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Ökologie im Mesozoikum

  • Martin Lockley

Zusammenfassung

Im vergangenen Kapitel erfuhren wir, wie man aus fossilen Fährten Wechselwirkungen zwischen einzelnen Arten ablesen kann. Allerdings sind Sozialverhalten und Räuber-Beute-Relationen nicht die einzigen Aspekte der Palökologie (auch Paläoökologie, also die Ökologie fossiler Lebewesen), die sich mit Hilfe der Ichnologie bestimmen lassen. Genauso wie heutige Biozönosen waren auch die Lebensgemeinschaften der Dinosaurier («Dinozönosen») sehr komplexe Einheiten. Diese gehörten wiederum zu größeren Ökosystemen, die unter anderem auch aus Pflanzen, wirbellosen Tieren sowie anderen Wirbeltieren, die keine Dinosaurier waren, bestanden. In den vergangenen Jahren erschienen zahlreiche Berichte zu den Themen «Palökologie» und «Ökosysteme des Mesozoikum, die von Dinosauriern bewohnt waren»1. Allerdings ist nur wenig darüber bekannt, welche fundamentalen Beiträge die Ichnologie zu diesen Themen beisteuern kann.

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Anmerkungen zu Kapitel 8

  1. 1.
    Zum Thema «Terrestrische Ökosysteme des Mesozoikum» finden regelmäßig Konferenzen und Symposien statt (siehe auch Fußnote 6 in diesem Kapitel).Google Scholar
  2. 2.
    Paläontologen betrachten traditionell Knochen als die nützlicheren Fossilien, weil man einzelne Arten und nicht bloß Familien oder Gattungen unterscheiden kann.Google Scholar
  3. 3.
    Von den 40 Prozent Sauropodenfahrten kann beispielsweise die eine Hälfte (20 Prozent) vom Typ A und die andere vom Typ B sein. Diese Situation verhält sich so ähnlich wie bei den Funden aus dem Oberen Jura in Purgatoire Valley (Colorado). Lockley, M.G., Houck, K und Prince, N.K (1986): North America’s Largest Dinosaur Tracksite: Implications for the Morrison Formation Paleoecology. Bulletin of the Geological Society of America, 97, 1163–1176.Google Scholar
  4. Lockley, M.G. und Prince, N.K. (1988): The Purgatoire Valley Dinosaur Tracksite Region, Southeast Colorado. Geological Society of America Fieldtrip Guidebook, Professional Con- tributions. Golden, Colorado School of Mines, 275–278.Google Scholar
  5. 4.
    Dieses Schema wurde 1989 vom Autor selbst entwickelt und vorgestellt, um das bestehende Vorurteil zu zerstreuen, fossile Spuren seien nur dann brauchbar, wenn fossile Knochen selten oder überhaupt nicht vorhanden sind. Lockley, M.G. (1989): Tracks and Traces: New Perspectives on Dinosaur Behavior, Ecology and Biogeography. Padian, K. und Chure, D. (Hrsg.): TheAge of Dinosaurs. Paleontological Society Short Course 2, 134–145.Google Scholar
  6. 5.
    Eine lang ersehnte Monographie über Coelophysis ist vor kurzem auf dem Buchmarkt erschienen. Colbert, E.H. (1989): The Triassic Dinosaur Coelophysis. Museum of Northern Arizona Press Bulletin, 57,160 Seiten. Siehe auch Long, R.H. und Houck, K. (1988): Dawn of the Dinosaurs: The Triassic in Petrified Forest. Petrified Forest Museum Association, 96 Seiten.Google Scholar
  7. 6.
    veröffentlichte der Autor am Beispiel der Popo Agie-Formation eine quantitative Zusammensetzung der vorhandenen Dinosaurier, wobei er primär Spurenfossilien auswertete und verwendete. Ähnliche Methoden verwandte auch Giuseppe Leonardi bei seinen Untersuchungen an südamerikanischen Fährten. Lockley, M.G. und Conrad, K. (1987): Mesozoic Tetrapod Tracksites and Their Application in Paleoecological Census Studies. Aus Currie, P. und Koster, E.H. (Hrsg.): Fourth Symposium on Mesozoic TerrestrialEcosystems. Drumheller, Canada, 144–149.Google Scholar
  8. 7.
    Da die untere Abteilung des Jura auch Lias genannt wird und die Fährten schon als «Klassiker» behandelt werden, habe ich für diese Fährtenvergesellschaftungen die Bezeichnung «Klassische Ichnozönosen der Lias» eingeführt. Siehe hierzu auch die Kapitel 5 und 7. Lockley, M.G. (1989): Classic Liassic Footprint Assemblages from the Colorado Plateau. Journal of Vertebrate Paleontology, 9, 29A - 30A.Google Scholar
  9. 8.
