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Die Entwicklung von Landschaften zur und in der Postmoderne

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Literatur

  1. 124.
    Die von Rechtwinkligkeit und (damit verbunden) Uniformität dominierten Entwürfe von Geschäftshochhausbauten, sozialem Wohnungsbau, öffentlichen Bauten, Fabrikgebäuden etc., nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa, wurden von der Bevölkerung ob ihrer Sterilität abgelehnt. So definiert der Architekturtheoretiker Charles Jencks (1977: 9) das Ende der Moderne durch die Sprengung eines modernen Wohnhauskomplexes: „Modern architecture died in St. Louis, Missouri on July 15, 1972 at 3.32 pm“. Der Beginn einer sozialen Postmoderne lässt sich dagegen nicht in dieser Genauigkeit datieren, zu diffus sind die Übergänge zwischen gesellschaftlicher Moderne und Postmoderne (vgl. Welsch 2002).Google Scholar
  2. 125.
    Bourdieu (1998a: 21) charakterisiert dies als „Trugbild einer vorgeblich individuellen Form des Wohnens“, die weder die Solidarität der alten Arbeiterviertel, noch die Abgeschiedenheit der exklusiven Wohngegenden“ kenne.Google Scholar
  3. 126.
    Anhand des Terminus der ‚Subkultur’ bzw. ‚Teilkultur’ lässt sich das postmoderne sprachliche Dilemma deutlich fassen: Eigentlich werden sie einer postmodernen Betrachtung von Gesellschaft nicht gerecht, da sie „noch die Vorstellung des ‚Bestandsteiles’ eines wie auch immer gearteten Ganzen“ (Sander 1998: 67) suggerieren, dennoch ist der postmoderne Sprachgebrauch auf die modernen Termini angewiesen, da sich noch keine eigene Begrifflichkeit entwickelt hat. In der Postmoderne setzt sich — rückgekoppelt mit dem Prozess der Bildung von Patchwork-Identitäten — eine weitere gesellschaftliche Differenzierung durch, wobei diese Gesellschaften „nicht in traditioneller Sicht als ein aufgegliedertes Ganzes, sondern als Nebeneinander verschiedener, mehr oder minder eigenständiger Kulturen“ (Sander 1998: 67) zu verstehen sind. Im Unterschied zu modernen sozialen Kulturen sind diese „nicht mehr gesamtgesellschaftlich in einer gemeinsamen kulturellen Sphäre eingebettet. Vielmehr stehen sie relativ beziehungslos zueinander; Desintegration ist ihr Normalzustand’, keineswegs eine ‚Abweichung’“ (Sander 1998: 67). Im modernen Sinne geht mit dem „Mehr an Autonomie“ — so Vester (1994: 132) — jedoch ein „Mehr an Anomie“ einher, das wiederum in postmodernen Gesellschaften in weiter gestreckten Grenzen durchaus häufiger toleriert werden kann, als dies in modernen Gesellschaften der Fall war.Google Scholar
  4. 128.
    In seinem Buch „City as Landscape“ stellt Tom Turner (1996) auch klar, dass eine Stadt kein Entscheidungs-und Planungsraum (sondern eine Landschaft) ist, die unter Einbeziehung der natürlichen Bedingungen der Ökologie, Hydrologie und Geomorphologie unter Einbeziehung der Bürger aus einer Synthese von Geometrie, Design, Kunst, Verhaltensforschung, Gestalt und den Geschichten des jeweiligen Raumes zu entwickeln sein.Google Scholar
  5. 131.
    Der Global-City-Ansatz von Sassen (1991) bezieht sich vornehmlich auf die Funktion bestimmter Städte im globalen Finanz-und Unternehmensdienstleistungsbereich. Dem gemäß ist mit der ökonomischen Globalisierung neben der Ausprägung eines weltweiten Netzes industrieller Produktionsstandorte insbesondere ein beschleunigtes Wachstum von Finanzierungs-und Unternehmensdienstleistungen verbunden. Diese Dienstleistungsunternehmen haben die Neigung um — Agglomerationsvorteile zu realisieren an wenigen Orten geballt aufzutreten. Führende Global Cities sind — so Sassen (1991) — London, New York und Tokio (näheres dazu z.B. Krätke 1995, Sassen 1998, Krätke 2002).Google Scholar
  6. 133.
    Harlander/ Jessen (2001: 197) konstatieren für die Region Stuttgart: „Das Umland ergänzt nicht mehr den Kern, sondern der Kern droht immer mehr zu einer auf wenige Dienstleistungen und touristische Attraktionen spezialisierten Ergänzung des Umlandes zu werden“.Google Scholar
  7. 134.
