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Die älteste österreichische Bleiweißfabrik und ihre Gründung in Klagenfurt im Jahre 1761

  • Karl Dinklage
Part of the Technisches Museum für Industrie und Gewerbe in Wien Forschungsinstitut für Technikgeschichte book series (TECHNIKER, volume 18)

Zusammenfassung

Eine der ersten und bedeutendsten Persönlichkeiten, welche die von der Kaiserin Maria Theresia zur Hebung des Wohlstandes und der Bildung der Bevölkerung und zur Industrialisierung des Landes gewünschten Maßnahmen in Kärnten durchführte und sich mit großem Fleiß und seltener Ausdauer in diesem Werke Jahrzehnte hindurch erfolgreich betätigte, war der Repräsentations- und Kammerrat Johann Michael von Herbert (Bild 1). Er entstammte einer westfälischen Patrizierfamilie aus dem Städtchen Rüthen, wo als sein Urgroßvater Hermann Herverdes nachweisbar ist. Dessen daselbst im Jahre 1639 geborener Sohn Johann Herverdes (Herberts) hatte am 17. 9. 1660 in Paderborn das Doktorat der Philosophie und am 1. 3. 1668 in Padua dasjenige der Medizin erworben und war dann als Physikus von den Ständen Kärntens in Klagenfurt angestellt worden. In Ausübung seines Dienstes war er am 30. 9. 1697 zu Villach an der Pest1 gestorben.
Bild 1

Johann Michael Freiherr von Herbert (1726–1806)

