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Interaktion/Organisation — Formalität/ Informalität

Systemtheoretische Grundbegriffe für eine Theorie der Schule
Chapter

Auszug

Es ist unbezweifelbar, dass Schulen Organisationen sind. Die von der Organisationstheorie definierten Merkmale, wie etwa die Formalisierung der Kommunikation und der Verhaltenserwartungen, die Festlegung von Mitgliedschaftsregeln und die Inklusion von Personen über Mitgliedschaftsrollen, weisen Schulen als Organisationen aus. Dieser Selbstverständlichkeit setzen allerdings sowohl die organisationstheoretische Betrachtung des Gegenstandes Schule als auch die erziehungswissenschaftlichen Reaktionen auf die Beschreibung der Schule als Organisation gewisse Widerstände entgegen. Die Organisationstheorie hat in der Auseinandersetzung mit den Organisationen des Bildungswesens wiederholt ihre Grundbegriffe verändert oder ergänzt. Die Besonderheiten des Phänomens Schule dienten als Vorlage für organisationstheoretische Begriffsinnovationen, wie etwa loose coupling (WEICK 1976) oder formal structure as myth (MEYER/ROWAN 1992). Und die Erziehungswissenschaft neigt dazu, trotz ihres erstarkten Interesses an Organisationsentwicklung soziologische Organisationstheorien zu marginalisieren, sofern es um die Behandlung schulischer Kommunikationsstrukturen geht; erziehungswissenschaftliche Zugänge zu diesem Thema erfolgen vorrangig von einem Standpunkt, der näher an Interaktionstheorien liegt. Für die erziehungswissenschaftliche Forschung zur Organisation der Schule ist daher ein Theoriedefizit zu konstatieren.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

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