    Die Grabensenke entstand auf ähnliche Weise wie der heutige Ostafrikanische Graben, als sich nämlich Europa und der Rest der Alten Welt von den beiden amerikanischen Kontinenten trennten. Wie die zahlreichen Binnengewässer beweisen, gab es Wasser in Hülle und Fülle, die Vegetation wuchs sehr üppig, und es gab auch - wie die Spuren verraten - sehr viele Tiere.Google Scholar
  10. 9.
    William Stokes bezeichnete «eine Wüste als einen Ort, der für fast jede Lebensform unwirtlich sei», kam jedoch aufgrund der vorhandenen Fährten zu dem Schluß, daß «es hier von Dinosauriern nur so gewimmelt hat». Samuel Welles stellte ebenfalls fest, daß diese Wüstensedimente massenhaft Dinosaurierspuren enthielten, woraufhin er meinte: «Eine vollständige Untersuchung der Fußspuren… würde den Arbeitsaufwand, der investiert wurde, voll und ganz zurückzahlen.» Stokes, W.L. (1978): Animal Tracks in theNavajo-Nugget Sandstone. Contributions to Geology, University of Wyoming, 16, 103–107.Google Scholar
  11. Stokes, W.L. und Bruhn, A.F. (1960): Dinosaur Tracks from Zion National Park and Vicinity, Utah. Proceedings of the Utah Academy of Science, Arts and Letters, 37, 75–76. Welles, S.P. (1970): Dinosaur Footprints from the Kayenta Formation of Northern Arizona. Plateau, 44, 27–38.Google Scholar
  12. 10.
    Der Autor selbst hat vor kurzem eine größere Anzahl säugetierähnlicher Fährten entdeckt, die sehr wahrscheinlich auf Brasilichnium zurückgehen. (Siehe auch Kapitel 5.)Google Scholar
  13. 11.
    Einen groben historischen Abriß der Funde in dieser Gegend hat Shinobu Ishigaki verfaßt (in englischer Sprache), jedoch gibt es noch eine Menge französischer und japanischer Publikationen zu diesem Thema. Ishigaki, S. (1989): Footprints of Sxvimming Sauropods from Morocco. Aus Gillette, D.D. und Lockley, M.G. (Hrsg.): Dinosaur Tracks and Traces. New York, Cambridge University Press, 83–86.Google Scholar
  14. 12.
    Ostrom, J. und Macintosh, J. (1966): Marsh’sDinosaurs. New Häven, Yale University Press.Google Scholar
  15. 13.
    Lockley, M.G. und Prince, N.K. (1988): The Purgatoire Valley Dinosaur Tracksite Region, Southeast Colorado. Geological Society of America Fieldtrip Guidebook, Professional Contributions. Golden, Colorado School of Mines, 275–278.Google Scholar
  16. 14.
    Paläontologen, die das Gebiet der Morrison-Formation untersucht haben, geben uns meist den Tip, uns eine afrikanische Savanne wie die heutige Serengeti vorzustellen, die in etwa dem Lebensraum der damaligen Dinosaurier entspricht.Google Scholar
  17. 15.
    Eindeutige Theropodenspuren wurden erst in den letzten Jahren gefunden. Woodhams, KE. und Hines, J.S. (1989): Dinosaurs Footprints from the Lower Cretaceous of East Sussex, England. Aus Gillette, D.D. und Lockley, M.G. (Hrsg.): Dinosaur Tracks and Traces. New York, Cambridge University Press, 301–307.Google Scholar
  18. 16.
    Godoy, L.C. und Leonardi, G. (1985): Direcgöes e comportamento dos dinossauros de localidade dePiau, Sousa, Paraiba (Brasil), Formagao Sousa (Cretäceo Inferior). Departamento Nacional de Produçao Mineral, Coletänea de Trabalhos Paleontolögicos, segao 2, serie Geologia, 27, 65–73.Google Scholar
  19. Leonardi, G. (1984): Le improntefossili di dinosauri. Aus Bonaparte, J.F., Colbert, E.H., Currie, P.J., de Ricqles, A., Kielan-Jaworowska, Z. Leonardi, G., Morello, N. und Taquet, P.: Sülle Orme dei Dinosauri. Venedig, Erizzo Editrice, 165–186.Google Scholar
  20. 17.
    Zunächst nahm man an, die Spuren stammten von Hadrosauriern (auch Entenschnabel- saurier genannt). Diese Interpretation wurde jedoch in Zweifel gestellt, da die Ablagerungen älter als jegliche bekannte Hadrosaurierfossilien sind. Heute vermutet man jedoch statt dessen, daß die Spuren von iguanodonähnlichen Dinosauriern, den direkten Vorfahren der Hadrosaurier, hinterlassen wurden. Currie, P.J. (1983): Hadrosaur Trackways from the Lower Cretaceous of Canada. Acta Palaeontologica Polonica, 28, 63–73.Google Scholar
  21. 18.