    Eine zusammenfassende Darstellung hinsichtlich der Zusammenhänge von Bodenpreisen und Standortwahl findet sich bei Aring (2005).Google Scholar
  8. 135.
    In ähnlicher Weise äußert sich auch Gerling (1965) indem er dafür plädiert, die Erdoberfläche als Ganzes, als Kontinuum zu betrachten.Google Scholar
  9. 136.
    Die Vielschichtigkeit dieses Prozesses lässt sich auch durch die Vielzahl an Begriffen hierzu dokumentieren: Suburbanisierung des zweiten bzw. des dritten Ringes, Wanderdüne, Periurbanisierung, Exurbanisierung, posturbane Siedlungsentwicklung, Des-, Dis-und Counterurbanisierung (vgl. Tönnies 2002).Google Scholar
  10. 137.
    Die Entwicklung von Städten und von bzw. zu Agglomerationen weist eine Phasenhaftigkeit auf (MATTHIESEN/ NUISSL 2002, durch den Autor verändert): 1. Urbanisierung: die Stadt wächst aufgrund der Zuwanderung der Bevölkerungsreserven des Umlandes, sie ist von diesem klar physisch, ökonomisch, sozial und kulturell getrennt (gemäß „der Methapher die Stadt als Ei“ von Price, die Phase des gekochten Eis), Suburbanisierung: das Umland der Städte wächst, insbesondere als Folge einer die Entwicklung einschränkenden inneren Verdichtung sozialer, ökonomischer und kultureller Art (Phase des Spiegeleis), 2. Ex-bzw. Desurbanisierung: aufgrund von kumulierenden Agglomerationsnachteilen wächst das Hinterland auf Kosten des Ballungsraumes (Phase des Rühreis), 3. Re-Urbanisierung: mit der Revitalisierung der Innenstädte — in Verbindung mit der Integration des Suburbiums setzt eine Maßstabsvergrößerung zum nächsten Zyklus ein (Phase des Omeletts). Dieses Phasenmodell weist — so MATTHIESEN/NUISSL (2002: 38) — zwar einen „weitgehend pfad-und kontextfreie[n] Zyklendeterminismus“ auf, der insbesondere die Entwicklung altindustrieller Räume und sich transformierende postsozialistische Räume nicht angemessen repräsentiert, doch stellt es eine die Prinzipien moderner Stadt-und Agglomerationsentwicklung abstrahierende Idealtypisierung dar, postmoderne Tendenzen und Abweichungen von dem Phasenmodell zu spiegeln: So erscheinen gegenwärtig neben der Entwicklung der Re-Urbanisierung auch eine Fortsetzung der Des-Urbanisierung ebenso denkbar wie die Entwicklung einer nachhaltigen Stadtlandschaft (BOSE 2001, vgl. GANS 2005).Google Scholar
  11. 138.
    Darüber hinaus lässt sich für Abwertung urbaner Lebensstile eine Parallele zu der von Bourdieu (1988) dargestellten Abwertung von Bildungstiteln feststellen: Sowohl für urbane Lebensstile als auch für Bildungstitel gilt, je mehr Menschen darüber verfügen, desto weniger eignen sie sich zur Dokumentation der „feinen Unterschiede“.Google Scholar
  12. 139.
    Ein besonders eindrückliches Beispiel für diese Entwicklung eines Patchworkraumes findet sich bei Nuissl/ Arndt/ Jäger (2002) hinsichtlich der Ansiedlung des Unternehmens „Engines“ in Otterstedt (bei Berlin) wieder, wobei das „‘Gespann Otterstedt-Engines’ [...] einen aufgrund seiner weitgehenden ‚Kontextlosigkeit’ problematischen Typus suburbaner Modernisierung, der an den Rändern der Hauptstadt allerdings ‚günstige’ Rahmenbedingungen vorfindet“ (Nuissl/Arndt/Jäger 2002: 289–290) repräsentiert — ein (re-)embedding des global players in den lokalen Kontext bislang nicht bzw. nur in Ansätzen gelungen ist.Google Scholar
  13. 140.
    Scholz (2003) spricht von im Zuge der Globalisierung ökonomisch „überflüssigen“ Personen, die in der globalisierten Wirtschaft ihre Arbeitskraft nicht mehr zu der Leistung ihres Lebensunterhaltes einbringen können.Google Scholar
  14. 141.
    Die stärkere Differenzierung von Räumen hat zu einer Vielzahl von neuen terminologischen Gliederungen geführt (z.B. bei Bade 1997, BBR 1998, ARL 1993, HARA 1995), die teilweise dezidiert soziale und ökonomische Variablen einbeziehen.Google Scholar
  15. 142.
