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Seeungeheuer pp 161-184 | Cite as

Die Biologie der Kalmare

  • Richard Ellis

Zusammenfassung

In einem Buch über Seeungeheuer erwartet man Enthüllungen über riesige, furchterregende Lebewesen, seien sie nun real oder imaginär. Wenn wir uns über die Biologie der „real existierenden“ Tiere — Wale, Haie, Oktopoden und Seekühe — informieren wollen, können wir uns ihre Verwandten oder sogar die Tiere selbst ansehen, denn die meisten unserer „Seeungeheuer“ haben sich als lebende, atmende Tiere entpuppt. (Was die imaginären Tiere wie Seeschlangen, das Loch-Ness-Monster oder den sechzig Meter langen Oktopus angeht, so müssen wir uns auf Spekulationen oder Fiktionen beschränken.)

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Literatur

  1. 1.
    Bei einigen Tiefseearten sitzen die Augen auf Stielen, andere verfügen über Augen mit eingebauter Beleuchtung, und bei wieder anderen unterscheidet sich das rechte Auge vollständig vom linken. Bei den Gattungen Histioteuthis und Calliteuthis haben die Individuen, relativ gesehen, ein riesiges linkes Auge und ein rechtes Auge, das nur ein Viertel so groß ist. Bisher hat noch niemand eine Erklärung für diese Entwicklung gefunden.Google Scholar
  2. 2.
    Sie wären wohl nicht so erstaunt gewesen, wenn sie Thomas Baeales Artikel zu diesem Thema gelesen hätten. Er schrieb 1835: „Ich habe im Nord- und Südpazifik häufig selbst gesehen, wie Zehntausende dieser Tiere simultan aus dem Wasser schießen, wenn sie von Thunfischen oder Delphinen verfolgt werden; sie katapultieren sich, den Kopf voran achtzig oder hundert Yards [siebzig bis neunzig Meter] horizontal aus dem Wasser, wobei sie ihren Vortrieb wahrscheinlich durch eine rotatorische oder schraubenförmige Bewegung ihrer Arme und Tentakel unterstützen; daher können sie sich mit einzigartiger Geschwindigkeit fortbewegen.“Google Scholar
  3. 3.
    Hinter dem Begriff Hectocotylus, der soviel wie „hundert Saugnäpfe“ bedeutet, verbirgt sich eine spannende Geschichte. 1829 untersuchte Baron Cuvier mehrere Argonauten (primitive Oktopoden, die wegen ihrer zerbrechlichen Schale auch als Papierboote bezeichnet werden) und fand etwas, das er für einen parasitischen Wurm hielt. Da der Wurm dem Arm eines Cephalopoden ähnelte nannte er ihn Hectocotylus. Erst 1853 erkannte der deutsche Zoologe Heinrich Müller, daß dieser „Wurm“ zum Geschlechtsapparat eines kleinen männlichen Argonauten gehört und sich bei der Befruchtung vom Männchen ablöst. Das Männchen ist ein Zwerg, kaum 3 Zentimeter lang — das Weibchen hingegen bringt es mit Tentakeln immerhin auf 45 Zentimeter — und besteht fast nur aus Geschlechtsorganen; es hat kein Herz, keine Verdauungs- oder Atemorgane und wird oft in der Schale des Weibchens herumgetragen. Hectocotylus wurde später zur allgemeinen Bezeichnung für die speziell modifizierten Begattungsarme aller Cephalopoden.Google Scholar
  4. 4.
    Kürzlich konnte gezeigt werden, daß Cephalopoden ebenfalls über ein Seitenliniensystem verfügen. Budelmann, Riese und Bleckmann schrieben 1991 über Versuche mit parallel verlaufenden Epidermiszellen bei embryonalen Sepien: „Wir haben nun gezeigt, daß diese Zellreihen dazu dienen, geringfügige Wasserbewegungen zu perzipieren und daher ein weiteres Beispiel für eine konvergente Evolution zwischen einem raffinierten Cephalopoden- und einem Vertebraten-Sinnessystem darstellen.“Google Scholar
  5. 5.
    Offensichtlich nahmen sich Heyerdahl und Kameraden einige Freiheiten bei der Wiedergabe der ihnen vom „National Geographic“ übermittelten Informationen heraus. Humboldt-Kalmare (nicht Oktopoden) können wahrscheinlich nicht auf Flößen herumtasten oder an Bord klettern. In dem Film über diese Tiere, den Howard Hall in der Cortezsee aufgenommen hat, kann man erkennen, wie Dosidicus kleine Fische fängt, indem er sie zwischen seinen Armen einschließt und dann wegschwimmt, wobei seine breiten Schwanzflossen undulierende Bewegungen ausführen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Basel AG 1997

Authors and Affiliations

  • Richard Ellis

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