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Die Grundbegriffe der Wahrscheinlichkeitsrechnung

  • Adalbert Duschek
Chapter

Zusammenfassung

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ist um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts aus dem Bestreben entstanden, die bei Glücksspielen beobachteten Gesetzmäßigkeiten zu erfassen, um so für das Verhältnis von Einsatz und Gewinn im voraus einige Sicherheit zu erzielen. Während Einzelfragen schon früher behandelt worden sind, kann man von einer systematischen Entwicklung einer eigenen mathematischen Theorie erst seit dem Erscheinen von Jakob Bernoullis1 nachgelassenem Werk „Ars coniectandi“ (1713) sprechen. Die Theorie wurde hundert Jahre später durch Laplace2 in seiner „Theorie analytique des probabilités” zum Abschluß gebracht. Den damit erreichten Stand der Theorie pflegt man als klassische Wahrscheinlichkeitsrechnung zu bezeichnen. Trotz der großen und vielfach klar erkannten begrifflichen Schwierigkeiten, die dem klassischen Wahrscheinlichkeitsbegriff anhaften und die ich im folgenden noch darlegen werde, ist man mehr als hundert Jahre nicht über den Standpunkt von Laplace hinausgekommen. Solange die Theorie der Glücksspiele das einzige Anwendungsgebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnung war, mag auch kein Grund vorgelegen sein, die gerade hiefür besonders geeignete klassische Wahrscheinlichkeitsdefinition zu verlassen. Anders wurde es, als sich das Anwendungsgebiet im Lauf der Zeit immer mehr erweiterte und die Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht nur in der Versicherungstechnik, sondern auch in den Natur- und Gesellschaftswissenschaften, vor allem aber in der theoretischen Physik eine immer größere, ja fast fundamentale Rolle zu spielen begann. Es ist mir aber nicht möglich, auf diese neueren Untersuchungen hier näher einzugehen. Ganz abgesehen davon, daß diese doch mehr prinzipiellen Auseinandersetzungen den Rahmen dieser Vorlesung weit überschreiten würden, scheinen sie auch noch nicht bis zu jenem endgültigen Abschluß gediehen zu sein, der nötig wäre, um ihre Darstellung in einer einführenden Vorlesung zu rechtfertigen. Ich stelle mich also im wesentlichen auf den Boden der klassischen Wahrscheinlichkeitsrechnung und will Ihnen die wichtigsten Ergebnisse im folgenden darlegen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1949

Authors and Affiliations

  • Adalbert Duschek
    • 1
  1. 1.Technischen Hochschule WienWienAustria

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