    Eine Abschätzung der Rationalitäten bei dem Bau von Wohnhäusern zwischen Bodenpreisen, Energiepreisen und Zinsen findet sich bei Aring (2005: 34). Dabei fordert er, Planung nicht als Gegensatz zum Markt zu verstehen, sondern vielmehr „Stadtplanung und Stadtentwicklung als aktive Gestaltung unter Marktbedingungen zu verstehen“.Google Scholar
  16. 143.
    Muhar (2002) stellt selbst für landwirtschaftliche Bio-Produkte eine rasch zunehmende Globalisierung des Marktes fest.Google Scholar
  17. 145.
    Eine zusammenfassende Betrachtung der Dorfentwicklung von 1950 bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts liefert Henkel (2003). Dabei werden vier Phasen der Leitbilder und Dorfentwicklung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ausgewiesen: Erste Phase 1945/50 bis 1965, geprägt durch Neubausiedlungen am Dorfrand und Aussiedlung landwirtschaftlicher Betriebe. Zweite Phase 1965 bis 1976/77, geprägt durch Dorfsanierungen, Reformen nach dem Zentrale-Orte-Modell und starke Arbeitsplatz-und Infrastrukturverluste. Dritte Phase 1977 bis 1990, geprägt durch die „erhaltende Dorferneuerung“ und anhaltende Infrastrukturverluste. Vierte Phase 1990 bis heute, geprägt durch die Stärkung endogener Potenziale, wachsendem Selbstbewusstsein der ländlichen Bevölkerung und neue Formen der Infrastrukturausstattung (Bürgerbüros, Bürgerläden, KOMM-IN etc.)Google Scholar
  18. 146.
    Auf die Konstruiertheit von sozialräumlichen Grenzen weist schon Simmel (2001b: 467) hin: „Nicht die Länder, nicht die Grundstücke, nicht der Stadtbezirk und der Landbezirk begrenzen einander; sondern die Einwohner oder Eigentümer üben die gegenseitige Wirkung aus [...]. Von der Sphäre zweier Persönlichkeiten oder Persönlichkeitskomplexe gewinnt jede eine innere Geschlossenheit für sich, ein Aufeinanderhinweisen ihrer Elemente, eine dynamische Beziehung zu ihrem Zentrum; und eben dadurch stellt sich zwischen beiden das her, was sich in der Raumgrenze symbolisiert, die Ergänzung des positiven Macht-und Rechtmaßes der eigenen Sphäre durch das Bewusstsein, dass sich Macht und Recht eben in die andre Sphäre nicht hinein erstrecken“.Google Scholar
  19. 147.
    Über die soziale Bedeutung von Grenzen verdeutlicht Simmel (2001a: 467): „Die Grenze ist nicht eine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt. Das idealistische Prinzip, dass der Raum unsere Vorstellung ist, genauer: dass er durch unsere synthetische Tätigkeit, durch die wir das Empfindungsmaterial formen, zustande kommt — spezialisiert sich hier so, dass die Raumgestaltung, die wir Grenze nennen, eine soziologische Funktion ist. Ist sie freilich erst zu einem räumlich-sinnlichen Gebilde geworden, das wir unabhängig von seinem soziologisch-praktischen Sinne in die Natur einzeichnen, so übt dies starke Rückwirkung auf das Bewusstsein von dem Verhältnis der Parteien“.Google Scholar
  20. 148.
    Unter Nachbarschaft sei — gemäß Hamm (2000: 174) — eine soziale Gruppe verstanden, „die primär wegen der Gemeinsamkeit des Wohnortes interagiert“.Google Scholar
  21. 149.
    Hierbei handelt es sich um Elemente von Entwicklungen, die Giddens (1993: 476–485) mit Formulierungen wie „Entleerung der Tradition“ bzw. „post-traditionale Gesellschaft“ beschreibt, wobei Traditionen auf überkommene Gewohnheiten bzw. standardisierte Relikte reduziert sind.Google Scholar
  22. 150.
    Zur Machtausübung und symbolischen Raumbezogenheit der Differenzierungsprozesse der Moderne (hier insbesondere der Industriellen Revolution) siehe Jüngst (1988).Google Scholar
  23. 153.
    In ihrem Buch „Collage City“ entwickeln Colin Rowe und Fred Koetter (1984) anhand des Vergleiches von vormoderner und moderner Stadt eine neue Form von öffentlichem Raum: Während die vormoderne Stadt ein „Fuchsbau“ gewesen sei, entwickele sich die moderne Stadt zu einer Kolonie von „Igeln“. In der Postmoderne müsse die Stadt eine Collage von Stadt der „Füchse“ und der „Igel“ werden (vgl. Fingerhuth 1997).Google Scholar
  24. 154.