    In der Literatur gibt es einige Verweise auf echte Vogelspuren in der Unterkreide, die in dieser Gesteinsschicht vorkommen sollen. Currie, P.J. (1981): BirdFootprints from the Gething Formation (Lower Cretaceous) of Northeastern British Columbia. Journal of Vertebrate Paleontology, 1, 257–264.Google Scholar
  22. 19.
    Über die Dinosaurierspuren in der Dakota-Gruppe wurde sehr viel veröffendicht. Lockley, M.G. (1987): Dinosaur Footprints from the Dakota Group ofEastern Colorado. Mountain Geologist, 24, 107–122.Google Scholar
  23. Lockley, M.G., Matsakuwa, M. und Obata, I. (1989): Dinosaur Tracks and Radical Cracks: Unusal Footprint Features. Bulletin of the Natural Science Museum Tokyo, Serie C, 15, 151–160.Google Scholar
  24. 20.
    Diese Umweltverhältnisse ähneln denjenigen der kalkhaltigen Küstenebenen, die sich im Mittleren Jura im heutigen Marokko befanden. Pittman, J. (1989): Stratigraphy, Lithology, Depositional Environment and Track Type of Dinosaur Trackbearing Beds of the Gulf Coastal Piain. Aus Gillette, D.D. und Lockley, M.G. (Hrsg.): Dinosaur Tracks and Traces. New York, Cambridge University Press, 135–154.Google Scholar
  25. 21.
    Wie noch in Kapitel 10 erwähnt wird, werden dank dieser Tatsache die Schichten der Jindong-Formation besonders intensiv erforscht. Lim, S.K, Yang, S.Y. und Lockley, M.G. (1989): Large Dinosaur Tracks from theJindongFormation of South Korea. Aus Gillette, D.D. und Lockley, M.G. (Hrsg.): Dinosaur Tracks and Traces. New York, Cambridge University Press, 333–336.Google Scholar
  26. 22.
    Laut Aussagen Greg Pauls soll es sich insgesamt nur um Theropodenfahrten handeln (siehe Kapitel 7); falls dies zutrifft, kann man die Fundstellen in Winton nicht zur Bewertung der palökologischen Verhältnisse heranziehen.Google Scholar
  27. 23.
    Selbst nach den fieberhaften Grabungsarbeiten, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in diesen Formationen durchgeführt worden waren, hatte man verhältnismäßig wenig Fährten gefunden. Lockley, M.G., Young, B.H, und Carpenter, K (1983): Hadrosaur Locomotion and Herding Behavior: Evidencefrom Footprints in theMesa Verde Formation, Grand Mesa Coalfield, Colorado. Mountain Geologist, 20, 5–13.Google Scholar
  28. 24.
    Derartige Fährten bleiben oft in Kohlezechen erhalten (vgl. Kapitel 4 sowie Fußnote 23).Google Scholar
  29. 25.
    Der Autor hat bereits zweimal über Fährten aus der Laramie-Formation berichtet, erstmalig 1986 und dann erneut 1988. Lockley, M. G. (1988): Dinosaurs near Denver. Geological Society of American Centennial Fieldguide, Colorado School of Mines, Professional Contribution 12.Google Scholar
  30. 26.
    Diese Ichnozönose ähnelt dem bekannten Beispiel aus dem Oberen Jura. (Siehe auch die Fußnoten 3 und 16.)Google Scholar
  31. 27.
    John Ostrom kam unabhängig davon zu der Erkenntnis, daß derartige feuchte und vegetationsreiche Küstenniederungen der bevorzugte Lebensraum der Hadrosaurier gewesen sein mußten. Ostrom, J.H. (1964): A Reconsideration of thePaleoecology of Hadrosaurian Dinosaurs. American Journal of Science, 262, 975–997.Google Scholar
  32. 28.
    Dieser deutliche Aspekt wurde in einer unserer neuesten Veröffendichungen besonders betont. Unserer Auffassung nach müssen die genauen Zusammenhänge zwischen dem Spurentyp (Ichnotypus) und seinen damaligen Umweltbedingungen unbedingt verstanden werden, damit eine aussagekräftige Bestimmung der «Dinozönosen» durchgeführt werden kann. Lockley, M.G. und Conrad, K (1989): The Paleoenvironmental Context, Preservation and Paleoecological Significance of Dinosaur Tracksites in the Western U.S.A. Aus Gillette, D.D. und Lockley, M.G. (Hrsg.): Dinosaur Tracks and Traces. New York, Cambridge University Press, 121–134.Google Scholar
  33. 29.
    Dieses Zitat wird dem Ökologen Edward S. Deevey zugeschrieben.Google Scholar

Copyright information

© Springer Basel AG 1993

Authors and Affiliations

  • Martin Lockley
    • 1
  1. 1.GoldenUSA

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