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Das innere Auge

  • Eugene S. Ferguson

Zusammenfassung

Jeder, mit Ausnahme höchstens der Menschen, die nicht träumen, ist mit inneren Bildern vertraut. Viele von uns machen ohne nachzudenken von unseren nichtsprachlichen Fähigkeiten Gebrauch, wenn wir uns wirkliche Dinge und Dinge, die es nur in unserer Vorstellung gibt, veranschaulichen. Die Fähigkeit zur Veranschaulichung ist so weitverbreitet, daß viele Menschen überrascht und etwas mißtrauisch sind, wenn sie hören, jemand mache sich beim Nachdenken niemals ein inneres Bild.

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Anmerkungen zum Text

  1. 1.
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    Dave McCormick war der Ingenieur, der mich lehrte zu sagen: «Schauen wir es uns an.» Ich war damals ein junger Ingenieur in einer grofien Chemiefabrik. - Der Bauingenieur oder Fertigungsingenieur, der den ganzen Tag im Büro sitzt, ahnelt dem Arzt, der seine Diagnose vor allem aufgrund von Labortests macht und dem Patienten vor ihm nur nebenbei Aufmerksamkeit schenkt. Dr. William A. Doek, ein angesehener Lehrer und führender Diagnostiker, lehrte seine Studenten die Grundregel der Medi- zin: «Gehen Sie zum Patienten, denn dort ist die Diagnose.» Der Ausspruch lehnt sich an die Formulierung von Suttons Gesetz an, das nach dem Bankrauber heifit, der deswegen Banken beraubte, weil «dort das Geld ist». Eine gute klinische Untersuchung und eine gründliche Krankheitsgeschichte seien wichtig, sagte Doek, aber «vor allem kommt es darauf an, dem Patienten mit konzentrierter, gewissenhafter Aufmerksamkeit auf die Einzelheiten zuzuhören, denn darin liegt der Schlüssel zur Diagnose». Siehe LawrenceReed, M. D., Brief an den Herausgeber, New York Times, 6. November 1990, und Dr. Docks Nachruf, ibid., 23. Oktober 1990.Google Scholar
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    Von einem Brainstorming im Navy Department in Washington berichtete die New York Times am 20. Mai 1956 (»Federal Brains Brace for Storms») und am 24. Mai 1956. Osborns Lehrbuch Applied Imagination (New York, 1953) erlebte 1963, als 120 000 Exemplare gedruckt waren, eine «dritte revidierte Auflage». Das Vorwort zur dritten Auflage enthalt eine Übersicht über Kreativitatskurse und ahnliche Aktivitaten. Os- born hatte sich für die Gründung der Creative Education Foundation eingesetzt, die an der State University of New York in Buffalo beheimatet ist; sie gibt seit 1967 das Journal of Creative Behavior heraus und sponsert jahrlich für eine Woche das «Creative Problem-Solving Institute».Google Scholar
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    Eine Auswahl von Aufsatzen der ersten drei «University of Utah Conferences: The Identification of Creative Scientific Talent, Supported by the National Science Foundation» wurden in Scientific Creativity: lts Recognition and Development, hg. von C. W. Taylor und F. Barron (New York, 1963), zusammengefafit. Der Konferenzbe- richt der vierten ist Creativity: Progress and Potential (New York, 1964). Die «dran- gendste» Forschungsaufgabe war immer noch «die Bestimmung von Kriterien der Kreativitat» (ibid. S. 156; siehe auch S. 9 und 178). Moden vergehen, einige jedoch scheinen zu gehen und wieder zu kommen. Hier ist eine Wiedergeburt des Jahres 1991: In ihrem Hauptquartier in Wilmington hat E. I. du Pont de Nemours & Co. kürzlich ein neues Zentrum für Kreativitat und Innovation eingerichtet. Die von dem Direktor, einem 62jahrigen früheren technischen Direktor für Industriefasern, angepriesenen «Kreativitats-Aktivitaten» sind sehr umfassend und blühen nach Aussage des lokalen Zeitungsreporters, «weil die riesige Korporation, die Sicherheit zu einem Schlagwort machte, sich jetzt in ahnlicher Weise für Kreativitat einsetzt». Der Direktor des Zentrums wird mit dem Ausspruch zitiert, für uns sei «wahrscheinlich das gröftte Hindernis, datë man das Wort Kreativitat sagt, und gleich denken einige Leute, jemand tue etwas Dummes». (Gary Soulsman, «Du Pont’s Push for Creativity: It’s the New Corporate Imperative, So Turn Your Minds Loose», Sunday News-Journal [Wilmington], 16. Juni 1991)Google Scholar
