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Der Friedhof an der Schneeküste im Sternbild des Orion

  • Hubert Reeves
Chapter

Zusammenfassung

Als Kind wohnte ich nahe bei einem großen Friedhof in Montreal. Ein sehr großer Park, mit Eßkastanien und Zuckerahorn bepflanzt. In den ersten Frühlingstagen, lange bevor die Grabsteine durch die Sträucher verdeckt werden, tauchen die Krokusse aus den schmelzenden Schneeflächen auf. Ich ging hin, um sie aufblühen zu sehen, und so nahm ich auch an den Beerdigungen teil. Der Gegensatz zwischen den Ereignissen faszinierte mich. Auf der einen Seite voll Kraft die Blumen und die Bäume, deren Wurzeln an den feuchten Flanken der Gruben hervortraten. Auf der anderen Seite die lackierten Holzsärge, die die Menschen in die finstern Löcher hinabgleiten ließen. Es war der Anfang und das Ende. Das Leben und der Tod. Das Vergehende und das Ewige eng miteinander vermischt. Dies war alterslos. Es war ganz einfach. Kein Wunder, daß die antiken Kulturen die Erde vergöttert haben und daß sie in einem gemeinsamen Symbol den Bauch der Erde und den der Mutter dargestellt haben, beide Schöpfer von Leben. In dieser Anfangszeit kündeten rituelle Zeremonien, mit großen sexuellen Orgien, den Frühling an. Die neuen Ernten sollten aus der befruchteten Erde hervorquellen. Sie ist das Leben. Aber sie ist auch der Tod. Der letzte Mittler der Auflösung jener Wesen, die ihre Existenz vollendet haben. Im Boden vergraben, löst sich die fabelhafte Molekülmaschinerie auf, die das geringste Gänseblümchen oder die geringste Ameise darstellt.

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© Springer Basel AG 1983

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  • Hubert Reeves

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