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Einleitung: Der deutsche Konstitutionalismus — ein ‘dilatorischer Kompromiss’?

  • Dieter Grosser
Chapter
Part of the Studien zur Regierungslehre und Internationalen Politik book series (SRIP, volume 1)

Zusammenfassung

Das deutsche konstitutionelle System, wie es sich in den deutschen Einzelstaaten nach dem Vorbild der französischen ‘charte constitutionelle’ von 1814 ausgebildet hatte, war ‘dualistisch’1. Monarchische Regierung und Parlament standen im Prinzip unterbunden nebeneinander, bildeten getrennte Machtfaktoren. Die Mitglieder der Regierung wurden vom Fürsten ernannt und entlassen. Sie kamen meist aus dem Verwaltungsdienst, gelegentlich aus der Armee, sehr selten aus dem Parlament und hingen in ihrer Amtsführung ausdrücklich nicht vom Vertrauen der Parlamentsmehrheit, sondern allein vom Plazet des Fürsten ab. Die gesamte Exekutive galt als Prärogative der Regierung; an der Legislative nahmen Parlament und Regierung formell gleichberechtigt teil: beide hatten Initiativrecht und absolutes Veto gegen die Beschlüsse des anderen Organs. Bismarck hatte auch das Reich nach dem dualistischen Prinzip konstruiert und dabei darauf geachtet, dass die Regierung die Verfügung über die gesamte Exekutive, vor allem auch über Aree und Diplomatie behielt und der Reichstag auf die Mitwirkung an der Gesetzgebung und auf die Geldbewilligung beschränkt blieb.

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Anmerkungen zur Einleitung

  1. 2.
    Carl Schmitt, Staatsgefüge und Zusammenbruch des Zweiten Reiches, 1934.Google Scholar
  2. 3.
    Vgl. Georg Jellinek, Verfassungsänderung und Verfassungswandel, 1906.Google Scholar
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Copyright information

© Springer Science+Business Media Dordrecht 1970

Authors and Affiliations

  • Dieter Grosser

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