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    Obwohl die technischen Lehranstalten in Deutschland zunachst im wesentlichen dem Vorbild der Grandes Écoles folgten, wurde in ihnen im Lauf der Zeit die Praxis starker betont. Vor 1945 war in Deutschland der Beginn eines Maschinenbaustudiums an die Bedingung eines Praktikums von halbjahriger Dauer geknüpft, das zuvor in einer maschinenbauenden Firma abgelegt werden muEte. Hierbei hatte der Studierende über vorgeschriebene Zeitraume bestimmte Tatigkeiten eines Facharbeiters zusammen mit den Lehrlingen zu erlernen, auszuüben und darüber Tagebuch zu führen. Inzwischen sind die vorgeschriebenen Zeitraume für die Praktika verkürzt worden. Praxisorien- tierte Pflichtfacher werden an den deutschsprachigen Ingenieurbildungsstatten ge- lehrt; ordentliche Professoren müssen eine mindestens fünfjahrige Ingenieurtatigkeit in der Praxis des Maschinenbaus nachweisen. Bis etwa 1970 erfolgte die praxisorientierte Ingenieurausbildung vornehmlich an Fachschulen, die im Gegensatz zu den Technischen Hochschulen eine kürzere Schul- zeit und eine zweijahrige Praxis voraussetzten. Mit der Aufwertung der Ingenieur- schulen zu Fachhochschulen, die den Titel eines Diplomingenieurs mit dem Zusatz FH verleihen, wurde die Vorschulzeit um zwei Jahre verlangert und die Dauer der praktischen Tatigkeit auf ein Jahr verkürzt. Eine zum Dr. Ing. führende Promotion ist an den deutschen Fachhochschulen nicht möglich. Siehe zu Ausbildungsfragen auch Kapitel 6 und 7 unten.Google Scholar
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    Das Wall Street Journal überschrieb am 3. August 1987 einen Artikel auf der ersten Seite mit: «Wichtige Menschen: lm Zeitalter der Computer sind manche Arbeiter immer noch entscheidend für den Erfolg.» Dieser Artikel beschrieb einige der Künste und «Tricks» eines Vorarbeiters am Hochofen, eines «Musterschneiders», eines Klei- dungsherstellers, eines Braumeisters in einer kleinen Brauerei und eines Bohrmeisters. Diese Experten sind die für das Gelingen eines Vorhabens entscheidenden Menschen. Ihr unentbehrliches Wissen stammt aus der Erfahrung, aus der Beobachtung und aus ihrem Gefühl für Zeitablauf und Abfolge. Sie setzen ihr Können intuitiv und ohne viel Nachdenken ein.Google Scholar
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    John R. Harris, Industry and Technology in the Eighteenth Century: Britain and France, Antrittsvorlesung an der Universitat Birmingham [England], Mai 1971. Eine andere Fassung dieser These findet sich in seiner Arbeit «Skills, Coal and British Industry in the Eighteenth Century», History 61 (Juni 1976), S. 167–182; eine kurze, illustrierte Fassung findet sich in «Rise of Coal Technology», Scientific American 231 (August 1984), S. 92–97.Google Scholar
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    John R. Harris, «The Diffusion of English Metallurgical Methods to Eighteenth-Cen- tury France», French History 2 No. 1 (1988), S. 22–44; Zitat auf S. 40.Google Scholar
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    Das «Puddeln» von Eisen war im neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhun- derts eine manuelle Fertigkeit, zu der Starke und gute Urteilsfahigkeit gehörten. Der Franzose Jean-Paul Courtheoux erklart den Unterschied zwischen dem Wissen, was der Puddler tut, und dem Wissen, wie er es tut, mit dem Ausspruch «Kenntnis des Vorgangs, Unkenntnis des Handwerks», der in Harris (Anm. 41 oben), S. 178, zitiert wird. Ich glaube, dafi ein Ingenieur, der den Unterschied zwischen Vorgang und Handwerk zu schatzen weitë, neue Entwürfe sorgfaltig mit denen besprechen wird, die das Handwerk betreiben.Google Scholar

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  • Eugene S. Ferguson

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