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Luftschlösser aus Spielkarten

  • Wolfgang Bürger

Zusammenfassung

Im Guinness-Buch der Rekorde von 1995 liest man unter dem Stichwort «Kartenhaus»:

«Das freistehende Kartenhaus mit den meisten Etagen, nämlich 81, baute vom 20. bis 26. Mai 1994 Bryan Berg aus Spirit Lake, Iowa (USA). Das aus Standardspielkarten ohne jeglichen Klebstoff errichtete Bauwerk war 4,78 m hoch. »

Von der atemberaubenden Konstruktion sind keine weiteren Einzelheiten überliefert. Nehmen wir das Nächstliegende an, daß das 81stöckige Gebäude wie die meisten Kartenhäuser als flache Pyramide aus einer einfachen Schicht Spielkarten errichtet wurde und alle Etagen aus gleichartigen Elementen bestanden. Unter dieser Voraussetzung war die Höhe einer Etage (bis auf kleine Abweichungen) h = 4,78 m geteilt durch 81 = 5, 9 cm. Es gibt nur ein Bauelement ausreichender Festigkeit, das Mr. Berg verwendet haben kann: das «Giebelelement». Mit solchen Elementen habe ich im fahrenden ICE (das heißt unter den Bedingungen eines mittelschweren Erdbebens) mehrstöckige Plattenbauten errichtet. Den Giebel bilden zwei schräg gegeneinander gelehnte Spielkarten, die Last ist eine waagerechte Spielkarte, die von oben auf den Giebel drückt. Letztere ist beim Hausbau ein Teil der Zwischendecke zum nächsten Geschoß und in der Regel vom Gewicht der darüberliegenden Stockwerke belastet. Setzen wir Standardspielkarten vom Format (Höhe ℓ × Breite b) 10,5 cm × 6,5 cm voraus, müssen wir schließen, daß Mr. Berg die Karten auf die langen Seiten stellte und der Basiswinkel α = 65 Grad betrug. Das folgt aus der geometrischen Beziehung sinα = h/b. Bei hochkant gestellten Spielkarten ergäbe sich der viel kleinere und schwerlich realisierbare Basiswinkel von α = 34 Grad.

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Copyright information

© Springer Basel AG 1998

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Bürger

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