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Notes

  1. 1.
    Vgl. über die genannte Abstammung die einzig verläßlichen Angaben von Heinrich Hermann: Carinthia 1857, Nr. 9. — Aus England kam die Familie Herbert nicht, was F. Sedlacek, Das Werden des Kärntner Bleiweiß-Verfahrens: Blätter für Geschichte der Technik, 5, 1938, S. 84, annimmt.Google Scholar
  2. 2.
    Allgem. Verwaltungs-Archiv Wien: Ehem. Adelsarchiv, Adelsbrief für Franz Herwerts vom 21. September 1715.Google Scholar
  3. 3.
    Landesarchiv Klagenfurt, Landtafel 447, F. 30. — E. H. Kneschke, Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart, 1852, S. 248.Google Scholar
  4. 4.
    Allgem. Verwaltungs-Archiv Wien: Ehem. Adelsarchiv, Verzeichnis über die Verleihung der Inkolate in Kärnten.Google Scholar
  5. 5.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 339. (Die Folienangaben geben immer jeweils das erste Blatt des gesamten Aktes an, in dem das betreffende Zitat zu finden ist.) — Ähnliche Daten ergeben sich aus einer Ende 1764 von Johann Michael von Herbert gemachten Angabe, daß er seit 13 Jahren ohne Besoldung der Kaiserin diene (ebenda, F. 107), und seinem Anfang September 1764 eingebrachten Gesuch um die Verleihung des Freiherrnstandes, worin er sagt, daß er schon seit 11 Jahren als k. k. Landesrat und Kommerzienrat tätig sei (Allgem. Verwaltungs-Archiv Wien, Ehem. Adelsarchiv, Freiherrnbrief für Johann Michael von Herbert vom 28. Februar 1767).Google Scholar
  6. 6.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 392, 318, 338.Google Scholar
  7. 7.
    Ebenda, Fasz. 438.Google Scholar
  8. 8.
    Ebenda, Fasz. 419. — Die Angabe von E. HerbertKerchnawe, Die Bleiweißfabrikation in Österreich, 1898, S. 4 f., daß von der Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1756 für die später von Johann Michael von Herbert in Klagenfurt errichtete Bleiweißfabrik ein Fabriksprivilegium erteilt worden wäre, was urkundlich nachgewiesen sei, folgt zweifellos aus einem Mißverstehen des Seilfabriks-Privilegs, das E. Herbert-Kerchnawe vielleicht nicht gut zu lesen verstand. Das hatte aber zur Folge, daß F. Pehr, Produktionsverhältnisse in Kärnten, 1909, S. 44, ebenso L. Jahne, Zur Geschichte der Bleiweiß-Erzeugung in Kärnten: Carinthia I, S. 53, ferner F. Sedlacek, Das Werden des Kärntner Bleiweißverfahrens: Blätter für Geschichte der Technik, 5, 1938, S. 85, und H. Wiessner, Geschichte des Kärntner Bergbaues, II, 1951, S. 136, dieses unrichtige Gründungsdatum übernahmen. — Eingehende Angaben über die Errichtung der Klagenfurter Bleiweißfabrik in dem zutreffenden Gründungsjahr 1761 und ihre ältere Entwicklung hat der Verfasser dieses Aufsatzes bereits in seinem Werke „Kärntens gewerbliche Wirtschaft von der Vorzeit bis zur Gegenwart“, 1953, S. 237, gemacht.Google Scholar
  9. 9.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz. Fasz. 451, F. 107.Google Scholar
  10. 10.
    Hofkammerarchiv Wien, Alte Kommerz. Fasz. 11; Kommerz. Fasz. 434.Google Scholar
  11. 11.
    Ebenda, Kommerz. Fasz. 451, F. 18;. Fasz. 443.Google Scholar
  12. 12.
    Ebenda, Fasz. 451, F. 105 und 4.Google Scholar
  13. 13.
    Ebenda, F. 12. — F. Herbert-Kerchnawe, Bleiweißfabrikation in Österreich, S. 4, hält das Kremserweiß überhaupt nicht für ein künstlich hergestelltes Bleiweiß, sondern für natürlich vorkommende weiße Minerale, welche fein gepulvert, geschlemmt und mit einem Bindemittel versehen, als Malerfarbe Verwendung fanden. Das stimmt mit der zeitgenössischen Literatur überein: F. W. Weiskern, Topographie von Niederösterreich, 1, 1769, S. 329, sagt unter Krems: „Unweit von hier bei der sogenannten Silbergrube ist eine Alaunraffinierung; auch wird die Farberde daselbst gegraben, woraus man das sogenannte Kremserweiß verfertigt.“ In: Das gewerbfleißige Deutschland, 5, 1803, S. 299, liest man: „Kremser Weiß: Diese bekannte Sorte von Bleiweiß wird hier aus einer gefärbten Erde, die man in Gruben bricht, verfertiget.“ — Im gleichen Sinne berichtet H. J. V. Cranz, Gesundbrunnen der österreichischen Monarchie, 1777. — Demgegenüber hat H. Plöckinger in Amtl. Festschrift d. Wachauer u. Waldviertier Ausstellung 6. bis 14. 9. 1924 (Sonderfolge der Landeszeitung), S. 5, an Hand eines im Kremser Stadtarchiv aufbewahrten Rechnungsbuches der dortigen Bleiweißfabrik des Sebastian Hölzl, welches die Jahre 1773 bis 1786 umfaßt, nachgewiesen, daß zur Herstellung von Kremserweiß auch Kärntner Bleiplatten als Rohmaterial dienten. Nur glaubt er, erdige Zusätze aus dem, Alauntal, wo die Bleiweißfabrik neben der Alaungrube stand, ausschließen zu dürfen und meint, die älteste Quelle über die Kremserweißherstellung in Händen zu haben. Er übersieht dabei, daß Weiskern schon 1769, also vor Beginn obigen Rechnungsbuches, von der Farberdgewinnung im Alauntal für die Kremserweißbereitung berichtet. Ihr Vorkommen war der Grund dafür, daß dort frühzeitig Bleiweiß erzeugt wurde.Google Scholar
  14. 14.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 12.Google Scholar
  15. 15.
    Ebenda, F. 4.Google Scholar
  16. 16.
    Ebenda, F. 167. — Diesem Jahr 1760 kommt die Angabe über die Aufnahme der Bleiweißerzeugung durch Herbert von Heinrich Hermann in: Kärntnerische Zeitschrift, VII, 1832, S. 94, und Handbuch der Geschichte Kärntens, 2, 1860, S. 386, sowie 3, 1860, S. 367, wo überall das Jahr 1859 genannt ist, nahe. — Freilich wurde damals nicht die Fabrik gegründet, wie Hermann behauptet; aber vielleicht begann Herbert damals schon mit den ersten Planungen.Google Scholar
  17. 17.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 107.Google Scholar
  18. 18.
    Landesarchiv Klagenfurt, Landtafel 3, F. 389.Google Scholar
  19. 19.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 4.Google Scholar
  20. 20.
    Ebenda, F. 12.Google Scholar
  21. 21.
    Ebenda, F. 18.Google Scholar
  22. 22.
    Ebenda, F. 41, 40, 45.Google Scholar
  23. 23.
    K. Dinklage und A. Wakolbinger, Kärntens gewerbliche Wirtschaft von der Vorzeit bis zur Gegenwart, 1953, S. 243.Google Scholar
  24. 24.
    Hofkammerarchiv Wien, Fasz. 451, F. 81.Google Scholar
  25. 25.
    Ebenda, F. 88, 92.Google Scholar
  26. 26.
    Ebenda, F. 107, 110, 113.Google Scholar
  27. 27.
    Blätter für Geschichte der Technik, 5, 1938, S. 83.Google Scholar
  28. 28.
    B. F. Hermann, Reisen durch Österreich, Steyermark, Kärnten, Krain, Italien, Tyrol, Salzburg und Baiern im Jahre 1780, Wien, 1781, S. 145.Google Scholar
  29. 29.
    Landesarchiv Klagenfurt, Landtafel 436, F. 11.Google Scholar
  30. 30.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 284.Google Scholar
  31. 31.
    G. Jars, Metallurgische Reisen vom Jahre 1757 bis 1769. Aus dem Französischen übersetzt von C. A. Gerhard, III, 1785, S. 977.Google Scholar
  32. 32.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 284.Google Scholar
  33. 33.
    Ebenda, F. 189.Google Scholar
  34. 34.
    Ebenda, F. 126.Google Scholar
  35. 35.
    Landesarchiv Klagenfurt, Ständische Handschrift 495, S. 7; Landtafel 436, F. 7, 10.Google Scholar
  36. 36.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 132.Google Scholar
  37. 37.
    Ebenda, Fasz. 392.Google Scholar
  38. 38.
    E. Herbert-Kerchnawe, Bleiweißfabrikation in Österreich, S. 5. — Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 138.Google Scholar
  39. 39.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 176.Google Scholar
  40. 40.
    Allgemeines Verwaltungsarchiv Wien, Ehem. Adelsarchiv, Freiherrnbrief für Johann Michael von Herbert vom 28. Februar 1767.Google Scholar
  41. 41.
    Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 451, F. 217.Google Scholar
  42. 42.
    Ebenda, F. 264.Google Scholar
  43. 43.
    Ebenda, F. 313.Google Scholar
  44. 44.
    Ebenda, F. 356.Google Scholar
  45. 45.
    Landesarchiv Klagenfurt, Landtafel 437, F. 571. — Hofkammerarchiv Wien, Kommerz Fasz. 419, F. 187.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1956

Authors and Affiliations

  • Karl Dinklage
    • 1
  1. 1.KlagenfurtÖsterreich

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