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Antikörper pp 85-167 | Cite as

Der Antikörper, vom Antigen aus betrachtet

  • R. Doerr
Chapter

Zusammenfassung

Der Antikörper ist jedoch spezifisch auf das Antigen eingestellt, dem er seine Entstehung verdankt, und diese Beziehung eröffnet zwei Wege der Annäherung an das Antikörperproblem. Man kann nämlich zunächst untersuchen, durch welche Eigenschaften der Antigene die Spezifität der Antikörper bestimmt wird. R. Doerr (1929 b) hat die Summe dieser spezifitätsbestimmenden Eigenschaften eines Antigens als den Komplex der immunologischen Determinanten bezeichnet, ein Ausdruck, der als zweckmäßig erkannt und allgemein akzeptiert wurde. Erfahren kann man auf diese Art, welche Qualitäten der Antigene ausschließlich oder bevorzugt oder auch gar nicht in der Reaktivität des Antikörpers zur Geltung kommen; aber in dieser Methode liegt keineswegs die Notwendigkeit, daß sie darüber Aufschluß gibt, wie sich die Eigenschaften der Antigene in Reaktionsweisen der Antikörper umsetzen und was man sich unter dem materiellen Substrat der zahllosen Antikörperreaktivitäten vorzustellen hat. Zweitens kann man den Ablauf der Reaktion zwischen verschiedenen Antikörpern und den zugehörigen Antigenen in vitro als Forschungsobjekt wählen. Der „Antikörper“ kann bei solchen Untersuchungen nur als Immunserum oder als eine Proteinfraktion eines Immunserums verwendet werden, was die Bewertung und Deutung der Ergebnisse in einem bestimmten Sinne präjudiziert; auch ist der wichtigere Teil des Antikörperproblems, welcher die Vorgänge im antikörperproduzierenden Organismus umfaßt, ausgeschaltet.