    Eine Inszenierung organisationeller „Raumgestaltung und-domestizierung“ (Drepper 2003: 118) endet nicht bei Höhe und Gestaltung von Gebäuden, sondern auch in deren Adressierung: So wurde für den RWE-Turm in Essen („Power-Tower“) eine Straßenkreuzung — aus Imagegründen — zum Platz umbenannt und der „Power-Tower“ zum ersten Haus am Platze (Opernplatz 1; Drepper 2003).Google Scholar
  25. 155.
    Als poetische Orte beschreibt Günter (1998: 26) solche Orte, die — als konkrete Orte — den Menschen „unter dem Lichterglanz des Stichwortes Globalisierung“, in dem alles „austauschbar erscheint und das konkrete Hier und Jetzt als das Beschränkte diskreditiert wird“ daran erinnern, dass „er selbst konkret, einzigartig, in seinem Körper und in seiner Welt der Gedanken sein eigenes Zentrum ist“. Damit sind poetische Orte „Stätten, an denen sich über die Banalität hinaus weitere Dimensionen öffnen“ (Günter 1998: 26), räumliche und (trans)historische Dimensionen also reflexiv synthetisiert werden (können).Google Scholar
  26. 156.
    Koslowski (1987) weist in diesem Zusammenhang auf den ökonomischen Nutzen bei Importgütern hin, der durch die regionale kulturelle Zuschreibung bestimmter Produkteigenschaften entsteht („italienisches Design“, „französischer Chic“, „schwäbische Wertarbeit“), die äquivalent im Stadtmarketing zur Anwendung käme. Auch die nationale Stereotypisierung orientiert sich — im Zuge der globalen, in der Regel auf die kontinentale Dimension beschränkte touristische Raumaneignung — häufig an Festivalisierungen: So beschränkt sich die unmittelbare (aber auch indirekte) München-und Münchenerfahrung (aber auch Deutschland-und Deutschenerfahrung) von Nichtdeutschen vielfach auf das Münchener Oktoberfest (Agreiter 2000).Google Scholar
  27. 157.
    Auch wenn das Suburbium nicht den Grad an Symbolisierung und Ästhetisierung erreicht (vgl. BODENSCHATZ 2001), wie die Kernbereiche der Städte und Agglomerationen, sind die Suburbiumssiedlungen der Postmoderne doch weit von der funktionalistischen Uniformisierungen jener der Moderne entfernt: Durch funktionslose, rein dekorative Verkleidungen, Verblendungen, Balken, Ziegel etc. wird der Eindruck von Traditionalität, Regionalität, Lokalität, Gemütlichkeit und Individualität durch Inszenierungen erzeugt, die den „modernen“ Charakter der „industriegefertigeten und standardisierten Komponenten verdecken und eine Atmosphäre des Ergebnisses handwerklicher Arbeit erzeugen sollen“ (BOURDIEU 1998b).Google Scholar
  28. 158.
    Der Baumwipfelpfad, in einer bis zu 18 m Höhe über dem Boden erbaut, führt durch den Bereich der Baumwipfel. Der Steg des Pfades ruht auf insgesamt 19 Stahlstämmen, die „in abstrakter Weise an die Form von Bäumen erinnert und sich sehr harmonisch in den vorhandenen Waldbereich einfügen“ (Biosphärenhaus 2004)..Google Scholar
  29. 159.
    Die Flexibilisierung und Individualisierung der Telearbeit (die sich zwischen Arbeit und zu Hause bewegt) wird durch die Mobilarbeit, bei der kein Stammarbeitsplatz im Unternehmen bzw. bei der Behörde vorhanden ist, noch gesteigert (Bertels 1997).Google Scholar
  30. 161.
    Dieses Übergangskonstrukt von Privatheit und Öffentlichkeit ist dabei nicht mit den Zuständen der Vormoderne vergleichbar, da hier insgesamt eine Differenzierung von Öffentlichkeit und Privatheit nicht in dieser Stringenz vorlag wie in der Moderne (vgl. Bahrdt 1998 — zuerst 1961: 137).Google Scholar
  31. 162.
    Damit verschärft sich bei Telearbeit eine Entwicklung, die bereits mit der Verbreitung des Telefons festzustellen war: Die nahezu uneingeschränkte Erreichbarkeit, die es ermöglicht, „von überallher Anweisungen zu erzielen“ (Bertels 1997: 40). Diese Verschärfung wird nicht nur dadurch vollzogen, dass nun auch Schrift, Bilder, Filme und graphische Darstellungen in hoher Qualität übertragen werden können, sondern vielmehr auch dadurch, dass „es [...] praktisch keinen Unterschied [macht], von wo die Kommunikation ausgeht und wo sie ankommt (anders als beim Telefon, wie die Rechnung banal zeigt) “(Esposito 2002: 43).Google Scholar
  32. 163.
