Advertisement

Neogotik

  • Rolf Brönnimann

Zusammenfassung

Wie überall in Europa begann auch in Basel der Reigen der Neo-Stile mit der Gotik. Diese besass eine grosse lokale Tradition, aus der man hätte schöpfen können. Trotzdem orientierten sich die frühen Neogotiker an fremden Vorbildern. Die neogotische Bewegung erhielt ihre entscheidenden Impulse aus England. Dort war der Faden der gotischen Tradition nie ganz gerissen. Bereits im 18. Jahrhundert griff man in der englischen Architektur in zunehmendem Masse wieder auf mittelalterliche Vorbilder zurück. Deutsche Fürsten brachten dann die neue Mode, die sie auf Reisen in England kennen gelernt hatten, nach Deutschland. Die frühen Basler Neogotiker wie Huber, Berri, Merian und Riggenbach hatten in Deutschland studiert oder gearbeitet und waren so mit der Bewegung in Berührung gekommen. Einige von ihnen wie zum Beispiel Merian und Riggenbach hatten bei Restaurierungen von gotischen Bauwerken wertvolle Erfahrungen gesammelt. Berri hatte die Neogotik in England selbst kennengelernt. Anders als in England, wo sich die Klassizisten und Neogotiker erbittert bekämpften, gab es in Basel keine solchen Probleme. Huber und Berri waren Weinbrenner-Schüler und als solche überzeugte Klassizisten. Den ersten neogotischen Versuch der Schweiz machte der bereits erwähnte Achilles Huber 1831/32 beim Umbau der ehemaligen Münsterbauhütte (jetzt Lesegesellschaft) am Münsterplatz. 1840 erbaute Christoph Riggenbach, der bei Moller in Darmstadt, dem Entdecker des alten Kölner Domfassadenplanes, studiert hatte, im Gundeldingerquartier das leider abgebrochene Bachofenschlösslein. Der Charme dieses Bauwerks bestand im unbefangenen und naiven Umgang mit gotischen Stilelementen, der die klassizistische Grundhaltung durchschimmern liess. Ebenfalls ein hochinteressantes Zeugnis jener Begeistung fürs Mittelalter ist das Oktogone Zimmer im Haus «Zum Schöneck» an der St. Alban-Vorstadt. Im Auftrag der Familie Burckhardt-Sarasin schuf Melchior Berri 1841 ein Pantheon für die grossen Gestalten der Basler Geschichte. Als Vorbild für das aus Gips gefertigte Sterngewölbe diente die kostbare geschnitzte Decke des Zschekkenbürlinzimmers in der ehemaligen Kartause.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer Basel AG 1982

Authors and Affiliations

  • Rolf Brönnimann

There are no affiliations available

Personalised recommendations