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Palichnostratigraphie — Spuren als Indikatoren vergangener Zeiten

  • Martin Lockley

Zusammenfassung

Spätestens seit der Geburt der modernen Geologie vor mehr als 200Jahren haben ihre Wissenschaftler erkannt, daß Fossilien ein verläßliches Mittel sind, um Sedimentgesteine zeitlich einzustufen. Die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten folgt in jeder Ära und jedem Zeitabschnitt einem klar erkennbaren Muster. Besonders deutlich wird dies bei der Evolution der Wirbeltiere. Das Devon gilt als das Zeitalter der Fische, während im Karbon die Amphibien tonangebend waren; das Perm war das Reich der Reptilien, das Mesozoikum (also Trias, Jura und Kreide) das «Goldene Zeitalter der Dinosaurier», und im Tertiär schließlich begannen Säugetiere und Vögel, die Welt zu regieren. Wie wir noch sehen werden, spiegeln die Spuren und Fährten der Landtiere — ähnlich wie Körperfossilien — die wechselnde Zusammensetzung der wichtigsten Wirbeltiergruppen seit dem Karbon wider. In einigen Fällen sind sie auch bei der Altersbestimmung äußerst nützlich.

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Anmerkungen zu Kapitel 11

  1. 1.
    Haubold, H. (1984): Saurierfährten. Ziemsen, Wittenberg Lutherstadt, 231 Seiten.Google Scholar
  2. 2.
    Haubold, H. und Katzung, G. (1978): Paleoecology and paleoenvironments ofTetrapodfooprints from the Rotliegend (Lower Permian) of central Europe. Paleogeography, Paleoclimatology, Paleoecology 23, 307–323. In dieser Arbeit verweisen die Autoren darauf, daß sie Fährten verwendet haben, um eine erfolgreiche biostratigraphische (palichnostratigraphische) Gliederung des Unteren Perm in Europa und Nordamerika zu erreichen. (Siehe auch Haubold, H. und Katzung, G. (1972): Das Typus-Gebiet der Autun/Saxon-Grenze im Thüringer Wald. Berichte der deutschen Gesellschaft für geologische Wissenschaften A 17, 848–863; außerdem Haubold, H. und Katzung, G. (1975): Die Position der Autun/Saxon-Grenze im Europa und Nordamerika. Schriftenreihe für geologische Wissenschaften 3, 87–138.)Google Scholar
  3. 3.
    Die Spuren aus dem schottischen Sandsteinen erhielten den Namen Chelichnus und wurden ursprünglich als Fährten von Meeresschildkröten gedeutet. Duncan, H. (1831): An account of the tracks and footprints of animals found impressed on sandstone in the quarry of Cornockle Muir in Dumfriesshire. Transactions of the Royal Society of Edinburgh 11,194–209. Dem Alter nach stammen die Spuren genau wie die Fährten, die im Coconino Sandstone des amerikanischen Grand Canyon gefunden wurden, aus dem Mittleren bis Oberen Perm.Google Scholar
  4. 4.
    Richard Lull gab diesen Trittsiegeln, die aus dem Coconino Sandstone beschrieben wurden, den Namen Laoporus. Lull, R.S. (1918). Fossil Footprints from the Grand Canyon of the Colorado. American Journal of Science 45, 337–346. Laut späteren Untersuchungen von Charles Gilmore, die dieser in drei Artikeln veröffentlichte, kamen im Coconino Sandstone in anderen Formationen wesendich mehr Spuren vor.Google Scholar
  5. 5.
    Gilmore, C. (1926). Fossil Footprints from the Grand Canyon, Arizona. Miscellaneous Collections of the Smithonian Institution, Washington. 77(9): 1–48; dgl. (1928): Fossil Footprints from the Grand Canyon, Arizona. Miscellaneous Collections of the Smithonian Institution, Washington. 80(3),1–78; dgl. (1928): Fossil Footprints from the Grand Canyon, Arizona. Miscellaneous Collections of the Smithonian Institution, Washington. 80(8), 1–15.Google Scholar