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Literatur

  1. 1.
    The scientist shares with Humpty Dumpty the privilege of paying words extra and making them mean what he likes“ [WHITEHEAD, Introduction to Mathematics, zit. nach W. W. C. TOPLEY (1933)].Google Scholar
  2. 1.
    Das mit dem homologen Antigen erzielte Präzipitatvolumen wurde mit 100°/0 angesetzt und die mit den heterologen Antigenen erzielten Niederschlagsvolumina auf diese Grundzahl bezogen.Google Scholar
  3. 1.
    In einer gewissen Beziehung zur „gekreuzten Immunisierung“ sollen nach der Ansicht von H. P. TREFFERS (1944b) die Angaben von,R. E. SHOPE stehen, denen zufolge die Sera von Schweinen, welche Schweineinfluenza überstanden hatten, Mäuse gegen die Infektion mit 7 Stämmen von Schweineinfluenzavirus zu schützen vermochten, während die Antisera von Kaninchen, welche mit diesen Stämmen immunisiert worden waren, nur ausnahmsweise alle 7 Stämme neutralisierten, in der Regel nur einen Teil derselben und inGoogle Scholar
  4. 2.
    Fällen sogar nur den zur Immunisierung des Kaninchens verwendeten Stamm Auf Grund des Verhaltens gegen die Sera der rekonvaleszenten Schweine hätte man die 7 Stämme für identisch halten können; die Prüfung mit den Kaninchenantisera im gekreuzten Neutralisationsversuch deckte Verschiedenheiten auf. SHOPE vermutet, daß die 7 untersuchten Stämme zwar dieselbe Zusammensetzung hatten, daß aber die antigenen Gruppen verschieden angeordnet waren und daß nur im Kaninchen diese verschiedene Anordnung zur Auswirkung gelangt. Es sind aber noch mehrere andere Deutungen möglich, so daß nur die Tatsache bestehen bleibt, daß Immunsera, die von infizierten Individuen stammen, eine geringere Spezifität aufweisen können als Antisera, die man durch künstliche Immunisierung gewinnt,. eine Erfahrung, die man ja auch in vielen anderen Vergleichen dieser Art verzeichnet hat.Google Scholar
  5. 1.
    Individuelle Differenzen, wie sie für die Blutkörperchen festgestellt sind, konnten von R. W. CUMLEY und M. R. Inwnc (1943) auch für Blutsera von verschiedenen Menschen nachgewiesen werden. Sie traten zutage, wenn Kaninchen mit den Sera verschiedener Individuen immunisiert und die gewonnenen Präzipitine der Absorption mit den von gleichen oder anderen Men - schen stammenden Sera unterworfen wurden. Ob die Antigene Serumproteine oder andere Stoffe waren, wurde bisher meines Wissens nicht entschieden.Google Scholar
  6. 1.
    Eine wichtige, wenn auch bisher nicht aufgeklärte Beobachtung von G. KAPSENBERG besagt, daß Meerschweinchen, die man mit arteigener Linse sensibilisiert hat, nur auf die Reinjektion von arteigener, nicht aber von artfremder Linsensubstanz (von Menschen, Schweinen oder Kaninchen) reagieren; wenn man dagegen die Tiere mit artfremder Linse (Mensch, Schwein, Kaninchen) präpariert hat, kann man auch mit arteigener (Meerschweinchen-) Linse den anaphylaktischen Schock auslösen. Was die Ursache dieses Gegensatzes sein mag, ist nicht untersucht worden; er spricht aber jedenfalls gegen die Annahme, daß die Linsen aller Säugetiere ein identisches, jeder Artspezifität bares Antigen enthalten.Google Scholar
  7. 1.
    Siehe auch B. White und O. T. Avery (1913) und G. C. Lake, Tu. Osborne und H. G. Wells (1914).Google Scholar
  8. 1.
    Nach R. BLOCK und Mitarbeitern ist das Verhältnis von Eisen:Arginin:Histidin:Lysin in den 3 Hämoglobinen von Pferd, Schaf und Hund gleich 1:3: 8: 9.Google Scholar
  9. 1.
    Dieser Schluß muß nicht unbedingt richtig sein. Streng genommen kann man aus den Versuchsergebnissen nur folgern, daß die Kuppelung am Ovalbumin Gruppen verändert, welche für die originäre Spezifität dieses Proteins wichtig sind, während dies bei der Kuppelung des Serumalbumins nicht der Fall war. Es ist aber nicht notwendig, daß die Kuppelung bei den Proteinen dieselben Gruppen modifiziert hatte (s. S. 133 ff.).Google Scholar
  10. 1.