    Im globalen Maßstab hingegen lässt sich eine — relativ — verstärkte Teilnahme der Peripherien und Semiperipherien am internationalen Datentransfer nicht nachweisen. Im Gegenteil: Insbesondere Afrika und weite Teile Lateinamerikas haben keine oder eine sehr geringe Teilhabe am Internetdatentransfer. Stark miteinander verbunden sind die ohnehin mit ökonomischer und politischer Macht überdurchschnittlich ausgestatteten Teile der Erde (Dodge/ Kitchin 2001).Google Scholar
  33. 164.
    Auch wenn Informations-und Reizüberflutung sowie Medienvielfalt durchaus ambivalent beurteilbar sind: Sie birgt auch die Gefahr von Sinnentleerung und der Konstruktion von Scheinwelten in sich (Hamm/ Neumann 1996).Google Scholar
  34. 165.
    Krieg (2002: 148) weist zu Recht darauf hin, dass auch Reportagen und Dokumentarfilme der Konstruktion der gesellschaftlichen Realität dienen, indem sie „die individuelle Wahrnehmung (z.B. des Korrespondenten) zu einer kollektiven Wahrnehmung“ sozialisieren und somit dazu beitragen „die Gruppe (die ‚Öffentlichkeit’, die ‚Gesellschaft’, die ‚Nation’) zu konstituieren“. Gleiches gilt prinzipiell auch für die Nachrichtensendungen des Fernsehens (Bourdieu 1998c: 25): „Das Auswahlprinzip ist die Suche nach dem Sensationellen, dem Spektakulären. Das Fernsehen verlangt die Dramatisierung, und zwar im doppelten Sinn: Es setzt ein Ereignis in Bilder um, und es übertreibt seine Bedeutung, seinen Stellenwert, seinen dramatischen, tragischen Charakter. An den Vorstädten sind die Aufruhrszenen von Interesse. Aufruhr: welch vielsagendes Wort...“. Damit wird im Ansatz deutlich, welche Bedeutung das Fernsehen für die Konstitution und Perpetuierung von Landschaftsstereotypen und die Stigmatisierung von Räumen hat. Die Konstruktion von stereotypen Landschafts-und Raumvorstellungen wird in besonderer Weise dadurch deutlich, dass der Nachrichtentransfer als ein weitgehend zirkulärer Prozess zu beschreiben ist (Bourdieu 1998c).Google Scholar
  35. 166.
    Dabei besteht durchaus die Möglichkeit, zeitliche Referenz dadurch zu verdichten, indem die Referenz an einen „existierenden Ort [...] unwichtig [ist]“ (Ruggle 1990: 21), wie häufig in den Filmen von Theo Angelopoulos.Google Scholar
  36. 167.
    Grob (2002: 295) nennt Waterworld den „postmodernen Abenteuerfilm par excellence“, da hier das „übliche Drama — geradezu paradigmatisch noch — bunter und spektakulärer verklärt“ wird.Google Scholar
  37. 169.
    Der Begriff des Cyberspace stammt ursprünglich aus der Science-Fiction-Literatur, der jedoch „schnell Eingang in die Lebenswelt und verschiedene wissenschaftlich-technische Disziplinen fand“ (Schetsche 2001). Entwickelt wurde der Begriff durch den US-amerikanischen Science-Fiction-Autor William Gibson in mehreren Romanen und Kurzgeschichten. Dabei beschreibt Gibson einen, aus unzähligen Rechnern, Leitungen, Transferknoten, Programmen und Datenpakten bestehenden globalen Raum von Datennetzen, „einen Raum, der mit Hilfe spezifischer Techniken vom menschlichen Bewusstsein wahrgenommen und in gewissem Sinne bereist werden kann“ (Schetsche 2001).Google Scholar
  38. 170.
    Vogelgesang (1999: 73) merkt hierzu an: “Netz und MUD generieren ein offenes Handlungsfeld, in dem sich Identitätsverhüllungen und Identitätswechsel spielerisch inszenieren lassen.”Google Scholar
  39. 171.