  6. 6.
    McKeever, P. (1991): Trackway preservation in eolian sandstones from the Permian ofScotland. Geology 19, 726–729.CrossRefGoogle Scholar
  7. 7.
    Demathieu, G., Gand, G. und Toutin-Morin, N. (1992): LaPalichnofaune des bassinspermiens proruengaux. Geobios 25,19–54. Dies ist nur eine der zahlreichen Arbeiten, die dieses Team veröffendichte (einschließlich der Beiträge Hartmut Haubolds ). Sie geben allesamt einen Uberblick über die vielen Fährten vorkommen, welche kürzlich in Frankreich entdeckt wurden.Google Scholar
  8. 8.
    Vorläufige Untersuchungen an Spuren, die aus dem Perm stammen und in den westlichen USA gefunden wurden, erbrachten eine Vielzahl an neuen, bisher unbekannten Vorkommen. Bezüglich der Funde in der Cedar Mountain-Formation wird auf die neuste Veröf- fendichung des Autors verweisen. Lockley, M. und Madsen, J.H. jr. (1992): Early Permian vertebrate trackways from the Cedar Mesa sandstone of eastern Utah: evidence of preda- tor-prey interactions. Ichnos 2, 147–153. Die jüngsten bekannten Spurenvorkommen in der Abo-Formation werden bei Macdonald beschrieben.Google Scholar
  9. MacDonald, J. (1992). Smithoni- an Magazine 23, 70–79.Google Scholar
  10. 9.
    Das Aussterben am Ende des Perm ist das Ende des Erdaltertums (Paläozoikum). Dieses Massensterben wird im allgemeinen als das größte in der Erdgeschichte angesehen, weil über 90 Prozent aller damals vorhandenen Arten ausstarben. Die meisten Forscher glauben, die Katastrophe sei auf eine globale Absenkung des Meeresspiegels und eine Klimaverschlechterung auf dem Riesenkontinent Pangäa II zurückzuführen. Im unmittelbaren Anschluß an dieses Massenaussterben entwickelten sich die Archosaurier, die Vorfahren der Dinosaurier, zu einer äußerst erfolgreichen Gruppe.Google Scholar
  11. 10.
    Im frühen 19. Jahrhundert war nur wenig über das geologische Zeitschema und die Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere bekannt. Daher nahmen viele damalige Forscher an, während der Trias hätten bereits säugetierähnliche Tiere gelebt.Google Scholar
  12. 11.
    Soergel, W. (1925): Die Fährten der Chirotherien. Eine paläobiologische Studie. Gustav Fischer, Jena, 92 Seiten. Soergel vermutete, daß die Chirotherium-Fährten möglicherweise von einem Tier stammten, das dem kleinen Thecodontier Euparkeria ähnlich sah; zwar waren die Füße des Thecodontiers hierfür zu klein, vom Umriß her entsprachen die EuparkeriarAbdrücke jedoch den Fährten.Google Scholar
  13. Krebs, B. (1965): Die Triasfauna der Tessiner Kalkalpen XIX. Ticinosuchus ferox nov. gen. nov. sp. Schweizerische Paläontologische Abhandlungen 81, 1–140. Krebs beschrieb hierin eine neue große Archosaurierart, die gut zu den Fährten paßte.Google Scholar
  14. 12.
    Siehe Fußnote 1 in diesem Kapitel.Google Scholar
  15. 13.
    Siehe auch Fußnote 3 in Kapitel 9. Übrigens äußerten sich mehrere Autoren in dem Punkt optimistisch, daß man mit Hilfe von Trittsiegeln und Fährtenzusammensetzung (anders gesagt, anhand von Haltung und Fortbewegungsweise) die unterschiedlichen Entwicklungslinien der Archosaurier unterscheiden könne. R. A. Thulborn wies vor kurzem darauf hin, daß sich drei verschiedene Dinosauriergruppen aus der Oberen Trias (nämlich Theropoden, Sauropodomorpha und Ornithischier) anhand ihrer Fährten unterscheiden lassen. Thulborn, R.A. (1992): On the tracks of the earliest dinosaurs. Abstracts of the 2nd George Cuvier Symposium, Montbeliard (8. bis 11. September 1992 ).Google Scholar