    Es braucht nicht betont zu werden, daß selbst eine genauere Aufnahme der in den Proteinen vorhandenen Aminosäuren, wie sie in letzter Zeit von E. BRAND, B. KASSELL und L. J. SEIDEL am Blutplasma des Menschen durchgeführt wurde, die bestehende Lücke nicht ausfüllen kann. Wenn die genannten Autoren feststellen, daß die Albumine (auch diejenigen verschiedener Tierarten) sehr wenig Tryptophan enthalten, daß im Pferdealbumin das Methionin fehlt, daß die y-Globuline des Menschen reich an Hydroxy-Aminosäuren sind, erfahren wir nur Einzelheiten, die wir mit der serologischen Spezifität der Serumproteine nicht in präzise Beziehung zu bringen verstehen.Google Scholar
  11. 1.
    W. DIRSCHERL (1. C., S. 368) verweist auf eine Angabe von GERNGROSS, derzufolge in der Gelatine auch 1°/0 Tyrosin vorhanden sein soll. Vielleicht sind die als Gelatine bezeichneten Präparate zuweilen mit Proteinen terunreinigt (R. BRUYNOGHE und P. VASSILIADIS).Google Scholar
  12. 2.
    Auf das geringe Molekulargewicht der Protamine hatte bereits KOSSEL, der auch die Gruppe der Histone aufgestellt hat, hingewiesen. Neuere genauere Bestimmungen (E. WALDSCHMIDT-LEITZ, ZIEGLER, SCHÄFFNER und WEIL u. a.) ergaben für Clupein ein Molekulargewicht von zirka 2000 (nach anderen Autoren zirka 4000), für Salmin zirka 3000.Google Scholar
  13. 1.
    Ob man die Beobachtungen von H. HAXTHAUSEN ( 1934, 1936, 1940), daß sich Menschen durch Schwermetallsalze, die man mit artfremdem Serum vermischt hat, sensibilisieren lassen, als „Kombinationsimmunisierung“ auffassen darf, ist zweifelhaft. HAXTHAUSEN hat mit Sublimat (1934), mit Nickel- und mit Kobaltsalzen (1936) allergische Zustände hervorrufen können, die sich zum Teile auf die sensibilisierte Stelle beschränkten, bisweilen aber auch von hier aus auf das ganze Hautorgan ausdehnten. Die erforderlichen Mengen Pferdeserum waren minimal. Mit Nickel sensibilisierte Individuen reagierten in manchen Fällen auch auf Kobalt, doch waren die Reaktionen auf das zur Sensibilisierung verwendete Metall am stärksten.Google Scholar
  14. 1.
    Gemeint sind eben die Untersuchungen mit künstlichen Komplexantigenen.Google Scholar
  15. 2.
    Das Kaninchen steht in dieser Reihe an letzter Stelle, weil die Antisera durch Immunisierung von Kaninchen erzeugt werden; Kaninchenserum ist also „arteigenes“ Serum.Google Scholar
  16. 1.
    Unter isosteren Verbindungen sind Substanzen zu verstehen, welche hinsichtlich ihrer chemischen Struktur und ihrer physikalischen Eigenschaften einander nahestehen und sich oft in Kristallen gegenseitig vertreten können.Google Scholar
  17. 2.
    Sulfanilsäure = H2N.C6H,S03H; Benzolsulfonsäure = C6115S03H; Benzolselenonsäure = C6H5Se03II; Benzolsulfinsäure = C61I5S02H.Google Scholar
  18. 1.
    Der Begriff der Polarität muß hier vorausgesetzt werden. Es sei nur kurz bemerkt, daß man als polare Stoffe Substanzen bezeichnet, welche im festen Aggregatzustand ein Ionengitter bilden und in flüssiger Form, vollkommen in Ionen dissoziierend, Leiter der Elektrizität sind. T npolare Substanzen bilden im festen Aggregatzustand ein Atom- oder Molekelgitter und leiten im flüssigen Zustand die Elektrizität, nicht. Zu den unpolaren Stoffen gehören jene, deren Moleküle sich aus Atomen gleichen Wertigkeits-sinnes zusammensetzen (112, 02, N2, C12). Salze (Na+Cl- usw.) sind polar. Die Polarität kann Abstufungen zeigen. Das Maß für die Polarität einer Molekel ist das Dipolmoment fr = e~, wobei unter e die elektrische Ladung, unter der Abstand von positiver und negativer Ladung des Dipols (des Moleküls. mit zwei entgegengesetzten Ladungen) zu verstehen ist (siehe E. RIESENFELD, S. 133).Google Scholar
  19. 1.
    Die „Wasserstoffbindung“ kommt zustande, wenn ein an ein negatives Atom gebundenes H-Atom ein ungeteiltes Elektronenpaar eines anderen elektronegativen Atoms anzieht. Die in Abb. 12 dargestellten Bindungen zwischen zwei gestreckten Polypeptidketten sind solche 13-Bindungen.Google Scholar
  20. 1.
    Die einfachere „Kombinationsimmunisierung“, d. h. das bloße Vermischen der bakteriellen Kohlehydrate mit Serum, versagte in diesem Falle (S. M. PARTRIDGE und W. T. J. MORGAN).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1947

Authors and Affiliations

  • R. Doerr
    • 1
  1. 1.BaselSchweiz

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