Advertisement

Seeungeheuer pp 79-112 | Cite as

Seejungfrauen und Seekühe

  • Richard Ellis
Chapter

Zusammenfassung

Der Mythos eines Wesens, das halb Mensch und halb Fisch ist, läßt sich bis ins fünfte Jahrtausend vor Christus zurückverfolgen, bis zu dem fischschwänzigen babylonischen Gott Oannes. Die Babylonier glaubten, daß Oannes tagsüber das Meer verlasse und nachts dorthin zurückkehre, was das amphibische Aussehen des Gottes erklärte. (Eine Skulptur von Oannes wurde im Palast von Khorsabad, Mesopotamien, heute Irak, gefunden.) Das weibliche Gegenstück zu Oannes — und daher die erste Darstellung einer Seejungfrau — war Atargatis, eine Göttin, die ebenfalls aus dem Meer stammte. Sie wurde als Frau mit einem Fischschwanz abgebildet. Die Tritonen, Meeresgötter, die den Wagen der Aphrodite zogen, wurden ebenfalls mit Fischschwänzen dargestellt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Heute bezieht sich dieser Begriff auf eine Gattung tropischer südamerikanischer Eidechsen (Basilicus) bei der die Männchen einen langen, nach hinten gerichteten Kopffortsatz und einen Rückenkamm tragen. Diese Eidechsen können, auf ihren Hinterbeinen aufgerichtet, über die Wasseroberfläche laufen.Google Scholar
  2. 2.
    Nach Robert Fuson, der Kolumbus’ Logbuch übersetzt und kommentiert hat, war der gewöhnliche Manati im Spanischen als „sirena“ bekannt, bis das Tainowort „manati“ nach Kolumbus üblich wurde und in den englischen Sprachgebrauch einging (die Taino waren ein Indianervolk der Bahamas und der Großen Antillen).Google Scholar
  3. 3.
    Um 1870, als das Buch geschrieben wurde, jubelte Paris aber gerade einer Gruppe von Tierbildhauern zu: „les animaliers“. Einer der Köpfe dieser Gruppe war Antoine-Louis Barye (1796–1875), der für seine Bronzen berühmt war, die Kämpfe zwischen verschiedenen Raub- und Beutetieren zeigten, so Tiger, die Schlangen angriffen, Panther, die Krokodile attakierten und — obwohl die „animaliers“ wußten, daß so ein Zusammentreffen in der afrikanischen Wildnis nicht stattfinden konnte — Löwen, die mit Hirschen kämpften.Google Scholar
  4. 4.
    Nach Bering wurde ein Meer und eine Wasserstraße benannt, und Stellers Name findet sich bei einem Eichelhäher, einer Eiderente, einem Adler und einer Seelöwenart.Google Scholar
  5. 5.
    An der Fisküste von Maine und New Brunswick in Kanada lebte bis Ende des 19. Jahrhunderts ein Tier, das man als `Seenerz’ (Mustela macrodon) bezeichnete und das Stellers Seeaffen recht ähnlich sah. Es war etwa doppelt so lang wie der Amerikanische Nerz (Mustela vison) und besaß ein gröberes, rötlichbraunes Fell. Um 1894 war der Seenerz von Trappern ausgerottet. Zwar gibt es keinen Grund anzunehmen, daß eine ähnliche Art an der Westküste von Nordamerika oder an der Ostküste Asiens existiert hat, doch in Sibirien leben eine alaskische Unterart des gewöhnlichen Nerzes (Mustela vison injens) und mehrere Arten Steinmarder, Zobel und anderer Musteliden. Mit anderen Worten: Hätte Steller den ‘Seeaffen’ vor der Ostküste Nordamerikas gesehen, so gäbe es kein Problem mit der Identifizierung.Google Scholar
  6. 6.
    Im Sommer 1995 machte sich ein Manatimännchen mit dem Spitznamen „Chessie“ von der Chesapeake Bay (wo man ihn mit einem Radiosender ausgestattet hatte) nach Norden auf und gelangte Mitte August in die Gewässer vor Connecticut. Als er schließlich Long Island Sound erreichte, war Chessie weiter nach Norden gereist, als jemals ein wildlebender Manati vor ihm.Google Scholar
  7. 7.
    Andersens Märchen erscheint als Referenz in Karl Banses 1990 erschienener Parodie auf wissenschaftliche Artikel „Meerjungfrauen — Biologie, Kultur und Untergang“, in der der Professor der Ozeanographie an der Universität Washington die Meerjungfrau als legitime Gattung (Siren) mit drei Arten, S. sirena, S. indica und S. erythracea beschreibt. Der Autor vermutet, daß die Meerjungfrauen trotz ihrer Unterwasserlandwirtschaft ausgerottet worden seien, weil landlebende Fischer die Raubfische dezimiert hätten, woraufhin sich die Meere mit „gefährlich giftigen“ Quallen bevölkert hätten, denen die wehrlosen Meerjungfrauen schließlich unterlegen seien.Google Scholar

Copyright information

© Springer Basel AG 1997

Authors and Affiliations

  • Richard Ellis

There are no affiliations available

Personalised recommendations