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Der Chinesische Südweiser

  • Wolfgang Bürger

Zusammenfassung

Auf dem Platz des himmlischen Friedens (Tien’ an-Men-Platz), der zur Kaiserzeit zwar schon groß, aber bei weitem noch nicht so riesig war, wie er seit der Zeit Mao Zedongs ist, drängten sich erwartungsvoll die Menschen. Die bezopften kaiserlichen Beamten hatten Mühe, eine Gasse für die Staatsprozession freizuhalten. Erst nur so groß wie ein Punkt, aber bald schon eine mächtige graue Staubwolke, die mit wachsender Geschwindigkeit den Horizont erfüllte, näherte sich die Spitze des Zuges aus der Richtung der Verbotenen Stadt. Mit archaischem Ungestüm stampften die Pferde einer Schar berittener Herolde vorbei, die den Anfang des langen Zuges bildeten. Gleich dahinter, noch vor der Karosse des Kaiserlichen Statthalters, folgte der Wagen mit der hohen Figur des Unsterblichen, die mit ihrem ausgestreckten rechten Arm unverwandt nach Süden zeigte, in welche Himmelsrichtung sich der Zug auch wendete: der sagenhafte Südweiser. Gezogen von zwei kupferroten Pferden mit bronzenem Zaumzeug rollte der südweisende Wagen ohne einen Lenker oder Wagenführer (oder so schien es wenigstens) in der Spur der Reiter. Wirkten übernatürliche Kräfte, oder verbarg das undurchsichtige Gehäuse einen Steuermann, der das äußere Geschehen durch einen Sehschlitz verfolgte? Woher hätte der Mensch in seinem Kasten wissen sollen, wo Süden lag? Zwar scheint es in den Straßen einer Stadt, die man genau kennt, keine Kunst zu sein, an jeder Stelle die Himmelsrichtungen zu bestimmen.

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© Springer Basel AG 1998

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Bürger

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