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Versuch der Systematisierung einer Theorie von Siedlungs- bzw. Ranggrößenverteilungen

  • Christian Karsch
Part of the Schriftenreihe der Österreichischen Gesellschaft für Raumforschung und Raumplanung book series (2328, volume 23)

Zusammenfassung

Aus dem bisher Gesagten wird deutlich, daß die Befassung mit Siedlungs- bzw. Ranggrößenverteilungen unter einem Ganzheits-Makroaspekt erfolgt; d.h., alle oder alle bedeutsamen Siedlungen eines zusammengehörigen Gebietes (Region, Land, Kontinent) werden insgesamt erfaßt. Theorien zur Siedlungsgrößenverteilung haben zu erklären, wie solche Häufigkeits- oder Ranggrößenverteilungen von Siedlungen entstehen, warum und wie sie sich verändern: Was außer dem Zufall noch die Determinanten dieser Verteilungen sind. — Und darin liegt auch die Aktualität der Siedlungs-größenverteilungen als Forschungsansatz, nämlich Aussagen über Siedlungssysteme zu machen. Bevölkerungszusammenballungen, die Zersiedelung von Landschaften, Verstädterung, der Wandel der Produktionsbedingungen1), wirtschaftliches Wachstum (Industrialisierung) und strukturelle Rezessionen2), institutionelle Veränderungen und vieles andere mehr findet in den Siedlungsstrukturen bzw. -systemen bzw. -verteilungen eine Resonanz, ohne daß sich die einzelnen verursachenden Phänomene und ihre Einflüsse voneinander säuberlich trennen ließen. Augenfällig und “leicht” untersuchbar ist zunächst nur das Resultat: die Siedlungs- bzw. Ranggrößenvertei lung und ihre Veränderung.

