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Dynamik der Pflanzengesellschaften und Pflanzensoziologische Systematik

  • R. Carbiener
Chapter
Part of the Berichte der Internationalen Symposien der Internationalen Vereinigung für Vegetationskunde book series (TUEN, volume 11)

Zusammenfassung

An Hand einiger Beispiele von strittigen Fragen in der heutigen pflanzensoziologischen Systematik versucht der Referent Anregungen zu bringen zu stärkerer Berücksichtigung zonal-klimatischer und allgemein-dynamischer Gesichtspunkte (natürliche und potentielle Sukzession) der Eingliederung verschiedener pflanzensoziologischer Einheiten in das System, sowie bei der Fassung der höheren Einheiten selbst.

Es wird vorausgesetzt, daß es dabei grundsätzlich nicht um eine Änderung des floristischen Gliederungsprinzips nach BRAUN-BLANQUET gehen kann. Die von BRAUN-BLANQUET gegründete Methodik zur Erforschung der Vegetation hat trotz der bekannten und immer wieder auftretenden theoretischen Einwände, einen nicht bestreitbaren, wesentlichen, ausschlaggebenden Fortschritt in der exakten großmaßstäblichen Kenntnis der Vegetation all derer Gebiete, in denen sie gewissenhaft gehandhabt wurde, zur Folge gehabt. Die großen synthetischen Übersichts- und Sammelwerke der letzten Jahre, in welchen eine noch nie erreichte Feinheit der Analyse sich mit klarer überregionaler Übersichtlichkeit verbindet, stellen dafür den eklatantesten Beweis dar. Die Bewährung in der Praxis liefert den Prüfstein einer jeden Methodik. Es geht also nur darum, gewisse Mängel und Schwierigkeiten zu verringern. Zu diesen Mängeln gehört die Überwindung der Gegensätze zwischen Pflanzensoziologie einerseits und der Pflanzengeographie und Ökologie andererseits, die von vielen Autoren hervorgehoben werden. Diese Gegensätze sind z.T. normal, z.T. maßstabsbedingt. Andere Mängel sollten jedoch im Interesse einer besseren interdisziplinären Verständlichkeit behoben werden. Zu diesen Mängeln gehört die große Uneinheitlichkeit der praktirschen, räumlichen und und ökologischen Bedeutung der Vegetationseinheiten höheren systematischen Ranges. Es ist unbestreitbar, daß bei der Abgrenzung derselben ein subjektives Moment nicht vermieden werden kann, und Zweck und Ziel des Bearbeiters mitspielen. Es wäre wünschenswert, wenn bei der Erarbeitung der höheren Einheiten großklimatische, d.h. zonal-dynamische Gesichtspunkte (gegen die Arealgrenzen in lokalklimatische übergehend) den Vorrang gegenüber edaphischen oder biotischen erhalten würden. Damit dürfte der nicht immer unberechtigte Vorwurf vieler Pflanzengeographen und Ökologen einer zu großen Künstlichkeit des Systems entkräftigt werden, und z.B. der Feststellung von C.TROLL, daß in gewissen Fällen “die pflanzensoziologische Systematik einheitliche Landschaftszellen, die ökologische und physiognomische Ganzheiten sind, völlig zerreißen kann” abgeholfen werden. Bei unmittelbar sukzessionsbedingten Einheiten, wie z.B. den Schlagfluren, Gebüsch- und Saumgesellschaften usw., wäre es günstig, die wirkliche oder potentielle dynamische und ökologische Verbindung mit den meist unmittelbar benachbarten klimatischen oder klimatisch-edaphischen Waldgesellschaften im System zu berücksichtigen. Dies, z.B. indem sie vielleicht nicht als selbständige Klassen gefaßt werden, sondern nur zu eigenen Ordnungen zusammengestellt werden, Ordnungen die z.T. parallel in verschiedenen Klassen sich wiederfinden können. Dies würde eine Annäherung an ein mehrdimensionales, dynamisch-ökologisches Gliederungsprinzip darstellen. Durch Maßnahmen dieser Art wäre der zur Zeit bestehende Streit zwischen den Anhängern eines auf ökologische Zeigergruppen aufgebautem Systems, oder den Befürwortern eines dynamischen auf Sukzession und Klimax geeichten Systems und den Getreuen des Kenn- und Trennarten-Systems nach BRAUN-BLANQUET, wenigstens entschärft.

Der Referent erläutert dann durch Beispiele Möglichkeiten einer Verbesserung der pflanzensoziologischen Systematik durch eine dynamische und zonale Betrachtungsweise. So dürften z.B. die oligotrophen bodensauren Buchenwälder nicht an die Q u e r c e -t a 1 i a angegliedert werden, weil solche Wälder weit über das Eichenklimaxgebiet heraus verbreitet sind und oft in engstem räumlichen Kontakt zu “echten” Fagetalia -Gesellschaften stehen, was von ELLENBERG schon betont wurde- Desgleichen dürfte das Problem der subalpinen Krüppelbuchen-Wälder (Aceri-Fa-getum) nur in zonal-klimatischer und dynamischer (verminderter Vitalität der Holzgewächse) Sicht zu lösen sein (eventuelle An-gliederung an die Betulo-Adenostyletea, mit welchen sie in äußerst engem dynamischen Kontakt stehen). In der subalpinen und alpinen Stufe stellt sich die Frage der dynamischen Beziehungen zwischen der Zwergstrauchheiden, den Nardeten und pro parte den Koniferen-Wäldern. Hier stört der Gegensatz zwischen mehr edaphisch (Nardetalia) und mehr klimatisch gefaßten Einheiten (Vaccinio-Piceetalia). Es dürfte sich eine neue klimatisch-zonale, d.h. höhenstufenbedingte Klassifikation als zweckmäßiger erweisen, wie sie z.B. in Skandinavien gebraucht wird (Deschampsio-Myrtilletalia). Was die Schlag-, Mantel- und Saumgesellschaften betrifft, dürfte den dynamischen Zeigerarten eine größere systematische Bedeutung angemessen werden, was eine schnellere und bessere Eingliederung in landschaftsökologische Systeme erlauben würde.

Ob sich solche Vorschläge verwirklichen lassen, wird nur neue Tabellenarbeit erweisen.

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© Springer Science+Business Media Dordrecht 1979

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  • R. Carbiener

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