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Der Entstehungsmechanismus der Hautreaktionen

  • Adolf F. Hecht
Chapter
Part of the Abhandlungen aus dem Gesamtgebiet der Medizin book series (AGM, volume 11)

Zusammenfassung

Aus dem Fehlen muskulärer Elemente an den subpapillaren und papillaren Gefäßen hat man mit Unrecht geschlossen, daß diese Gebilde einer aktiven Kontraktion und Dilatation unfähig seien. Die von Stricker schon 1865 beobachtete Kontraktion von Kapillaren erfolgt durch kontraktile Zellen, die dieselben, wenn auch nicht lückenlos umspinnen (Charles Rouget). Die von den zuführenden Arterien unabhängige Fähigkeit der Kapillaren, sich zu erweitern und zu verengern, wurde von August Bi er einwandfrei nachgewiesen. Im Gegensatz zu den größeren Gefäßen reagieren die Kapillaren auf schwache Reize mit Kontraktion und auf starke mit Dilatation. Durch die Kapillarmikroskopie läßt sich nicht nur eine aktive Verengerung, sondern geradezu eine Art von Peristaltik an den Gefäßschlingen des Nagelfalzes nachweisen (Otfried Müller). Mit der Auffassung der Selbständigkeit des Kapillargebietes gegenüber dem zuführenden Gefäßsystem stimmt auch die bekannte Beobachtung, daß z. B. die Hand warm und dabei blaß, und anderseits wieder kühl und dabei rot sein kann. Im ersteren Falle sind die Arterien weit und die,Kapillaren eng, es strömt also wenig Blut mit großer Geschwindigkeit hindurch; im letzteren Falle sind die Arterien eng und die Kapillaren weit, was zu einer langsamen Strömung einer großen Blutmenge führen muß (Ebbeke). An einem Patienten mit Durchtrennung des Plexus brachialis und sensibler, motorischer und vasomotorischer Lähmung der oberen Extremität konnte Ebbeke die lokalen vasomotorischen Hautreaktionen ohne reflektorische Komponenten studieren. Die Reaktionszone fand er nun genau dem gereizten Gebiet entsprechend und von keinerlei Reaktionshof umgeben. Die von ihm mechanisch ausgelösten Reaktionen werden unten ausführlicher besprochen werden; hier sei nur erwähnt, daß er dieselben auch an der Leberoberfläche von Säugetieren und Fröschen erhalten konnte, so daß wir berechtigt sind, von allgemein gültigen, nicht nur auf die Haut. gefäße beschränkten Gesetzen zu sprechen. Im einzelnen Falle ist es oft schwer, zu entscheiden, ob der Reiz an den Arterien oder Kapillaren, an deren nervösen oder kontraktilen Elementen und ob er als Erregung oder Lähmung angegriffen hat. Nach der Intensität des Gewebsreizes unterscheidet Ricker (1) folgende vier Reaktionsstufen:

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1925

Authors and Affiliations

  • Adolf F. Hecht
    • 1
  1. 1.Universität WienÖsterreich

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