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Die Ursprünge der modernen Technik

  • Eugene S. Ferguson

Zusammenfassung

Die Stärke der Technik liegt in der Verwurzelung ihrer Grundlagen. Die Hunderte von Generationen gewissenhafter und sorgfältiger Handwerker, die diese Grundlagen schufen, bewahrten das von ihren Vorvätern erworbene technische Wissen, um es zu verbessern, zu erweitern und dann an ihre Nachfahren weiterzugeben. Unsere Aufmerksamkeit gilt heute vor allem neuen und sehenswürdigen technischen Wunderwerken; Handwerker und Ingenieure arbeiten jedoch ganz überwiegend mit Verfahren, die es schon seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten gibt. Die technische Infrastruktur, die unsere moderne Gesellschaft ermöglicht — Gebäude, Heizung und Beleuchtung, Wasserversorgung, Straßen und Brücken, Autos, Züge und Flugzeuge, Telephone und vieles mehr -, beruht auf technischem Wissen, das sich angesammelt hat, seit es den Homo faber gibt, also seit der Mensch ein Handwerker ist.3

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Anmerkungen zum Text

  1. 1.
    José Ortega y Gasset, «Betrachtungen über die Technik», in Gesammelte Werke, Band IV (Stuttgart, 1978), Zitate S. 55 und 59. In einer kurzen tour de force hat Robert P. Multhauf kürzlich die Namen verfolgt, mit denen die Praktiker in den nützlichen Künsten bezeichnet werden, von der Zeit Platons bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Die ersten sogenannten Ingenieure waren Leonardo, Francesco di Giorgio und ihre Zeitgenossen. Ihre Liebe gehorte vor allem dem militarischen Ingenieurwesen und den «prunkvollen Projekten», wie sie in den Maschinenbüchern der Renaissance abgebildet sind. Multhauf schreibt über die Ingenieure des neunzehnten Jahrhunderts: «Ihre Erfindungen scheinen eher auf die weltlichen Bedürfnisse der Gesellschaft gerichtet zu sein als auf die für Regierungen so typischen flamboyanten Projekte.» Siehe Multhauf, «Some Observations on the Historiography of the Industrial Revolution», in In Context: History and the History of Technology, hg. von S. H. Cutcliffe und R. C. Post (Bethlehem, Pa., 1989).Google Scholar
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    Eine Untersuchung, die 1980 an 22 000 Mitgliedern der schwedischen Gesellschaft graduierter Ingenieure durchgeführt wurde, ergab folgendes: a) 72% arbeiteten mit bestehenden Technologien, b) 10% waren mit der Ausbildung anderer zum Erhalt unserer jetzt bestehenden technologischen Welt beschaftigt, und c) 18% entwickelten neue Technologien. Siehe Per Jacobson, «Humaniora eco teknikkan de mötas? Om humanioras och samhallsvetenskapernas roll i civilingenjörsutbildnungen». UHArapport 6 (1982), S. 73.Google Scholar
  4. 4.
    Dieser Gedanke wurde in meiner Arbeit «La fondation des machines modernes: des dessins», Culture technique [Neuilly-sur-Seine/Paris] Nr. 14 (Juni 1985), S. 182–207, weitergeführt. Der Artikel ist eine Übersetzung meines englischen Manuskripts «Paper Foundations of Modern Machines».Google Scholar
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    Eine Beschreibung griechischer und römischer Kriegsmaschinen findet sich in A. G. Drachmann, The Mechanical Technology of Greek and Roman Antiquity (Kopenhagen und Madison, Wis., 1963). Waffen, Pumpen und Wassermühlen werden in den Büchern erwahnt, die in der Renaissance «Theatrum machinorum» genannt wurden. Siehe zum Beispiel Agostino Ramelli, Schatzkammer Mechanischer Künste (Leipzig, 1620).Google Scholar
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    Eine kurze Biographie Vaubans von Henry Guerlac findet sich im Dictionary of Scientific Biography (New York, 1970–80), Band 13, S. 590–595. Ich erlebte die anhaltende Berühmtheit Vaubans 1983 in Paris; dieses 250. Jahr nach seiner Geburt war zum «Vaubanjahr» deklariert worden. In ganz Frankreich fanden Dutzende von Feiern und Ausstellungen statt.Google Scholar
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    Die Dissertation von Peter M. Molloy «Technical Education and the Young Republic: West Point as America’s École Polytechnique, 1802–1833» (Brown University, 1975) beschaftigt sich mit dem Einflufi, den die École Polytechnique insbesondere auf die Militarakademie der USA hatte. Ein wichtiger Aufsatz über die Ingenieurschule in Mézières von René Taton findet sich in Enseignement et diffusion des sciences en France au XVIIIe siècle, ed. R. Taton (Paris, 1964 ).Google Scholar
  17. 18.
    Nach Molloy (Fufinote 17 oben) übernahm Thayer den Lehrplan der École Polytechnique von 1795–1804 einem Zeitraum, in dem diese «echte Ingenieurschule» Ingenieure sowohl für militarische als auch nichtmilitarische Zwecke auszubilden hatte. Der von der École Polytechnique nach 1815 eingeführte stark wissenschaftliche Ausbildungsplan wurde von den amerikanischen Ingenieurschulen nicht allgemein angenommen. Siehe auch George S. Emmersons Engineering Education: A Social History (Newton Abbot und New York, 1973), eine umfassende Geschichte, die die gesellschaftliche Wirklichkeit und die intellektuellen Grundlagen der Ingenieurschulen in Europa und Nordamerika umreifit.Google Scholar

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© Springer Basel AG 1993

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  • Eugene S. Ferguson

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