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Die relative Chronologie der Spätbronzezeit der Schweiz

  • Emil Vogt
Chapter
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Part of the Denkschriften der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft book series (DSANW, volume 66)

Zusammenfassung

Nachdem wir die einzelnen Formen der schweizerischen Keramik, ihre Entwicklung und Verbreitung festgestellt haben, bleibt uns nun noch die Aufgabe, die erhaltenen Einzelresultate zusammenzufassen und in den Rahmen der für das Ausland erhaltenen Gruppenteilung zu stellen. Da wir einige Gefässe schon in Bronzezeit D setzten, müssen wir mit der Betrachtung der kulturellen Strömungen dieser Epoche in der Schweiz beginnen. Kraft hat in ASA 1927/28 diese Fragen behandelt, für die Stufe D der Bronzezeit und die älteren Erscheinungen der Stufe Hallstatt A. Ich schliesse mich seiner Chronologie an, möchte aber auf einige Fragen noch näher eingehen und einige Ergänzungen geben, so zunächst zur Liste der Gräber mit Mohnkopfnadel. 1898 wurden in der Klausenstrasse in Bürglen (Kt. Uri) ein oder mehrere Skelettgräber zerstört. Daraus stammt eine Mohnkopfnadel und eine Spirale, die wohl von einem Spiralhaken stammt. Es sind dies die einzigen Skelettgräber dieser Gruppe. Ferner sind im 6. Jahresber. SGfU 1913, S. 70 zwei Armringe von Freimettigen (Bezirk Konolfingen, Kt. Bern) abgebildet, die aus einem Brandgrab stammen müssen. Die Verzierung ist etwa die der Ringe von Glattfelden Die Zugehörigkeit dieses Fundes zu den Gräbern mit Mohnkopfnadeln steht ausser Zweifel. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass diese Gruppe noch weiter nach Süden reicht. Vielleicht ist auch ein stark quergerippter Armring aus den Gräbern von Ollon (Kanton Waadt) hierher zu rechnen. Diese wurden 1837 zerstört. Der Ring ist nicht genau zu datieren, da Funde von Bronzezeit B bis Hallstatt B vorhanden sind. Bis jetzt sind die Gräber in der Nordschweiz am häufigsten und nehmen nach Süden ab. Dies legt eine Ausbreitung der Kultur in der Richtung Nordsüd nahe. Kraft nimmt als Heimat der Mohnkopfnadel Oberitalien in Anspruch, mit der Begründung, dass eine solche hier vorkommende Nadel mit geschwollenem, durchbohrtem Hals die älteste sei, da diese Durchbohrung in Mitteleuropa ein Zeichen für Stufe B der Bronzezeit sei. Dazu ist folgendes zu bemerken. Die Durchlochung der Nadeln in Oberitalien ist nicht ohne weiteres mit Süddeutschland vergleichbar. Bei den andern durchbohrten Nadeln von Peschiera ist der Durchschnitt des geschwollenen Halses oval und die Durchbohrung folgt der längeren Axe, wählt also ein schwieriges Verfahren. In Bronzezeit B soll die im Querschnitt immer runde Anschwellung des Halses die Durchbohrung erleichtern und erst bei Vervollkommnung der Technik fällt sie, wie Kraft in seiner Kultur der Bronzezeit in Süddeutschland selbst ausführt, in der späten Hügelgräberbronzezeit weg. Dadurch aber wird die Frühdatierung der genannten oberitalischen durchbohrten Nadeln sehr unwahrscheinlich und aus demselben die der dortigen Mohnkopfnadeln. Dazu kommt, dass in Oberitalien verschiedene Bronzetypen nachzuweisen sind, die sicher in der späten Bronzezeit von Norden nach Süden wanderten, so grosse Vasenkopfnadeln, wie sie in Bayern und Tirol vorkommen. Die Messer von Peschiera zeigen u. a. die guts Bronze-D-Form mit Grifflappen wie nördlich den Alpen und es lässt sich deutlich die Weiterentwicklung zum Messer mit stabrundem Griffdorn verfolgen, der hier sogar mit zwei Durchbohrungen vorkommt. Sechs Exemplare von Peschiera im Museum Verona tragen an der Spitze eine Nase wie die Messer von Binningen, Mels, Meiselsdorf (Niederösterreich) etc. Schliesslich ist ebenfalls von Peschiera eine Nadel mit Kugelkopf und zwei gekerbten Halsrippen zu nennen, die sicher mit der Nadel Binningen (wie sie Kraft in ASA 1927/28 nennt) zusammenhängt. Auch das Grab von Rovio, das schon südlich der Alpen liegt, ist noch durchaus zu den Kulturen nördlich der Alpen zu rechnen. Nachdem also so viele Anzeichen für eine Kulturbewegung von Norden nach Süden sprechen, so ist es von vornherein schon unwahrscheinlich, dass eine oberitalische Gerätform nach Norden wanderte, um in der Schweiz eine Hauptform einer typisch schweizerisch-süddeutschen Gruppe zu bilden. Der Export aus Oberitalien nach der Schweiz ist lange nicht so stark, wie oft angenommen wird, und von den importierten Stücken ist ein ganz geringer Bruchteil noch in Stufe D zu setzen.

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Notes

Copyright information

© Springer Basel AG 1930

Authors and Affiliations

  • Emil Vogt
    • 1
  1. 1.BaselSchweiz

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