    Heimat ist ein schillernder, vielfältiger und schwer fassbarer Begriff, der zudem auf den deutschen Sprachgebrauch beschränkt ist. Hinsichtlich seiner Wortherkunft ist er „auf Heim, Einöde, Armut und auch Familie, Vertrauen bezogen“ (Bertels 1997: 65). Noch im 19. Jahrhundert bestand keine sentimentale Einfärbung. Zu dieser Zeit bezog sich Heimat vorwiegend auf ein materielles Recht (Bertels 1997: 65): „Die Ortsbürgerschaft, An-und Abmeldepflichten, Recht auf Geschäftseröffnung, Versorgung im Notfall, waren hierunter kodifiziert“. Der Wandel von einem materiellrechtlichen Bezug zu einer gefühlsdominanten Raumbindung vollzog sich erst in dem Prozess der Industrialisierung (Bertels 1997). Diese gefühlsdominante Raumbindung charakterisiert Aschauer (1990: 14) als provinziellen Topos, der „für Gemütlichkeit, Harmonie zwischen Mensch und Umwelt, für Unveränderlichkeit und für Sinnfindung nicht im Handeln, sondern im Erleben“ stehe.Google Scholar
  40. 172.
    Dabei eignete sich — so Ipsen (2002: 235) — der Begriff des Ortes in besonderer Weise zur Erörterung des Bezugsverhältnisses von Menschen oder Gruppen zum Raum: „Der Raum bezeichnet immer eine abgrenzbare und damit erfahrbare Einheit des Raumes. [...] Gestaltpsychologisch gesehen hebt er sich vom Grund ab, ist jedoch ohne ihn nicht erfahrbar. [...] Die Gestimmtheit des Ortes korrespondiert mit der Eigenart des ihn umgebenden Raumes und umgekehrt“.Google Scholar
  41. 173.
    Die theorieästhetische Dimension, die Krämer-Badoni (2003) der Giddensschen Theorie des dis-embedding und re-embedding zuschreibt zeigt, das die postmoderne Ästhetisierung auch die Soziologie erfasst hat, obwohl sie — so Krämer-Badoni (2003: 277) — „letztlich doch nur — etwas verkürzt formuliert auf — die Tatsache der zwingenden Kontextualität spezialen Handelns rekurriert: die Entfernung aus kleinräumigen sozialen Kontexten (disembedding) führt zur Globalisierung, diese kann aber nur wirksam werden, wenn sie wieder in die kleinräumigen sozialen Kontexte zurückgeholt wird (reembedding)“.Google Scholar
  42. 174.
    Sloterdijk (1999: 27) erklärt das territorial fixierte Heimatgefühl als den Trugschluss der sesshaften Völker: „das Land selbst als den Volksbehälter zu verstehen und den eignen Boden als das Prinzip ihres Lebenssinns oder ihrer Identität aufzufassen“.Google Scholar
  43. 176.
    Die soziale Inszenierung von Heimat umreißt Burckhardt (1995: 103) folgendermaßen: „Der Regionalismus kann sich nicht auf die Imitation beschränken, er muss sie in einer von Hollywood abgeschauten Weise zur Erkennbarkeit hochstilisieren“.Google Scholar
  44. 177.
    Der Philosoph Odo Marquard (2003: 239) verdeutlicht die Bedeutung des Kontinuierlichen, des Vertrauten, der „Herkunft“ in der Schnelligkeit („der Zukunft“) durch das „Mitnehmen“ der eigenen Langsamkeit ins „Schnelle“ anhand des Beispieles junger Kinder: „sie — für die die Wirklichkeit unermesslich neu und fremd ist — tragen ihre eiserne Ration an Vertrautem ständig bei sich und überall mit herum: ihren Teddybären. Kinder kompensieren ihr Vertrautheitsdefizit durch Dauerpräsenz des Vertrauten [...]. In der wandlungsbeschleunigten und dadurch stets auf neue unvertrauten und fremden modernen Welt haben auch die Erwachsenen [...] ihre Teddybären, zum Beispiel in dem sie Klassiker mit sich führen“.Google Scholar
  45. 178.
    Dieses Zitat verdeutlicht die Konstruktion von Natur im Naturschutz. Raffelsiefer (1999) stellt hierzu fest: „Der Naturschutz basiert, obwohl er sich mit der ‚Natur’ und ihren komplexen Zusammenhängen beschäftigt, weniger auf ‚ökologischen’ Erkenntnissen als vielmehr auf menschlichen Einstellungen, Werthaltungen und Normen. Das gilt sowohl auf der theoretisch-abstrakten (Naturschutz allgemein) als auch der praktischkonkreten Ebene (Fallbeispiel Naturschutzgebiet Ohligser Heide). Die subjektiven Komponenten lassen sich als Naturverständnis zusammenfassen und bilden die Grundlage für alle weiteren Wahrnehmungs-und Bewertungsprozesse, die zur Auswahl naturschutzrelevanter Ziele, Methoden und Maßnahmen führt“.Google Scholar
  46. 180.
    Wagner (1995: 73) weist darauf hin, dass das Konzept der Barbaren „in Wesentlichen ein Mittel der Distanzierung im Raum [ist], Barbaren leben anderswo. Das Konzept der Tradition ist hingegen eine Weise der Distanzierung in der Zeit“.Google Scholar
  47. 181.
