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Die Gefühle pp 123-161 | Cite as

Aggressionslust

  • Wolfgang Rost
Part of the Leben und Gesundheit book series (LG)

Zusammenfassung

Daß Aggressionen nicht nur ein leidiges Übel dieser Welt sind, sondern eigentlich — in ihrer natürlichen Form — eine Quelle von Lust und Freude sein können, möchte ich mit Eibl-Eibesfeldt (1982) belegen (der das allerdings nicht so meint und sich immer wieder für den falschen Eindruck entschuldigt, er würde Aggressionen glorifizieren!):

«Weltweit verbreitet ist die Lustmotivation der Aggression. Nicht immer muß sie sich in direkter Rauflust äußern, obgleich nicht nur die Tiroler in Wirtshäusern gelegentlich Händel suchen. Es gibt sehr viele Formen von Kampfspielen. Der Rahmen spannt sich von Wettkämpfen nach dem Muster des Fingerhakelns bis zum Schach oder Fußballspiel. Diesem aggressiven Wetteifern liegt eine Lust zugrunde (!, der Verf.). Offenbar reagiert man aggressive Impulse auf diese Weise ab, während ein Aggressionsstau als unlustvolle Spannung erlebt wird... Es läßt sich einfach nicht wegleugnen, daß es eine Spannungsunlust, eine Entspannungslust, ein Triebziel und ein Objekt der Aggression gibt. Das sind aber die wesentlichen Bestimmungsmerkmale für einen Trieb! Und daß diese Disposition nicht erst erworben wird, ist bei der Verbreitung der Aggression unter den Menschen im speziellen und unter den Wirbeltieren im allgemeinen viel wahrscheinlicher als die These, die aggressive Bereitschaft werde erlernt... Sicherlich gibt es in der menschlichen Aggression kulturelle Unterschiede. Der überzeugende Nachweis, daß einer Menschengruppe Aggressionen völlig fehlen, ist jedoch bisher nicht erbracht worden. Sie könnte wohl auch nur in sehr geschützten Rückzugsgebieten oder als geduldete Minorität in einem größeren, Schutz gewährenden Volkskörper existieren. Die Aggressivität als Disposition zur Aggression scheint vielmehr auf der ganzen Welt verbreitet. Naturvölker und Kulturvölker scheinen sich dabei in ihrer aggressiven Disposition nicht grundsätzlich zu unterscheiden. Südamerikanische Urwaldindianer, Papuas oder afrikanische Negerstämme sind im allgemeinen keineswegs weniger aggressiv als Vertreter zivilisierter Nationen (man beachte, daß nicht auf die umgekehrte Feststellung Wert gelegt wird, der Verf.).»

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Copyright information

© Springer Basel AG 1987

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Rost

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