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Reference

  1. 1).
    Wandel der Produktionsbedingungen (der Produktionsfunktion(en) beispielsweise in Form von technischem Fortschritt, welcher die Produktionsfunktionen für zentralörtliche Dienste und damit die örtliche Funktionsaufteilung ändert.Google Scholar
  2. 2).
    Unter strukturellen Rezessionen werden alle jene wirtschaftlichen Aktivitätsminderungen verstanden, die sich nicht unmittelbar als konjunkturelle Phänomene erklären lassen.Google Scholar
  3. 3).
    Zum Konzept des Apriorismus siehe die wissenschaftstheoretische Studie von Michael Wagner, Ökonomische Modelltheorie, Wien 1976, S. 56ff. Durch die aprioristische Position erhält die als Bezugsverteilung gewählte Siedlungsgrößenverteilung paradigmatischen Charakter.Google Scholar
  4. 4).
    Eben diesen Weg wählt auch John B. Parr, A Class of Deviations from Rank-Size Regularity: Three Interpretations. In: Regional Studies, Vol. 10 (1976), p. 285–292.Google Scholar
  5. Auch E. v. Böventer hat bei seinem Versuch, Siedlungsgrößen-Google Scholar
  6. verteilungen entwicklungstheoretisch zu erklären, auf eine Pareto-Verteilung als Reverenzverteilung zurückgegriffen. Edwin v. Böventer, City Size Systems: Theoretical Issues, Empirical Regularities and Planning Guides. In: Urban Studies, Vol. 10 (1973), p. 145–162.Google Scholar
  7. Ähnlich–aber nur im Ansatz–Barbara Jokiel and Beniamin Kostrubiec, An Attempt to Determine the Size of an Open Settlement System Using the Rank-Size-Rule. In: Economic Models in Regional Development and Planning, ed. by Marek Jerczynski, Mark K. Bandman, Warszawa 1976, p. 165–173.Google Scholar
  8. 5).
    So auch Barbara Jokiel and Beniamin Kostrubiec, “An Attempt…”, s.o., p. 165.Google Scholar
  9. 6).
    Die Wirksamkeit des raumdifferenzierenden Faktors “Bodenpreise” wird hier außer Acht gelassen. Hinsichtlich der übrigen zwei Faktoren gelangt E. v. Böventer zu dem gleichen Ergebnis, wie dem hier vorgestellten: Edwin v. Böventer, Theorie des räumlichen Gleichgewichts, Tübingen 1962,S.14/15.Google Scholar
  10. Der Rückgriff auf raumdifferenzierende Faktoren ist deshalbGoogle Scholar
  11. bedeutungsvoll, weil diese als Konstituanten der raumwirtschaftlichen Theorie gelten.Google Scholar
  12. ) Die zwei Extremfälle begrenzen aber auch die Steigung derGoogle Scholar
  13. logarithmierten Ranggrößen-Regel. Sie ist null bei völlig gleichmäßiger Versiedelung und minus Unendlich bei völliger Ballung in einer einzigen Siedlung. Siehe dazu Barbara Jokiel und Beniamin Kostrubiec, “An Attempt…”, s.o., p.166 undGoogle Scholar
  14. 170.
    Die Steigung minus Eins liegt genau in der Mitte des Intervalls der beiden Winkel 90° und 180°.Google Scholar
  15. 8).
    Zum Dziewofiski-Theorem siehe zunächst die Fassung von BarbaraGoogle Scholar
  16. Jokiel and Beniamin Kostrubiec, “An Attempt…”, p. 166.Google Scholar
  17. Ursprünglich hatte Kazimierz Dziewofiski (1972) seine These allerdings allgemeiner formuliert und nicht auf die Existenz einer Ranggrößen-Regel abgestellt: “If a set of (cities and) settlements within a certain area represents a regional settlement system, then this set, when ordered according toGoogle Scholar
  18. the size of individual settlements, has a characteristic distribution which may be generalized and defined mathematically“. (p. 79).Google Scholar
  19. Kazimierz Dziewofiski, General Theory of Rank-Size Distribu-Google Scholar
  20. tions in Regional Settlement Systems: Reappraisal and Reformulation of the Rank-Size-Rule. In: Papers of the Regional Science Association. Vol. 29 (1972), p. 73–86.; obige These wurde wiederholt in: Kazimierz Dziewofiski, The Role and Significance of Statistical Distributions in Studies of Settlement Systems. In: Papers of the Regional Science Association, Vol. 34 (1975), p. 145–155.Google Scholar
  21. Die von B. Jokiel and B. Kostrubiec gewählte engere Formulierung bringt jedoch den Grundgedanken, daß ein Siedlungsgrößensystem sich aus verschiedenen Subsystemen aufbaut, klarer zum Ausdruck.Google Scholar
  22. Rein formal ist der Beweis des Dziewofiski-Theorems zunächstGoogle Scholar
  23. einfach, denn eine Pareto-Verteilung ist additiv. Es gilt, jenen Steigungsparameter der logarithmierten Form zu finden, q*, der mit dem empirischen Steigungsparameter q sich auf -1 ergänzt. q* ist dann der Steigungsparameter der Siedlungsgrößenverteilung im Restgebiet (Komplement von w). Es ist aber fraglich, ob in der Wirklichkeit stets ein solches komplementäres Gebiet existiert und ob es der Forderung genügt, zusammenhängend zu sein.Google Scholar
  24. 9).
    John B. Parr, A Class of Deviations from Rank-Size Regularity: Three Interpretations. In: Regional Studies, Vol. 10 (1976), p. 285–292.Google Scholar
  25. 10).
    Siehe dazu den Abschnitt über “Stochastische Modelle”, S.59ff.Google Scholar
  26. 11).
    John B. Parr, A Class of Deviations…, s.o.p. 290ff.Google Scholar
  27. 12).
    Für Firmengrößenverteilungen hat u.a. J.M. Samuels, Size and Growth of Firms. In: Review of Economic Studies, Vol. 32 (1965), p. 105–112, derartige Zusammenhänge untersucht.Google Scholar
  28. 13).
    Das eigentliche Ziel der Studie von Daniel R. Vining ist, Y. Ijiri und H.A. Simon nachzuweisen, daß Autokorrelation zu konvexen und nicht, wie diese behaupten, zu konkaven Abweichungen führt.Google Scholar
  29. Daniel R. Vining, Autocorrelated Growth Rates and the Pareto Law: A Further Analysis. In: Journal of Political Economy, Vol. 84 (1976), p. 369–380.Google Scholar
  30. Y. Ijiri and H.A. Simon, Business Firm Growth and Size. In: American Economic Review, Vol. 54 (1964), p. 77–89.Google Scholar
  31. Y. Ijiri and H.A. Simon, Interpretations of Departures from the Pareto Curve Firm-Size Distributions. In: Journal of Political Economy, Vol. 82/1 (1974), p. 315–331.Google Scholar
  32. Ein anschauliches Beispiel für das Ausmaß an Autokorrelation, das in empirischen Ranggrößenverteilungen vermutet werden kann, findet sich bei Tobias Studer, Untersuchungen über das Wachstum der Schweizer Städte. In: Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik, Jg. 109 (1973), S. 187199. T. Studer gibt an, daß bei der von ihm gewählten Untersuchungsanordnung mit 46% Autokorrelation gerechnet werden kann.Google Scholar
  33. 14).
    Daniel R. Vining, Autocorrelated Growth Rates…, s.o., spricht von einem “age effect” und konkretisiert diesen als die “…inhibitory effects of age on growth” (p.378), meint aber den Umstand einer negativen Korrelation zwischen Größe und Wachstumsrate. Vining unterstellt dadurch eine positive Korrelation zwischen Alter und Siedlungs- bzw. Firmengröße. Hinsichtlich der Wachstumsrate heißt das: die 1. Ableitung der Siedlungsgrößenfunktion ist positiv, die 2. Ableitung ist negativ.Google Scholar
  34. 15).
    Siehe dazu die empirischen Untersuchungen sowie die Diffusionsmodelle städtischen Wachstums bei Brian T. Robson, Urban Growth, An Approach, London 1973, p. 90ff.Google Scholar
  35. 16).
    Siehe dazu z.B. die bei Charles T. Stewart gezeigten Ranggrößenverteilungen für Dänemark und Schweden.Google Scholar
  36. Charles T. Stewart, The Size and Spacing of Cities. In: Readings in Urban Geography, ed. by H. Mayer and Clyde F. Kohn, Chicago LKQLondon 1959, p. 240–256, p: 246.Google Scholar
  37. Ebenfalls sehr anschaulich sind die Ranggrößen-Verteilungen für die Österreichisch-Ungarische Monarchie gemäß den Volkszählungen seit 1869. (zzt. unv. Manuskript von E.Lichtenberger, Wien o.J.).Google Scholar
  38. 19).
    Auf ein derart duales Erscheinungsbild weisen auch die Untersuchungen von Joseph A. Swanson, and Kenneth R. Smith, and Jeffrey G. Williamson, The Size Distribution of Cities and Optimal City Size. In: Journal of Urban Economics, Vol. 1 (1974), p. 395–409, hin. Swanson et al. folgern, daß je kapitalintensiver die Produktion eines Landes erfolgt, desto größer die konkave Abweichung und umgekehrt ist. “Technologischer Dualismus” wird sich demzufolge in S-förmigen Abweichungen äußern.Google Scholar
  39. 20).
    Josef Steindl, Random Processes and the Growth of Firms, London 1965, p. 144.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1977

Authors and Affiliations

  • Christian Karsch

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