    Aschauer (1990: 14) differenziert zwischen Ethnizität und Regionalbewusstsein (als Synonyme: regionale Identität bzw. Heimatbewusstsein) insofern, als letztere auf emotionalem Gebiet eine andere Qualität haben: „Während dort [bei der Ethnizität; Anm. O. K.] der Stolz über die Zugehörigkeit zu der entsprechenden Gruppe im Vordergrund steht, dominieren hier [bei dem Regionalbewusstsein] eher weiche, eben heimelige Gefühle“.Google Scholar
  48. 183.
    Selbst eine ökologische Regionalisierung, wie sie insbesondere in den Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit der Deep-ecology-Bewegung zu finden ist und sich als Gegenentwurf zur „globalen Vermassung in einer seichten, von den großen Zentren beherrschten Weltzivilisation“ (Gugenberger/ Schweidlenka 1996, zit. aus Schultz 1998: 109) versteht, weist — der postmodernen Pluralität entgegenstehende — exkludierendethnische Grundsätze auf: In Bioregionen sollten Menschen durch Wiederverwurzelung in „Flora, Fauna und lokalen menschlichen Gemeinden [...] ein neues Gefühl für die Heimat“ (Gugenberger/Schweidlenka 1996, zit. aus Schultz 1998: 109) gewinnen. Wobei die Bioregionen als „geographische Gebiete, die bezüglich des Bodens, des Wassers, des Klimas sowie des natürlichen Pflanzen-und Tierlebens gemeinsame Merkmale aufweisen“ (Gugenberger/Schweidlenka 1996, zit. aus Schultz 1998: 109) beschrieben werden, welche die staatlich fixierten Grenzen auflösen und an deren Stelle Gemeinschaften mit einheitlichen kulturellen Praktiken setzen, die über Generationen hinweg im Gleichgewicht leben (Schultz 1998). Dabei wird die Gefahr einer kulturraumbasierten Politik deutlich: Sie tendiert — wie Dahrendorf (1995) feststellt — zum Rückfall in den Patriotismus.Google Scholar
  49. 186.
    Jencks (z.B. 1977, 1978a, 1978b) belegt diese Entwicklungen mit den Termini „Doppelcodierung“, „radikaler Eklektizismus“, „Pluralismus“ und „Historizismus“.Google Scholar
  50. 188.
    Das kritische Verhältnis zwischen postmoderner Landschaftsinszenierung und Landschaftserhaltung (was in diesem Kontext die Denkmalpflege einschließt) fasst Albers (1997: 312) folgendermaßen zusammen: „Die Wiedererrichtung historischer Bauten, die verloren gegangen sind, in den fünfziger Jahren nur in Sonderfällen wie denen des Frankfurter Goethehauses oder des Marktplatzes in der Warschauer Altstadt akzeptiert, löst heute kaum Skrupel aus — außer bei der Denkmalpflege selbst, der mit einer auf Inszenierung der Historie gerichteten ‚Stadtbildpflege’ ein fragwürdiger Verbündeter zugewachsen ist. Die historische Altstadt als ein mit Kulissen bestückter ‚Erlebnispark’ — für jeden geschichtlich Denkenden eine Horrorvision — scheint im Zeitalter ‚virtueller’ Umwelten nicht mehr fern zu sein“.Google Scholar
  51. 189.
    Eine Kritische Auseinandersetzung mit postmoderner Architektur und postmodernem Städtebau findet sich bei Becker (1996).Google Scholar
  52. 190.
    So lässt sich beispielsweise die Polyvalenz des Oberhausener CentrO in (mindestens) drei Ebenen gliedern (Wood 2003): Erstens, das CentrO ist nicht allein ein Ort des Konsums und der Freizeitgestaltung, sondern ein Symbol für den erfolgreichen Strukturwandel der Stadt, zweitens, ist es für den Besucher nicht allein ein Ort des Konsums, sondern darüber hinaus Träger von spezifischen Zeichen und Bedeutungen (insbesondere durch eine Zeit-Raum-Komprimierung), drittens, kann das CentrO als ein Symbol für die „Weitsichtigkeit städtischer Politik“ (Wood 2003: 148) gelten, die gesellschaftliche Entwicklungen antizipiert habe.Google Scholar
  53. 193.
