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Begriff und Wahrnehmung von Landschaft — eine quantitative und qualitative Studie am Beispiel des Saarlandes

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Literatur

  1. 209.
    Untersuchungen zur Wahrnehmung von Landschaft liegen aus anderen Wissenschaften, insbesondere der Geographie, vor (z.B. Demmler-Mosetter 1993, Gröning 1996, Bell 1999, Schneider/Békési 2000), ohne vertiefend auf soziodemographische Aspekte und die Sozialisation des Begriffs der Landschaft einzugehen.Google Scholar
  2. 212.
    Die Adressen der Befragten wurden durch eine Zufallsauswahl der für das Saarland verfügbaren Einträge auf der Telefonbuch-CD der Deutschen Telekom (2004) vom Herbst 2004 ermittelt. Der Umfang der Stichprobe wurde auf Grundlage der Wahrscheinlichkeitstheorie abgeschätzt. Der Fehler erster Art ist dabei ein Vielfaches der Standardabweichung des Stichprobenmittelwertes eines Merkmales. Nach Kaplitza (1975; vgl. hierzu auch Corell 1994) lässt sich mit Hilfe der Gleichung n = (t2 * p * (1 − p) * α−2 der Mindeststichprobenumfang abschätzen. Bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % (t = 1,96) und dem ungünstigsten Fall des Merkmalsanteils von p = 0,5 ergibt sich ein Stichprobenumfang von 400 Personen. Die Rücklaufquote wurde in Anlehnung an Diekmann (2003) auf mindestens 12,5 % geschätzt, was bei einem geforderten Stichprobenumfang von n = 400 eine Befragung von 3.200 Personen bedeutete. Die überzähligen neun Befragungen ergaben sich aus der Zufallsauswahl. Die 95%ige Sicherheit gilt demnach für die Gesamtergebnisse, nicht aber für die Untergruppen (vgl. Corell 1994).Google Scholar
  3. 218.
    Die deutliche Dominanz des Wortes „Natur“ gegenüber dem Wort „Umwelt“ in der Umfrage lässt sich mit Schemel/ Lassberg/ Meyer/ Meyer/ Vielhaber (2001) und Schemel (2004) aus der deutlich positiveren Resonanz des Wortes „Natur“ in Form von „sinnlichen und emotionalen Assoziationen“ (Schemel 2004: 371) erklären, während mit dem Wort „Umwelt“ eher rationale Aspekte assoziiert seien.Google Scholar
  4. 221.
    Zur Überprüfung der Signifikanz wurde in dieser Studie der z-Test in seinen unterschiedlichen Varianten-gemäβ Diekmann (2003)-herangezogen. Getestet wurde für die Irrtumswahrscheinlichkeiten a = 0,05 (= signifikant), a = 0,01 (= sehr signifikant) sowie a = 0,001 (= hochsignifikant). Bei den Signifikanzuntersuchungen wurde sich an den in CLAUβ/EBNER (1975) vorgeschlagenen Verfahren orientiert.Google Scholar
  5. 234.
    Eine räumliche Verortung des individuellen Heimatgefühls lässt sich auch anhand einer im SPIEGEL (1999) veröffentlichten quantitativen Studie nachweisen: 31 % der Befragten nannten den Wohnort als Heimat, 27 % den Geburtsort, 25 % die Familie, 11 % Deutschland und 6 % Freunde.Google Scholar
  6. 240.
    Hinsichtlich der Funktionalisierung von Landschaft kommt Müller (2002) nach empirischen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass im Durchschnitt dem Wasser-und Stoffhaushalt mit 32 % Zustimmung die größte Wertschätzung entgegen gebracht wird. Die Wirtschaftskraft folgt an zweiter Stelle mit 32 % Zustimmung, während der Erhalt der Kulturlandschaft und der Artenvielfalt mit 18 % bzw. 16 % eine geringere Bedeutung beigemessen wird, ebenso wie der Aufnahme organischer Siedlungsabfälle mit 11 %.Google Scholar
  7. 243.
    Nach den Untersuchungen von Bayerl (2005) ist die Diskussion der „Verspargelung der Landschaft“ durch Windkraftanlagen nicht die erste, die vor dem Hindergrund der Technisierung Mitteleuropas geführt wurde. Neben der „Verspargelung der Landschaft“ durch Schonsteine seit der Industrialisierung wurde um die Zeit des Ersten Weltkrieges bereits die „Verdrahtung der Landschaft“ durch Stromversorgungsleitungen von Landschafts-und Heimatschützern beklagt.Google Scholar
  8. 245.