  16. 14.
    Verschiedendich wurde über bipede Chirotherien, bipede Prosauropoden und bipede Theropoden (und möglicherweise auch über einige Ornithischier) berichtet, die in der Oberen Trias ihre Spuren hinterließen. Damit liegt der Beweis vor, daß mehrere Gruppen quadrupeder Archosaurier unabhängig voneinander eine bipede Gangart entwickelten.Google Scholar
  17. 15.
    Gute Beispiele einer artenreichen Ichnozönose der Oberen Trias kennen wir aus New Mexico, Utah und Colorado. Conrad, K., Lockley, M.G. und Prince, N.K (1987): Triassic and Jurassic Vertebrate-dominated Trace Fossil Assemblages ofthe Cimarron Valley Region: Implications for Paleoecology and Biostratigraphy. New Mexico Geological Society Guidebook, 38th Field Conference, 127–138.Google Scholar
  18. Lockley, M.G., Conrad, K., Paquette, M. und Hamblin, A. (1992): Late Triassic Vertebrate Tracks in the Dinosaur National Monument Area. Miscellaneous Publications ofthe Utah Geological Survey 92–93, 383–391.Google Scholar
  19. 16.
    Siehe auch Anmerkung 1 (in diesem Kapitel) sowie Haubold, H. (1986): Archosaurfootprints at the terrestrial Triassicjurassic transition. Aus: Padian. K. (Hrsg.): The Beginning of the Age of Dinosaurs. Cambridge University Press, 189–201.Google Scholar
  20. 17.
    Als Folge der unzähligen Forschungsarbeiten über das Massensterben am Ende der Kreide interessiert man sich neuerdings wieder mehr über das große Sterben am Ubergang von der Trias zum Jura. Einige Forscher begründen dies mit dem Aufprall eines Asteroiden (am heutigen Manicougan-Krater im Nordosten Kanadas), während andere hingegen behaupten, dieses Ereignis stimme zeitiich nicht mit der Trias-Jura-Grenzlinie überein. Drastische Klimaveränderungen werden wiederum in einer weiteren Hypothese verlautbar, die sich auf entsprechende geologische Beweise in Gesteinen aus dem Westen der USA stützt.Google Scholar
  21. 18.
    Sauropodenspuren sind uns aus sechs verschiedenen Orten der Morrison-Formation bekannt. (Detailliertere Hinweise über die Fundstellen in Utah und Colorado finden Sie in den Kapiteln 6 und 8.)Google Scholar
  22. 19.
    Diese Altersangaben stammen alle aus der gleichen geologischen Zeittafel. Geological Society of America Time Scale 1983.Google Scholar
  23. 20.
    Wie wir in Kapitel 13 noch erfahren werden, sind heute mehrere solcher Spurenmassen- vorkommen («Megatracksites») bekannt, unter anderem auch eine kürzlich in Lommiswil (Schweiz) entdeckte Stelle. Gegenwärtig ist das wohl am besten dokumentierte Gebiet das Spurenvorkommen aus der Dakota-Gruppe in Colorado, New Mexico und Oklahoma. Lockley, M. G., Holbrook, J., Hunt, A., Matsukawa, M. und Meyer, C.A. (1992): The dinosaur freeway: apreliminary report on the Cretaceous Megatracksite, Dakota Group, Rocky Mountain Front Range and Highplains, Colorado, Oklahoma and New Mexico. Aus: Flores, R. (Hrsg.): Mesozoic of the Western Interior. SEPM Midyear Meeting Fieldtrip Guidebook, 39–54.Google Scholar

Copyright information

© Springer Basel AG 1993

Authors and Affiliations

  • Martin Lockley
    • 1
  1. 1.GoldenUSA

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