    Unter Stadtumbau lassen sich im Wesentlichen drei Aktionsfelder verstehen (Bodenschatz 2003, vgl. dazu auch Moulaert/Nussbaumer 2004, Walther 2004): 1. Der Umbau der Zentren („Revitalisierung“): Der öffentliche Raum wird für Fußgänger wieder gewonnen, ästhetisiert bzw. neu geschaffen. Entertainment-und Kulturkomplexe werden neu errichtet oder in historische Gebäude implantiert. 2. Der Umbau von brach gefallenen, nicht mehr genutzten Flächen („Konversion“): Im Zuge des Strukturwandels sind am Rande und außerhalb der Innenstädte in den letzten Jahrzehnten große Flächen brach gefallen. 3. Der Umbau der großen, monofunktionalen Siedlungen des Sozialen Wohnungsbaus („Nachbesserung“).Google Scholar
  54. 195.
    Zur kulturspezifischen Genese von Städten siehe Hofmeister (1996).Google Scholar
  55. 196.
    Die Demokratisierung von Planungsprozessen erfordert — so Forester (1985) — eine Reihe von Maßnahmen gegen Verzerrungen in der Kommunikationsstruktur in der Planung. Dies reicht von der Offenlegung der Bedeutung von Planungsinhalten und-kontexten, über die Minimierung des Gebrauchs von Fachtermini bis zur Transparenz nicht geäußerter Interessen.Google Scholar
  56. 197.
    Eine Betrachtung der Planungspraxis hinsichtlich ihrer Postmodernität findet sich bei Lanz (1996).Google Scholar
  57. 198.
    Der Treibhauseffekt ist ein natürliches Phänomen. Heute beträgt die Mitteltemperatur der Erde rund 15°C, gäbe es den Treibhauseffekt nicht, läge die Erdmitteltemperatur bei-18°C. Diese 33 K Temperaturunterschied sind auf die Fähigkeit einiger Spurengase zurückzuführen, die von der Erde in Richtung Weltraum geworfene Strahlung selektiv zu absorbieren und dann in derselben Wellenlänge in alle Richtungen abzustrahlen. Neben dem bekannten Kohlendioxid gibt es eine Reihe anderer Treibhausgase, die unterschiedlichen Anteil am Treibhauseffekt haben. Den größten Anteil am Treibhauseffekt weist Wasser auf. Der Anteil von Wasserdampf am Treibhauseffekt liegt bei etwa 62 %, Kohlendioxid trägt nur zu 22 % zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei. Bei der Einschätzung von Wasserdampf als Treibhausgas sind jedoch seine starken Konzentrationsschwankungen zu berücksichtigen (vgl. Seifritz 1991, Kühne 2004c).Google Scholar
  58. 200.
    Ein Beispiel für das Einwandern einer wärmeliebenden Vogelart in den südwestdeutschen Raum ist der Orpheusspötter (Hippolais polyglotta; Werno 2001a, Werno 2001b). Diese Art war bislang vorwiegend in Südspanien und Südfrankreich heimisch und ist nun auch im Saarland an wärmebegünstigten Standorten (Hänge mit Südexposition; Irsch 1994). Eine im Saarland neu aufgetretene Pflanzenart ist das mediterran verbreitete Einfache Leinkraut (Linaria simplex). Diese Art tritt lediglich sporadisch nördlich der Alpen auf, aktuell noch im Elsass (Weicherding 2002).Google Scholar
  59. 202.
    Diese Verinselung von Raum ist auch als Verinselung von Lebenswelten interpretierbar (vgl. Zeiher/ Zeiher 1994).Google Scholar
  60. 203.
    Die traditionelle, ganzheitliche Landschaft ist also jener Raum, der sich — in der Terminologie von Herrmann/ Schweizer (1998) — am ehesten zu Überblickswissen3 zusammenfügt.Google Scholar
  61. 205.
    Kainz (1948: 55) führt über die Wertansprüche und die Erlebnisbereitschaft einer konkreten Persönlichkeit weiter aus, dass diese wiederum von zwei Faktoren bestimmt seien: „einem Dauerfaktor (Alter, Geschlecht, Temperament, Konstitutionstypus, Bildungsgrad, bisherige ästhetische Erfahrungen) und einem ungleich variableren aktuellen Faktor (Situationseinbettung, augenblickliche Stimmung und Gemütslage)“.Google Scholar
  62. 207.
    Bertels (1997) spricht in diesem Zusammenhang auch von „verdichteten Symbolen“, die für einen gesamten Ort stehen, wie das Brandenburger Tor für Berlin, die Skyline von Manhattan für New York, im Falle des Untersuchungsraumes (und weniger bekannt) der Saargegend: die Saarschleife für das Saarland, das Saarbrücker Schloss für Saarbrücken, die Burgruine für Kirkel.Google Scholar
  63. 208.
    Schelsky (1970) sieht in einer Musealisierung keinen Nachteil, da ein Museum dasjenige gegenwärtig halte, ohne das die Gegenwart nicht zu verstehen sei — wobei über die Dimension der Museen nichts ausgesagt ist.Google Scholar

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