    Zur Ermittlung der Zahlungsbereitschaft für die Erhaltung von Umweltgütern bzw. von Landschaft liegen zahlreiche zumeist wirtschaftswissenschaftlich orientierte Studien vor. Jung (1996) gibt die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft für eine verbesserte Trinkwasserqualität mit durchschnittlich 104,85 DM pro Jahr an. Corell (1994) ermittelte eine Zahlungsbereitschaft von durchschnittlich 12,99 DM pro Monat für die Erhaltung der durch Verbrachung gekennzeichneten bäuerlichen Kulturlandschaft im Lahn-Dill-Bergland und Gießen/Wetzlar. Dieser Wert liegt deutlich über dem von Jung (1996) ermittelten: Im Kraichgau lag die Zahlungsbereitschaft für die Erhaltung des Landschaftsbildes bei durchschnittlich 52,70 DM pro Jahr, im Allgäu bei 60,67 DM pro Jahr, bei einer insgesamt geringen Zahlungsbereitschaft für die Erhaltung von Landschaft (lediglich 139 der 288 prinzipiell zahlungsbereiten Haushalte waren bereit, für die Erhaltung des Landschaftsbildes zu zahlen). Löwenstein (1994) ermittelte für den Südharz durchschnittliche Fernerholungswerte pro Person und Besuchstag zwischen 2,28 DM und 8,77 DM, in Abhängigkeit davon, ob die Opportunitätskosten der Reisezeit berücksichtigt wurden.Google Scholar
  9. 250.
    Herr W. T. ist Anfang 50. Aufgewachsen ist er in einem ländlich strukturierten Raum. Nach dem Abitur hat er acht Semester studiert und dann eine Ausbildung an der Fachhochschule für Verwaltung absolviert. Danach war er erst in einer Stadtverwaltung und dann bei mehreren obersten Landesbehörden tätig. Wohnhaft ist er in einem Vorort von Saarlouis. Als größte Herausforderungen für das Saarland gibt Herr W. T. die finanzielle Situation der Kommunen und des Landes und die durch den demographischen Wandel hervorgerufenen Umstrukturierungen in allen Lebensbereichen (Herr W. T., S. 1, 12–13) an.Google Scholar
  10. 257.
    Frau K. U. ist Mitte 30. Sie ist in einem Dorf im nordwestlichen Saarland, als „Lehrerstochter“ geboren und aufgewachsen. Nach dem Gymnasiumsbesuch nahm sie das Geographie-Studium auf. Sie promovierte auch in diesem Fach. Frau K. U. hält „Eigenengagement, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, sich trauen, etwas Neues zu machen, ein Risiko einzugehen“ (Frau K. U., S. 9, 8–9) für wesentliche Werte.Google Scholar
  11. 258.
    Herr D. M. 50 Jahre alt und arbeitet als Landschaftsarchitekt und Teilhaber eines Landschaftsarchitekturbüros im Saarland. Herr D. M. ist im Saarland aufgewachsen. Herr D.M. hat an der GH Kassel studiert, nach unterschiedlichen beruflichen Stationen ist er ins Saarland zurückgekehrt. Herr D. M. begreift Heimat als Profession und sieht eine großer Herausforderung für das Saarland darin, aus „Tradition neue Perspektiven“ (Herr D. M., S. 1, 21) zu eröffnen.Google Scholar
  12. 260.
    Herr S. M. hat Geographie studiert und ist zurzeit Umweltminister des Saarlandes. Herr S. M. bezeichnet sich als „dem ländlichen Raum und der Landschaft sehr zugetan“ (Herr S. M., S. 1, 4). Für ihn bestehen die größten Herausforderungen für das Saarland im demographischen Wandel und der künftigen Energieversorgung.Google Scholar
  13. 261.
    Herr W. A. ist Ende 50, mütterlicherseits aus dem heutigen Polen stammend, aus einer Familie mit langer landwirtschaftlichter Tradition. Er ist im Saarland aufgewachsen. Neben Forstwissenschaft hat er Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung studiert und war danach Leiter eines Landschaftsplanungsbüros, heute ist er in einer Landesbehörde für Landschaftsplanung zuständig. Als Berufung gibt er die Wahrnehmung der schönen Landschaft an. Auf die Frage, welche Werte seiner Überzeugung nach künftig eine stärkere Bedeutung haben sollten antwortet er: „Die Werte der Liebe zur Familie und der entsprechenden Strukturen, die Werte, sich um die Kinder zu kümmern und ihre Zukunft. Die Werte, ganz allgemein gesprochen, der Zuverlässigkeit. [...]“ (Herr W. A., S. 1, 27–29).Google Scholar
  14. 267.
    Wobei das dargestellte primärsozialisierte Landschaftsbild eines ländlich geprägten Raumes nicht von allen nicht professionell mit Landschaft befassten geteilt wird: „Gut ist halt ‘ne Frage, wie sie [die Landschaft; Anm. O.K.] geprägt ist. Industriekultur zum Beispiel, das ist auch Landschaft. Das irgendwo so zu nutzen, dass es wieder nutzbar ist. Oder wenn die Stadt schön grün ist, nicht nur Beton, wie Berlin oder Saarbrücken. Das schon ein paar Grünflächen dabei sind, oder Parkanlagen.“ (Herr R. W., S. 1, 29–32).Google Scholar
  15. 272.
    Herr K. E. ist Anfang 50 und freiberuflich tätig als Geograph und Planer in den Bereichen Regionalentwicklung und Forstentwicklung. Als zentralen Wert für die Zukunft nennt Herr K. E. die „Gleichwertigkeit von Geben und Nehmen“ (Herr K. E., S. 3, 11).Google Scholar
  16. 273.
