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Wie man Dinosaurierspuren systematisch einordnet — ein Bestimmungsschlüssel

  • Martin Lockley

Zusammenfassung

Der Zweig der Paläontologie, der sich mit fossilen Fährten und ihrer systematischen Einteilung beschäftigt, wird Ichnologie genannt (von griechisch ichnos = Spur). In der Dinosaurierforschung spricht man dementsprechend von Dinosaurierichnologie. Die Fachleute (oder Ichnologen) haben zur systematischen Einteilung folgende Kategorien geprägt: Morphotypus (einer bestimmten Gestalt entsprechend), Morphospezies, Ichnospezies (Fährtenart) und Ichnogenus (Fährtengattung). Selbstverständlich müssen sich auch Dinosaurierspuren ausnahmslos dem Diktat einer systematischen Klassifizierung beugen, die ja eigentlich dazu gedacht war, das Leben zu ordnen und zu erleichtern; paradoxerweise hat sie es jedoch geschafft, alles nur komplizierter und langatmiger werden zu lassen. Der wissenschaftliche Bereich, der sich mit der Systematisierung befaßt, wird auch als Systematik bezeichnet.

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Anmerkungen zu Kapitel 5

  1. 1.
    In den 80er Jahren verwandte Giuseppe Leonardi den Begriff Brasilichnium um eventuelle Säugetierspuren aus der Zeit der Dinosaurier zu klassifizieren. Leonardi, G. (1981): Novo icnogenero de tetrapode Mesozoico de Formagao Botucatu, Araraquara. Anais da Academia Brasi- leira de Ciencias, 53 793–805.Google Scholar
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    Das aktuellste und umfassendste Sammelwerk über Dinosaurier-Artennamen führt 900 Begriffe auf, die auf Körperfossilien basieren, und 570, die auf Spurenfossilien beruhen. Zwar gibt es einige unnötige Doppeleinträge bei den Begriffen, die auf Knochenfunden beruhen, im Falle der Spurenfossilien ist man jedoch etwas inflationär mit den Namen umgegangen; vermudich, weil einzelne Fußabdrücke leider oft mit mehreren Namen belegt wurden. Chure, D.J. und Macintosh, J.S. (1989): A Bibliography of the Dinosauria Exclusive Aves 1677–1986. Paleontology Series, 1. Grand Junction, Museum of Western Colorado, 226 Seiten.Google Scholar
  3. 3.
    Die bipede Gangart gilt als die entwicklungsgeschichdich ursprüngliche Form.Google Scholar
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    Vor noch nicht allzulanger Zeit wurde die traditionelle Unterteilung der carnivoren Dinosaurier in Carnosaurier und Coelurosaurier neu gestaltet, und zwar wurden jetzt die Ceratosaurier als dritte Unterordnung hinzugenommen. Diese Klassifizierung muß allerdings noch außerhalb der wissenschaftlichen Spezialkreise Fuß fassen. Rowe, T. (1989): TheEarly History ofTheropods. Aus Padian, K und Chure, D. (Hrsg.): The Age of Dinosaurs. Short Courses in Paleontology 2, Knoxville ( Tennessee ), Paleontological Society, 100–112.Google Scholar
  5. 5.
    In seiner klassischen Monographie aus dem Jahre 1858 prägt Edward Hitchcock den Begriff Grallator («der auf Stelzen geht»), welcher auch heute noch mit zu den bekanntesten Dinosaurierfährten zählt, und meint, daß man «diese Spur aufgrund von Anzahl und Anordnung der Zehen bestimmten Vögeln zuordnen kann.» Hitchcock, E. (1858): Ichno- logy of New England. A Report on the Sandstone of the Connecticut Valley and Its Fossil Footmarks. Boston, W. White, 220 Seiten.Google Scholar
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    Otozoum wurde erstmalig durch Hitchcock beschrieben, der es zu Ehren von «Pliny Moody, Esq., aus South Hadley» Otozoum moodi taufte. Dieser hatte «zu Beginn dieses [hier: des 19.] Jahrhunderts als erster… fossile Fußabdrücke entdeckt und für die Nachwelt erhalten.» Hitchcock, E. (1858): Ichnology of New England. A Report on the Sandstone of the Connecticut Valley and Its Fossil Footmarks. (s.o.) Seite 125. Moodys Sohn Plinius zeigte später, daß die Eindrücke von Vordergliedern offenbar nur relativ selten erhalten blieben, woraus Hitchcock schloß, es müsse sich um ein Tier handeln, daß auf zwei Beinen lief. 1904 postulierte Lull, daß die Otozoum-Fährten von Prosauropoden herrührten, und dieser Ansicht schloß sich auch Haubold noch 1971 an. Don Baird hingegen meinte, daß möglicherweise Krokodile diese Spur hinterließen. Diese Position wurde von Haubold (der seine erste Meinung wohl verworfen hatte), später dann auch von Padian und Olsen übernommen; aber offensichtlich hat man immer noch kein endgültiges Urteil gefallt, wo man die Ofozoim-Fährten systematisch einordnen soll. Hitchcock, E. (1847): Description ofTwoNew Google Scholar
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    Der Name Hadrosaurichnius wurde 1980 durch Alonso geprägt, der eine vermeintliche Hadrosaurierfahrte aus Argentinien beschreiben wollte. Alonso, R.N. (1980): Icnitas de dinosaurios (Ornithopoda, Hadrosauridae) en el Cretäcico superior del norte de Argentina. Acta Geolögica Lilloana, 15 (2), 55–63.Google Scholar
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    Durch den Begriff «quadrupede Ornithischier» werden Stegosaurier, Panzersaurier (An- kylosaurier) und Hornsaurier (Ceratopsier) klar von den Ornithopoden abgeteilt.Google Scholar
  19. 19.
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  20. 20.
    Die von Ensom vorgeschlagene Lösung eines «nodosauroiden Ankylosauriers» stellt vermutlich die beste Interpretation dar. Ensom, P. (1987): Dinosaur Tracks inDorset. Geology Today, 3, 182–183.Google Scholar
  21. 21.
    Hierbei handelt es sich um eines der wenigen Bruchstücke der Fährten, die mit ziemlicher Sicherheit von Hornsauriern gemacht wurden. Lockley, M.G. (1986): A Guide to Dinosaur Tracksites of the Colorado Plateau and American Southwest. University of Colorado at Denver, Geology Department Magazine, Sonderheft 1, 56 Seiten.Google Scholar

Copyright information

© Springer Basel AG 1993

Authors and Affiliations

  • Martin Lockley
    • 1
  1. 1.GoldenUSA

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