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Spätklassizismus

  • Rolf Brönnimann

Zusammenfassung

Der Klassizismus kündete sich am Vorabend der Französischen Revolution mit dem grossartigen, für hiesige Verhältnisse absolut ungewöhnlichen Haus «Zum Kirschgarten» an. Dank der aufgeschlossenen Baugesinnung von Johann Rudolf Burckhardt und seiner glücklichen Wahl von Johann Ulrich Michel zum Architekten erhielt Basel ein einzigartiges Baudenkmal, das leider ohne Nachfolge bleiben sollte. Die Wirren der Revolution und die Napoleonischen Kriege schadeten der Basler Seidenbandindustrie dermassen, dass in der Stadt, im Gegensatz zu andern Schweizer Kantonshauptstädten, die Bautätigkeit bis weit ins 19. Jahrhundert hinein praktisch ruhte. Das erste grössere bauliche Unternehmen war das 1938 abgebrochene Stadtcasino (1822–1826) von Melchior Berri am Steinenberg. Dieses Bauwerk war ein schönes Beispiel für die Karlsruher Weinbrenner-Schule, die für die ganze Region damals massgebend war. Berri ist zu Recht als bedeutender Klassizist in die Schweizer Kunstgeschichte eingegangen. Desungeachtet findet man in seinem Werk auch andere Stilelemente. Sein letztes grosses Werk, das Museum an der Augustinergasse, kann wegen seiner unglücklichen Lage in einer mittelalterlichen Gasse seinen schinkelschen Klassizismus nicht zur Geltung bringen. Da die Bauten der Architektengruppe Heimlicher, Merian und Riggenbach schon stark historisierende Züge aufweisen, soll an einer andern Stelle näher auf ihr Schaffen eingegangen werden. Einen ersten grossstädtischen Akzent setzte Johann Jakob Stehlin d. A. mit seinem als Wohnhaus und nicht etwa als Bank, wie häufig angenommen wird, erbauten Schilthof (1840/42) an der Ecke SteinenbergFreie Strasse. Die elegante Ecklösung mit der durch korinthische Kolossalsäulen gegliederten Rotunde war völlig neu für Basel. Man hat daher auch gleich vermutet, Baumeister Stehlin hätte die Pläne aus dem Ausland bezogen. Einen Beweis dafür konnte bis heute nicht gefunden werden. Ebenfalls an diesem Bau mitgearbeitet hatte Stehlins Sohn, Johann Jakob d. J., der spätere Schöpfer des Kulturzentrums am Steinenberg. Die Erweiterung an der Freien Strasse von 1899/1900 ist ein Werk von Fritz Stehlin, einem Grossneffen des Erbauers. Johann Jakob Stehlin d. J., der vor allem als bedeutender Vertreter des Neobarocks bekannt ist, erstellte in den Fünfzigerjahren einige gediegene spätklassizistische Villen. Nach 1860 war der Klassizismus in Basel keineswegs tot. Viele Baumeister, aber auch namhafte Architekten wie zum Beispiel Leonhard und Rudolf Friedrich erstellten bis zur Jahrhundertwende Wohnhäuser in diesem offensichtlich dem baslerischen Wesen entsprechenden Stil.

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© Springer Basel AG 1982

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  • Rolf Brönnimann

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