    Herr W. Z. ist Mitte 40, verheiratet, hat zwei Kinder, und ist wohnhaft in Saarbrücken. Herr W. Z. hat ein umweltwissenschaftliches Fach in Saarbrücken studiert und promoviert. Seit rund 20 Jahren ist er Bediensteter einer obersten Landesbehörde. Von besonderer Bedeutung für Herrn W. Z. sind „die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Bewahrung der Ressourcen“ (Herr W. Z., S. 1, 20–21).Google Scholar
  17. 275.
    Herr G. A. ist Mitte 50. Er ist bei der Regierung des Saarlandes bedienstet und für die Entwicklung ländlicher Räume zuständig. Künftig wünscht sich Herr G. A. „Eigenverantwortung, die Selbsterkenntnis, das Wissen um die eigene Kraft, das Wissen um die eigene Dynamik und weniger Selbstbedienungsmentalitat“ (Herr G. A., S.1, 23–25).Google Scholar
  18. 279.
    Gerade in sozialwissenschaftlich ausgerichteten teilen Naturschutzforschung wurde das unterschiedliche Bild von Natur von Experten und Laien untersucht. Hinsichtlich der sozialen Konstruktion von Natur arbeiten Kiel/ Wilczek/ Wilde (1992) in einer quantitativen und qualitativ angelegten Studie eine Differenz des Naturbildes zwischen Naturschützern heraus, wobei Naturschützern ein deutlich differenzierteres Naturbild als Nicht-Naturschützern attestiert wird. Ein wesentlicher Unterschied hinsichtlich der Stellung des Menschen im Verhältnis zur Natur wird dabei konstatiert: Während Nicht-Naturschützer dazu neigen, den Menschen in das Naturkonzept zu integrieren und beispielsweise agrarische und forstwirtschaftlich genutzte Landschaften als Natur verstehen, sehen Naturschützer häufig den Menschen als außerhalb der Natur stehend an. Eine zusammenfassende Darstellung verschiedener Studien zur sozialen Konstruktion von Natur findet sich bei Meier/Erdmann (2004).Google Scholar
  19. 280.
    Herr R. O. ist Mitte 50, hat Geodäsie studiert und sich in und seit seiner Referendarausbildung vertieft mit Flurbereinigung befasst. Auf die Frage, welche Werte er künftig in zentralerer Bedeutung sehen möchte, äußert Herr R. O.: „Die Gesellschaft sollte sich wieder stärker auf die Familien konzentrieren, die im Grunde genommen die wichtigste Keimzelle der Gesellschaft ist. Sie sollte sich darauf besinnen, auf die... Grundrechte und auf die Menschenrechte und nicht alles an wirtschaftlichen Ausrichtungen messen.“ (Herr R. O., S. 1, 18–21)Google Scholar
  20. 282.
    Möglicherweise lässt sich die Auswahl einer stereotyp bzw. individuell als schön konstruierten Landschaft als Wohnort als Kompensation für den Verlust des heimatlichen Bezuges in der Landschaft, in der sich die primäre Landschaftssozialisation vollzog (durch Fortzug oder deren Veränderung), erklären. Diese These müsste allerdings noch einer wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen werden. Die Fragmentierung von primärsozialisierter und sekundärsozialisierter Landschaft bei der überwiegenden Zahl von Landschaftsexperten wurde bereits in Abschnitt 5.3.2.1.2 behandelt. So unterscheitet ebenfalls Herr G. L.: “Also, Landschaft umfasst alles. Für mich persönlich ist aber Landschaft immer noch die naturräumliche Einheit, die geologische Einheit außerhalb der bebauten Flächen, außerhalb der Stadtregion.“ (Herr G. L., S. 1, 41–43)Google Scholar
  21. 284.
    Unter Mentalität sei in Anlehnung an Geiger (1987: 77) eine „geistig-seelische Disposition — unmittelbare Prägung des Menschen durch seine soziale Lebenswelt und die von ihr ausstrahlenden gemachten Lebenserfahrungen“ verstanden.Google Scholar
  22. 285.
    Herr D. V. Mitte 50 und als Raumwissenschaftler bei einer obersten Landesbehörde tätig. Auf die Frage, welche Werte seiner Meinung nach eine zentralere Bedeutung haben sollten, antwortet Herr D. V.: „Selbstbewusstsein, Fähigkeit, Dinge anzugehen, durchzuführen. Qualität, Gemeinsinn.“ (Herr D. V., S. 1,19)Google Scholar
  23. 288.
    Die natürliche Sukzession wird insbesondere dann von der ansässigen Bevölkerung abgelehnt, wenn mit dem Fortschreiten der Sukzession eine Gefahrenzunahme wahrgenommen wird, wie Höchtl/ Lehringer (2005) am Beispiel der Bewohner piemontesischer Dörfer nachweisen. Im Gefolge der natürlichen Sukzession vormals landwirtschaftlich genutzter Flächen wurden hier Brände, Verdämmungen von Bachläufen und Murenabgänge befürchtet.Google Scholar

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