, a.a.O., S. 46ff.Google Scholar
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    Heinrich Oberreuter, Konflikt und Konsens im politischen System der Bundesrepublik, in: Albrecht Randelzhofer und Werner Süß (Hrsg.), Konsens und Konflikt. 35 Jahre Grundgesetz, Berlin u.a. 1986, S. 214 – 235, S. 229.Google Scholar
  106. Vgl. Dietrich Herzog, Was heißt und zu welchem Ende studiert man Repräsentation?, a.a.O., S. 315, der hier das von Karl W. Deutsch entwickelte kybernetisch Verständnis von Politik für die Diskussion von Repräsentation adaptiert.Google Scholar
  107. 89.
    Emmanuel Joseph Sieyes, Politische Schriften, Band II, a.a.O., S. 372f.Google Scholar
  108. 90.
    Eberhard Schmitt, Sieyes, in: Hans Maier u.a. (Hrsg.), Klassiker des politischen Denkens, Band II, 3. Aufl., München 1974, S. 135 – 160, S. 153.Google Scholar
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    Johannes Weiß, Stellvertretung. Überlegungen zu einer vernachlässigten soziologischen Kategorie, in: KZfSS 36. Jg. (1984), H. 1, S. 43 – 55, S. 49, Hervorhebung im Original.Google Scholar
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    Vgl. Hans-Peter Müller und Michael Schmid, Arbeitsteilung, Solidarität und Moral, ebenda, S. 481–521, S. 513ff.Google Scholar
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    Ebenda, S. 246: “… dann darf man voraussehen, daß… ein Tag kommt, an dem unsere soziale und politische Organisation eine reine oder fast reine professionelle Grundlage haben wird.”Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Suzanne S. Schüttemeyer

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