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Zusammenfassung

Wenn über Ästhetik von Ingenieurbauwerken im allgemeinen gesprochen werden soll, ist es notwendig, um unvoreingenommen herantreten zu können, zunächst mit einer Anzahl von Schlagworten und Modeansichten zu brechen. Daß solche entstanden, ist darauf zurückzuführen, daß die schönheitliche Beurteilung von Ingenieurbauwerken zumeist Künstlern, besonders Architekten, überlassen
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wurde, die der Ingenieurbaukunst von heute mit ihren starken Anforderungen an Theorie recht ferne stehen und das Neue dieser Kunst gerne nach jenen Regeln zu messen trachten, die für die Beurteilung ihrer eigenen Werke ihnen geläufig sind. Solche Beurteilung muß um so schiefer ausfallen, je ferner die neuen Bauweisen den altgewohnten gegenüberstehen, und dies ist wohl im Brückenbau, besonders aber im Eisenbrückenbau, am meisten der Fall. Kein Wunder, daß gerade der letztere auf die größten Widerstände stieß. Nun sind die Ansichten der Architekten über die Ästhetik moderner Bauwerke noch nicht einmal so weit geklärt, daß es bei ihren eigenen Bauwerken zu irgend einer Einheitlichkeit der Anschauungen gekommen wäre und die Gegensätze prallen noch recht heftig aufeinander. Was soll man da erst von ihnen im Brückenbau erwarten, der doch etwas ganz anderes als der Hochbau ist? Ich glaube nicht, daß die Mitwirkung der Architekten bei Brückenbauten diesen erheblich genützt hat. Daß sie oft genug geschadet hat, ist sicher. Eine Reihe an sich schöner Brücken, die nur von Ingenieuren entworfen wurden, wie dies früher ja allgemein der Fall war, wurden durch unpassende Zubauten in ihrer guten Wirkung geschädigt. Selbst wenn man von Ausartungen der Architektur an Brücken, die leider häufig genug zu finden sind, absieht, muß man doch sagen, daß auch bescheidenere Ausführungen die Schönheit mancher Brücke beeinträchtigen. So würde z. B. die große Rheinbrücke bei Bonn (Abb. i) nur gewinnen, wenn die Pfeileraufbauten, die hier nicht gerade übertrieben sind, noch mehr zurückträten oder ganz entfielen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1928

Authors and Affiliations

  • Friedrich Hartmann
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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